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Ein Reisebericht von Britta und Markus Hachenberger
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Teil 1 New York - Shenandoah - Niagara - Algonquin - Forillon
Teil 2
Kouchibouguac - Acadia - Chicago - Memphis - M. Cave
Teil 3
G. Smoky Mts. - Cumberland I. - Disney World - Florida Keys
 Teil 4
 Gulf Island - New Orleans - Big Bend - Carlsbad C. - White Sand
 Teil 5
 Chiricahua - Saguaro - Phoenix - San Diego - Highw. No.1
 Teil 6
 San Francisco - Redwood - Yosemite - Death Vegas - LA
 Teil 7
 Lake Mead - G. Canyon - Monument V. - Arches - Bryce - Zion
Teil 8
G. Teton - Yellowstone - Glacier - Waterton - Banff - Jasper
Teil 9
Edmonton - Elk I. - Riding Mt. - Fort William - Toronto
Teil 10
Epilog

 
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White Sands NM, New Mexico


Datum
Ort
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21. Januar 2001
Chiricahua NM
Karte Arizona
22. Januar 2001
Tombstone
Karte Arizona
24.-25. Januar 2001
Saguaro NP
Karte Arizona
27. Jan. - 07. Feb. 2001
Phoenix / Mesa / Apache Junction
Karte Arizona
11.-12. Februar 2001
Joshua Tree NP
Karte California
15. Februar 2001
San Diego
Karte California
17.-19. Februar 2001
Leo Carillo SP
Karte California
21.-22. Februar 2001
Refugio SP / Solvang
Karte California
23. Februar 2001
La Purisima Mission
Karte California
24. Februar 2001
Pismo SB
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25.-27. Februar 2001
Montana de Oro SP
Karte California
01.-02. März 2001
San Simeon SP / Hearst Castle
Karte California

21. Januar 2001 - Chiricahua NM

Abermals stehe ich vor dem Problem, dass ich etwas in meinem Tagebuch beschreiben möchte, was sich nur sehr schwer beschreiben lässt. Selbst die Fotos meiner Kamera (die ich nach jedem "Trip" gleich in den Computer lade und begutachte) sind nur minderwertige Dokumente, die dem Original kaum nahe kommen. Da stelle ich - der eindimensionale Mensch, der ich manchmal bin - gelegentlich fest, dass ich durchaus eine dreidimensionale Wahrnehmung habe. Sind mir die Bilder, die mein Auge vom Chiricahua National Monument gemacht hat, doch noch sehr lebhaft und plastisch in Erinnerung. Ich könnte natürlich jetzt einen meiner Reiseführer zitieren oder sogar die Werbebroschüre des Parks, das ist trotzdem nicht das, was ich heute erlebt habe. Im Grunde Ist das Chiricahua NM eine Gebirgslandschaft, aus der steinerne Finger herausragen. Wie Geschwüre, die wie Pilze aus der Erde wachsen, sprießen sie scheinbar dem Sonnenlicht entgegen. Aber erst der Panoramablick über einen ganzen Berghang mit seinen tausend und mehr Einzelsäulen zeigt das ganze Ausmaß der natürlichen Pracht. Wir sind den ganzen Tag gewandert - die beste Art, das Erlebnis pur zu genießen. Ein Großteil der Wälder lag noch unter dünnem Schnee begraben, der die Szenerie in ein Winterwunderland verwandelte. Ein absolutes Naturerlebnis.
Der traurige Beigeschmack ist die Geschichte des Parks und wie die Amerikaner damit umgehen. Als ich diese Gesteinsformationen das erste Mal sah, dachte ich unweigerlich an Indianer. Und tatsächlich haben hier von ca. 1500 bis 1886 Chiricahua Apache gelebt und lebten bis dahin im Einklang mit sich und der Natur, bis sie von der amerikanischen Armee vertrieben wurden. Es sollten sich Siedler hier niederlassen, was dann auch einige wenige taten, bis das Gebiet dann 1924 zum nationalen Denkmal wurde. Diese Abhandlung der Geschichte, von Menschenvertreibung, Kulturzerstörung und Auslöschung einer ganzen Art, wird so selbstverständlich erzählt, wie die Berge heute noch die Namen der großen Indianerhäuptlinge tragen. Und Chiricahua ist ja kein Einzelfall. Überall in diesem Land wurden die Ureinwohner vertrieben und ermordet, damit ein paar wenige Siedler ihre Vorstellung von ihrem way of life realisieren konnten. Und in diesem Fall gerade mal 38 Jahre lang, nachdem vorher 350 Jahre lang Apache Indianer hier lebten, bis sich die amerikanische Regierung dazu entschied, das neu "erworbene" Land nach deren Ureinwohnern zu benennen. Zu allem Überfluss kann man heute noch das Fort Bowie besichtigen, ein Vorposten in puncto Indianervertreibung. Bei uns in Deutschland wäre solch eine Stätte sicherlich auch zu besichtigen. Allerdings wäre es ein Mahnmal, eine Gedenkstätte, die daran erinnern sollte, dass hier einmal etwas sehr Ungerechtes passiert ist. Die Amerikaner hissen in Fort Bowie ganz selbstverständlich die amerikanische Flagge und präsentieren das alte Fort als Meilenstein der amerikanischen Geschichte - auf dem Weg zur vollkommenen Freiheit. Da wird dem Land eine sehr zweifelhafte Ehre zuteil. Vielleicht bin ich in meinem Urteil auch etwas hart, können doch die meisten Amerikaner nichts für die Ureinwohnerpolitik ihrer Vorfahren. Doch als Deutscher hat man so seine eigene Vorstellung von Vergangenheitsbewältigung. Nicht dass ich das eine Übel mit dem anderen vergleichen wollte. Doch zumindest habe ich das Gefühl, kritischer mit der Geschichte meines Landes umzugehen.

bilder/arizona/ChiricahuaNMDichtStehendeZipfel02.jpg
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20. Januar 2001
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22. Januar 2001 - Tombstone

Tombstone heißt übersetzt "Grabstein" und ist einer der wenigen gut erhaltenen, originalen Westerncitys der Vereinigten Staaten. Allerdings ist sie durchaus an die moderne Zeit angepasst und die Allen Street zwischen den auf alt gemachten Häuserblocks ist, dem Automobilverkehr entsprechend angepasst, geteert. Doch in Tombstone erwartet einen nicht mehr Westernflair als in der künstlichen Westernstadt Alamo Village in Texas . Im Gegenteil. Hier spielt der Tourismus eine noch größere Rolle und abermals werden die Helden der Stadt mit Live-Shows geehrt. Darunter die Westernhelden Wyatt Earp und Doc Holiday. Das Städtchen, welches gerade mal von 1880 bis 1900 richtig boomte, hat außer ein paar Schießereien und zweifelhaften Helden nichts zu bieten. Die Gebäude sind nicht die Originalhäuser, die Einrichtungsgegenstände sind auf alt getrimmt. Auch wenn die monströse Theke in Big Nose Kate's Saloon einen wahrhaft urigen Eindruck auf uns macht und die Kerben und Löcher im Holz auf so manche Schießerei hindeuten, bestätigt uns der Barkeeper, dass weder die Theke noch die Einrichtung aus der Originalzeit stammen. Deshalb bleibt sie trotzdem bewundernswert und die Atmosphäre im Saloon könnte recht authentisch sein, wenn nicht wir und die restlichen Touristen hier rumsitzen würden und mit offenem Mund umherschauten. Hätten die Amerikaner um 1900 schon daran gedacht, Traditionelles zu erhalten und für nachkommende Generationen zu bewahren, wäre der Eindruck eines Western-Disneys sicherlich geringer, zumal 80% der Läden Schnickschnack zum Thema verkaufen (der Rest ist Fastfood). Aber wahrscheinlich wurde Tombstone, nachdem die Einwohner um 1900 abwanderten, von Cowboys geplündert und der Rest vergammelte fünfzig Jahre vor sich hin. Warum auch nicht. Es ist fraglich, ob eine Schießerei und 20 Jahre Stadtgeschichte für ein Museum herhalten?

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22. Januar 2001
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24.-25. Januar 2001 - Saguaro NP

Saguaro heißen die Kakteen dieser Region und sind für mich, wie sicherlich für viele andere auch, das Sinnbild dieser stacheligen Pflanzen. Kandelaber-Kaktus heißt das bis zu 18 Meter hohe Pflänzchen bei uns, obwohl er nur hier im Süden Arizonas und im Norden Mexikos in der Sonorawüste vorkommt. Unweigerlich muss ich an Lucky Luke denken, der hier zuhause ist. Ich seh diesen liebenswürdigen Zeichentrick-Cowboy genau vor mir, wie er durch steiniges Gelände über seichte Hügel durch eine Kakteenlandschaft reitet, die so kitschig aussieht, dass sie nur der Fantasie des zeichnenden Künstlers entsprungen sein kann. Doch weit gefehlt. Wie überdimensionale, mehrarmige Menschen bevölkern hier die Saguaros die Wüste. In unregelmäßigen Abständen, doch immer in sicherer Entfernung zur nächsten, stehen die Riesen inmitten einer von Kakteen geprägten Wüste. Sie beanspruchen aber nicht nur den Platz, den sie einnehmen, sie sind präsent in jeder Hinsicht. Sie gehören nicht nur hierher, sie nehmen die ganze Landschaft in sich auf. Sie wachen quasi darüber und man spürt förmlich ihre Anwesenheit. Kein Wunder, sind doch die meisten Exemplare wesentlich älter als wir. So dauert es fünf Jahre, bis eine kleine Saguaro die Größe von 2,5 cm erreicht hat. In fünfzig Jahren kann sie schon zwei Meter groß sein und erst mit 75 Jahren bekommen sie den ersten Seitenarm. Die grö0ten unter ihnen sind bis zu 200 Jahre alt, 16 Meter hoch und wiegen nicht weniger als 7.500 kg. Als sich hier dieser Kakteenbestand schon längst behauptet hatte, hat man weit und breit noch keinen einzigen weißen Siedler gesichtet. Vielleicht verursacht das die Bewunderung vor solch wahrhaft großer Leistung und echtem Alter.
Ein Besuch im Desert Museum, zwei Meilen vom Campground entfernt, rundet den Besuch im Saguaro National Park erst richtig ab. Ein Zoo und Botanischer Garten, der die Artenvielfalt der Sonarowüste eindrucksvoll darstellt. Am Faszinierendsten fand ich den Käfig der Kolibris, in den man hinein spazieren konnte. Diese Vögel sind die kleinsten ihrer Art und doch imponieren sie mit einer einmaligen Gabe. Als wir vorsichtig in den Käfig traten, schwirrten schon diverse kleine Flugobjekte um uns herum. Mit schillernden Halsfarben schossen die kleinen Flugkünstler kaum 10 cm an unseren Ohren vorbei und in atemberaubendem Tempo jagten sie sich hinterher, als wollten sie den Menschen demonstrieren, was sie so drauf haben. Als dann ein ganz Neugieriger gerade mal 30 cm vor unseren Köpfen in der Luft stehen blieb, um uns aus nächster Nähe zu begutachten, hielten wir zwangsläufig die Luft an. Abrupt nahm der Kleine seinen Flug wieder auf, um scheinbar nur für uns zu demonstrieren, welche Flugmanöver er noch so beherrscht. Das Traurige daran ist die Tatsache, dass sie eingesperrt sind, damit wir dieses Erlebnis haben können. Als wir dann schon außerhalb waren, flogen freilebende Kolibris um uns herum, wie um zu beweisen, dass es diese Vögel auch in freilebender Natur gibt (auch wenn auf der Hand lag, dass sie sich durch den verzaunten Käfig und deren Bewohner angezogen fühlten).
Die Tatsache, dass das Thermometer hier in Arizona seit wir in die Sonorawüste kamen tagsüber 20 Grad Celsius erreicht, weckt unsere Frühlingsgefühle. Man kann draußen vor dem Camper sitzen, den Blick auf die Saguaro-bewachsenen Hänge werfen und die Gedanken ziehen lassen. Es zwitschern vereinzelt ein paar Vögelchen und manchmal kommt eine weißgeflügelte Taube vorbei, um nach heruntergefallenen Krümeln zu suchen. Es ist schön hier und vielleicht stehen deshalb die riesigen Kakteen auf diesem Stückchen Erde, deren lange Schatten sich bei untergehender Sonne über das ganze Land erstrecken.

bilder/arizona/SaguaroNPBrittusUnterSaguaro.jpg
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Zum Reiseverlauf 23. Januar 2001
23. Januar 2001
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27. Januar - 07. Februar 2001 - Phoenix

Da stehen wir nun. Das Wetter ist wieder typisch deutsch und der Ort ist so unromantisch, dass er kaum der Erwähnung wert ist. Und wir sind absolut unmobil, was in einem Land wie Amerika der Verdammnis gleich kommt. Nachdem unsere Bremsen sich zu Wort oder besser zu Geräusch gemeldet haben, sind wir wieder um eine Erfahrung reicher und um nicht unerheblich viel Geld ärmer. Hier in den USA bekommt man jeden Service, den man sich wünschen kann, solange man das nötige Kleingeld hat. Schon als wir einen regulären Ölwechsel an unserem Auto vornehmen ließen, mussten wir feststellen, dass mir jede Werkstatt garantierte, den entsprechenden Ölfilter für das Fahrzeug im Regal stehen zu haben. Doch Gottvertrauen reicht dabei nicht aus, solange sich das Vertrauen auf ein Computersystem stützt, welches unser Fahrzeug leider nicht auflistet. Dann ist jeder freundliche Werkstattleiter nur Werkzeug einer Maschinerie, die außer den einheimischen Fahrzeugen nichts kennt, denn Autos, die hier nicht üblich sind, für die gibt es auch keine Ersatzteile. Selbst der Misubishi-Händler in Phoenix (unser Pick-Up ist ein L200 von Mitsubishi) lachte unseren sehr zuvorkommenden Bremsendienst-Manager der Werkstattkette Midas aus und wünschte diesem viel Glück bei der Beschaffung von ganz gewöhnlichen Bremsklötzen. Und jetzt sitzen wir hier auf einem überfüllten KOA-Campground fest, dürfen das Fahrzeug nicht bewegen - oder zumindest nur unter der Bedingung, die Bremsen nicht zu betätigen, was zwar funktioniert, aber zu einigen gewagten Fahrmanövern führt - und harren der Dinge, die da über uns hereinbrechen werden. Wir haben schon damit gerechnet, einige Dollars in unser Fahrzeug zu investieren - was fälschlicherweise den Eindruck erwecken könnte, dass man das Investierte irgendwann einmal doppelt heraus bekäme - doch in einem Land, in dem die Lebenshaltungskosten im Vergleich zu deutschen Verhältnissen derartig hoch sind, kann ein Bremsklotzwechsel durchaus ans "Eingemachte" gehen. Es sieht fast danach aus, als bekäme man Standardreparaturen für einen Knopf und einen Klicker. Diese werden mit Geldern, die durch außergewöhnliche Reparaturen eingenommen werden, subventioniert. Es sieht fast danach aus, als stehe unserem Fahrzeug eine außergewöhnliche Reparatur bevor.
Jetzt sind wir ein halbes Jahr in Nordamerika und uns stehen fast auf den Tag genau noch weitere sechs Monate zur Verfügung. Was ich so empfinde bei dem Gedanken, die Halbzeit erreicht zu haben, das habe ich in eine Story gepackt:

Die Hälfte ist um

Aber die Geschichte mit unseren Bremsen ist noch nicht zu Ende und entpuppte sich im nachhinein als Lehrstück des richtigen Lebens. Wie so oft stehe ich vor der Entscheidung, eine Wahl zu treffen, nämlich: Akzeptiere ich nun den Preis oder bemühe ich mich um ein besseres Angebot? Nach dieser Odyssee mit den unscheinbaren Asbest-Klötzchen - die in jedem Fahrzeug dieser Erde eingebaut sind, und so viel verschiedene Fahrzeugtypen es gibt, so viel verschiedene Bremsklötzchen gibt es scheinbar, vielleicht sogar noch mehr, obwohl sie alle ein und die gleiche Aufgabe haben, nämlich: die Backen zusammenzudrücken und damit eine möglichst hohe Reibung auf einer metallenen Scheibe auszulösen, was zur Folge hat, dass sich die mit der Scheibe fest verbundenen Räder ihrerseits immer langsamer drehen, bis sie zum Stehen kommen. Diesen Vorgang nennt man "bremsen" und kann beim Autofahren zuweilen ganz hilfreich sein. ---Wo war ich? Auf jeden Fall habe ich meine Strategie bezüglich der  Preisvergleiche grundlegend geändert und stelle folgende Frage in den Raum: Ist es die Mühe wert, sich nach besseren Angeboten umzuschauen, wenn man in 50% der Fälle eh damit rechnen muss, dass die Bemühungen zu nur noch größeren Ausgaben führen oder sogar zu verheerenden Situationen, die nur durch den Umstand entstehen, Angebote prinzipiell als zu hoch anzusehen und davon überzeugt zu sein, etwas Billigeres auftun zu können? Mein Bremsenerlebnis in Phoenix belegt diese These und schildert sich wie folgt:
Als ich freitags mit der Kabine im Huckepack beim Bremsenspezialist BreaksPlus   vorfuhr, behauptete der Manager, er hätte mit Gewissheit die Bremsbeläge da, doch er könne mein Fahrzeug nicht mit Kabine in die Werkstatt fahren. Außerdem hätte er heute (Freitag) zu viel zu tun, ich solle morgen wiederkommen. (Das wäre es gewesen! Doch das schien mir alles zu einfach) Also fragte ich auf dem Campground einen vertrauenserweckenden "Hobbymechaniker", der auch gleich mehrere Werkstätten nannte, wovon sich eine besonders professionell anhörte: "Midas inserierte letzte Woche mit einem Angebot für 69$ pro Achse." Na, wenn das nicht ein Schnäppchen ist?! Doch als erfahrener Auf-das-falsche-Pferd-setzer wartete ich mit meiner Entscheidung bis zum Samstagmorgen. Doch dann schien mir das Angebot von  Midas einfach das beste zu sein. Dort wurde mein Fahrzeug auseinandergenommen und der überaus freundliche Manager Mark bestätigte mir, dass er solche Bremsbacken in seinem Leben noch nie gesehen habe und dass es kaum möglich wäre, am Wochenende die Teile woanders aufzutreiben. Ich solle mich am Montag noch mal bei ihm melden. Während er am Montag mit Gott und der Welt telefonierte und zu verschiedenen Tageszeiten verschiedene Fahrgestell-, Chassis- und Motornummern telefonisch bei mir abfragte - wobei ich in regelmäßigen Abständen bei ihm anrufen musste - versuchte ich die originalen Bremsbeläge beim heimischen Mitsubishi -Händler in Deutschland bereitlegen zu lassen. Ich rechnete schon nicht mehr mit einer positiven Benachrichtigung. Zwischendurch rief ich persönlich die Mitsubishi -Werkstatt in Phoenix an, um festzustellen, dass auch dort die Ersatzteilmitarbeiter nicht über den Rand ihrer Computer hinausschauen können. Wenn ich kein Fahrzeug fahre, das in Amerika gelistet ist, kann man mir auch die Bremsbacken nicht besorgen. Nachdem mir Mark  von Midas auch eine Absage erteilte, bestellte ich am Dienstag bei Mitsubishi in Deutschland Bremsbacken per UPS-Express. Dass die Fracht 1,5 mal so teuer war wie die hundertmarksteuren Bremsbacken machte mich auch nicht mehr nervös. Am Freitag nachmittag kam das Päckchen dann an und für einen kurzen Moment dachte ich, die Welt wäre wieder in Ordnung. Diesmal fiel meine Wahl erst auf Wal-Mart, doch die machen nur Reifen und Ölwechsel. Dann fuhr ich in eine private Auto-Werkstatt, doch die wollten meine selbst mitgebrachten Teile nicht einbauen, da sie dafür keine Garantie übernehmen konnten. Dass ich Original-Ersatzteile in der Hand hielt, interessierte nicht. In meiner Verzweiflung fuhr ich zum aller ersten Laden BreaksPlus, die vor Arbeit kaum wussten, wo ihnen der Kopf stand und sie könnten meine Bremsen nur ungern (wegen der eigenen Teile) am darauffolgenden Samstag machen, wenn ich noch vor 8 Uhr in der Frühe da wäre. Also fuhr ich wieder bei Mark (Midas ) vor, aber auch dort platzte die Werkstatt aus allen Nähten. Auch er konnte mich nur bis zum Samstag vertrösten. Doch hier gab es noch etwas zu bedenken. Mark wollte 180$ für das Wechseln der Bremsbacken und BreaksPlus nur 80$. Nun stand ich wieder vor der Entscheidung: Geld oder Vertrauen. Auch diesmal entschied ich mich für das Geld und lag damit das erste Mal seit einer Woche richtig. Mein Mitsubishi L200 wurde bei BreaksPlus innerhalb drei Stunden abgefertigt. Er bekam neue Bremsbeläge, die bei BreaksPlus vorrätig im Regal lagen, weil meine Bremsbacken - die Original-Ersatzteile aus Deutschland, die für viel Geld einmal über den großen Teisch geflogen wurden - NICHT PASSTEN! Sie waren schlicht und einfach zu klein. Der Vergleich mit den alten Backen war selbst mir Anti-Schrauber möglich. Die Reparatur kostete (wegen der Bremsbacken von BreaksPlus) letztendlich 110$, doch ansonsten läuft die Karre wieder wie geschmiert und bremst wie am ersten Tag.
Was habe ich jetzt daraus gelernt? An einem anderen Tag in meinem Leben wäre ich vielleicht direkt zu BreaksPlus gefahren und hätte mir viel Ärger und Geld sparen können. Doch das war eben einer der  50%-Tage an denen man sich einfach nach etwas günstigerem umschaut und letztendlich ein vielfaches davon bezahlt, von der Mühe und der Zeit ganz abgesehen. Meine Überlegung geht nun soweit, dass man ungeachtet der Kosten prinzipiell immer die erste Möglichkeit in Betracht ziehen sollte. Immer das Nächstbeste wählt und keine grossen Preisvergleiche anstellt. Auch wenn man zu 50 prozentiger Wahrscheinlichkeit nicht das günstigste Angebot erhält, nicht den kürzesten Weg fährt oder einfach nur aufs falsche Pferd setzt, so kann man doch davon ausgehen, dass man mit hundertprozentiger Gewissheit sich immer die geringste Mühe macht. Und das kann auf die Dauer echt gesundheitsfördernd sein. Wenn unterm Strich eh das gleiche raus kommt, dann kann ich meine Nerven schonen.
Die Rechnung könnte aufgehen, wenn da nicht die Zufälle wären die das Leben ausmachen. Aufgrund der Tatsache, dass wir einen Zwangsaufenthalt von über einer Woche auf dem KOA-Campground hatten, lernten wir Michael kennen, ein Rad-Semi-Profi, der sich wegen der besseren Trainingsbedingungen in Phoenix aufhält. Für uns war es eine grosse Freude mit ihm zwei Tage rumzuziehen, da er seit langem der erste Nicht-Rentner ist, der mit uns in Kontakt kam. Er zeigte uns seine Lieblingsbar, sein Lieblingswanderweg und wir hatten alles in allem eine tolle Zeit mit ihm. Sein Hund Charlie war obendrein ein ganz lieber Gefährte den wir beinahe behalten hätten. Aber in erster Linie genossen wir die Unterhaltung mit einem anderen Menschen, der sich nicht von Fast-Food ernährt, der keinen Potenzwagen fährt und obendrein noch ein sehr angenehme Erscheinung ist. Das alles hätten wir nicht erlebt, wenn wir gleich zu BreaksPlus gefahren wären. Vielleicht sollte alles so kommen?

Jetzt  stehen wir schon fast zwei Wochen in Mesa bei Phoenix auf dem  KOA-Campground. Unsere Bremsen sind endlich gemacht und jetzt warten wir nur noch auf diverse Päckchen aus Deutschland. Einerseits würden wir gerne weiterkommen, andererseits haben wir hier momentan alles, was das Herz begehrt. Das Wetter ist spitze und lässt richtige Frühlingsgefühle aufkommen. Britta verbringt viel Zeit am Pool und der Whirlpool ersetzt  für sie den Saunabesuch. Abends sitzen wir oft lange draußen und zelebrieren für dieses Jahr die ersten BBQ's. Also, es ist nicht zu hart, hier auf ein paar Päckchen aus Deutschland zu warten. Wir machen halt mal Urlaub vom Reisen. Es sei uns gegönnt. Unter anderem ist meine digitale Kamera kaputt gegangen. Da stellte sich mir seit langem mal wieder die Frage, ob ich die Pflege der Homepage von den USA aus aufrecht erhalten kann. Eine neue brauchbare digitale Kamera kostet auch im Land der unbezahlbaren Möglichkeiten ihre 700.-DM, nicht gerade wenig um seinen Lieben zuhause ein paar Eindrücke zu verschaffen. Von Anfang an habe ich das Ausmaß dieser Homepage unterschätzt und die Pflege erweist sich nicht immer als einfach. So ist die Anzahl der einzelnen Dateien auf ein erschreckendes Maß angewachsen, deren Verwaltung ohne entsprechende Verzeichnisse kaum noch möglich ist. Ich möchte nur soviel anmerken: Die Pflege dieser Homepage hängt von so vielen Faktoren ab, dass es als Reisender ohne festen Telefonanschluss manchmal nicht ganz einfach ist, eine einigermaßen ordentliche Präsentation zu realisieren. So durfte ich innerhalb dieses ersten halben Jahres einmal den Homepage-Anbieter komplett wechseln, hatte des öfteren Schwierigkeiten mit der Einwahl bei T-Online, die mich vor kurzen wegen fehlender Kundendaten vollständig rausgeworfen haben, und musste einmal meine ganze Datei-Struktur komplett überarbeiten. Und das alles zwischen National-Parks und diversen Campingground-Offices, wo ich nicht selten zwischen Kühltruhen und Verkaufsregalen sitze und verzweifelt versuche, in einer 500 Seelengemeinde Anschluss an das World-Wide-Web zu bekommen. Aber das sind nur einige der bisher aufgetretenen Probleme. Aber wie man sehen kann, habe ich mich dafür entschieden, auch weiterhin den Kontakt zur Heimat über diese Homepage aufrecht zu erhalten. Doch ich hoffe, man hat Nachsicht mit mir, wenn sich mal wieder für kurze Zeit keine Bilder aufbauen und das letzte Update auf sich warten lässt.

bilder/arizona/PhoenixKOABrittaPool.jpg
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Zum Reiseverlauf 26. Januar 2001
26. Januar 2001
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11.-12. Februar 2001 - Joshua Tree NP

Zum wiederholten Male öffnen wir morgens die Jalousien unserer Fenster und blicken hinaus in eine kuriose Landschaft, in der die Natur scheinbar diverse Feldversuche gestartet hat. Zurückgeblieben sind runde Gesteinshaufen, die anscheinend willkürlich übereinandergehäuft wurden und die wie das Überbleibsel eines Riesenbabys aussehen, das die Steine erst mühevoll übereinandergestapelt hat, um sie danach mit einem Streich umzuhauen. Und nun liegen sie da und sind für die internationale Klettergemeinde eine, im wahrsten Sinne des Wortes, "Hochburg" der Freeclimbing-Szene. Aber nicht genug dieser verrückten Gesteinsanordnungen platzierte die Natur mitten hinein diese hochgewachsenen Kakteen, die eher wie vielästige Palmen aussehen und eine Größe von 10 Metern erreichen können. Als würden sie ihre Arme dem Himmel entgegen strecken und Gott anflehen. Die Mormonen  fühlten sich an den Propheten Joshua erinnert, wie er seine Arme flehend zum Himmel reckt. Daher stammt der Name Joshua Tree. Der gleichnamige Joshua Tree National Park ist ein Mischung aus Felsenmeer und botanischem Garten. Zwischen runden Felsbrocken - die vom Wasser ausgewaschene Hohlräume aufweisen und durch Erosion in die aberwitzigsten Figuren verwandelt wurden - wachsen die unterschiedlichsten Kakteenarten, die sich in atemberaubender Höhe scheinbar am Fels festgesaugt  haben. Wie hingeworfene Würfel liegen kleinere Felsbrocken herum, die den Kleinstlebewesen wie Spinnen und Käfern einen geeigneten Unterschlupf  bieten. Leider hat sich alles tierische Leben schon längst aus dem Staub gemacht, bevor wir auch nur dessen Schatten zu Gesicht bekommen. Aber oft stoßen wir auf die Exkremente der verschiedensten Arten und deren "Häufigkeit"  (welch zutreffende Doppeldeutigkeit) lässt trotz der scheinbar lebensunfreundlichen  Wüste auf reges Leben schließen. Dazu gehört auch die Tarantula Spinne, die entgegen der weitläufigen Meinung kein sehr wirkungsvolles Gift in Bezug auf Menschen in sich trägt. Der Biss dieser haarigen Zeitgenossen ist zwar schmerzlich, aber alles andere als tödlich. Aber allein die Tatsache, dass diese Spinnenart hier lebt, und das Aussehen einer solchen Spinne genügen, um die härtesten Abenteurer in die Knie zu zwingen, führt einen zur äußersten Vorsicht beim Durchschreiten von steinigem Gelände und hält einen Jeden davon ab, kleinere Steine einfach so mal herumzudrehen, um zu sehen, welcher Artgenosse darunter sein Leben fristet. Dass hier auf den Campingplätzen die Koyoten nach Fressbarem Ausschau halten und fast an die Tür klopfen, um zu fragen, ob von der letzten Mahlzeit noch etwas übrig geblieben ist, daran gewöhnt man sich als Mitteleuropäer nur schwerlich. Gehören diese wolfsähnlichen Gesellen doch ebenso zur Mojave-Wüste wie die Tarantula Spinne. Aber unbestrittener Star dieser Region ist und bleibt der Joshua Tree. Er gehört in diese Landschaft wie auch der Kreosotbusch , der eine ganz ausgeprägte Lebensstrategie verfolgt. Er reproduziert sich kontinuierlich selbst, sodass ein genetisch absolut identischer Busch entsteht. Ein bei Yuma entdecktes Exemplar konnte auf ein Alter von sage und schreibe 18.000 Jahren bestimmt werden, was bedeutet, dass dieser Zeitgenosse nach der letzten Eiszeit gekeimt haben muss. Bei solch ehrfürchtigem Alter stellt man unweigerlich fest, wie minderbemittelt der Mensch mit seinen durchschnittlich 74-80 Lebensjahren doch ist. Wie kommen wir diesem Busch wohl vor, hat er doch die Entwicklungsgeschichte des Menschen über einen sehr großen Zeitraum (persönlich) miterlebt, Tausende an ihm vorbeigehen sehen, mal gebeugt, mal mehr aufrechtgehend, mal unbekleidet, mal uniformiert bis maskiert, mal zu Pferd, mal motorisiert. Und wir maßen uns an, die Welt zu regieren? In Wirklichkeit werden wir von den Ameisen regiert, die uns zumindest zahlen- und gewichtsmäßig überlegen sind (das ist kein Witz - die Masse aller auf der Erde lebenden Ameisen übersteigt die Masse aller Menschen um ein Vielfaches) oder von den Kreosotbüschen , denen wir wie Eintagsfliegen vorkommen müssen - unbeholfen  und kurzlebig. Vielleicht glaubt eine Eintagsfliege oder eine Stechmücke auch, sie würde uns Menschen beherrschen, nur weil sie mit einem Stich  unser Leben zumindest kurzfristig zur Qual werden lassen kann. Doch wir erfreuen uns nach dem Ableben einer uns quälenden Stechmücke noch viele Jahre weiterer Lagerfeuer und Grillabende und ein Aussterben der Stechmücke würden wir wahrscheinlich als Meilenstein der Evolutionsgeschichte feiern. Vielleicht erfreut sich der Kreosotbusch nach unserem Ableben auch noch lange seiner Existenz, auch wenn wir ihm zu unserer Lebzeit mit unseren Autos und Straßen ganz schön zugesetzt haben?

bilder/california/JoshuaTreeNPJumboRocksCGUmgebung.jpg
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10. Februar 2001
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15. Februar 2001 - San Diego

Ein großer Tag sollte gebührend gefeiert werden. Wir entschlossen uns, Brittas Geburtstag in San Diego zu verbringen und ein bisschen Geld unter die Leute zu bringen...nachdem wir uns ebenso entschieden hatten, weiterhin illegal in den USA zu sein, da die Verlängerung unserer Aufenthaltsgenehmigung sich so langsam als Farce abzeichnete. Als Durchschnittseuropäer und zudem geldbringender Tourist sollte man eigentlich glauben, dass wir für dieses Amerika keine Bedrohung darstellen. Doch die Art, wie die Grenzbeamtin die Worte "you are illegal" aussprach, hinterließ bei uns den Eindruck, wir hätten uns mit Ablauf unseres Departure Records höchstgradig strafbar gemacht und wahrscheinlich ist es auch so. Aber ob wir eine neue Aufenthaltsgenehmigung erhalten würden, wenn wir die mexikanische Grenze überqueren und wieder einreisen, konnte uns niemand wirklich garantieren, auch wenn das recht wahrscheinlich wäre. Letztendlich will wohl niemand so richtig die Verantwortung übernehmen für eine Sache, die zumindest in unserem Fall so eindeutig ist wie ein Glatzköpfiger mit tätowiertem Hakenkreuz auf der Schulter. Aber die Amerikaner gehen prinzipiell davon aus, dass  jeder Ausländer eine potentielle Gefahr darstellt, während sich im Land die einheimischen Jugendlichen gegenseitig abknallen. Wir wurden zum Immigration-Center in Downtown San Diego geschickt, wo uns sicherlich - nach diversen Tadeln und Strafgebühren für Überschreitung der amerikanischen Regeln und Gesetze - eine Verlängerung unserer Aufenthaltsgenehmigung ausgehändigt worden wäre. Wir beschlossen kurzerhand, illegal zu bleiben und werden uns im unwahrscheinlichen Falle einer Kontrolle als dumme Deutsche darstellen (was uns nicht schwer fällt) und so tun, als wüssten wir von nix. Schließlich haben wir ja ein Zehnjahresvisum und das haben wir ja auch erst bekommen, nachdem wir bewiesen haben, dass wir nicht drogenabhängig sind, den demokratischen Grundgedanken in unserem Denken tief verankert haben und keine terroristische Vergangenheit vorweisen konnten. Und wenn uns ein übereifriger Beamter aus Prinzip ausweisen sollte, bekommt er eben unseren Camper hingestellt mit Beigabe der Adresse unserer Transportagentur in Baltimore, Maryland. Dort solle er dann das Fahrzeug hinbringen, denn von dort wird es nämlich verschifft. Wahrscheinlich machen aber alle Beamten wie schon seit Anbeginn unserer Reise einen großen Bogen um uns, da sie befürchten, wir sprechen keinen Brocken Englisch (was wir dann natürlich auch nicht tun). Unsere überaus gesetzwidrige Handlung hielt uns dennoch nicht davon ab, einen ausgesprochen genialen Tag in San Diego zu verbringen.
Die Stadt  ist mit mexikanisch ausschauenden Menschen nur so gefüllt, auch wenn  sie fast ausschließlich im dienstleistenden Gewerbe und somit in den Billigjobs zu finden sind. Wir verbrachten erst ein paar Stunden im Seaport Village, einer kleinen Einkaufs- und Touristenstadt direkt am Hafen, mit kleinen Holzhäuschen  und angenehmem Ambiente zum Geldausgeben. Eine durchaus gelungene Uferattraktion.  Danach steuerten wir auf die Hortonplaza  zu, eine Einkaufs-Mall im mexikanischem Stil. Die Architektur ist außergewöhnlich verwinkelt und untypisch für die sonst so protzig daherkommenden Einkaufstempel. Bunte Wandfarben beleben den nach oben offenen Innenhof, der eher an einen Marktplatz als an ein Einkaufszentrum erinnert. Danach fuhren wir in den Balboa Park , der ebenfalls mit wunderschönen Gebäuden des vergangenen Jahrhunderts aufwarten kann. Die ehemals spanische Herrschaft ist an der Ausschmückung der Fassaden zu erkennen. Viele Stuckarbeiten und haushohe Palmen werten den Balboa Park auf. Und rundherum dichtes Grün. Danach dürstete es uns so sehr nach einem Bier, dass wir an der ersten Kneipe, in deren Nähe wir einen Parkplatz ergattern konnten, halt machten und uns ein wenig von dem Gerstensaft genehmigten. Dass es sich hierbei um das Hard-Rock-Cafe   handelte, war uns nur recht. Geschlagene zwei Stunden starrten wir auf die flimmernden Monitore und sahen uns ein Musikvideo nach dem anderen an, tranken dabei Bier und aßen Natchos. Ansonsten ist das berühmt berüchtigte Gaslamp Quarter,  in dem sich auch besagtes Musik-Cafe befindet, angereichert mit unzähligen Kneipen und Restaurants und der beste Anlaufpunkt für ausgedehnte Abendunternehmungen. Für uns war es zumindest der gelungene Abschluss eines großen Tags.

bilder/california/SanDiegoSeaportVillageTurm.jpg
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17.-19. Februar 2001 - Leo Carillo SP

Von wegen "it never rains in southern California", ES SCHÜTTET! Los Angeles   ist groß. Wir waren nicht am Venice  Beach. Wir haben noch nicht mal den Hollywood-Schriftzug gesehen. So ist es oft. Und wir waren auch nicht in den Universal Studios. Warum? Warum hätten wir? Wir haben drei unwesentliche Tage im Leo Carillo State Park verbracht, haben zugehört, wie der Regen auf unseren Camper fällt und nichts weiter getan als gegessen, gelesen, geschlafen, erzählt, am Strand spazieren gegangen, Lagerfeuer gemacht, Bier getrunken, gegessen, gelesen, ....
Eine Reise  wie diese zeichnet sich nicht dadurch aus, dass man jeden Tag immer etwas  Neues entdeckt und erlebt und berühmte Städte und Landschaften sieht, sondern dass man es trotz des Angebots fertig bringt, sie noch nicht einmal zu registrieren. Mein Kopf ist voll mit Eindrücken, an denen ich wahrscheinlich noch weitere fünf Jahre zu knabbern habe. Manchmal kann man uns eben mitten nach Los Angeles rein stellen und wir sehen trotzdem nicht mehr als Häuser und Straßen. Manchmal stehen wir direkt am Strand und schauen auf den Pazifik und wir sehen nur Sand und Wasser. Und das ist auch gut so, denn wahrscheinlich würden wir durchdrehen, wenn wir mit Reiseführer und Karte durch dieses Land fahren würden und uns ein Highlight nach dem nächsten reinziehen würden. Unsere Aufnahmekapazität ist begrenzt, da muss man ab und zu mal die Batterien neu aufladen. Manchmal braucht man eben etwas Alltag und Routine. Tage, an denen es ruhig und gelassen  zugeht. Und dann spielt es eben auch keine Rolle, wo man sich gerade befindet.  Ob in Büttelborn, Vietnam oder Los Angeles.

bilder/highwaynoone/LeoCarilloSPSantaMoMtsRA02.jpg
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16. Februar 2001
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21.-22. Februar 2001 - Refugio SP

Inmitten  der kalifornischen Küstenlandschaft - die sich schon kurz hinter dem Strand in ernstzunehmende Berge erstreckt - liegt das Städtchen Solvang , was so unamerikanisch klingt, dass schon schnell klar ist, dass es sich  hierbei um eine Emigrantensiedlung handelt. In diesem konkreten Fall um eine dänische. Aber nicht nur, dass unsere Nachbarn aus Nordeuropa hier eine heimische Siedlung gegründet haben, sie haben auch eine gebaut. In Solvang sieht es tatsächlich aus wie in Dänemark - kleine, dicht aneinanderstehende Fachwerkhäuser. Keines gleicht dem anderen und man kann alle Läden zu Fuß erreichen. Was uns aber im größeren  Maße interessiert hat, waren die guten Lebensmittel wie z.B. Milka-Schokolade  (2,35$ ~ 5.-DM) oder echter rheinhessischer Wein für unerschwingliche 18$. Aber auch der Krimskrams, den es sonst so zu kaufen gab, war einfach von anderer Qualität. Wir haben es uns nicht nehmen lassen, in einem richtigen Café einen Kaffee aus einer Tasse echten Porzellans inklusive Untertasse zu trinken und dazu ein dänisches Blätterteig-Teilchen zu essen.  Das war wie daheim. Die Gegend rund um Solvang ist hügelig und grün. Auf manchen Hügeln weiden Kühe, die meisten Hänge werden aber mit Wein bebaut. Dahinter erheben sich die Gipfel der   Sierra Madre Mountains .
Wir verbringen  eine schöne Zeit hier im Refugio State Park und manchmal müssen  auch wir uns die Bilder anschauen, um zu realisieren, wo wir momentan sind  und was wir so machen - morgens nach dem Frühstück einen Spaziergang  am Ufer, dann am Strand sitzen und ein Buch lesen, der Brandung zuschauen, wie sie an den Strand schlägt, die Möwen beobachten, dann den Grill anwerfen und das Essen vorbereiten, danach die Füße ausstrecken und in der Sonne etwas dösen, usw...

bilder/highwaynoone/RefugioSPTraumbucht.jpg
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20. Februar 2001
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23. Februar 2001 - La Purisima Mission

Eric   ist im Refugio State Park unser Nachbar und bringt morgens, bevor er und seine Freundin den Platz verlassen, noch schnell ein paar Avocados vorbei. So sind sie nun mal und es bestätigt sich mal wieder, dass man unter Campern eher etwas geschenkt bekommt, als dass man am nächsten Morgen etwas von seinem Platz vermisst. Seit 25 Jahren lebt Eric nun in seinem Camper, obwohl er hier bei Santa Barbara einer festen Beschäftigung  nachgeht. Aber ein Haus kann und will er sich nicht leisten und er ist halt auch lieber in der Natur, weg von den Straßen und lauten Siedlungen der Städter. Von ihm erfahren wir auch, dass erst seit dem 01. Januar 2001 die Preise für staatliche Campingplätze reduziert wurden. Der Staat habe einen Überschuss und gebe ihn so zurück an seine Bürger (und uns Illegale). Der Platz auf dem Refugio State Park hat noch vor drei Monaten 25$ gekostet, nun kostet er nur noch 12$. Na, da hätten wir uns ja kaum viele Nächte in Kalifornien leisten können.
Ein besonderes  Erlebnis war am heutigen Tag der Besuch der La Purisima Mission. Mit viel Mühe haben hier die Civilian Conservation Corps in den 30er Jahren - wie fast überall im Land - die Mission wieder originalgetreu  aufgebaut, so wie sie im Jahre 1834 hundert Jahre früher verlassen wurde. Die Anlage ist wunderschön rekonstruiert und langweilt nicht mit ausschweifenden Erzählungen über eine durchaus normale Siedlungsgeschichte, sondern glänzt mit der Darstellung des einfachen Lebens innerhalb der Mission. Die Räumlichkeiten und Werkstätten zeugen noch heute von den Herausforderungen, die durch die damaligen Bewohner jeden Tag aufs Neue angenommen wurden. Dabei stellt sich mir immer wieder die Frage, warum hat die christliche Kirche Unmengen von Geld und die Mühe unzähliger Priester geopfert, um in einem fremden Land die dort lebenden Indianer zu bekehren? War es nur im Sinne der Indianer - die durch die Mission zahlreiche neue Erkenntnisse über die Webkunst, die Viehzucht, den Nutzpflanzenanbau, uvm. gesammelt haben - oder verfolgte die Kirche damit nur eigene Interessen? Vielleicht ist ein frühzeitig angemeldeter Führungsanspruch (und natürlich die Verbreitung des einzigen Glaubens) ein Garant für gefügige Untertanen, die ihrerseits wiederum zur Vergrößerung der Glaubensgemeinde verhelfen, was ein nicht unwesentlicher Faktor bei der Ausübung von Macht bedeutet. Macht gegenüber den Indianern, aber auch gegenüber Andersgläubigen?! Fest steht, dass die Mission nach nur 20 Jahren Betrieb wieder verlassen wurde, wahrscheinlich weil der franziskanischen Kirche die Mittel ausgingen und weil abzusehen war, dass die indianische Gemeinde nie einen großen Stellenwert haben wird. Schließlich begann man schon frühzeitig mit deren Vertreibung. Entweder man hat die Indianer vertrieben, ermordet oder bekehrt. Warum man sie nicht so gelassen hat, wie sie waren? Warum durften sie nicht an ihre Götter glauben? Das weiß nur der weiße Mann allein!

bilder/highwaynoone/LaPurisimaMissionGarten.jpg
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23. Februar 2001
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24. Februar 2001 - Pismo Beach

Der ganz normale Warnsinn macht sich breit. Seit nunmehr sieben Monaten verbringen wir jetzt fast jede Minute miteinander. Da scheint es das Normalste auf der Welt zu sein, dass wir uns manchmal ankreischen wie die ersten Menschen des  Planeten Erde es wahrscheinlich auch schon getan haben. Mehr so in der Urform unserer zivilisierten Sprache, wobei die Uhhgg- und Arrghrufe   überwiegen. Und das alles wegen eines vorsätzlich ignorierten Krümels auf der Küchenanrichte, den (wie immer) der Andere dann mit einer übertriebenen  Handbewegung wegwischen muss. Meist endet die Tragödie mit der Feststellung, dass man keine Türen knallen kann, weil keine vorhanden sind (außer  die Eingangstür zu unserer Luxusbehausung und die knallt einfach nicht richtig), oder dass man nicht demonstrativ den Mantel nehmen kann und in einem Anfall letzter ordinärer Ausrufe und wutentbrannten und übertriebenen  Fußstampfern die Behausung verlassen kann, weil man spätestens vor dem Haus feststellen muss, dass es keinen Freund in unmittelbarer Nähe gibt, den man mal kurz besuchen könnte und dass das doch so verlockende Auto, mit dem man mal kurz in die nächste Kneipe oder in den Stadtpark fahren könnte, fest mit dem Haus verbunden ist, und dass das unweigerlich bedeuten würde, dass man den Menschen, den man zu dem Zeitpunkt gerade auf den Mond wünscht, regelrecht hinter sich her zieht. Da fragt sich doch ein Jeder, was passiert mit all der Energie, die einfach raus muss? Man kann sich schlecht die ärgste Pest an den Hals wünschen und in Tränen ausbrechen ohne irgendeinen Einrichtungsgegenstand zu zerstören - bislang glaubte ich zumindest, dass deshalb zuhause der Schrank voller unnützem Porzellan steht, damit man bei der entsprechenden Gelegenheit einen Teil davon zerdeppern kann - was in unserem Fall eine Gefährdung des gesamten Unternehmens wäre, da wir aus Platzgründen keine "Zum-An-Die-Wand-Werfen-Tassen"  dabei haben und schon gar keine freie Fläche an der Wand. Doch die Energie muss raus, zumal ich davon überzeugt bin, dass sie einem bestimmtem physikalischen Gesetz unterliegt, und in unregelmässigen Abständen von alleine freigesetzt wird, ohne dass man auch nur den Hauch eine Chance hat, sie zu unterdrücken. Sie kommt so bestimmt wie das Amen in der Kirche und hat immer nur ein Ziel - den Anderen zu verletzen oder zu diskreditieren.
Wenn man  dann nach sieben Monaten endlich festgestellt hat, dass es eine ausweglose Situation ist, wenn man sich erst die schlimmsten Beschimpfungen an den Kopf  wirft und sich danach gemeinsam an den 50 x 60 cm großen Tisch setzen muss, da es keinen Ausweg gibt, dann macht sich die überschüssige Energie in anderen Formen bemerkbar. Besonders dramatisch wird es in sogenannten Ausnahmesituationen. In einem Staat, in dem es  - laut Touristeninformation, hörensagen, sämtlichen populären Musikkompositionen und nach Meinung der allgemeinen Bevölkerung - nie regnet, und sich von morgens bis abends ein wolkenbruchartiger Regenschauer mit zugehörigen Sturmböen ergießt, und so manch Reisender genügend Zeit findet, einen ganzen Roman zu schreiben, in diesen Situationen ist es besonders schlimm. Nach allgemeiner Auffassung ist es wohl ein besonderes Erlebnis, wenn man mit seinem Camper mitten auf dem Strand in Südkalifornien  stehen kann und die Bilder machen das einen auch glauben. Doch in Wahrheit kann man kaum einen Schritt vor die Tür machen, da der böige Wind einem den Sand in jede Körperöffnung treibt und jede Rückkehr mit einem kleinen Sandhügel mitten auf dem Fußboden belohnt wird, was für Reisende ohne Kinder erst mal keine Bereicherung bedeutet. Dann steht man also in Kalifornien mit seinem Camper am Strand und kann trotz sicherlich einmaligem Ausblick nicht vor die Tür. Und dann macht sich die Energie bemerkbar! Ich schäme mich nicht zuzugeben, dass die Entladung jener Energie zuweilen komische Formen aufweisen kann. So sind Lachanfälle ohne ersichtlichen Grund an der Tagesordnung. Auch das Mitsingen unerträglicher Countrymusik mit tiefgründigen Texten wie: we stay together, you an' me forever" erweist sich immer wieder als beliebte Energieentladung. Auch das Rumspringen auf Bett, Tisch und Sitzbank (also in jedem denkbaren Winkel unserer Behausung) hat sich als Kompensator durchaus bewährt. In ganz schlimmen Fällen ist das Grimassenschneiden und das Rumschreien die einzige Möglichkeit, Dampf abzulassen, auch wenn dann schon quasi der Notstand ausgebrochen ist. Oft hilft dann einfach nur noch die Weiterfahrt,  irgendwo hin, auch wenn es absolut kein Ziel in unmittelbarer Nähe gibt.  Aber man ist zumindest mit etwas beschäftigt. Aber wenn dann wie heute einem die ansteigende Flut die Weiterfahrt unmöglich macht, da das Stückchen Strand, auf dem man steht, nur über eine Schneise zu verlassen ist, die bei Flut unter Wasser steht, dann kann es schon mal passieren, dass man sein  Tagebuch mit unnützem Zeug vollschreibt, einfach nur so, um beschäftigt zu sein. Sorry.

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23. Februar 2001
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25.-27. Februar 2001 - Montana de Oro SP

Ken  ist für ein halbes Jahr Camphost ("Platzwart") auf dem Montana de Oro Campground und zeigte uns zu Anfang ganz  stolz eine Postkarte von Deutschen, die vor kurzem ein paar Tage auf "seinem" Campground verbracht und ihn nach Deutschland eingeladen haben. Irgendwie kommt man mit den Leuten immer in Kontakt und meistens ist es unsere Kabine, die die Leute dazu veranlasst, uns anzusprechen. Uns mangelt es nie an Erstkontakten. Zum Teil könnten wir zwar eine Audiokassette abspulen mit den Details unserer Reise, doch sind wir immer wieder froh, wenn wir über unser "niedliches Gefährt" mit Anderen ins Gespräch kommen. Bei Ken war es von Anfang an anders. Er hat sich kaum für unseren Camper interessiert und vorsichtig abgetastet, was für Typen wir sind. Unsere erste Einladung  zum Dinner hat er freundlich ausgeschlagen und sehr darauf geachtet, dass er uns nicht belästigt (was keineswegs der Fall war). Im Gegenteil, hatten wir doch bei Ken sofort das Gefühl, dass er mit uns auf einer Wellenlänge liegt. Trotzdem stimmte er uns traurig. Als ehemaliger "Truckdriver" (Lkw-Fahrer) mit Bandscheibenvorfall und zwei Operationen ist er arbeitsunfähig und mit 44 Jahren von der Sozialhilfe abhängig. Da kommt ein Job als Camphost wie gerufen, nicht nur weil er beschäftigt ist und nicht das Gefühl haben muss, zu nichts mehr nutze zu sein. Als Camphost hat man zwar keinen Verdienst, kann aber für umsonst incl. Strom und Wasser auf dem Campingplatz stehen, und das ist bei kalifornischen Übernachtungsbedingungen mehr als ein Segen. Leider sind die Jobs als Camphost auf ein halbes Jahr begrenzt. Danach macht den Job jemand anderes, wahrscheinlich ein Rentnerpärchen, die oft auch nicht so recht wissen wohin mit ihrer vielen Freizeit. Ken war achtzehn Jahre verheiratet und hat zwei erwachsene Buben. Er sieht sie allerdings nicht sehr häufig, der Ältere war an Weihnachten mal kurz zu Besuch. Er träumt von einer Reise nach Europa. Er möchte dort zu den Wurzeln seiner Vorfahren, die aus Norwegen oder Schweden kommen. Ganz genau scheint er es auch nicht zu wissen, aber das spielt auch keine große Rolle. Dann möchte er unbedingt ein deutsches Mädchen als Freundin und fragt Britta ständig, ob sie nicht eine Solo-Freundin hätte. Er ist viel alleine und ein bisschen verwahrlost. Aber er ist ein lieber Mensch und ein sehr angenehmer Gesprächspartner dazu. Wir haben zwei schöne Abende miteinander verbracht, an denen er Unmengen an Feuerholz mitbrachte (das bekommt er auch umsonst) und der Grill auf Hochtouren lief. Als Gegenleistung bestand er darauf, dass wir zum Frühstück  in sein "Rig" (Auflieger-Wohnwagen) kommen, was wir natürlich auch nicht ausgeschlagen haben. Ken lebt zwar an einem der schönsten Plätze Kaliforniens und hat vielleicht trotz Sozialhilfe keinen schlechten Lebensstandard, aber er ist sehr einsam und freut sich über jeden Typ, der bei ihm vorbei schaut. Wie Guy, ein "Treeclimber"  (Baumkletterer), der mal kurz an unserem Platz halt macht und ein paar Sätze mit uns wechselt. Dass er mit seinem Beruf als "Baumkletterer" auch Geld verdient, unterstreicht er gleich, weil es sich für uns mehr nach einem Hobby anhört. Doch seine durchtrainierte Figur und muskelbepackten Oberarme lassen keine Zweifel zu. Guy verdient Geld mit "Auf-Bäume-Klettern"  und lehnt das Bier, was ich ihm anbiete, ab, weil er seit 15 Jahren keinen Alkohol  angerührt hat. Doch er raucht, was sein überdimensionaler Rottweiler, der eher einem Schwarzbären gleicht, gar nicht leiden mag. Der Hund fletscht die Zähne, als er die Kippe angeboten bekommt - er sei Nichtraucher, sagt Guy - aber seine übergewichtige Statur hindert ihn an jeder aggressiven und zu eifrigen Handlung und er lässt sich lieber von allen Beteiligten an den Ohren graulen. Aber Guy und Sir George  (Hund) sind keine allzu geselligen Menschen, sind sie doch die meiste Zeit für sich und mehr im Wald als in der Zivilisation. Sie sind nach einer halben Stunde wieder weg und Ken beteuert zum wiederholten Male, wir könnten so lange bleiben, wie wir wünschten. Wir bräuchten keine Campgroundmiete mehr zu bezahlen (in diesem Fall 10$/Nacht) und er deckt uns auch ein mit Feuerholz. Wir beschließen noch eine Nacht zu bleiben, aber der Grund liegt eher darin, dass wir das Gefühl haben, dass Ken eine guter Kumpel ist, und wir alle drei ein bisschen Abwechslung in unserem Umgang gebrauchen können. An unserem Abschiedstag musste er zu seiner Schwester ins nahegelegene  Los Osos, weil er einen Anruf der Sozialkasse erwartete. Dabei sollte er erfahren, ob sein Fall es wert ist, eine Invalidenrente zu beziehen. Nur dann könne er nach Deutschland kommen und sich dort ein Mädchen suchen. Wir sind noch vor seiner Rückkehr abgereist und hoffen, dass er bald ein paar Dollar mehr bekommt. Das macht ihn sicher nicht weniger einsam, aber vielleicht ist es dann besser zu ertragen.

Der Montana de Oro State Park rangiert bei uns als absoluter  Geheimtip unter den Nicht-National-Parks. Von seiner Größe her ist er groß genug, um locker vier Tage darin zu wandern ohne auch nur eine Wegkreuzung  zweimal zu nehmen. Und das hügelige Küstengebiet ist ein Dorado für Wanderfreunde. Wir waren an zwei Tagen hintereinander unterwegs und jedesmal absolut angetan von den moderaten Wanderwegen, die einem immer wieder einen grandiosen Blick auf die Pazifikküste ermöglichten  und durch weitreichende "Wildlife"-gebiete führten. Luchs, Koyote, Puma und etliches andere Getier tummeln sich in den niedrigen Büschen, wir bekamen allerdings immer nur deren Exkremente zu sehen. Selbst der Nieselregen  hat uns in solch einer Umgebung nichts ausgemacht, wurden wir doch letztendlich die ganze Zeit mit milden Temperaturen belohnt. Montana de Oro ist  mit großer Wahrscheinlichkeit ein Platz an der kalifornischen Küste, den wir wiedersehen werden.

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24. Februar 2001
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01.-02. März 2001 - San Simeon SP, Hearst Castle

William  Randolph Hearst war der Eigentümer und Erbauer eines schlossähnlichen  Palastes auf den Anhöhen der Hügel von San Simeon, den seine Nachkommen nach dessen Ableben dem Staat Kalifornien vermacht haben (trotz des unermesslichen Reichtums konnte es sich keiner seiner Nachkommen  leisten, das sog. Hearst Castle zu unterhalten). Ein Komplex, der heute für die Öffentlichkeit zugänglich ist und den es für ein paar lächerliche grüne Scheinchen zu entdecken gilt. Egal was man davon hält, wenn sich ein Medienimperialist - der zu seinen besten  Zeiten nicht weniger als sechsundzwanzig Zeitungen ( und nicht  nur eine Ausgabe, sondern den ganzen Laden), dreizehn landesweit vertriebene  Magazine und acht Radiostationen besaß - an einem der schönsten Flecken   Kaliforniens ein Anwesen errichtet, das nichts anderes bezweckt als die Zurschaustellung unvorstellbaren Reichtums. Doch ein Besuch des Hearst Castles ist ein unbedingtes Muss, auch wenn man sich als Europäer dabei unter Umständen den Frust holt. Bevor ich in Gedanken die Pfade der mit Blattgold verzierten Fliesen entlang schreite, möchte ich noch einmal für mich klarstellen: Ich bin ein neutraler Reisender und immer bestrebt, mir ein unbefangenes Bild von Land und Leuten zu machen. Ich habe nichts davon, mein Gastland und deren Bewohner zu diskreditieren. Deshalb fange ich ausnahmsweise mit den positiven Aspekten eines unvergleichlichen Größenwahns an. Mr. Hearst hat auf besagtem Hügel ein Anwesen errichtet, das zumindest in den USA seinesgleichen sucht. Und auch wenn man sich die organisierte Busfahrt auf den Palasthügel spart, wird man Zeuge einer ausgezeichneten Demonstration in puncto Touristenabfertigung und ich meine das in diesem Fall nicht negativ. Die Amerikaner sind einfach Könige im Zurschaustellen. Allein der Besuch des Visitorcenters ist ein Erlebnis. Als ordentlicher Deutscher bin ich beeindruckt von den Organisationsstrukturen, die eine Abfertigung von mindestens 20.000 Besuchern täglich möglich macht, ohne dass auch nur ein Besucher den Eindruck haben muss, es wäre außer seiner Familie noch jemand Anderes an Bord. Es wird auch hier ein Film über die Entstehung eines amerikanischen Traums im IMAX-Format gezeigt, der diesmal sogar qualitativ gut ist und nicht mit Mittelmaß-Schauspielern den Kinospaß verdirbt. Das können sie, die Amis. Sie inszenieren sich, das Land und alles, was von ihnen dort hinein gepflanzt wurde in einer unvergleichlichen Art, die mich fast vor Neid erblassen lässt - aber auch nur fast. Aber nicht genug des Lobs. William Randolph Hearst  ist tatsächlich ein Wunder der Baukunst in Wasser, Marmor und Kacheln gelungen, denn seine beiden Pools sind wahrhaftig der Traum eines jeden Bademeisters. In unangefochtener Lage, mit Blick auf den Pazifik und die umliegenden Berge, errichtete er eine Badeoase, die allein schon als Bild süchtig macht, wobei ein Bad im Nass selbst vor Glück sicherlich kaum zu ertragen wäre. Sein "Indoor-Pool" dagegen würde alle römischen Architekten vor Neid erblassen lassen. Abermillionen kleiner Kacheln wurden in Mosaikanordnung zu einer einzig glitzernden Fläche miteinander verbunden und das durch Schächte eindringende Licht lässt das Becken wie einen Spiegel erscheinen, der die Pracht des Raums doppelt. Ein unglaublich schönes Schwimmbecken, das definitiv zu edel zum Baden ist. Doch wahrscheinlich sind die beiden Pools so ungewöhnlich schön, weil sie keiner Möbel bedurften. Denn in den einzelnen Häusern des Anwesens ist es dem Hausherrn gelungen, seine Geschmacklosigkeit - was die Inneneinrichtung angeht - unter Beweis zu stellen und sie zeugen einzig und allein von seinem Reichtum. So steht außer Zweifel, dass W.R. Hearst ein Kunstkenner war, der es sich leisten konnte, etliche Artefakte aus Europa einfliegen zu lassen, mit denen er dann die Räume seines Schlosses zustellte. Doch wer die Wände seines Esszimmers bzw. Refektoriums mit Chorstühlen des 15. Jahrhunderts aus spanischen Kirchen des Mittelalters vollstopft und zugleich immer den Heinz-Ketchup auf dem Tisch stehen hat, der leidet meines Erachtens wirklich an Geschmacklosigkeit, wenn es nicht sogar als pietätlos zu bezeichnen wäre. Nicht dass ich etwas gegen den Ketchup hätte - das ist eben ein Stück Kulturgeschichte  der Amerikaner- aber ein altertümliches Chorgestühl außerhalb einer Kirche und noch dazu in einem Esszimmer verdirbt mir eher den Appetit und zeugt von schlechtem Geschmack. Die ganzen von uns gesichteten Räume litten alle unter Platznot, obwohl sie teilweise erstaunliche Ausmaße vorzuweisen hatten. So platzierte der stolze Hausherr uralte steinerne Kamine neben zusammengewürfelten Antiquitäten aller Epochen. Griechische Skulpturen und Götter in Marmor auf Teakholz-Sekretären. Schmiedeeiserne Tore vor teppichbehangenen Wänden, unzählige Reliquien wie Kreuze, Silberschalen und sogar ganze Altäre neben Billard- und Pokertischen.  Die Zimmer platzten förmlich aus allen Nähten und man sah den Räumen regelrecht an, dass nur geprotzt werden sollte. Es stimmte uns recht traurig, als wir die vielen wertvollen Antiquitäten dort stehen sahen. Jede für sich konnte sicherlich eine spannende Geschichte aus vergangenen Epochen erzählen und fast ausnahmslos stammten sie aus Europa. Doch hier in Mr. Hearsts Castle waren es nur Objekte, "Stuff"(Zeug), wie er so schön selbst zu sagen pflegte, die seinen Reichtum darstellen sollten. Ohne Feingefühl, pietät- und emotionslos ist es Mr. Hearst gelungen, unter Beweis zu stellen, dass Geld verdirbt, auch wenn er eigentlich ein netter Kerl gewesen sein soll und sicher Außergewöhnliches geleistet hat. Die Tatsache, dass er auf dem Schloss ständig die Reichen und Berühmten um sich haben wollte, unterstreicht seine Angeberei. Die Tatsache, dass er sich einen eigenen Zoo mit exotischen Tieren zulegte, wovon die Hälfte der Tiere aus klimatischen Gesichtspunkten absolut nicht in die Region passten (z.B. Eisbären) und nur den Gästen als Anschauungsobjekt dienen sollten, unterstreicht seine Verantwortungslosigkeit. Doch es passt auch zu Amerika, dass dieser Mann und sein Anwesen als amerikanischer Traum  verkauft werden. Es ist so schön unkompliziert, dem zu frönen und nichts in Frage zu stellen. Wird man doch mit dem Shuttlebus bis vor die Tür gefahren (die europäischen Schlösser muss man meistens erst mal zu Fuß erklimmen), bekommt die Geschichte in verdaulichen Häppchen gereicht (in Europa muss man sich das Hintergrundwissen meist selbst erarbeiten) und hat das Fast-Food-Restaurant gleich mit im Besucherzentrum  integriert (Vergleichbares gibt es in Europa überhaupt nicht). Da geh  ich doch lieber ins Kino und schau mir einen echten Helden an, Robin Hood.

bilder/highwaynoone/HearstCastleNeptunpool.jpg
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