www.CampAmerika.de
Ein Reisebericht von Britta und Markus Hachenberger
Tagebuch
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Teil 1 Frankfurt - New York - Niagara - Algonquin - Forillon
Teil 2
Kouchibouguac - Acadia - Chicago - Memphis - M. Cave
Teil 3
G. Smoky Mts. - Cumberland I. - Disney - Florida Keys
 Teil 4
 Gulf I. - New Orleans - Big Bend - Carlsbad C. - White Sand
 Teil 5
 Chiricahua - Saguaro - Phoenix - San Diego - Highw. No.1
 Teil 6
 San Francisco - Redwood - Yosemite - Death V. - Vegas
 Teil 7
 Lake Mead - G. Canyon - Monument V. - Arches - Bryce - Zion
Teil 8
G. Teton - Yellowstone - Glacier - Waterton - Banff - Jasper
Teil 9
Edmonton - Elk I. - Riding Mt. - Fort William - Toronto
Teil 10
Epilog

 
Tagebuch
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Teil01
Teil02
Teil03
Teil04
Teil05
Teil06
Teil07
Teil08
Teil09
Teil10

Reiseverlauf
Reiseverlauf

Teil01
Teil02
Teil03
Teil04
Teil05
Teil06
Teil07
Teil08

Gesamtkarte Nordamerikas mit Links zu Einzelstaaten
Gesamtkarte

Alle Bilder nach Regionen geordnet
Fotoalbum

Reisevorbereitungen und Wissenswertes
Reisevorb

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Ausrüstung
Auszeit+Job
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bilder/minnesota/LakeSuperiorHimmelsee.jpg
Lake Superior, Minnesota


 

Das soll mein letzter Eintrag ins Tagebuch sein. Ich sitze hier an meinem kleinen Tisch, an dem ich meistens gesessen habe, wenn ich mir den Kopf über deutsche Grammatik zerbrach oder einfach noch mal die vergangenen Tage vorbei passieren ließ. Ich habe eine Unmenge Zeug in dieses Tagebuch geschrieben und habe bis zum heutigen Tag in keinen Eintrag der vorausgegangenen Tage mehr hinein geschaut. Alle Einträge sind am Ort des Geschehens entstanden, auch wenn es nicht immer ganz so angenehm war, sich gleich hinzusetzen und etwas über das Erlebte zu schreiben. Oft saß ich wie jetzt, früh am Morgen, hier und schaute mir den Anbruch eines weiteren Tages an, immer so nah, immer so direkt, wie ich es kaum vorher je gesehen habe. Jetzt regnet es - und immer wenn es regnet, hört man die Tropfen auf das Camperdach fallen und ich bin nicht mehr in der Lage weiterzuschlafen. Darüber bin ich nicht böse, denn nirgends habe ich einen Wetterumschwung, den beginnenden Regen, so intensiv miterlebt wie hier. Es gibt schweren Regen, der mit lautem Knallen auf die Oberfläche unserer Kabine auftrifft und es gibt leisen Regen, der eher wie das sanfte Rieseln von Sand klingt. Manchmal ist es ein richtiger Regenguss, der so schlagartig aufhört wie er angefangen hat. Und manchmal ist der Übergang von Trockenheit zu Regen so unmerklich, weil sich der Regen so langsam anschleicht und immer stärker wird, daß man das Gefühl hat, es hätte schon immer geregnet. Und an manchem Morgen bin ich durch das monotone Getropfe auf unserem Dach auch wieder eingeschlafen. Zuhause höre ich die Tropfen auf meinem Dach nicht. Zuhause regnet es nur.
Ich habe so oft über unsere Umgebung geschrieben, so oft über Amerika oder Kanada, dass ich immer wieder nach Worten gesucht habe, um die Landschaft zu beschreiben. Es hört sich sicher vieles gleich an und es könnte der Eindruck entstehen, kein Ort sei etwas besonderes. Manchmal habe ich ganze Kapitel geschrieben, während ich an anderen Orten nur wenige Worte gemacht habe. Dabei ist jeder Ort etwas besonderes. Auch die weniger bekannten Stätten haben alle ihren Reiz und wenn man sich Zeit lässt, findet man die Besonderheiten, die jeden einzelnen Ort ausmachen. Meine Einträge sollten eigentlich nicht zu sehr werten, eher beschreiben. Doch ich habe natürlich immer meinen persönlichen Eindruck hinterlassen, was für den einen hilfreich und verständlich, für den anderen aber absolut unverständlich sein kann. Man sollte aber auch immer bedenken, dass ich keinen Reiseführer geschrieben habe, sondern ein Tagebuch, einen Reisebericht, dessen Einträge immer von meinen Stimmungen und von anderen Einflüssen - zum Beispiel vom Wetter - geprägt sind. Nicht alles kann und soll also genauso nachempfunden werden. Aber ich für meinen Teil  habe auf dieser Reise die Erfahrung gemacht, dass es ein viel intensiveres Erlebnis ist, wenn man seine Gedanken, seine Gefühle oder auch nur die Geschehnisse aufschreibt. Ich erinnere mich besser an die Orte und habe immer die passenden Bilder parat. Und es bleibt mir für immer erhalten, jede Phase der Reise, jeder Tag, fast jede Stunde ist für mich immer wieder abrufbar, und das macht dieses Tagebuch für mich zu einem unschätzbaren Wertgegenstand. Dieses Jahr hier in Nordamerika war nämlich mehr als nur eine Reise - es war vielmehr eine Lebenserfahrung.
Daß ich diese Erfahrung mit meiner Frau machen konnte, und daß unsere Beziehung allen Widrigkeiten dieser Reise getrotzt hat, darauf bin ich besonders stolz. Es gibt zwei wesentliche Gründe, warum sich viele unserer Freunde eine solche (Tor) -tour für sich nicht hätten vorstellen können. Der eine Grund ist immer der Job, der andere die Befürchtung, nicht so lange mit seinem Partner auf so engem Raum zusammenleben zu können. Es war manchmal auch nicht gerade einfach, doch was ist schon einfach. In einer Zeit, in der sich ein Drittel deutscher Ehen schon in den ersten fünf Ehejahren vor dem Scheidungsrichter wiederfinden, können wir uns tatsächlich gegenseitig auf die Schultern klopfen. Dabei wäre solch ein Unternehmen alleine gar nicht möglich gewesen. Britta und ich waren von der ersten Minute voneinander abhängig. Das beginnt beim Anschaffen des Reiseetats bis zur Bewältigung der Rückreiseformalitäten. Alleine wären wir regelrecht aufgeschmissen gewesen. Da fällt mir ein, dass wir eine Menge älterer Menschen getroffen haben, die sich mit dem Eintritt ins Rentenalter ein Wohnmobil gekauft haben und jetzt durch die Gegend reisen. Das hört sich wirklich toll an. Doch viele dieser Paare sind dann das erste Mal in ihrer Beziehung auf engstem Raum 24 Stunden am Tag zusammen und das vielleicht nach 40 oder mehr Ehejahren. Da kann es auch - nach dem was wir so von anderen gehört haben - nach 40 Jahren nochmal so richtig Krach in der Bude geben. Doch kaum jemand lässt sich deshalb gleich scheiden. Sie raufen sich eben zusammen und plötzlich entdeckte unüberwindbare Gegensätze werden halt toleriert und als Facette des bunten Lebens angesehen. Nichts ist so, wie wir es gerne hätten. Und ich ziehe meinen Hut vor jedem älteren Paar - vor jedem Paar -, dass sich auf so engem Raum arrangieren kann. Wenn man mal gelernt hat, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen, dann sollte eigentlich niemand mehr vor solch einer Reise zurückschrecken, aber auch vor sonst keiner Herausforderung. In der Zeit, in der wir in Nordamerika unterwegs waren, haben sich zwei Paare aus unserem Freundeskreis getrennt und eins stand kurz davor. Was will uns das sagen? Wir sind von Natur aus alle Egoisten.
Seltsam ist, dass ich zum jetzigen Zeitpunkt, einen Tag vor unserer Abreise, gar keine Trauer empfinde. Vielmehr ist es wie ein Gefühl, etwas geschafft zu haben. Nicht etwas Schlimmes, wie eine Prüfung oder einen Haufen Arbeit, sondern eher wie eine Aufgabe, die ich sowieso hätte bewältigen müssen, die mir aber keine Schwierigkeiten bereitet hat. Es ist so, als hätte ich mir etwas bestätigt, als hätte mein Tun und Lassen erst mit dieser Reise einen richtigen Sinn bekommen. Vielleicht ist es ja auch so, denn mit dieser Reise hat sich für Britta und mich eine Menge geändert.

01. September 2001

Dieses Datum wird für immer ein ganz besonderer Tag für uns sein. Genau vor einem Jahr begann unser unbezahlter Urlaub und damit eine Zeit, von der wir vorher nur träumten. Es wird für uns wohl immer ein magisches Datum bleiben. Schon sehr früh ist Britta heute morgen zur Arbeit gefahren. Für sie wird mit dem heutigen Tag der Alltag zurückkehren. Ich bin schon seit einigen Wochen mit Arbeit ausgelastet, obwohl ich meinen unbezahlten Urlaub um ein weiteres Jahr verlängert habe. In erster Linie habe ich das getan, um diese Internetseite in aller Ruhe fertigstellen zu können. Andererseits habe ich aber auch die Sehnsucht, mich beruflich etwas zu verändern und versuche mich nun als Selbständiger. Nordamerika hat mich auf ein anderes Gleis gebracht. Doch für Britta beginnt heute wieder ihr altes Berufsleben. Sie fängt dort an, wo sie vor einem Jahr aufgehört hat, als wäre nichts gewesen. Sie freut sich über die neuen Herausforderungen. Wie auch ich mich regelrecht auf die Arbeit gestürzt habe. Nach einem Jahr Nichtstun war Arbeit eine willkommene Abwechslung.
Amerika ist so weit weg. Die ganzen elf Monate sind in den Hintergrund gerückt. Mit der Landung auf dem Frankfurter Flughafen hat sich unser Erlebnis erst mal wie in Luft aufgelöst. Wir wurden großartig von unseren Liebsten empfangen und vom ersten Augenblick an waren wir wieder Zuhause. Nur ganz selten musste ich an Amerika denken, viel zu aufregend war die ganze Entwicklung hier in good old germany. Wir bezogen eine neue Wohnung, mussten uns anmelden, registrieren, etablieren und auch legitimieren. Die ganze Bürokratie in umgekehrter Reihenfolge. Wie schön war es doch, als kein Hahn nach uns krähte. Jetzt sind wir wieder wer, nämlich ein registriertes Ehepaar mit Lohnsteuerkarte und Sozialversicherungsnummer.
Es regnet übrigens an diesem Morgen und wie vorausgesehen, nahm ich den Regen erst wahr, als ich den Rolladen hochzog und sich so langsam das Tageslicht über der Landschaft ausbreitete. In unserem Camper hätte ich schon im Aufwachen gewusst, dass es regnet.

26. September 2001

Soeben bin ich mit der Bearbeitung des Tagebuchs fertig geworden. Ich habe jeden einzelnen Eintrag noch einmal gelesen und konnte mich bei jeder Zeile an das Erlebte zurück erinnern. Ich habe noch einmal an den vielen Seen gestanden, bin noch einmal die vielen Wege gelaufen und blickte noch einmal aus dem Fenster unseres Campers, wo sich jeden Tag ein anderes Panorama auftat. Bis zum heutigen Tag war Nordamerika ewig weit entfernt. Doch es war die Distanz in meinem Kopf, die das Erlebte so weit in den Hintergrund rückte, und ich blickte nur selten einen Moment zurück. Noch vor 26 Tagen habe ich selbst festgestellt, dass wir uns in einem Eingliederungsprozess befinden, dass wir das Alte zurücklassen, um für Neues Platz zu schaffen. Das Neue beansprucht unsere volle Energie, die gesamte Kapazität, dass ich manchmal gar nicht glauben kann, dass wir noch vor drei Monaten in Ontario am Lake Superior weilten. Weit weg von Terminen, Telefonklingeln, Medien, Lärm und unendlich vielen Verpflichtungen, die meinen ganzen Tag füllen und manchmal sogar die Nacht. Jetzt erinnere ich mich wieder langsam.
 

19. Dezember 2001

www.CampAmerika.de ist so gut wie fertig. Nur noch der Epilog fehlt. Doch was würde ich jetzt erwarten, wenn ich diese ganze Seite gelesen hätte? Was gibt es hier noch hinzuzufügen? Steht nicht schon alles im Tagebuch? Wahrscheinlich!

Unsere Reise durch Nordamerika war ein Erlebnis ganz besonderer Art. Sie hat unser Leben nachhaltig verändert. Sie hat uns verändert. Und wenn ich ernsthaft darüber nachdenke, dann erkenne ich nur positive Dinge, die ich dieser Reise zu verdanken habe. Noch nie in meinem Leben habe ich so klar erkannt, welche Werte mir wichtig sind. Noch nie war mir so klar, welchen Weg ich einschlagen muß, um glücklich zu sein. Mein Selbstvertrauen war nie stärker, mein Wille etwas zu bewegen nie konkreter. Ich bin wie ausgetauscht. Selbst in meinem Beruf ist ein Wandel eingetreten, dem ich mit Spannung und großer Erwartung entgegenblicke.

Natürlich empfinde ich auch etwas Wehmut bei dem Gedanken, dass dieses Erlebnis nun endgültig ein Ende gefunden hat. Doch es gibt für alles seine Zeit. Jetzt kommt erst einmal etwas anderes.
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Das war das letzte Bild, das ich in Amerika gemacht habe. Was könnte das bedeuten?
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