LPG-Umrüstung im Wohnmobil — Festgastank statt Camping-Flasche
Camping-Gas vs Festgastank — der Unterschied
Die klassische 11-kg-Propan-Flasche ist der Standard für viele Camper. Sie ist handlich und einfach zu tauschen, wenn der Druck nachlässt. Eine Füllung kostet aktuell etwa 24 €, wobei die Heizleistung bei einer Winterstellung je nach Außentemperatur nur etwa 5 bis 7 Tage reicht. Das ist oft zu wenig für lange Touren.
Wir machen es anders. Ich habe 2019 in einem Stellplatz in der Nähe von Lyon gemerkt, dass das ständige Schleppen der schweren Flaschen im Staufach extrem nervig wird, während die Gasversorgung mitten in der Nacht plötzlich abriss. Das passiert oft, weil man den Füllstand der Flasche nicht präzise ablesen kann.
Ein Festgastank hingegen ist fest im Fahrzeug verbaut. Er nutzt meist flüssiges LPG statt des gasförmigen Propans aus der Flasche. Das System arbeitet mit einem Druckregler und einer speziellen Tankfüllung, die eine höhere Energiedichte bietet.
Man muss den Unterschied verstehen. Während die Flasche nach dem Entleeren leer ist, lässt sich der Festtank einfach an einer Autotankstelle wieder auffüllen.
Vorteile des Festgastanks
Die Reichweite ist der größte Pluspunkt. Ein 35-Liter-Tank von Truma bietet deutlich mehr Vorrat als zwei oder drei herkömmliche Flaschen, obwohl das Volumen auf den ersten Blick vielleicht nicht so massiv wirkt wie ein ganzer Stapel Flaschen.
Das Tanken geht schnell. Man fährt einfach an eine Zapfsäule und füllt das LPG direkt in den Tank, sodass man nicht mehr nach speziellen Gasfachhändlern suchen muss, die Propanflaschen tauschen.
Die Kostenersparung ist real. Für LPG in Deutschland wird für das Jahr 2026 ein Preis von ca. 0,95 € pro Liter kalkuliert, was deutlich günstiger ist als der Preis von 1,10 € pro kg bei herkömmlichem Propan.
Es spart Platz. Die Flaschenhalterungen im Innenraum oder im Keller können für andere Dinge genutzt werden.
Einbau, Kosten und Genehmigung
Ein Umstieg auf ein Festgastanksystem ist eine Investition. Ein Truma DuoControl mit 35 Litern kostet etwa 1.450 €, wenn man den reinen Anschaffungspreis betrachtet. Hinzu kommen die Montagekosten beim Fachbetrieb, die meist bei ca. 600 € liegen.
Das ist teuer. Man sollte das Geld nur ausgeben, wenn man viel unterwegs ist.
Der Einbau muss durch einen zertifizierten Betrieb erfolgen. Das ist gesetzlich vorgeschrieben, weil die Sicherheit der Gasleitung und die korrekte Verankerung des Tanks im Fahrgestell lebenswichtig sind. Nach dem Einbau erhält man eine Bescheinigung für die Fahrzeugpapiere.
Ich habe das beim zweiten Mal anders gemacht. Beim ersten Mal wollte ich die Kosten sparen und die Leitungen selbst verlegen, was aber zu Problemen bei der Abnahme führte, weil die Biegeradien der Kupferrohre nicht den Normen entsprachen.
Die Dokumentation muss stimmen. Der Truma G2-Aufkleber muss am Tank deutlich sichtbar angebracht sein, damit die Prüfer sofort erkennen, dass das System den aktuellen Sicherheitsstandards entspricht.
Befüllen in Europa — Adapter und Tankstellen
In Europa ist das Tanken von LPG unterschiedlich einfach. In Spanien und Portugal gibt es ein dichtes Netz an Tankstellen von Repsol und BP, wo man problemlos LPG findet. Dort ist das System sehr zuverlässig.
In Deutschland ist es unkompliziert. Man nutzt die vorhandenen Autotankstellen.
Die Schweiz und Italien sind schwieriger. Dort ist LPG nur an wenigen Stellen autopas-tauglich, was die Planung der Route erschwert, wenn man nicht genau weiß, wo die nächsten Zapfsäulen stehen.
Man braucht Adapter. Ein Set aus ACME-, DISH- und Bajonett-Adaptern kostet etwa 35 € und sollte in jedem Wohnmobil liegen. Ohne diese Teile steht man oft vor einer Zapfsäule und kann den Tank nicht befüllen, obwohl das Gas eigentlich verfügbar wäre.
TÜV/GET — Pflichten und Fristen
Die Sicherheit wird regelmäßig geprüft. Neben der normalen Hauptuntersuchung beim TÜV ist der Gas-Endgeräte-Test (GET) zwingend erforderlich. Diese Prüfung muss alle 2 Jahre durchgeführt werden und kostet etwa 80 €.
Das ist Pflicht. Wer die Prüfung verpasst, riskiert im Falle eines Schadens den Versicherungsschutz.
Der Prüfer kontrolliert die Leitungen auf Dichtheit und prüft die Brenner der Heizung sowie des Kochers. Er stellt sicher, dass keine Undichtigkeiten vorliegen, während er die Flammenstabilität der Endgeräte genau unter die Lupe nimmt.
Die Dokumentation der Prüfung muss im Fahrzeug mitgeführt werden. Das spart Zeit bei Kontrollen durch die Polizei oder bei der Anmeldung auf Campingplätzen.
Welche Modelle passen für welches Wohnmobil
Nicht jeder Tank passt in jedes Fahrzeug. Die Stützlast des Wohnmobils darf durch das Gewicht des Tanks nicht überschritten werden. Ein voller 35-Liter-Tank wiegt deutlich mehr als eine leere Flasche.
Die Positionierung ist entscheidend. Meist wird der Tank im Unterflurbereich oder in einem speziellen Fach am Fahrgestell montiert, damit die Belüftung gewährleistet bleibt.
Bei kleineren Kastenwagen wie einem Fiat Ducato muss man genau auf die Maße achten. Oft gibt es spezielle Halterungen, die verhindern, dass der Tank bei Vibrationen arbeitet oder die Leitungen beschädigt.
Ich habe 2021 in einem Mietwagen in Italien gesehen, dass der Tank so ungünstig platziert war, dass er die Anhängerkupplung blockierte. Das zeigt, wie wichtig eine saubere Planung vor dem Kauf ist.
Man sollte immer die ZGM (Zulässige Gesamtmasse) im Blick behalten. Wenn der Tank schwerer ist als die alten Flaschen, muss man eventuell an anderer Stelle Gewicht einsparen, damit die Achslast nicht zu hoch wird.
Lohnt sich der Festgastank für Gelegenheits-Camper?
Für jemanden, der nur zweimal im Jahr für zwei Wochen fährt, ist der Aufwand zu groß. Die hohen Anschaffungskosten amortisieren sich bei einer geringen Fahrleistung kaum.
Kann ich überall in Europa LPG tanken?
Nein, das ist ein Irrtum. Während Spanien und Portugal sehr gut versorgt sind, muss man in Italien oder der Schweiz gezielt nach autotauglichen Stationen suchen.
Was sagt der TÜV zum DIY-Einbau?
Der TÜV akzeptiert keine Eigenbau-Lösungen bei Gasanlagen. Der Einbau muss zwingend durch einen Fachbetrieb erfolgen, damit die Anlage eine entsprechende Zulassung erhält.
Wie laut ist die Pumpe beim Tanken?
Das Geräusch ist deutlich hörbar, aber nicht extrem laut. Es ist ein mechanisches Summen, das während des Füllvorgangs an der Zapfsäule entsteht, was aber für die Umgebung meist kein Problem darstellt.
Kann ich Camping-Flasche und Festgastank kombinieren?
Das ist technisch möglich, aber kompliziert in der Steuerung. Meistens entscheidet man sich für eine Lösung, um die Systemkomplexität und das Risiko von Fehlbedienungen gering zu halten.
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