Wohnmobil auf verschneitem Stellplatz in den Bayerischen Alpen

Wintercamping in Deutschland — Heizung, Isolation, Plätze

Wintercamping erfordert Vorbereitung. Viele Camper scheuen die Kälte. Das ist ein Fehler. Wer die Technik beherrscht, findet im Winter eine Ruhe, die man im Hochsommer auf den überfüllten Plätzen niemals erleben kann. Ich bin seit 2014 viel unterwegs. Im Winter in Deutschland habe ich gelernt, dass die Temperatur im Fahrzeug stark von der Luftfeuchtigkeit abhängt.

Wann lohnt sich Wintercamping?

Die Nebensaison bietet Vorteile. Die Plätze sind leer. Man findet oft Stellplätze, die im Juli längst ausgebucht sind. Das ist ein großer Pluspunkt. Während die Touristenmassen im August um den letzten Schatten kämpfen, genießt man im Januar die Stille in den Wäldern.

Ein entscheidender Faktor ist die Verfügbarkeit von Plätzen. Viele Campingplätze schließen im Oktober oder November. Das bedeutet, man muss gezielt nach Ganzjahresplätzen suchen. Ich habe 2019 eine Woche am Tegernsee verbracht, während fast alle umliegenden Plätze bereits für die Saison 2020 winterfest gemacht hatten und die Tore geschlossen waren.

Die Preise sinken deutlich. Ein Stellplatz kostet im Dezember oft nur die Hälfte des Preises im Juli. Das lohnt sich finanziell, wenn man länger an einem Ort bleibt. Man muss jedoch die Heizkosten einplanen. Gas oder Strom kosten Geld.

Das Wetter ist unberechenbar. Es kann schneien oder regnen. Die Feuchtigkeit ist der größte Feind. Wenn die Wände kalt sind, kondensiert die Luft. Das führt zu Schimmelbildung, wenn man nicht regelmäßig lüftet.

Heizung — Truma, Diesel, Strom

Die Wahl der Heizung entscheidet über den Komfort. Die meisten Wohnmobile nutzen eine Truma Combi 4. Diese bietet 4 kW Leistung. Sie arbeitet mit Gas oder Strom. Das ist flexibel.

Gas ist im Winter sehr praktisch. Man muss nicht ständig am Kabel hängen. Allerdings leert sich die Gasflasche bei Minusgraden schneller, weil der Druck in der Flasche sinkt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man im Januar etwa 1,5 kg Gas pro Nacht verbraucht, wenn die Außentemperatur bei -5 °C liegt.

Dieselheizungen sind eine Alternative. Sie sind oft effizienter als Gasheizungen. Diesel wird direkt aus dem Fahrzeugtank entnommen. Das spart Platz für zusätzliche Gasflaschen. Viele Camper bauen sich eine autonome Dieselheizung nach, nachdem sie beim ersten Mal im Winter ohne Heizung auf einem Stellplatz in der Eifel feststellen mussten, dass die Kälte durch die Wände drang.

Strom ist die günstigste Variante. Er erfordert aber einen festen Anschluss. Ohne Landstrom ist eine elektrische Heizung kaum möglich. Die Truma Combi 4 kann beide Quellen nutzen. Das gibt Sicherheit.

Man sollte die Heizung nicht zu hoch einstellen. 20 °C reichen völlig aus. Zu viel Hitze trocknet die Luft extrem aus. Das führt zu trockenen Schleimhäuten.

Isolation und Wärmebrücken

Isolation ist entscheidend. Ein einfacher Standardaufbau reicht oft nicht aus. Die Wärme entweicht über die Wände. Besonders kritisch sind die Fenster.

Wärmebrücken entstehen an technischen Durchführungen. Das sind Stellen, an denen die Isolierung unterbrochen ist. Hier bildet sich oft Kondensat. Man kann dies mit speziellen Dichtungen minimieren.

Ich nutze oft Thermomatten für die Fenster. Diese Matten halten die Kälte draußen. Sie verhindern, dass das Glas eiskalt wird. Das reduziert den Energiebedarf der Heizung spürbar.

Ein Fehler ist das zu dichte Schließen der Lüftungsschlitze. Man denkt, man hält die Wärme besser fest. Aber das führt sofort zu Feuchtigkeit im Innenraum. Die Luft muss zirkulieren können, damit die Feuchtigkeit abtransportiert wird.

Die Bodenplatte ist oft eine Schwachstelle. Viele Wohnmobile haben hier nur wenig Dämmmaterial. Ein dicker Teppich hilft. Er isoliert gegen die Kälte von unten.

Frischwasser bei Minus-Graden

Gefrierendes Wasser zerstört Leitungen. Das ist ein teurer Fehler. Man muss das System schützen.

Die wichtigste Maßnahme ist eine Tankheizung. Es gibt spezielle Heizmatten, die man um den Wassertank legt. Diese Matten werden elektrisch betrieben. Sie halten die Temperatur konstant über dem Gefrierpunkt.

Alternativ kann man eine Beheizungsmatte nutzen. Diese wird direkt an die Leitungen geklebt. Das ist sinnvoll, wenn der Tank gut isoliert ist, aber die Zuleitungen durch den kalten Unterboden laufen. Ich habe 2021 in einem Stellplatz in Bayern erlebt, wie ein Wasserhahn platzte, weil die Leitung im Bodenbereich nicht ausreichend geschützt war.

Man kann auch warmes Wasser in den Tank füllen. Das ist eine kurzfristige Lösung. Es hält aber nicht lange vor. Man muss das Wasser regelmäßig austauschen.

Im Zweifelsfall sollte man das Wasser ablassen. Das ist die sicherste Methode. Wenn die Temperaturen unter -10 °C fallen, ist das Risiko zu groß. Dann hilft nur noch der Kanister.

Abwasser im Frost

Abwasser ist ein Problem. Die Grauwasserleitung liegt oft im Außenbereich. Dort friert das Wasser schnell ein.

Ein gefrorener Schlauch lässt sich nicht einfach auftauen. Man braucht oft einen Heizstab. Das dauert lange. Es ist besser, die Leitung vor dem Frost zu leeren.

Die Kassette beim Chemie-WC muss ebenfalls geschützt werden. Viele Camper lagern die Kassette im Auto. Das ist sinnvoll, weil der Innenraum geheizt wird. Wenn die Kassette draußen bleibt, friert der Inhalt ein.

Man kann spezielle Frostschutzmittel für das Abwasser nutzen. Diese Mittel sind biologisch abbaubar. Sie verhindern das Einfrieren der Leitungen. Aber man muss die Dosierung genau beachten.

Nach dem Entleeren sollte man die Leitung kurz mit warmem Wasser spülen. Das entfernt Reste, die sonst gefrieren könnten. Das spart Ärger beim nächsten Mal.

Beste Plätze in Deutschland

Nicht jeder Platz ist wintertauglich. Man braucht Plätze mit Strom und Sanitäranlagen.

Der Camping Bannwaldsee bietet gute Bedingungen im Winter. Die Infrastruktur ist stabil. Auch der Camping Allweglehen ist eine gute Adresse für kalte Tage. Dort sind die Stellplätze oft so angelegt, dass man Windschutz hat.

In Bad Münstereifel gibt es ebenfalls Plätze, die ganzjährig geöffnet haben. Man sollte vorab prüfen, ob die Sanitärgebäude beheizt sind. Ein kaltes Waschhaus macht das Wintercamping ungemütlich.

Die Lage des Platzes ist wichtig. Ein Platz im Tal ist oft kälter als einer am Hang. Windgeschützte Plätze sparen Heizkosten. Ich bevorzuge Plätze mit viel Baumbestand, weil die Bäume den Wind brechen.

Achten Sie auf die Bodenbeschaffenheit. Matschige Plätze sind im Winter problematisch. Ein fester Untergrund ist besser.

Stromanschluss: 16 A nicht 6 A

Der Stromanschluss ist kritisch. Viele Stellplätze bieten nur 6 Ampere an. Das reicht für eine Heizung nicht aus.

Wenn die Truma Combi 4 auf Strom läuft, zieht sie viel Leistung. Ein 6-Ampere-Anschluss bricht sofort zusammen, wenn man gleichzeitig den Wasserkocher einschaltet. Man braucht mindestens 16 Ampere.

Prüfen Sie das vor der Ankunft. Fragen Sie den Platzwart direkt nach der Amperezahl. Das spart Frust beim Aufbau.

Ein zu schwacher Anschluss führt zu Spannungsabfällen. Das kann die Elektronik im Wohnmobil beschädigen. Es ist ein Risiko, das man nicht eingehen sollte.

Ich habe immer ein hochwertiges CEE-Kabel dabei. Es muss für hohe Lasten ausgelegt sein. Billige Kabel werden bei Dauerlast warm. Das ist gefährlich.

Welche Heizung ist die beste?

Die Truma Combi 4 ist ein Standard, weil sie mit Gas und Strom arbeitet. Eine Dieselheizung ist effizienter für lange Reisen. Die Wahl hängt von der vorhandenen Infrastruktur ab.

Friert der Tank ein?

Ja, das passiert sehr schnell bei Minusgraden. Man sollte eine Tankheizung oder Beheizungsmatten verwenden. Im Extremfall muss man das Wasser komplett ablassen.

Brauche ich eine Schutzdecke?

Eine Schutzdecke für das Fahrzeug ist meist nicht nötig. Wichtiger ist die Isolation der Fenster und der Bodenplatte. Eine Abdeckung kann aber bei starkem Schneefall helfen.

Wenn man im Winter loszieht, sollte man die Batterien prüfen. Eine schwache Batterie liefert nicht genug Strom für die Heizung. Das ist ein häufiger Grund für Probleme auf dem Stellplatz. Ich habe 2022 in einem Waldstück in Sachsen eine Nacht verbracht, nachdem meine Batterie durch die Kälte plötzlich die Spannung verloren hatte, sodass die Heizung mitten in der Nacht einfach ausging.

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Stefan Brenner reist seit 2014 mit Wohnmobil und Caravan durch Europa und Nordamerika. Mehr zur Person: Über mich.