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Story |
Hidden Valley, Joshua
Tree NP, California
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05.-07. März
2001 - San Francisco
Was macht eigentlich
eine Stadt aus? Ich meine, warum hebt sich eine bestimmte Stadt von anderen
Städten ab? Bestimmt nicht nur, dassl sie anders aussieht oder dass
sie eine Brücke hat. Eine Stadt ist nicht nur nach ihrem Äußeren
zu beurteilen. Eine Stadt wird erlebt, man fühlt und spürt sie
förmlich. Wenn es viel regnet, ist sie nass. Wenn die Sonne vom Himmel
brennt, ist sie heiß. Liegt das Hotel an der Straße, ist die
Stadt laut. Liegt das Hotel am Golden Gate Park, ist sie ruhig.
Es kommt letztendlich auch auf die Gemütsverfassung an, wie eine Stadt
abschneidet, denn ansonsten sind Großstädte meistens gleich,
nämlich laut, dreckig und sicher ein bisschen von allem, was sonst
noch so auf der Liste steht. Aber San Francisco hebt sich tatsächlich
von den anderen amerikanischen Städten ab. Und das liegt nicht daran,
dass wir in noch keiner anderen Stadt so viele Bettler und Obdachlose gesehen
haben wie in San Francisco. Vielleicht liegt das auch an ihrem Ruf,
besonders tolerant zu sein. Aber es ist einfach der individuelle Baustil
an den machmal sehr steilen Hängen, der San Francisco eine
ganz eigene Note verleiht. So wirkt Frisco aus der Ferne eher wie
eine spanische oder italienische Stadt, wären da nicht die Hochhäuser
des Financial Districts. Wie bunte Farbkleckse sehen die meist nicht
mehr als dreistöckigen Häuser aus der Ferne betrachtet aus. Die
Erdbeben der Vergangenheit veranlasste die Hausherren eher zur bescheidenen
Bauhöhe als zu futuristischen Bauriesen. Dabei konnte auch der traditionell
viktorianische Baustil eingehalten werden, der mit seinen Erkern und Holzverzierungen
so verspielt und dennoch edel aussieht. Die scheinbar unüberwindbaren
Hügel in San Francisco verstärken das Gefühl, sich
kontinuierlich in einem Auf uns Ab zu bewegen, so wie es die Bewohner der
Stadt wahrscheinlich schon seit 150 Jahren tun. Das bringt Abwechslung
und hält die Seele in Schwung, sagen die Chinesen, die hier in San
Francisco, neben den Japanern und Mexikanern sehr stark vertreten sind.
Aber selbst die Amerikaner der Stadt sind sehr unterschiedlich und man
trifft vom Yuppie über den Hippie bis zum Punk alles in ausgewogener
Anzahl an. Wir haben drei volle Tage in der Stadt verbracht und sind insgesamt
90 km mit unserem Auto durch "die Straßen von San Francisco"
gefahren und haben eine ganz beträchtliche Anzahl auch zu Fuß
zurückgelegt. Wir haben 90% aller Sehenswürdigkeiten gesehen
und alle Eindrücke aufzuzählen, würde den Rahmen dieser
Seite sprengen. Dennoch kann man getrost zusammenfassen: Chinatown
ist leider nichts weiter mehr als ein Touristendorf mit Läden, die
genau das verkaufen, was überhaupt gar nichts mit China zu tun hat.
Die Chinesen selbst kaufen wahrscheinlich schon längst bei Saveway
ein. Keine Atmosphäre, kaum Chinesen. Alcatraz ist spannend
und abschreckend zugleich, was genau die richtige Mischung für eine
gute Story ist. Die Tour auf die Gefängnisinsel ist zwar teuer, aber
die Audiotour durch den Gefängnisbau ist einmalig und wirklich ihr
Geld wert. Die Lombardstreet ist nur eine Straße, von
denen es in Europa tausende gibt. Der Golden Gate Park ist ein Traum
von einem Stadtpark und lässt bezüglich Freizeitaktivität
keinen Wunsch offen. Der japanische Teegarten ist sein Eintrittsgeld nicht
wert, zumal der kostenlose Botanische Garten viel größer ist
und auch eine sehr gelungene japanische Abteilung zu bieten hat. Der Coit-Tower
ist ebenfalls kaum die Fahrt mit dem Aufzug wert, da man oben zwar einen
ganz schönen Blick auf die Stadt hat, dieser aber durch Fensterscheiben
und Mauern beeinträchtigt ist. Außerdem sind die Ausblicke,
die man kostenlos aus den höher gelegenen Straßenzügen
hat, viel eindrucksvoller und bereichern nicht eine habgierige Chinesenunternehmung,
die für eine Aufzugfahrt von 20 Stockwerken umgerechnet 8.- DM pro
Person haben möchte. Fishermans Wharf ist zwar auch alles
andere als authentisch, dennoch ist das Treiben an den kleinen Fressbuden
und Restaurants sehenswert und wer gerne Krabben isst, für den ist
das Hafengelände ein gefundenes Fressen. Der Pier 39 besteht
zwar auch nur aus Touristenfallen, ist trotzdem schön hergerichtet,
auch wenn der Film "San Francisco the Adventure" , der dort in einem
Kino gezeigt wird, ein kleiner Reinfall ist. Eine Fahrt auf die Twin
Peaks ist jedem ans Herz zu legen, hat man doch von dort oben den wohl
besten Blick über die Stadt und die Bay. Doch ein Erlebnis
besonderer Art ist die Golden Gate Bridge und der auf der Nordseite
liegende Teil der Golden Gate National Recreation Area. Es sind
schon zu viele schöne Worte um die Brücke gemacht worden, als
dass ich da noch meinen Senf dazu geben muss. Es ist tatsächlich ein
ganz großer Brückenschlag.
Natürlich
kommt Wehmut auf, wenn man nach drei Tagen dieses San Francisco
verlässt, weiß man doch nie genau, ob man diese große
Stadt in seinem Leben noch mal wieder sehen kann. Doch wir sind und bleiben
nur Reisende und blieben wir länger, würden wir mit jedem Tag
mehr zu einem Teil der Stadt werden, und uns käme auch diese Metropole
vor wie eine simple Zusammenrottung von Menschen, die Dreck produzieren
und Lärm machen. Der Zauber wäre verpufft und die Brücke
nichts weiter als eine Straße auf Stelzen. Man muss sich manchmal
den besonderen Dingen im Leben entziehen, um den Zauber noch zu empfinden
und ihn nicht mit Routine zu zerstören.
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09. März
2001 - Sonoma Coast SB
Der Wind peitscht
uns um die Ohren, die Wellen, die hier an denn Strand schlagen, sehen bedrohlich
aus, und mich könnten keine zehn Pferde dazu bringen, hier schwimmen
zu gehen. Erstens ist das Wasser kälter als man das vom Pazifik eigentlich
gedacht hat und zweitens ist es tückisch. Die Strömung könnte
einen glatt umhauen und aufs offene Meer hinausziehen. Dazu steht die Sonne
am Himmel, als wäre sie nie hinter Wolken verschwunden gewesen und
verbrennt einem - ohne dass man davon auch nur den Hauch spürt - die
Haut. Der Wind ist daran schuld. Er bläst so stark durch die winzigsten
Öffnungen und kühlt dabei den ganzen Organismus ab. Das kniehohe
Gras beugt sich unter den Kräften, denen es ausgesetzt ist und seine
rhythmische Bewegung breitet sich wie in Wellen über die Sanddünen
aus. Der starke Wind erschwert zudem das Gehen ungemein, ganz zu schweigen
vom Sand, der das Vorankommen noch erschwerlicher macht. Es fröstelt
einen und ich frage mich, warum wir uns das antun?
Die Elemente,
die an der Sonoma Coast aufeinandertreffen, sind zwar nicht gerade
menschenfreundlich und leicht zu ertragen, aber sie sind einfach urtypisch
für diese Küste. Sie sind verantwortlich für alles, was
hier wächst und gedeiht. Und sie bringen tausendfach wundervolle Dinge
zustande. In ihrer Konstellation bringen sie eine Landschaft hervor, die
es nur hier zu bewundern gibt und das sicher schon seit Tausenden von Jahren.
Seit einer Ewigkeit schlagen hier die Wellen ans Land und werfen Strandgut
aus weit entfernten Welten ans Ufer. Dieses liegt dann für Jahre und
Jahrzehnte am Strand, bis es der Wind und die salzige Luft in Nichts aufgelöst
haben. Die Möwen suchen sich aus dem Allerlei, was das Meer ans Ufer
wirft, ihren Teil heraus. Es ist nicht sehr angenehm, hier zu sitzen und
den Flug der Möwen zu beobachten. Wie die hohen Wellen den Sand im
Wasser aufwirbeln und sich die Gicht schäumend über den gesamten
Strand ausbreitet. Trotzdem ist man gefesselt von den Vorgängen hier
in menschenunfreundlicher Umgebung. Wie gespannt schaue ich auf die Brandung
und jeder kurze Moment, in dem sich nicht sofort eine neue Welle aufbaut,
lässt in mir die Vorstellung aufkommen, es könnte jemand den
Rhythmus der Wellen ausgeschaltet haben und mit einem Mal verstumme das
Rauschen. Doch natürlich kommt sofort die nächste Welle, als
wolle sie mir zeigen, dass die Brandung des Pazifiks unendlich ist und
nie aufhören wird ans Ufer zu schlagen, und sie ist es ja auch. Noch
lange nach meinem Ableben werden hier an der Sonoma Coast
in immer gleichem Rhythmus die Wellen ans Ufer getragen und der Wind wird
wahrscheinlich auf ewig dem Gras in den Dünen zusetzen - eine wundervolle
Vorstellung. Lässt sie für mich doch die Möglichkeit zu,
immer wieder hierher zurückzukommen und das Schauspiel aufs Neue zu
bewundern.
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11.-14. März
2001 - Sonoma, Napa Valley
Es hat sich wieder
einmal bestätigt: Hat man einmal Freundschaften in den USA geschlossen,
lebt man als Gast wie Gott in Frankreich und erfreut sich außergewöhnlicher
Annehmlichkeiten. Oft sind die entstehenden Kontakte um drei oder mehr
Ecken herum und trotzdem haben wir nie das Gefühl, unerwünscht
zu sein oder sogar zu stören. Dabei laden uns Menschen ein, die wir
erst fünf Minuten kennen und die absolut noch nicht wissen können,
ob es sich bei uns um anständige Leute oder einfach nur um Dreckskerle
handelt. Doch die Leute hier in Sonoma sind so vorbehaltslos gastfreundlich,
dass wir uns wirklich wie zuhause fühlen. So haben wir hier Christine
aus
England wiedergetroffen, deren Tochter (Rosa) und Familie (Patrick,
Felix und Maria) hier in Sonoma ein kleines Häuschen bewohnen.
Nur durch Zufall standen gerade zwei Freunde von Patrick vor
der Haustür, wovon uns Benet gleich zum BBQ einlud. Seine Frau
(Sheila) und deren Freunde ( Kevin und Leslie) hießen
uns noch am gleichen Abend willkommen und wir verbrachten einen ausgesprochen
unterhaltsamen Abend unter neu gewonnenen Freunden.
Sheila führte
uns dann einen Tag später durch das Beaulieu Vineyard, ein
Weingut der gehobenen Klasse, in dem sie als Trade Relations Specialist
arbeitet. Bei uns wäre sie sicher nur Weinhändlerin. Das Weingut
erwies sich im wahrsten Sinne des Wortes als "großartig" und der
Wein, den wir dort bezogen, war gut, aber teuer. Doch den größten
Eindruck hinterließ bei mir die wunderschöne Landschaft. Das
Napa-Valley
und
das Sonoma-Valley sind eine Augenweide für den Reisenden, obwohl
sie dem heimischen Rheinhessen doch sehr ähneln. Doch das kann nur
für unsere Heimat sprechen. Wenn die Abendsonne die Weinberge in ein
weiches Licht taucht und hölzerne Scheunen den Weg säumen, dann
erfährt man die Schönheit dieser Region. Man muss hier verweilen,
einen Spaziergang durch das attraktive Sonoma machen, auf dem Square
(so
etwas wie der Stadtpark) umherlaufen, sich die geschmackvollen Geschäfte
anschauen, einen Kaffee in einer der netten Kneipen trinken und die umliegenden
Weinberge betrachten. Dann erst fängt die Region an, auf einen zu
wirken und erst dann entfaltet sich der volle Zauber dieser berühmten
Weingegend.
Aber es steht
außer Zweifel, dass wir durch den Aufenthalt in Patricks und
Rosas
Haus eine Menge Dinge über die amerikanische Lebensweise erfahren
haben. Für unsere Reise war diese Erkenntnis eine ausgesprochen lehrreiche
Erfahrung. Der Einblick, den wir in einen ganz normalen Familienhaushalt
hatten, ist von unschätzbaren Wert für uns, wenn es darum geht,
die Menschen hier in diesem Land einzuschätzen. So müssen sich
die Amerikaner meines Erachtens mit viel mehr Problemen rumschlagen als
unsereins. Die amerikanische Familie mit zwei Kindern in einem kleinen
Haus hat dermaßen viele Ausgaben, dass man sich unweigerlich fragt,
wie sie dafür aufkommen kann. Des Rätsels Lösung liegt nicht
selten in der Überziehung der Konten, in einem Land, in dem die Krankenversicherung
mit 20% Selbstbeteiligung über 1000.-DM monatlich kosten kann. Nicht
selten werden hier die Kreditkartenkonten mit mehreren tausend Dollar überzogen.
Die Medien haben ihren Anteil daran, jedem eine Welt voller Luxus vorzuführen,
in der es gilt, jeden Mist zu kaufen, um in der Gesellschaft im richtigen
Licht stehen zu können. Doch nur wenige können sich das leisten,
obwohl die meisten am Megakonsum teilnehmen. In den USA ist es nur ein
kleiner Schritt zwischen Reichtum und Ruin und so manch erfolgreicher Arbeitnehmer
sieht sich nach Verlust seines Jobs auf der Straße wieder, da er
sich weder Wohnung noch Auto mehr leisten kann, sich aber für diese
auf Jahre hinaus verschuldet hat. Eine durchaus normale Karriere. Ich glaube,
die Zeiten sind schon lange vorbei, als die Weltbevölkerung noch glaubte,
dass in Amerika das Leben paradiesische Ausmaße hätte. Nirgends
muss man härter arbeiten, um einen angenehmen Lebensstandard zu erreichen
und im Vergleich auch oft länger als der Rest der arbeitenden Bevölkerung.
Urlaub und Kündigungsschutz sind so selten im Wortschatz des Arbeitnehmers
wie Sparkonto und Unverschuldung. Nur wenige erreichen den Zenit des größenwahnsinnigen
Reichtums einer Elitegesellschaft, die darauf aus ist, das Geld schön
in den eigenen Reihen zu belassen und dem Rest des Proletariats nur per
Fernsehen zu demonstrieren, was es verpasst hat. Amerika ist sehr arm.
Arm an Kultur und sozialem Verstand. Und die Geschichte des Tellerwäschers
ist eine Farce.
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18.-19. März
2001 - Redwood NP
Baum ist Baum
und Wald ist Wald. Weit gefehlt! Nicht dass ich daran geglaubt habe, dass
Wälder prinzipiell alle gleich aussehen. Nein, eher dass ich als Anti-Biologe
- und wahrer Holzklotz, was meine Florakenntnisse angeht - kaum einen Baum
vom anderen unterscheiden kann und sich mir gerade noch der Unterschied
zwischen Nadelbaum und Laubbaum erschließt. Doch schien sich in meiner
dann doch beschränkten Vergangenheit kein Wald vom anderen durch besonders
starken Modergeruch oder übermäßigen Schädlingsbefall
abzuheben. Zwar stehen hier die Bäume etwas dichter und dort wächst
mehr Grün am Boden, doch zuguterletzt ist es nur ein Wald, der einfach
schlechte Karten hat, wenn mal ein Brand durch den selbigen fegt. Doch
nicht mal ein Feuer kann den Redwoodbäumen an der nordkalifornischen
Küste etwas anhaben, und das ist nur eine von hundert Auffälligkeiten,
die einen Redwoodwald von einem Wald, wie ich ihn bisher kannte, unterscheidet.
Klar, Redwoods - wie sie liebevoll genannt werden und was irrtümlicherweise
auf kleine Artgenossen schließen ließe - sind die größten
Lebewesen der Erde. Das habe ich auch vorher gewusst. Ich wusste sogar,
dass sie sehr alt werden können. Doch es ist mir unmöglich, die
Eindrücke zu schildern, wenn man in einem Wald voller Redwoods
spazieren geht und sich in eine andere Welt versetzt fühlt. Wenn man
vor einem dieser monumentalen Riesen steht und an seine bis zu dreißig
Zentimeter dicke Borke fasst. Seinen Blick an dem kerzengeraden Stamm nach
oben schweifen lässt und das Gefühl hat, man blicke einen Highway
in Texas entlang, dessen Ursprung sich am Horizont auf einen Punkt
in der Größe eines Stecknadelkopfes konzentriert. In Wirklichkeit
ist die Baumkrone so hoffnungslos weit entfernt, dass man die Spitze des
Riesen gar nicht ins Auge fassen kann. Aber es ist nicht nur ihre Größe,
es ist auch ihr Alter von bis zu 2000 Jahren, das mich vor Ehrfurcht erstarren
lässt. Diese Bäume nehmen nicht nur den Platz ein, auf dem sie
stehen. Sie beanspruchen mehr als den Grund und Boden um sie herum. Sie
sind in der Luft und im Wasser. Sie nehmen einfach die ganze Atmosphäre
in Anspruch. Und sie sind Zeugen längst vergangener Tage, jedes einzelne
Exemplar hat schon lange bevor die ersten Indianer das Land besiedelten
dieses Fleckchen Erde bewohnt. Und ihre Vorfahren haben schon mit den Dinosauriern
zusammen gelebt. Und so kommt einem der Spaziergang auch vor, als würde
man sich in der Welt der Dinosaurier aufhalten, in der halt alles etwas
größer ist. Wie in einem Märchenwald, in dem Elfen umherschwirren
und Einhörner an verborgenen Bachläufen trinken. Überall
grünt der Farn und in dessen Schutz wächst Klee so groß
wie Marmeladenglasdeckel. Auf umgestürzten Baumriesen wachsen neue,
kleine Redwoods heran, als bedienten sie sich einer kleinen Stufe,
um schneller in die Höhe zu wachsen. Und überall stehen die dicken
Stämme der mächtigen Bäume. Manche sind von unten her ganz
hohl und böten einer Kleinfamilie genügend Wohnraum. Andere wachsen
so unvermittelt aus der Erde heraus, dass man glauben möchte, ein
Riese hätte seinen Zahnstocher in die Erde gerammt. Und manchmal knarrt
einer dieser Zahnstocher in einem tiefen, langanhaltendem Ton, als wolle
er ein altes Lied singen.
Die ersten weißen
Menschen hatten aufgrund der riesigen Fläche, die einst von Redwoods
beansprucht wurde, den Eindruck, den Wald könne man nie ausbeuten.
Der Holzvorrat schien ewig zu sein und die Methoden, mit denen um die Jahrhundertwende
gefällt wurde, gaben dazu auch kaum Anlass. Doch das zeigt mal wieder,
wie einfältig der Mensch ist und wie beschränkt seine Denkweise.
Weil es genug Redwoods gab, schlug man sie der Reihe nach um und
Holz wurde eine erschwingliche Ware. Auch nachdem die Fällmethoden
und Werkzeuge moderner wurden und ein Abholzen im großen Stil begann,
dachte kein Mensch an den schwindenden Bestand. Im Gegenteil. Mit der Zeit
perfektionierte man die Methoden und kam regelrecht auf den Geschmack.
Man überlege sich das mal genauer. Hier wurden Bäume gefällt,
die 2000 Jahre und mehr auf dem Buckel hatten. Einer nach dem anderen.
Exemplare von mehr als hundert Metern Höhe und nicht selten mit einem
Umfang von 20 Metern. Dass dabei der gesamte Redwoodbestand beinahe vor
die Hunde ging, das bemerkte kaum jemand, wären da nicht einige aufmerksamen
Mitbürger gewesen, die durchaus registrierten, dass die einstigen
8000km2 Wald zu einer Fläche von gerade mal 400 km2
zusammengeschrumpft ist. Das erinnert an die Ausrottung der Büffel.
Habgierig und sinnlos. Schade, dass der Mensch so einfältig ist und
so kurzsichtig handelt.
Wir hatten auf
jeden Fall noch das ergreifende Vergnügen, dem höchsten Lebewesen
der Erde gegenüber zu stehen. Dem Tall Tree, einem Redwood
mit der unglaublichen Höhe von 112,1 Metern. Ganz unscheinbar steht
er inmitten anderer Baumriesen und erfreut sich seiner fast lächerlichen
600 Jahre. Von unten sieht man ihm seine wahre Grösse nicht an. Doch
er selbst genießt es mit Sicherheit, über allen anderen Lebewesen
zu stehen.
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21. März
2001 - Frühlingsanfang
Endlich ist es
soweit. Jetzt ist auch laut Kalender endlich Frühling, schließlich
wussten wir es schon seit mindestens einer Woche. Die Temperaturen sind
noch um einige Grad gestiegen und nachts läuft nur noch selten die
Heizung, die auf 15°C voreingestellt ist. Heute in Redding hatte
es sogar schon 26°C. Zum Frühlingsauftakt schien die Sonne und
überall sah man schon bunte Blumen blühen und üppiges Grün
leuchten. Noch
nie habe ich die Jahreszeiten so bewusst wahrgenommen wie in diesem Jahr,
in dem wir hier in Nordamerika unterwegs sind. Der Sommer im letzten
Jahr war endlos lang, da wir ihn durch unseren Weg nach Süden künstlich
verlängert hatten. Der Herbst war kaum wahrnehmbar, höchstens
an der leichten Verfärbung des Laubes. Doch bevor das Laub zu Boden
fiel, wechselten Palmen in Florida die Laubbäume
des Ostens ab und die behalten bekanntlich im Winter ihre Blätter.
Der Winter kam plötzlich und unvermittelt. Er traf uns hart, da wir
gehofft hatten, die Winterjacken nicht gebrauchen zu müssen. Doch
jetzt, da er ganz offensichtlich vorüber ist, wollte ich ihn nicht
missen. Der Frühling hingegen schleicht sich so langsam an. Wenn man
im März durch die Sierra Nevada fährt, muss man eigentlich
noch überall mit Schnee rechnen. Dieses Jahr ist es relativ mild und
nur noch oberhalb 1600 Meter trifft man auf größere Schneefelder.
Wenn man dann wieder zurück in die Täler fährt, dann grünen
die Weiden und Bäume mit jedem Höhenmeter mehr, den man sich
den Berg hinunterschlängelt. Die ersten Wildblumen stehen auf den
Weiden und färben die Landschaft in ein helles Gelb oder in ein leichtes
Violett. Aber das habe ich auch schon zuhause beobachtet und wer nicht
ganz in seine Arbeit abgetaucht ist, der wird dieses Phänomen jedes
Jahr aufs Neue entdecken können.
Hier ist es noch
etwas anders. Hier kann ich den Frühling nicht nur sehen oder gar
riechen, ich fühle ihn regelrecht. Wenn ich abends den Sonnenuntergang
beobachte, dann strahlt der Himmel ein anderes Licht aus. Die Farben sind
wärmer und kräftiger. So geht es auch mit mir. Ich fühle
mich plötzlich viel lebendiger und mein Tatendrang ist kaum zu bremsen.
Ich empfinde eine neue Lust, die Welt zu erobern und stecke voller Energie.
Diese "Frühlingsgefühle" sind in diesem Jahr noch viel intensiver.
Vielleicht liegt es daran, dass ich die Jahreszeiten - ja die ganze Natur
- in diesem Jahr in Nordamerika viel intensiver erlebe.
Wir trafen heute
übrigens mitten in der Pampa auf der Suche nach einem Plätzchen
für die Nacht ein nettes Camperpärchen, die im Mai einen Monat
nach Europa fahren. Sie starten in Paris, wollen aber dann schon
recht bald Freunde in Gau-Bickelheim besuchen. Als ich das hörte,
war mir wieder klar, dass Gau-Bickelheim doch der Nabel der Welt
ist.
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24. März
2001 - Grover Hot Springs SP
Heute ist mein
Geburtstag. Wie oft habe ich mir vorgestellt, wie wohl Weihnachten, Silvester
oder mein Geburtstag in Amerika verlaufen werden, auch wenn ich zuhause
kein extremer Anhänger von zelebrierten Feierlichkeiten bin. Doch
ich fragte mich immer wieder, welchen Wunsch man sich dann wohl erfüllen
wird. An Weihnachten waren wir gut essen und Silvester haben wir (wunschlos
glücklich) verschlafen. Für meinen Geburtstag haben wir uns nichts
Besonderes vorgenommen und doch wurde es einer unserer schönsten Tage
überhaupt. Schon am Morgen kam ich in den Genuss liegenbleiben zu
können, da mir Britta das Frühstück zubereitete. Eigentlich
ist das nämlich mein Job, doch am heutigen Tag wurde ich von der ersten
Minute an verwöhnt. Ich bekam einen frisch aufgebrühten Kaffee
und dazu gab es selbstgemachten Nuss-Zimtkuchen. Wie jeden Morgen ließen
wir uns die wichtigste Mahlzeit am Tag genüsslich munden, bevor wir
uns zu einem Spaziergang aufmachten. Die Sonne steht schon hoch am Himmel,
als wir das Hot Springs Valley
durchschreiten. Die Bergketten um das Tal herum sind noch schneebedeckt
und schimmern im Licht der Sonne. Das Gras auf der Weide ist noch braun
von der monatelangen Belagerung durch Schnee und Eis. Doch es dauert nicht
mehr lange und man wird die ersten Blüten auf frischen grünen
Gras sehen. Wir steigen den Hang hinauf und das Rauschen des Hot Spring
Creek wird immer intensiver. Genährt von der Schneeschmelze erreicht
der ansonsten harmlose Bach recht beachtliche Ausmaße und ergießt
sich an verschiedenen Stellen über die steilen steinernen Stufen.
Wir entledigen uns der meisten unserer Kleider und baden unsere Füsse
im kühlen Nass. Die Kälte ist kaum länger als wenige Sekunden
auszuhalten, trotzdem ist es ein wohltuendes Gefühl. Die Sonne wärmt
die Haut und zusammen mit dem stetigen Rauschen des Baches ist das die
beste Voraussetzung für pure Erholung unter freiem Himmel. Wir sitzen
unbestimmte Zeit auf den Felsen nahe am Bach und lassen einfach die Gedanken
ziehen, blicken hinauf zu den schneebedeckten Bergen und erfreuen uns am
Leben. Dann erfolgte der Abstieg zurück ins Tal. Überall durchkreuzen
kleinere Rinnsale den Weg, die sich bedingungslos die kürzeste Strecke
den Berg hinab suchen. Manchmal müssen wir auch die letzten Überreste
des sich wacker haltenden Schnees überqueren. Dabei begleitet uns
immer ein leichtes Rauschen der Pinien, das so weich klingt wie deren Nadeln
sich anfühlen. Am Camper angekommen, entfache ich erst mal ein gediegenes
Lagerfeuer und Britta macht uns einen Cappuccino. Die nächsten zwei
Stunden verbringen wir mit unseren Büchern, wobei ich nur jedem das
Buch "Wassermusik" von T. Coraghessan Boyle ans Herz legen kann.
Ich habe nur selten ein so unterhaltsames und intelligentes Buch in den
Händen gehalten. Danach packen wir unsere Sachen und gehen einen Kilometer
zu den heißen Quellen, die dem State Park seinen Namen gegeben haben.
Bei fast 40°C Wassertemperatur entspannen wir uns mit Blick auf die
umliegenden Hänge und genießen so den ausklingenden Tag. Danach
bekocht mich meine liebe Frau und es gibt Spaghetti mit selbstgemachten
Pesto und geriebenem Parmesan. Dazu öffnen wir den Pinot Noir des
Weingutes Beaulieu Vineyard, welches wir noch vor fast zwei Wochen
besichtigt haben. Und somit klingt mein erster und vielleicht einziger
Geburtstag in Amerika aus. Kann ein Tag noch besser verlaufen? CD-Gewinn!
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26.-28. März
2001 - Yosemite
Yosemite
. Ein Name ist Programm. Und wenn man noch lange nicht weiß, wie
man Amerikas beliebtesten National Park schreibt, oder um was es sich bei
diesen wohlklingenden Silben überhaupt handelt, so hat man doch den
Namen schon gehört. Es ist fast unmöglich, nichts über den
Park und seine Naturwunder zu lesen. In jedem Reiseführer ist irgendwo
ein Bild vom Park abgebildet, wenn nicht sogar auf der Umschlaghülle,
selbst wenn es sich um Reiseführer des Ostens handelt. Der Yosemite
National Park ist der Amerikaner liebstes Kind und es gibt kaum jemanden
im Land, der noch keine Reise in die sagenumwobene Landschaft unternommen
hat. Wenn man an einem Ort sein möchte, an dem schon mindestens 70-80%
aller Amerikaner gewesen sind, dann sollte man nur folgende Überlegung
nachvollziehen. Jeder National Park hat seine Hauptregion. Dort gibt es
meistens auch eine Hauptattraktion, wie zum Beispiel ein besonders guter
Aussichtspunkt, ein riesiger Baum oder einen Wasserfall. Wenn man dort
an zentraler Stelle die Toiletten benutzt, hat man sein Geschäft an
einer Stelle verrichtet, an dem wahrscheinlich alle Parkbesucher schon
mal gewesen sind. Im Yosemite National Park könnten die Region
das Yosemite Valley und die gleichnamigen Wasserfälle die Hauptattraktion
sein, an zentraler Stelle mit zugehörigem Klohäuschen. Wer hier
pinkeln geht, hat mit 70-80% der amerikanischen Bevölkerung etwas
gemeinsam. Es liegt wohl auf der Hand, dass wir genau an diesem Klohaus
die einzigen Bekannten (ausgenommen Bernd und Andrea in Chicago)
aus der Heimat getroffen haben. Walter und Gabi Gaudron
sind auf einer Busrundreise durch Kalifornien unterwegs und haben
uns ihre Reiseroute gefaxt. Vier Stunden warteten wir am Klohäuschen
der Yosemite Wasserfälle auf die uns bekannten Gesichter. Und
nur weil ganz Amerika ehrfürchtig am Zugangspfad der Fälle verharrt
und sich die Finger wund knipst, heisst das noch lange nicht, dass das
die Gaudrons auch tun müssen (typisch). Wir haben unser Treffen
der Tatsache zu verdanken, dass alle Frauen von Natur aus von Toilette
zu Toilette eilen, und wir das Klohaus zum strategischen Mittelpunkt unserer
Suche gemacht haben. Deshalb konnten wir noch eine halbe Stunde mit den
Lieben in heimatlichem Dialekt quatschen, bevor die Reisegruppe auch schon
wieder geschlossen die Weiterfahrt antrat. Die Aktion war dennoch jede
Minute des Wartens wert, hatten wir so mal wieder einen Hauch Heimat geschnuppert.
Wer jetzt auf die glorreiche Idee kommt, wir würden ja über Internet
mit unseren Freunden in Kontakt stehen und so immer einen Hauch von Zuhause
mitbekommen, der sollte sich folgende Story durchlesen:
Es fällt
mir heute besonders schwer, etwas über unsere Tage im Yosemite
National Park zu schreiben. So viele Worte wurden schon um dieses
Fleckchen Erde gemacht, dass meine Ergänzungen lächerlich wirken.
Und darin besteht die größte Gefahr überhaupt, wenn man
die Tore in ein angebliches Naturparadies öffnet. Die vielen Bilder,
die man schon gesehen hat, die vielen Bücher, die darüber geschrieben
wurden, sie alle bewirkten bei mir eine gewisse Erwartungshaltung. Wenn
dann die Realität nicht den Bildern in Hochglanzbroschüren entspricht,
weil andere Touristen den Weg versperren oder das Gras nach dem Winter
erst mal braun ist, bevor es grün wird, dann kann die Enttäuschung
groß sein. Ich habe so viel Gutes und Schönes über diesen
Park gelesen und Filme im Fernsehen gesehen, dass ich mir fast die Anreise
hätte sparen können. Alle Leute, die wir bisher getroffen haben,
stießen ein stimmungsvolles Jauchzen aus und empfahlen uns den Yosemite
National Park wärmstens. Andererseits habe ich auch so viel Negatives
über den Park gehört. Ich habe einen Freund, der auf der Schwelle
zum berühmten Yosemite Valley umgekehrt ist, da er trotz oder
wegen wunderschöner Natur im Stau stand. Die vier Millionen Besucher,
die jährlich das Valley besuchen, treten im Sommer ganze Wiesen platt
und im Herbst sieht das Tal aus wie ein Schlachtfeld.
Also fuhren wir
mit gemischten Gefühlen zu schon fortgeschrittener Stunde ins Tal
der Täler hinab und sahen nichts außer Nebel. Im Valley
hing eine graue Decke und verschleierte den Blick auf die emporsteigenden
Felswände. Und auf Höhe der Bridalveil
Falls schoss wie aus dem Nichts eine Wasserfontäne aus der dunklen
Wolke heraus. Eine wirklich seltsame Atmosphäre und ein unheilbringender
Vorbote.
Ein Erlebnis
ist von vielen Faktoren abhängig. Auch der Yosemite Park kann
zur Qual werden, wenn man sich am Ausgangspunkt eines Wanderweges anstellen
muss, um den Pfad zu gehen. Wenn der Campground trotz überhöhter
Preise keinerlei Ausstattung bietet, dann schmälert das die Freude
und damit den Erlebniswert, denn es ist immer die Summe der Dinge, die
ein Erlebnis ausmachen. Wir konnten zum Beispiel leider nicht über
die Tioga Road fahren, die noch unter tiefem
Schnee begraben lag und mitten durch den Park führt und ganz besondere
Ausblicke bereit halten soll. Auch viele Wanderwege im Valley waren
noch unpassierbar. Dafür mussten wir uns nicht zum Wandern anstellen,
und das war ein echter Segen.
Wir waren drei
volle Tage im Yosemite Valley unterwegs. Wir hatten drei Tage strahlenden
Sonnenschein. Wir haben Bill und Kathy auf dem Campground
kennengelernt und mit ihnen zusammen zwei nette Abende vor dem Lagerfeuer
verbracht. Wir sind zu den Yosemite Falls bis auf 2100 Meter hochgestiegen
und hatten von dort oben eine traumhafte Aussicht. Wir saßen an Bachläufen
und blickten ehrfürchtig die steilen Felswände empor. Schauten
auf Gipfel mit Namen wie El Capitan,Sentinel
Rock oder Half Dome. Wie sahen
das Schmelzwasser einer ganzen Bergkette die Hänge hinabstürzen.
Wasserfälle, wo das Auge auch hinblickt. Und immer wieder die grau
glänzenden Felswände, die wie Wachsoldaten um das Tal herum stehen
und manchmal pittoreskerweise glatte runde Gipfel wie Helme tragen. Rehe
laufen unbeeindruckt an uns vorbei. Im Wasser spiegelt sich der Gipfel
eines Bergriesen, und überall hört man das Rauschen von Wasser,
was unaufhörlich die Hänge hinunter strömt. Mitten im Tal
stehen die hohen Pinien zwischen deren Wurzeln sich in unzähligen
Pfützen der wolkenlose Himmel spiegelt und tausende Kleinstlebewesen
herumtoben. Nach jeder Biegung, die der Pfad macht, erschließt sich
einem ein neuer Einblick in die Welt der Wunder. Yosemite ist jeden
Meter der Anstrengung wert, und meistens gehen die Wege vom Tal direkt
in den blauen Himmel. Oben angekommen, versucht man sich die Wirkung auf
die ersten Besucher dieses Tals auszumalen. In atemberaubender Höhe
blickt man über die ganze Pracht der Felsanordnungen und gewöhnt
sich nur schwerlich an die rauschenden Flüsse, die fast aus jedem
Seitental ins Yosemite Valley hinabstürzen. Es ist einfach
traumhaft schön im Yosemite Valley. Das sollte man gesehen
haben, das muss man gesehen haben. Sei das Opfer auch noch so groß
und der allsommerliche Stau auch noch so lang. Wenn man dann die Massen
hinter sich gebracht hat und unter wenigen Gleichgesinnten die Pfade entlang
läuft, dann entschädigt das für jeden Aufwand, die lange
Anfahrt und die Parkplatzsuche. Jedes geschriebene Wort über den Park
kann der Realität kaum das Wasser reichen. Und Yosemite
kann jede noch so hohe Erwartung erfüllen, doch...
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30. März
- 01. April 2001 - Millerton Lake SRA
...wenn man gar
keine Erwartungen hat und dann an einen Ort gelangt, der zwar nicht so
spektakulär, aber dennoch wunderschön ist, dann kann das Erlebnis
genauso groß, wenn nicht sogar größer sein. Erfahrene
Traveller raten einem immer, abseits der Hauptrouten unterwegs zu sein
und dort die Oasen der Ruhe aufzutun. Millerton Lake ist eine dieser
Oasen, auch wenn hier Wassersport ganz groß geschrieben wird. Die
grünen Hügel sind mit weißem Granitgestein gesprenkelt
und niedrige Eichen und Pinien wechseln sich in lockerem Bewuchs ab. Der
kalifornische Staat hat dort mit seiner State Recreation Area ein
Paradies für Camper und Wasserfanatiker geschaffen. Terrassenförmig
sind die Stellplätze angelegt und fast jeder Platz hat einen freien
Blick auf den Stausee, der um diese Zeit seinen Wasserpegel von Tag zu
Tag erhöht. Man hört zwar hier und da ein Motorboot, doch der
See ist so groß, dass sich das Geräusch mit dem Piepsen der
Vögel vermischt und keineswegs störend wirkt. Segelboote gleiten
dahin und an einer Stelle, mitten im See, versammeln sich tausende Möwen
und veranstalten ein Gekreische, dass man glauben könnte, dort
gäbe es Freifisch. Das Kreischen hält an, bis es von dem
Quaken der Frösche abgelöst wird. Das Wasser ist klar und sauber,
aber nur Britta bringt den Mut auf, in dem kalten Wasser zu baden. Wir
haben den Gaskocher aufgebaut, den Grill in Gang gesetzt und uns bei sage
und schreibe 26 Grad unter die kleine Eiche verdrückt. Es erinnert
alles ein bisschen an Griechenland. Es erinnert ein bisschen an Urlaub.
Aber wie erkläre ich das den Lieben zuhause: Urlaub im Urlaub? Das
hört sich vielleicht doch ein wenig größenwahnsinnig an,
ist es aber nicht. Wie oft haben wir uns schon eine andere Beschäftigung
gewünscht, als morgens das Auto fahrbereit zu machen, die Sachen alle
richtig zu verstauen, einkaufen zu gehen, Kilometer um Kilometer auf Amerikas
Straßen abzufahren und abends einen Platz für die Nacht zu suchen.
Manchmal gleicht ein Tag dem anderen, obwohl wir doch jeden Tag an einem
anderen Ort sind. Wir sehnen uns beide nach sinnvoller Arbeit, endlich
morgens aufstehen und eine richtige Aufgabe haben. Da beneidet mich Britta
um meine Homepage, die mich wenigstens ansatzweise beschäftigt. Böse
Zungen behaupten zwar, dass der Wiedereinstieg nach einem Jahr Urlaub besonders
schwer sein wird, wir glauben jedoch, dass wir es kaum noch abwarten können,
uns ins Gewühl zu stürzen. Und wenn man dann an so einen Platz
kommt und "nur" noch vier Monate der Reise vor sich hat, dann lehnt man
sich noch mal zurück und genießt sein Leben in vollen Zügen.
In spätestens fünf Monaten sieht für uns der Alltag wieder
so aus wie bei tausend anderen Arbeitswütenden auch. Dann wird ein
Moment wie dieser so selten wie ein Lotteriegewinn sein und man kann sich
nicht mehr vorstellen, dass man sich mal nach Arbeit gesehnt hat. Also
legen wir schweren Herzens die Beine hoch, machen halt noch ein Lagerfeuer,
grillen uns noch ein Steak und träumen von Arbeit und Beschäftigung.
Naja, so schwer fällt es uns ja gar nicht.
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05.-06. April
2001 - Death Valley NP
Spannend war es
ja schon, als wir die Panamint Mountains ins Tal der Täler
runterfuhren. Als Europäer weiß man so gar nicht, was man zu
erwarten hat, wenn man ins Death Valley kommt. Aasgeier, die
auf abgestorbenen Baumresten sitzen und auf allzu mutige Wanderer
hoffen? Flirrende Hitze, die einem eine Limobar vorgaukelt, wo nichts als
Staub und Sand ist? Aber wie immer ist alles anders und weit eindrucksvoller
als sich das mein kleines Hirn ausdenken kann. Obwohl das mit dem
Wanderer kein Hirngespinst ist. Im letzten Sommer hat ein Deutscher versucht,
bei 38°C im Schatten einen 3 km langen Canyon zu durchwandern. Fünf
Stunden später und bei mittlerweile 45°C fand man ihn tot im Staub
liegen. Er ist regelrecht vertrocknet. So geht's, wenn man nicht auf die
Warnschilder achtet. Aber wahrscheinlich konnte er kein Englisch, wozu
auch?! Da bin ich froh, dass wir nicht im Juli 1913 im Tal angekommen sind.
Da zeigte das Thermometer lockere 57°C im Schatten an. Kurioserweise
hatte es sechs Monate vorher gerade einen Minus-Rekord von -9°C gegeben.
In diesem Jahr schien die Natur wohl verrückt zu spielen. Aber das
ist etwas, was wir einzuschätzen gelernt haben in unserer Zeit des
Reisens. Auch wenn der Mensch glaubt, er kontrolliere die Erde, so ist
die Natur nie und nimmer zu bändigen. Mit fünf Zentimeter Niederschlag
im Jahr rangiert das Death Valley nicht gerade unter den Feuchtgebieten
Amerikas. Doch als wir Regenmacher die Schwelle zum Tal überschritten,
regnete es (nicht gerade wie aus Eimern, aber immerhin soviel, dass in
den darauffolgenden Tagen etliche Blümchen in der ansonsten verdorrten
Landschaft erblühten). Auch die Tatsache, dass wir mit durchschnittlichen
Tagestemperaturen um 23°C ein absolut angenehmes Klima erlebten und
keineswegs in der Hitze schmoren mussten, überraschte uns positiv.
Wir hätten auch nicht damit gerechnet, dass sie hier mitten im Death
Valley eine Quelle gebuddelt haben, die täglich ca. 4 Millionen
Liter Wasser zutage fördert. Und dass davon 95% im Sommer auch wirklich
benötigt werden. Als wir allerdings die Palmen und den GOLFPLATZ (der
mit der Tatsache wirbt, dass er der tiefstgelegene Golfplatz der Erde ist)
mit saftigem Rasen auf der Furnace Creek Ranch erblickten,
war uns alles klar. Hier ist Wasser keine Frage des: "Woher nehmen?", sondern
eher des: "Wie verteile ich das nützliche Nass am besten auf der Grünfläche,
wenn die Hälfte des Wassers schon in der Luft verdunstet?" Aber das
ist ja nun wirklich kein Geheimnis mehr, dass die Amis die größten
Energieverschwender der Welt sind, auch wenn es durchaus reizvoll erscheint,
am trockensten Punkt der USA eine Runde Golf zu spielen. Aber das wäre
ungefähr so, als esse man im Beisein hungerleidender Kinder eine Schweinshaxe
mit Kraut und Rüben und kippte die Hälfte davon vor deren Augen
in den Ausguss. Irgendwie pervers. Wir spielten auf jeden Fall nicht Golf,
sondern erforschten den Canyon, den der verdorrte Deutsche im letzten Jahr
schon vor uns inspiziert hat, und wurden durch die Vielfalt und die Pracht
des Valleys überrascht. Kaum ein National Park ist so variationsreich
und so bunt wie der Death Valley National Park . Uns blieb regelrecht
die Spucke weg, als wir die Formen und die Farben der umliegenden Berge
sahen. Denn das Tal des Todes ist eingeschlossen von hohen Bergen, wovon
der Telescop Peak mit seinen
3368 Metern zur Zeit noch mit Schnee bedeckt ist, während direkt
unter ihm, ca. 15 km Luftlinie östlich davon, das Death Valley
mit 86 Metern unter dem Meeresspiegel als tiefste Stelle der westlichen
Hemisphäre vorzufinden ist, in dessen Ebene die Hitze flimmert und
wirklich kein Halm mehr wächst. Und das weiße Salz des verdunsteten
Wassers reflektiert die Sonnenstrahlen tausendfach und macht das bloße
Anwesendsein zur Mutprobe. Davon mehr in der folgenden Story:
Morgen verlassen
wir Kalifornien, in dem wir fast zwei Monate unterwegs waren. Wir
sind einmal hoch und einmal runter gefahren und haben nicht eine Meile
davon bereut. Kalifornien hat alles, was sich ein Land nur wünschen
kann. Traumhafte Küste, wunderschöne Berge, eindrucksvolle Städte
und idyllische Seen. Ein Spruch wie aus dem Katalog und doch kein bisschen
übertrieben. Kalifornien ist so unamerikanisch und doch deckt
es sich hundertprozentig mit der am meisten angenommenen Vorstellung von
Amerika: frei, fast schon paradiesisch, reich und reichhaltig - an Naturschätzen
und Geldmitteln, warm und vielfältig, freundlich und leise, groß
und großartig. Wäre Kalifornien ein selbständiges Land,
ich könnte mir die Frage des Auswanderns noch einmal überlegen.
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09.-11. April
2001 - Las Vegas
Wenn man bedenkt,
dass sich noch vor 75 Jahren hier in der Wüste von Nevada
der Hase und der Wüstenfuchs gute Nacht gesagt haben, dann fällt
es mir schwer zu glauben, dass die Ursache für Abermillionen Besucher
jährlich hier in Las Vegas einzig und allein der Spieltrieb
des Menschen zu sein scheint. Doch es dauerte nicht lange, dann hatte ich
verstanden, dass Las Vegas mehr als eine Spielhölle ist. Es
ist ein Vergnügungsparadies. Angefangen bei der Übernachtung
im stilvollem Hotel bis zur Abendunterhaltung in einer Entertainment-Show.
Hier kann man genau das machen, was unglaublich viel Spaß macht,
wenn man sich darauf eingestellen kann - Geld ausgeben! Dennoch fragte
ich mich des öfteren, was wohl unsere Nachfahren in zweitausend Jahren
über unsere Gesellschaft denken werden, wenn sie eine Stadt wie Las
Vegas aus dem Staub der Wüste ausgraben. Überdimensionale
Hotelkomplexe, gigantische Bauten aufwändigster Architektur. Prachtvolle
Säulengänge, hochwertig ausstaffierte Empfangssäle, marmorierte
Fußböden, goldene Kronleuchter, originalgetreue Nachbauten ganzer
Städte innerhalb der Hotels, Restaurants bis zum Abwinken, Bühnen
mit verschiedensten Unterhaltungsprogrammen, wo das Auge hinschaut,
und nicht zuletzt abertausende Spielautomaten, Spieltische, ganze Spielhallen
in aufwändigster Form ausgestattet und dekoriert. Es muss zwangsweise
unseren Nachfahren der Eindruck entstehen, wir hätten uns bis zum
Exzess amüsiert und nur den schönen Dingen im Leben gefrönt.
Vielleicht werden sie so über uns denken, wie wir über die Römer,
deren prachtvolle Bauten ebenso Rückschlüsse auf sehr angenehme
Lebensformen zulassen. Sie müssen reich gewesen sein, wussten gute
Speisen und Getränke zu schätzen und kannten durchaus den Vorteil
gut ausgestatteter und großzügig eingerichteter Wohnungen und
Häuser. Dennoch ging ihr Reich unter. Und wieder einmal wird mir so
die Vergänglichkeit unseres Seins bewusst. Ja, ich glaube tatsächlich,
dass auch Las Vegas irgendwann einmal im Sand versinkt und dass
man später die Reste einer Stadt ausgraben wird und Rückschlüsse
ziehen darf. Schade drum, ist Las Vegas doch immer eine Reise wert.
Denn ich glaube, auch die Römer hätten hier ihren Spaß
gehabt.
Ich bin eben keine
Spielernatur. Und vielleicht habe ich gerade deswegen Las Vegas
mit 20$ plus verlassen. Was aber eine sogenannte Milchmädchenrechnung
ist, da wir natürlich (wie von allen erwartet) neben unserem nicht
sehr stark ausgeprägtem Spieltrieb unseren Fresstrieb kaum unter Kontrolle
hatten. So haben wir uns täglich zweimal an "all you can eat"-Theken
gelabt und sind nebenbei seit langem mal wieder in den Genuss eines Vollbades
gekommen, da wir uns den Luxus eines Hotelzimmers gönnten. Auch fiel
es uns schwer, die etlichen Ladenstraßen zu durchschreiten, ohne
einem Kaufrausch zu unterliegen. Das wird von einem Las Vegas Besucher
erwartet und ist im Grunde das gleiche Konzept wie in Disneyworld.
Dennoch gibt es gegenüber der Traumfabrik Disney erhebliche
Unterschiede. Der größte Unterschied ist, dass Las Vegas
keine 100.- DM Eintritt kostet und dass einem der ganze Müll mit den
unendlich vielen Comicfiguren erspart bleibt. Aber auch sonst stellt Las
Vegas alle erdenklichen Vergnügungsparks in den Schatten. Ausgenommen
man empfindet keine Genugtuung mehr, wenn man sich nicht in eine halsbrecherische
Achterbahn begibt, oder ohne gesundheitsgefährdende Fahrgeschäfte,
die einen wie Ping-Pong Bälle durch Luft und Raum schleudern, einfach
nicht glücklich werden kann. Doch selbst dieses Bedürfnis kann
man auf dem Strip befriedigen.
Ich möchte
es mal so ausdrücken. Die Qualität der Attraktionen ist um ein
vielfaches höher. Das Essen schmeckt besser - auch wenn die Buffets
Einheitsküchen haben, die alle vom gleichen Anbieter beliefert werden
- und man kann sich für wenige Dollars regelrecht den Magen vollschlagen.
Die großen Hotels am Strip sind alle aufwändigst ausgestattet
und perfekt in Szene gesetzt. Geschmackvolles Mobiliar, stilvolle Einrichtungen
und oft atemberaubende Kulissen und Dekorationen. So sind die Hotels meistens
unter gewisse Themen gestellt, die man schon aus dem Hotelnamen herauslesen
kann: Luxor, Excalibur, New York New York, Monte Carlo, The Venetian,
Aladdin, Paris sind nur einige der großen Hotels, die durch ihre
eindrucksvolle Architektur die Leute anlocken. Wir waren drei Tage in Las
Vegas unterwegs und haben fast nichts anderes gemacht, als uns die
Hotels angeschaut. Und den meisten ist es gelungen, in originalgetreuer
Rekonstruktion ihr Hotelthema zu verwirklichen. So ist das Luxor
von außen einer Pyramide nachempfunden, im Excalibur
hängen überall mittelalterliche Kronleuchter und im Inneren
vom New York New York kann man auf Kopfsteinpflaster durch die Straßen
von Manhatten schlendern, während vor dem Hotel die Freiheitsstatue
in 75% der Originalgröße wacht. Im Monte Carlo überwiegen
Marmor und Prunk. Das Venetian ist ein kleines Venedig ,
mit Markusplatz und echten Wasserkanälen, auf denen Gondolieres herumschippern.
Im Aladdin fühlt man sich wie im Orient und in dem original
nachempfundenen Bazar lässt man von Zeit zur Zeit ein Gewitter entstehen,
mit Regen, Donner und allem drum und dran. Und im Paris erwartet
einen der Eiffelturm in 50 prozentiger Orginalgröße. Und das
sind nur Bruchstücke einer multikulturellen, perfekt nachempfundenen
Welt, die den Besucher bis dahin keinen Pfennig gekostet hat. Gegen Las
Vegas ist Disneyworld eine Abrissbude. Und dazu kommt
die Tatsache, dass man in Las Vegas ausgesprochen gut shoppen gehen
kann, auch wenn wir uns kaum etwas davon leisten können. Alle namhaften
Designer betreiben hier einen Laden. Und auch sonst ist die Auswahl an
Geschäften eher stilvoll als ramschartig.
Es macht uns
großen Spaß, durch die Läden zu schlendern und die vielen
tollen Dinge zu bewundern, deren Besitz durchaus als Bereicherung
bezeichnet werden kann, was man von den Waren der Geschäfte Disneyworlds
nicht
gerade behaupten kann. Und anstatt herumhüpfenden Comicfiguren mit
hirnlosen Texten und ewig plätschernder Happymusik lauschen zu müssen,
kann man sich in Las Vegas an jeder Ecke über die Vielfalt
der angebotenen Musik- und Kabarettunterhaltung erfreuen. Dort gibt eine
Gruppe, die Songs der Siebziger in ausgezeichneter Qualität zum Besten
geben, an der Bar fegt ein Pianist mit unglaublicher Geschicklichkeit durch
das gesamte Jazzrepertoire und wiederum anderswo tanzt ein Akrobat kopfüber
auf einer Hand den Mambo, ohne dabei die sechs Bälle in seiner anderen
Hand aus dem Auge zu verlieren, die in stetigem Rhythmus in der Luft einen
Kreis beschreiben.
Von den abertausenden
Spielsüchtigen - von denen es noch erschreckend viele gibt und die
hier täglich ein Vermögen ausgeben, welches den Hotels ermöglicht,
so prachtvolle Komplexe zu errichten - einmal abgesehen, ist Las Vegas
die Heimat vergnügungssuchender Kurzzeiturlauber, die nur einmal für
kurze Zeit aus dem Stress des Lebens zu entfliehen versuchen. Recht so!
Wir würden jederzeit wiederkommen.
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