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Ein Reisebericht von Britta und Markus Hachenberger
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Teil 1 New York - Shenandoah - Niagara - Algonquin - Forillon
Teil 2
Kouchibouguac - Acadia - Chicago - Memphis - M. Cave
Teil 3
G. Smoky Mts. - Cumberland I. - Disney World - Florida Keys
 Teil 4
 Gulf Island - New Orleans - Big Bend - Carlsbad C. - White Sand
 Teil 5
 Chiricahua - Saguaro - Phoenix - San Diego - Highw. No.1
 Teil 6
 San Francisco - Redwood - Yosemite - Death Vegas - LA
 Teil 7
 Lake Mead - G. Canyon - Monument V. - Arches - Bryce - Zion
Teil 8
G. Teton - Yellowstone - Glacier - Waterton - Banff - Jasper
Teil 9
Edmonton - Elk I. - Riding Mt. - Fort William - Toronto
Teil 10
Epilog

 
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file:///C|/CampAmerika/bilder/newyorkbaltimore/HornellAlmondLakeCampground02.jpg
Almond Lake, Hornell, New York


Datum
Ort
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15. Dezember 2000
Auf nach Westen
Karte Florida
18. Dezember 2000
Manatee Springs SP
Karte Florida
21. Dezember 2000
Gulf Island NS
Karte Florida
22.-24. Dezember 2000
New Orleans
Karte Louisiana
27. Dezember 2000
San Antonio
Karte Texas
28. Dezember 2000
Alamo Village / Brackettville
Karte Texas
31. Dezember 2000
Die Zeit zwischen 2000 und 2001
Karte Texas
31. Dez. - 03. Januar 2001
Big Bend NP
Karte Texas
05.-08. Januar 2001
Alpine / Fort Davis
Karte Texas
10.-11. Januar 2001
Guadalupe NP
Karte Texas
12. Januar 2001
Carlsbad Caverns NP
Karte New Mexico
13. Januar 2001
Brantley Lake SP
Karte New Mexico
14.-16. Januar 2001
White Sands NM
Karte New Mexico
18.-19. Januar 2001
Gila Cliff Dwellings NM
Karte New Mexico

15. Dezember 2000 - Auf nach Westen

Der Weg ist weit. Je nachdem, von wo man misst, können es bis zu 2.500 Meilen sein (2.678 Meilen von Miami bis San Diego). Aber wir sind guten Mutes, wir wollen unterwegs sein, wir wollen das "weite Land" erobern. Wir lassen den Staub des Ostens hinter uns und haben uns für die lange Fahrt gerüstet. Raus aus dem Trubel des Ostens, raus aus den dicht bevölkerten Gebieten, runter von den überfüllten Straßen. In unseren Köpfen haben wir die Bilder von hohen schneebedeckten Bergen und heißen Wüsten. Ein Land, das nur darauf gewartet hat, von uns entdeckt zu werden. Wir freuen uns auf "Dich" - wild, wild West.

Weihnachten steht vor der Tür und uns klingen die unerträglichen Werbeslogans aus dem Radio in den Ohren: "Na, haben sie auch keine Ideen mehr, was sie ihren Lieben zu Weihnachten schenken können? Wir können ihnen weiterhelfen. Was halten sie von unserem selbstreinigendem Katzenklo? Was, sie haben keine Katze? Kein Problem! Bei uns ist die Katze mit dabei - ALLES IN EINEM GESCHENKPAKET. UND DAS FÜR NUR 49$!!! Ist bei Geschenköffnung  die Katze nicht ganz in den Zustand, in dem sie sein sollte (für gewöhnlich kratzt sie und faucht, dass einem die Haare zu Berge stehen), dann erhalten sie ein nagelneues Modell von uns innerhalb von 24 Stunden zugesandt." Das wird ein Fest. Und wie Klein Johny wohl guckt, wenn er sein Päckchen aufmacht und ihm eine tote Katze in den Schoß fällt? Und die Katze erst! Und was soll das mit dem selbstreinigendem Katzenklo? Was um Himmels willen fällt den konsumbekloppten Amis noch alles ein, um der Welt glauben zu machen, sie bräuchte selbstreinigende Katzenklos, furzende Babypuppen (ganz authentisch), Bierglashalter für die Dusche, und der letzte Schrei sind Autos (ja Autos), die sie heute mit nach Hause nehmen können, und in einen Jahr erst bezahlen müssen. Und selbst dann können sie das Ding noch in 12 Jahren abbezahlen. Ist das nicht eine Wucht? Mann kann seiner Frau zu Weihnachten ein Auto schenken, ohne auch nur einen Pfennig dafür bezahlt zu haben und bis die erste Rate fällig wird, ist man längst schon wieder geschieden. Hier wird Massenkonsum, aber auch Massenverdummung betrieben. Und dabei entsteht soviel Müll, dass es schon ekelhaft ist. Ganz Amerika scheint in dem Wahn zu leben, es müsste in der Vorweihnachtszeit seine Häuschen mit Abertausenden von Lichtchen schmücken und sie scheuen keine Kosten, sich gegenseitig mit den bescheuertsten Motiven auszuboten. Aber nicht nur, dass in der Welt irgendwo eine Umweltkonferenz tagt, die den nutzlosen Energieverbrauch der Amerikaner anprangert, die ganzen Lichterketten sind zudem noch so konzipiert, dass sie natürlich nicht mehr zurück in den Karton passen, was unweigerlich zur Folge hat, dass man sie nach dem Fest in den Müll schmeißt. Weihnachten in den USA ist wie Disneyland . Es werden Wünsche und Waren produziert, die kein Mensch braucht, und hat man sie erst mal erfüllt oder erworben, stellt man fest, dass es das nicht war, wonach man nicht gesucht hat und lässt sich zur nächsten Gelegenheit noch mehr Mist andrehen. Frohes Fest.

Wir erwarten eigentlich nicht, dass der Westen anders ist. Aber wir bekommen fast täglich erzählt, wie eindrucksvoll das Land im Westen sei. Wir sehnen uns nach eindrucksvollen Landschaften! Die Keys sind schön, aber nicht umwerfend. Die Everglades (die wir genau aus folgendem Grund gemieden haben), sind die Heimat aller Moskitos dieser Welt und die können unheimlich nervig sein.

bilder/florida/OkeechobeeLakeNordFahrt02.jpg
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Zum Reiseverlauf 15. Dezember 2000
15. Dezember 2000
Karte Florida
Karte Florida
Fotoalbum Florida
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18. Dezember 2000 - Manatee Springs SP

Von heute auf morgen sind die Temperaturen um 20 Grad gefallen. Es gab ein Gewitter und danach war es plötzlich kalt. Letzte Nacht ging das Thermometer runter bis auf 0 Grad. Die Nacht davor hatten wir noch beide Fenster unserer Kabine offen, um wenigstens etwas Frischluft zu bekommen - es war drückend heiß. Aber so schnell geht das immer, sagen die Ranger. Erst kommt der Regen, dann ist es ein paar Tage kühl und dann herrschen wieder sommerliche Temperaturen. Naja, wir haben die Winterjacken raus geholt und uns gut eingepackt.
Der Manatee Springs State Park kann nicht nur mit einer wunderschönen Quelle aufwarten, die zum Baden wegen ihrer beständigen 22 Grad geradezu ideal ist, sie beheimatet auch einige Manatees, die wir als Seekühe kennen. Auch diese friedlich trägen Säugetiere wissen die beständige Temperatur der Quelle zu schätzen und aalen sich in der warmen Strömung. Wir haben insgesamt 10 Stück gezählt. Auch ein Otter tummelte sich am Ufer und störte sich überhaupt nicht an uns. Genüsslich schien er sich am Grund der Quelle an seiner Lieblingskost zu laben und wir schauten ihm dabei zu, wie er immer wieder auftauchte, um mit lauten Schmatzgeräuschen sein Leckerchen zu verspeisen. Ein putziger Anblick. Es soll aber schon Monate gegeben haben, da fanden sich mehr als 100 Otter an der Quelle ein. Ein Brettersteg führt bis an denSuwannee River und die Zypressen - mit ihren sonderbaren Wurzeln, die wieder aus dem Erdboden herauswachsen und in penisartigen Stummeln gen Himmel zeigen - sind Stützpunkt für hunderte Geier. Ansonsten schweben sie in charakteristischer Art über dem Fluss (die Geier, nicht die Zypressen) und warten darauf, dass ein Mensch eine Tüte oder sonstiges Zeug unbeaufsichtigt liegen lässt, um es dann mit Geiergekrächze zu erobern und sich damit aus dem Staub zu machen.
Wir waren auch endlich mal wieder wandern. Florida ist nicht gerade das, was man das Dorado der Wanderer nennt. Aber hier im Norden findet sich schon eher mal ein Park, der mit Rundwanderwegen aufwarten kann, die länger als eine halbe Meile sind. Es war geradezu eine Wohltat, in kalter, klarer Luft einen ausgedehnten Spaziergang zu machen. Die State Parks sind einfach eine Oase für Freizeitaktivitäten. Und überhaupt - es wird Zeit, dass diese ihre eigene Story bekommen.

State Parks - Naherholungsgebiet der Extrsklasse
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bilder/florida/ManateeSpringsSP.jpg
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Zum Reiseverlauf 17. Dezember 2000
17. Dezember 2000
Karte Florida
Karte Florida
Fotoalbum Florida
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21. Dezember 2000 - Gulf Island NS

Jim ist ein sogenannter "Vet", ein Veteran der Air Force . Er spricht uns auf dem Campingplatz an, um uns eigentlich nur mitzuteilen, dass es die nächste Nacht wieder empfindlich kalt werden kann. Darüber kommt man ins Gespräch und ehe man sich versieht, steht man eine halbe Stunde da und quatscht über Gott und die Welt. So ist das fast immer, auch wenn die Gespräche meist an der Oberfläche bleiben und nichts Tiefgründiges hervorbringen, so kommt es dennoch vor, dass man manchmal tiefer in die Seele seines Gegenüber blicken kann, als man beabsichtigt hat. Jim hat eine Sprachstörung, drückt sich dennoch verständlich aus. Sein Blick klebt an unseren Lippen, denn er hört auch nicht mehr gut. Er hatte zwei Herzinfarkte und ist gerade mal 51 Jahre alt. Er lebt alleine wie so viele Veteranen und verbringt jedes Jahr ganz alleine in einem Wohnwagen die Weihnachtszeit und den Neujahrstag hier an der Gulf Island National Seashore. Aus seiner Stimme klingt die Traurigkeit eines enttäuschten Menschen. Enttäuscht von seiner Regierung, für die er in zwei Kriegen gekämpft hat. Er war im Vietnam- und im Golfkrieg und wurde insgesamt vier Mal verletzt. Er flog Hubschrauber und war durch und durch Soldat - bis sein Herz nicht mehr mitgemacht hat. Er drückt immer noch sein Unverständnis darüber aus, in dem er erklärt, dass alle in seiner Familie gesund sind und niemand Probleme mit dem Herzen habe. Aber daran sei jetzt auch nichts mehr zu ändern. Doch die Regierung habe ihn maßlos enttäuscht. Er habe sein Leben für dieses Land riskiert und nun hat es ihn eben erwischt. Doch die Regierung verweigert ihm seine hundertprozentige Invalidenrente. Er bekommt nur 20 Prozent. Zwanzig Prozent - zu viel zum Sterben, zu wenig zum Leben. Er ist verbittert, krank und schimpft über das Amerika, das ihn so betrogen hat. Mir ist so, als habe ich die Geschichte schon so oft gehört und frage mich, ob wirklich etwas dran ist, dass die amerikanische Regierung ihre Soldaten erst in die Lüfte hebt, belobigt und auszeichnet, bis sie ihren Dienst getan haben und zu nichts mehr nütze sind, und dann fallen lässt wie die viel zitierte "heiße Kartoffel"?!
Ich weiß es nicht. Aber irgendwie passt es zu dem, was ich vielleicht zwei Stunden vorher gedacht habe, als ich am Strand eine alte Getränkedose fand. Eigentlich erregt so etwas nicht meine Aufmerksamkeit, doch diese Dose hatte etwas Besonderes. Sie musste etliche Jahre alt sein, da sie aus stabilem Blech war, wie es schon lange nicht mehr für solche Behältnisse benutzt wird. Der Rost hatte der Dose kräftig zugesetzt und ganz akkurat war sie an einem Ende zusammengefaltet. Doch man konnte an einer Seite gerade noch erkennen, dass es sich um eine Coca-Cola Dose handelte. Man konnte die Schrift nicht mehr richtig lesen, doch die verschlungenen Schriftzeichen sind dermaßen mit dem Produkt verbunden, dass es nicht viel Assoziationstalent bedurfte, den Zusammenhang zu Coca-Cola herzustellen. Irgendwann einmal in grauer Vorzeit wurde die Dose hergestellt, um den süßen Saft zu konservieren und für den Moment aufzubewahren, indem ein Amerikaner durstig wird. Sie diente einzig und allein diesem Zweck und wurde aus starkem Blech erbaut, damit sie, egal, wie lange sie ihren Inhalt auch beherbergen möge, zum richtigen Zeitpunkt die erfrischende Flüssigkeit preis geben würde. Als dieser Moment dann vorüber war (was in seltenen Fällen länger als fünf Minuten dauert), wurde die Dose einfach weggeworfen. Sie hatte ihre Bestimmung, und als sie ausgedient hatte, wurde sie einfach fallen gelassen. Trotzdem existiert sie weiter und liegt vielleicht schon seit Jahren am Strand von Gulf Island - aber niemand interessiert sich dafür. Jetzt ist sie nur noch Müll.
Diese, wie Jims Geschichte hat etwas amerikanisches und absolut nichts mit dem viel besagtem "amerikanischen Traum" zu tun - eher schon Alptraum.

Die Gulf Islands, die sich auf einer Strecke von 120 Meilen vor der Küste Nordwest-Floridas und Mississippis erstrecken, bilden eine natürliche Pufferzone zwischen dem Golf von Mexiko und dem Festland. Früher als strategische Stützpunkte des Militärs genutzt, bieten sie heute eher den Naturliebhabern eine Möglichkeit, auf Erkundungen zu gehen. Zwar kann man noch die alten Fort-Anlagen in Augenschein nehmen (hier: Fort Pickens), doch ist die Geschichte eines Forts bekanntlich nicht sonderbar interessant, wenn es noch nicht einmal einen Angriff über sich ergehen lassen musste. Die Indianer bilden hier wieder einmal den rettenden Anker, denn sie wurden als Zwangsarbeiter (interessantes Thema) zu niederen Arbeiten rangezogen. Einige davon waren von solch starker Persönlichkeit, dass sie enormen Einfluss gewannen und deren Abbild heute noch auf Postkarten gedruckt wird. Aber auch das ist immer wieder das gleiche Lied, denn schließlich und letztendlich können sich die Indianer bis heute nichts dafür kaufen.
Die Gulf Island National Seashore ist ihrem Ruf allerdings voll gerecht geworden. So gibt es hier wirklich die schönsten Strände und ein zauberhaft sauberes Wasser. Überrascht hat uns eigentlich nur ein Biber. Als Britta das Duschhaus des Campgrounds aufsuchen wollte, saß im Gebüsch ein Biber von stattlicher Größe und aß genüsslich an einem Zweig. Der Kerl hatte dermaßen die Ruhe weg, dass wir bis auf einen Meter an ihn heran konnten, bevor er von uns Notiz nahm. Dieser Kerl wollte sicher Schluss machen mit dem Gerücht, zu der scheuesten Tiergattung überhaupt zu gehören. Es hätte nicht viel gefehlt und wir hätten ihn streicheln können - einen Biber!

bilder/florida/GulfIslandNSGulfBeachCola.jpg
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Zum Reiseverlauf 20. Dezember 2000
20. Dezember 2000
Karte Florida
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22.-24. Dezember 2000 - New Orleans

Wir hätten nicht gedacht, dass wir mal Weihnachten ohne unsere Familien feiern würden. Eine plötzlich eintretende Sehnsucht vor Weihnachten bewirkte fast, dass wir unseren Aufenthalt in den Vereinigten Staaten unterbrochen hätten und nach Deutschland geflogen wären. Doch es kam anders und wir verbrachten den Heiligabend in New Orleans. In Anbetracht der Tatsache, dass amerikanische Städte nicht gerade vor Charme strotzen, war New Orleans die beste Alternative, das Fest gebührend zu begehen. Wir ließen uns viel Zeit und freuten uns auf die Creole- und Cajunküche. Und im Zentrum des French Quarters, in der Bourbonstreet , ließen wir uns dann auch erst mal an Heiligabend die Traditionsgerichte der Einheimischen schmecken. Gumbo, Jambalaya und Catfish heißen die Gerichte, und wenn ganz Amerika so kochen würde, dann wäre es auch bezüglich der Gaumenfreuden ein echtes Traumland. Das French Quarter ist ein Juwel unter den amerikanischen Innenstädten. Die typisch flachen, spanischen Häuserblöcke passen eigentlich gar nicht nach Amerika. Man hat eher das Gefühl, man befindet sich in Südfrankreich oder in Italien. Das Leben auf den Straßen pulsiert, auch wenn viel für die Touristen inszeniert wird. Doch auch außerhalb des French Quarters zeigt sich New Orleans teilweise von sehr attraktiver Seite. So sind die alten Cable-Cars (Straßenbahnen der ersten Stunde) ein unbedingtes Muss, zudem sie über die St. Charles Ave. an unzähligen Villen vorbei fahren, die einen erahnen lassen, dass in Louisiana vor dem Bürgerkrieg die meisten Millionäre gewohnt haben. Ein Café an der Ecke lockt mit Jazzmusik, auf der anderen Straßenseite stehen drei Männer, die in eher gruseligen Tönen, "There is a house in New Orleans" anstimmen. Wir wollten auch noch die "Bonfire" am Mississippi sehen, aber wie wir erst später erfuhren, hätten wir dazu eine Bootsfahrt auf einem der Schaufelraddampfer buchen müssen. Tja, vielleicht das nächste Mal. Alles in allem waren wir froh, an Heiligabend in New Orleans geblieben zu sein, auch wenn wir zumindest in Gedanken so manch Augenblick zu Hause bei unseren Lieben waren.

bilder/suedstaaten/FrenchQuarterHousesChartresSt.jpg
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Zum Reiseverlauf 22. Dezember 2000
22. Dezember 2000
Karte Louisiana
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27. Dezember 2000 - San Antonio

Carol und Arne haben uns den Tip gegeben, unbedingt in San Antonio einen Spaziergang am San Antonio River zu unternehmen. Sie ließen uns aber eigentlich im unklaren darüber, was uns dort wirklich erwartet. In der Innenstadt wurde der ursprünglich gerade verlaufende San Antonio River umgeleitet, um eine Schleife zu bilden, an deren Ufer dutzende Cafés und Restaurants entstanden. Der enge, künstlich angelegte Kanal ist an beiden Uferseiten zu begehen und wunderschöne Pflanzen säumen den Rand des Wassers. Der Verkehr verläuft einen Stock darüber und ist kaum zu registrieren. Eine wirklich gelungene Städteverschönerung.
Aber San Antonio hat auch ein Kulturerbe, das man selbstverständlich nicht verpassen darf. THE ALAMO. So bauten im 18. Jahrhundert die Spanier eine Mission auf dem heutigen Boden der Stadt, die im Laufe der Jahre unterschiedliche Bedeutungen bekam. Im Jahre 1835 nisteten sich freiheitsliebende Texaner dort ein, um für die Unabhängigkeit von Texas zu kämpfen, und das auf mexikanischem Grund und Boden. Das gefiel den Mexikanern nicht und so brachten sie 189 Amerikaner (eigentlich mehr Europäer) ums Leben und machten in der Geschichte des Amerikanisch-Mexikanischen Krieges einen ihrer wenigen Punkte. Natürlich werden die Getöteten heute als Helden gefeiert und die Mexikaner als barbarische Mörder dargestellt. Der Patriotismus dieses Volkes lässt wieder einmal grüßen. Das Gelände, das an originaler Stelle wiederhergestellt wurde, zeugt von einem Stück Geschichte, das aber nach Belieben manipuliert wird. So wird in einem Film im IMAX-Format der passende "Streifen" dazu gezeigt: Alamo - The price of Freedom. Wieder einmal sind die Anderen die Bösen und die tausend jungen Menschen, die sich den Film anschauen, bekommen in herzzerreißender Weise geschildert, wie ihre Helden von damals für die Freiheit gestorben sind. Dass die Texaner ihre Freiheit auf mexikanischem Gebiet verteidigt haben, das wird natürlich nicht erwähnt. Zuguterletzt sterben alle den Heldentod und der Besucher kann mit gestählter Brust aus dem Kino treten und sich auf den nächsten Konflikt in der Welt freuen, bei dem es gilt, die Ehre Amerikas zu verteidigen. Jeder wird dieser Gehirnwäsche unterzogen und ich bin davon überzeugt, dass die meisten Amis daran glauben.

bilder/texas/SanAntonioRiverwalk01.jpg
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Zum Reiseverlauf 27. Dezember 2000
27. Dezember 2000
Karte Texas
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28. Dezember 2000 - Alamo Village

1957 starteten in der Abgeschiedenheit der texanischen Prärie die Arbeiten für eine Filmstadt, nämlich Alamo Village. Dort wurden bislang 5 dutzend Filme gedreht, wovon der berühmteste The Alamo ist, ein John Wayne Kassenschlager. Und noch heute ist die Filmstadt die übliche Drehstätte für Western und Dokumentationsfilme jeglicher Art. Die Kulissenstadt ist ein echtes Highlight unter den unechten Städten. Der Westernzeit nachempfundene Häuser und allerlei Schnick-Schnack können sich sehen lassen. Und die Tatsache, dass alle großen Schauspieler der guten alten Zeit (John Wayne, Charleton Heston, Dean Martin, Raquel Welch, James Stewart uvm.) sich hier rumtrieben, verleiht der Stätte einen Hauch von Hollywood. Fassungslos stand ich vor den ca. zwanzig Pferdekutschen, die aussahen, als hätte sie jemand aus dem Jenseits an diesen Platz gezaubert. Und das erste Mal sah ich einen echten, original nachempfundenen Planwagen. Aber auch sonst hatte die künstliche Stadt einiges zu bieten und die Atmosphäre eines Filmsets war fast zu greifen. Ein Museum kann mit schönen Erinnerungsstücken glänzen und der nachempfundene Saloon kommt einem echten wohl ziemlich nahe. Nur die Cantina war ein echter Reinfall. Sie erreichte alle Negativpunkte, die man so erreichen kann. Das Essen war kalt, schlecht gewürzt, hat lange gedauert, unverhältnismäßig viel gekostet und es waren - gerade mal dreißig Meilen von der mexikanischen Grenze entfernt - keine Bohnen im Chili. Aber ansonsten war Alamo Village ein Volltreffer.

bilder/texas/AlamoVillageFortKaktus.jpg
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28. Dezember 2000
Karte Texas
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31. Dezember 2000 - Die Zeit zwischen 2000 und 2001

Wir befinden uns im luftleeren Raum. Als anständige Deutsche haben wir den Jahreswechsel mit all unseren Stammesbrüdern zuhause gefeiert, nämlich um Null Uhr Mitteleuropäischer Zeit. Allerdings war es bei uns im Süden von Texas erst 17:00 Uhr. Das hat uns aber nicht gestört, zumal wir mit großer Wahrscheinlichkeit den amerikanischen Übergang ins Jahr 2001 verschlafen werden. Aber die Vorstellung ist schon seltsam. Gefühlsmäßig haben wir den Schritt ins neue Jahr schon getan, haben uns mit Sekt zugeprostet und uns die üblichen Ziele für das neue Jahr vorgenommen. Wir haben zurückgeblickt und zumindest formal mit dem alten Jahr abgeschlossen, so wie Millionen anderer Europäer auch. Jetzt ist es drei Uhr dreißig in der Früh und sicherlich sind auch die letzten Partygäste auf dem Weg nach Hause. Doch hier in Texas ist es erst halb neun und das Jahr 2000 ist noch in vollem Gange. Hier tobt gerade ein Sturm über den Campingplatz, dass man das Gefühl hat, das Jahr soll mit aller Kraft von diesem Planeten geweht werden. Und momentan denkt noch keiner daran, eine Rakete zu zünden. Wahrscheinlich passiert hier um 0:00 Uhr Central Time überhaupt gar nichts. Aber was ist mit uns? Wir haben das alte Jahr doch schon längst begraben und das neue lässt noch auf sich warten. Wir befinden uns in einem zeitlosen Fenster, das weder zum Jahr 2000 noch zum Jahr 2001 gehört. Und dieses Fenster ist genau sieben Stunden lang. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal erleben darf. Wenn ich jetzt eine Bank überfalle, kann mir niemand etwas nachweisen, denn niemand kann genau sagen, wann es geschehen ist. Ich kann Dinge tun, die niemals irgendwo dokumentiert werden können, da niemand genau weiß, wann sie geschehen sind. Vielleicht ist es ja sogar so, dass sich nach den sieben Stunden niemand mehr an die Geschehnisse während dieser Zeit erinnern kann. Und vielleicht kann sogar ich mich nicht mehr daran erinnern, was passiert ist und diese Zeilen sind spätestens um 0:00 Uhr für alle Zeiten verschwunden? Wir werden es sehen.
Letztendlich spielt es keine große Rolle, wann man sich von dem alten Jahr verabschiedet. Hauptsache, man tut es. Die Einhaltung genauer Fahrpläne für Dinge, die man in seinem Leben tun sollte, ist nicht erforderlich. Irgendwann ist die Zeit gekommen, um sich zu verabschieden und wer sollte da behaupten, es sei zu früh oder zu spät. Da kommt es auf Stunden oder sogar Tage gar nicht an. Entscheidend ist das "wie" und nicht das "wann".
Wir haben die Sektflasche getrunken, draußen ist es ungemütlich stürmisch und dunkel, dass wohl niemand mehr daran denkt, raus zu gehen, und wahrscheinlich gehen wir auch bald zu Bett. Ich bin voller Erwartung für das neue Jahr und ich freue mich auf all die neuen Dinge, die auf mich hereinstürzen werden. Entscheidend für mich ist, dass sie passieren, nicht wann sie passieren.

bilder/texas/BigBendSierraDelCarmenSunset.jpg
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30. Dezember 2000
Karte Texas
Karte Texas
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31. Dezember 2000 - 03. Januar 2001 - Big Bend NP

Der Big Bend National Park ist eine für uns Europäer sehr unwirkliche Landschaft. Große Seen, hohe Berge, Meeresküsten und Wälder kennen wir auch aus Europa. Aber der Big Bend ist Teil der Chihuahua-Wüste und von der Art seiner Erscheinung ganz anders. In dieser Landschaft liegt der sonderbare Reiz des Außergewöhnlichen, denn von echter Schönheit würde ich hier nicht sprechen. Zum größten Teil sind die Hügelketten karg und nur spärlich bewachsen. Trockene Bachläufe durchziehen die Region und drohen die Wassermassen an, die bei Regen das Land durchfurchen. Zudem ist das Wetter seit dem neuen Jahr ausgesprochen unangenehm. Es ist viel zu kalt und den Himmel bedecken dunkle Wolken. Es regnet zwar nicht, aber dafür stürmt es umso mehr. Kalter Wind zieht durch jede Ritze unseres Campers, da trösten uns auch nicht die Meldungen, dass es überall in Amerika zu kalt sein soll. Wir haben fest mit frühlingshaften Temperaturen gerechnet, jetzt gehen wir wegen der schlechten Witterung kaum vor die Tür. Trotzdem muss man nicht tatenlos in seinem Häuschen sitzen. Besitzt man zufällig ein vierradbetriebenes Fahrzeug, kann man eine Offroad-Tour durch die Wüste wagen, die ich in einer extra Story beschreiben möchte: 

Eine Fahrt durch die Chihuahua Wüste

Big Bend ist wirklich sehenswert, auch wenn man sehr weit ab vom Schuss ist. So liegt das nächste Krankenhaus 200 Kilometer weit entfernt und alleine die Strecke zum Visitor-Center des Parks beträgt ca. 40 Kilometer.  Da fährt man nicht eben gerade mal hin, um zu fragen, wie spät es ist - oder doch?! Aber vielleicht geht das uns Europäern auch nur über unseren beschränkten Horizont hinaus (im wahrsten Sinne des Wortes). Denn in der nicht vorhandenen Wüste Europas wäre die niedrige Bevölkerungsdichte auf lange Sicht gar nicht durchsetzbar. Und welches Interesse könnte ein Gemischtwarenhändler haben, in einer nicht bevölkerten Region einen Laden zu betreiben?! So geht es den amerikanischen Gemischtwarenhändlern auch, ganz zu schweigen von den amerikanischen Ärzten. Es sei ihnen verziehen.
Wir verbringen  einen ausgesprochen ruhigen Jahreswechsel. Wir stehen unweit einem der berühmtesten Wasserläufe der Erde, dem Rio Grande, und verbringen den Tag mit dem Bewusstsein, fast schon in Mittelamerika zu verweilen. Und wenn man an den Ufern des "großen" Flusses steht, der zu dieser Zeit gerade einmal 10 Meter breit ist, und sich dann vorstellt, man würde den Fluss und somit die Grenze zu Mexiko überqueren, dann kommt so ein Gefühl von Abenteuer auf. Ein kurzes Bad trennt einen von dem unbekannten und exotischen Land Mexiko. So müssen sich schon unzählige Siedler, Cowboys und diverse Bankräuber gefühlt haben. Wir bleiben auf der amerikanischen Seite und starten gespannt in ein neues Jahr.

bilder/texas/BigBendSierraDelCarmen.jpg
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05. - 08. Januar 2001 - Alpine

Alpine ist gegenüber den meisten anderen Städtchen hier im Westen von Texas eine lebendige Stadt, zumal sie über eine Universität verfügt, die einen gewissen Anteil junger, unruhestiftender Menschen garantiert. Sie besitzt ein Kino (4$ Eintritt), eine Bank, mehrere Fastfoodtempel,  ein Krankenhaus, einen fast richtig großen Supermarkt, so etwas wie eine Einkaufsmeile, deren Geschäfte öffnen und schließen, wie es ihnen beliebt, unabhängig davon, was die Schildchen mit den Öffnungszeiten an den Türen aussagen, und nicht zuletzt besitzt es ein Museum.
Trotzdem ist Alpine ein verschlafenes Nest und hebt sich damit von den anderen westtexanischen Städten insofern ab, dass die anderen regelrecht tot sind. Das Land ist so unvorstellbar groß und weit, dass sich Orte mit gerade mal 100 Einwohnern über eine riesige Fläche ausdehnen. Da stehen verlassene Häuschen, in denen schon Jahrzehnte niemand mehr wohnt. Davor stehen verrostete Automobile einer vergangenen Epoche und die Vegetation holt sich mit den Jahren dieses Stückchen Land zurück. Hier wird nichts abgerissen, weil man den Platz für nichts anderes braucht. Das lässt viele Städte wie Geisterstädte aussehen, obwohl sie keine sind.
West Texas hat vor allem viel Platz und wer an die Übervölkerung Amerikas glaubt, der soll hier in West Texas mal einen Bankautomaten suchen. Obwohl 10 Meilen nordwestlich von Fort Davis, welches selbst 23 Meilen nördlich Alpines liegt,  mit dem Mc Donald Observatory ein Highlight der amerikanischen Himmelsbeobachtung zu finden ist. Auf einer  von Texas höchsten Erhebungen, den Davis Mountains, und einer der nachweislich dunkelsten Stelle Nord-Amerikas, kann man das drittgrößte Teleskop der Erde und den weltgrößten Reflektorspiegel besichtigen. Das Observatorium ist im Besitz fünf verschiedener Universitäten, darunter auch zwei deutsche. Es ist ganz interessant, die weißen Kuppelbauten aus der Nähe zu betrachten, auch wenn sie mich stark an die Teeny-Veranstaltung The Dome in Deutschland erinnern. Es gibt schöne Bilder von fernen Galaxien zu bewundern und natürlich kann man auch einen Blick auf die großen Teleskope werfen. Hineinschauen kann man allerdings nicht, da am Ende eines jeden Teleskops nur Computer installiert sind, die die Sternbilder in nicht öffentlichen Kontrollräumen auf Monitore projizieren. Im Grunde ist die Sternwarte eh nur was für Interessierte,  auch wenn man von den Gipfeln einen atemberaubenden Blick über das Land hat. Das ist schon einen skurrile Landschaft, die von oben eigentlich nicht sehr lebensfreundlich aussieht.
Das Fort Davis National Historic Site ist nichts anderes als ein altes Fort, der Ursprung fast jeder amerikanischen Stadt. Es ist halt schon seit über 60 Jahren nicht mehr in Gebrauch und gehört damit zur Kulturgedänkstätte Amerikas. Außerdem spielen Forts aufgrund ihrer militärischen Nutzung  im Land der Patrioten eine ganz besondere Rolle. Hier werden Amerikas Stärke  und Einigkeit präsentiert. Wir sind dessen leid und lassen Fort Davis  links liegen.

bilder/texas/FortDavisMcDonaldObservatoryHET.jpg
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10.-11. Januar 2001 - Guadalupe NP

Als hätten wir noch nicht genug von den niedrigen Temperaturen, stürzen wir uns dann auch noch in den nächst besten Sturm, und das auch noch mitten in den Guadalupe Mountains. Aber alles der Reihe nach. Texas   ist eigentlich relativ flach, oder zumindest fallen die paar Erhebungen bei der Masse an Prärie eigentlich nicht sonderlich ins Gewicht. Da sind die Guadalupe Mountains schon eine Attraktion. Schon die Anfahrt erweist sich als Schauspiel. Die hohen Berggipfel ragen weithin sichtbar aus dem Boden heraus und man fährt nicht weniger als eine Stunde auf die Guadalupes zu, ohne dass man das Gefühl hat, man käme dem Gebirge näher. Unser Camper tut sich plötzlich schwer, die kaum merkliche Steigung zu meistern. Nur sein Murren macht uns darauf aufmerksam, dass wir stetig an Höhe gewinnen. Und dann steht man mit einem mal davor.
Es ist einfach unvorstellbar, dass diese Berge, deren höchster Gipfel derGuadalupe Peak mit stolzen 2667 m  ist, vor ca. 250 Millionen Jahren ein Riff in einem Binnenmeer waren. Da stünde uns heute wohl das Wasser mal mindestens bis zum Hals. Diese Tatsache und unsere unbändige Lust, diese Berge zu besteigen, trieb uns morgens um 9:00 Uhr den Hang hinauf.  Wir stiegen den recht steilen Bear Canyon hinauf, als uns bittere Kälte und ein stürmischer Wind entgegen pfiff. Ich habe auch davon Bilder gemacht, doch man kann nicht gerade viel von uns erkennen. Als es dann auch noch anfing zu schneien, glaubten wir uns im falschen Film. Doch wir waren gut eingepackt und unsere Ausrüstung erwies sich wieder mal als tauglich. Wir kamen sogar bis auf den 2550 m hohen Hunters Peak . In solch einer Situation fragt man sich unweigerlich, warum man sich so etwas antut. Man könnte doch in der geheizten Kabine sitzen und bei einer heißen Schokolade ein gutes Buch lesen oder so. Aber hinter der körperlichen Betätigung steckt noch das unglaubliche Gefühl, eine Entdeckung zu machen, die Größe und Wucht dieser Berge zu erleben, und sich selbst als kleines Etwas darin zu wissen, und nicht zuletzt um zum wiederholten Male festzustellen, dass nichts auf der Welt so wichtig sein kann, wenn es diese mächtigen Berge nicht im geringsten rührt. Diese Berge, die schon Jahrmillionen Jahre unter Wasser verbracht haben und jetzt vielleicht nur mal kurz aufgetaucht sind, um Luft zu holen, bevor sie danach weitere 100 Millionen Jahre im Meer versinken. Und wir? Wir glauben, wir wären wichtig? Nein, wir sind für die Berge noch nicht mal der millionstel Teil einer Nanosekunde (und das wäre echt wenig). Manchmal muss man eben große Berge erklimmen, um festzustellen, wie klein man eigentlich ist. Und das muss nicht frustrierend sein. Das kann wie ein Glücksgefühl sein und unter Umständen entledigt man sich so seiner unbedeutenden Probleme. Wir fanden es zumindest trotz der Kälte befreiend. Und der Abstieg entlang des Tejas Trails war dann auch die Belohnung für die Strapazen. Die Sonne kam immer öfter raus und tauchte das Tal vor uns in ein gelbliches Licht. Die Steinskulpturen wurden in Szene gesetzt und im Hintergrund tat sich das ewige Land Texas  auf.
Wir hatten eigentlich vor, nach einem Tag Strapazen in den Bergen direkt weiter zu fahren, aber nachdem uns der Sturm die ganze Nacht wach gehalten hatte und am Morgen die Sonne an einem strahlend blauen Himmel aufging, wollten wir dann doch den höchsten Punkt Texas erklimmen, den Guadalupe Peak . Wir werden für diese Entscheidung noch dankbar sein, wenn wir schon  längst wieder zuhause sind und Trübsal blasen. Die Klettertour  erwies sich als recht anstrengend, das Erlebnis als solches war ein Traum. Die Schilderung dieser Eindrücke entzieht sich meinen Fähigkeiten, nur das möchte ich dazu anmerken. Wir hatten das Gefühl, wir stünden auf dem Dach der Welt. Nicht weil der Gaudalupe Peak mit seinen 2667 Metern so unglaublich hoch ist, sondern weil der Blick von seiner Spitze 2000 Meter tief ins Tal reicht und man hunderte Kilometer weit blicken kann. Wir waren sechs Stunden unterwegs, wovon wir unglaublich schöne 45 Minuten auf dem Gipfel verbracht haben. Als wir nach unserer zweiten anstrengenden Wandertour hintereinander nach Hause kamen, hatten wir allerdings nur noch Blicke für unsere Matratzen. Aber es ist dieses befreiende Gefühl von körperlicher Schwäche und geistiger Reinheit, das einen immer wieder die größten Anstrengungen vollbringen lässt. Der Bergsteiger wird's verstehen.

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09. Januar 2001
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12. Januar 2001 - Carlsbad Caverns NP

Zu gerne würde ich beschreiben, was fünfzehn Meilen südwestlich von Carlsbad in New Mexico bis zu 300 Meter unter der Erde weilt, aber das scheint ein hoffnungsloses Unterfangen zu bleiben. Dass die Natur manchmal Kapriolen treibt, um sich richtig in Szene zu setzen, das wusste ich auch schon vorher. Dass sie dabei allerdings eigene Welten erschaffen kann, die jeden Fantasie-Film von Stephen Spielberg wie eine B-Klasse Inszenierung aussehen lässt, das hätte ich im Traum nicht geglaubt. Der Carlsbad Caverns National Park ist wohl einer der Parks, die mit einer besonderen Attraktion aufwarten können, die ich versucht habe, in einer gesonderten Story zu beschreiben:

Eine Fantasiewelt unter der Erde

Jules Verne hätte daran seine Freude gehabt, aber auch wir ließen uns drei Stunden lang verzaubern. Und gerade hier in den Carlsbad Caverns fällt einem die unglaubliche Leistung des National Park Service ins Auge, der mit viel Mühe, großem Aufwand und unglaublich viel Feingefühl die Welt, die eigentlich im Dunkeln liegt, ins richtige Licht rückt. Es ist der Spagat zwischen Naturbelassenheit und Tourismus, der mit Hunderttausenden von Besuchern jährlich die Höhlen durchwandert und dabei zwangsläufig Spuren hinterlässt. Aber es sind nicht die unabsichtlichen Spuren, die der Höhle zusetzen. Es ist Vandalismus, der am Wegesrand immer wieder abgebrochene Steinskulpturen zurücklässt. Gebilde, die Millionen Jahre gebraucht haben, um zu wachsen und innerhalb eines Sekundenbruchteils zerstört werden, um zuhause eine Trophäe auszustellen, die nichts weiter als von der Primitivität des Menschens zeugt. Leider steht der National Park Service diesem Vorgehen hilflos gegenüber, auch wenn am Höhleneingang ein Ranger steht, der nichts anderes macht, als den Besuchern ins Gewissen zu reden. Letztendlich kann die Konsequenz nur sein, dass die Höhlen für die Öffentlichkeit geschlossen werden. Denn was der Mensch nicht zu schaffen im Stande ist, kann er dennoch für alle Zeiten zunichte machen.
                    Eine Digitalkamera mit minderwertigem Blitz richtet in dunklen Höhlen  meist nicht viel aus, deshalb kann ich meine Worte nicht mit spektakulären  Fotos untermauern. Das unten anwählbare Bild soll nur ein Beispiel für die Mannigfaltigkeit der Gebilde sein. Es darf natürlich auch geraten werden, welchen Namen dieses Gebilde trägt?!

bilder/newmexico/CarlsbadCavernsTitte.jpg
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13. Januar 2001 - Brantley Lake SP

Manchmal ist man recht froh über Tage wie diese. Wir stehen mitten im Nirgendwo, im Brantley Lake State Park und draußen scheint die Sonne. Es ist kein Wölkchen am Himmel, aber es geht solch ein unangenehm starker Wind, dass wir es vorziehen, in unserer "Hütte" zu sitzen und aus dem Fenster zu schauen. Aber viel gibt es eh nicht zu sehen. Steine, Kakteen und Himmel. Ich liebe diese Tage, an denen nicht wirklich etwas passiert, an denen ich in meinem Buch lese, vielleicht einen meiner tausend Reiseführer studiere oder an meiner Homepage arbeite. Tage, an denen ich mache, was ich will, meist  nichts von Bedeutung. Tage im Winter, die kurz sind und sich von einer Mahlzeit zur nächsten hangeln. Tage, die eigentlich nichts hervorbringen und deshalb auch kaum Erwähnung in einem Tagebuch finden sollten. Also, ich halt mich dran.

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14.-16. Januar 2001 - White Sands NM

Wer die Filmreihe Star Wars kennt, der weiß auch, dass Teile davon in der Wüste spielen. Diese Szenen wurden im White Sands National Monument gedreht, wie tausend anderer Wüstenszenen auch. Warum sollten sich die Hollywood-Regiseure auch in die Sahara begeben, wenn in New Mexico zwar eine nur um Bruchteile so große, aber dennoch lupenreine Sandwüste vorzufinden ist. Zwischen den Caballo Mountains und den Sacramento Mountains erstreckt sich eine weiße Sandwüste, die so gar nicht zwischen die Gebirgsketten passt, dass es den Amerikanern durchaus zuzutrauen gewesen wäre, sie hätten eine künstliche Wüstenlandschaft als Naherholungsgebiet für gelangweilte Cowboys (und wenn vorhanden, natürlich auch Indianer) entstehen lassen. Dem ist allerdings nicht so. Die Wüste "wuchs" von ganz alleine und ist nur eins der vielen Naturwunder, die es hier im Südwesten der USA zu sehen gibt.
Wir lassen es uns natürlich nicht nehmen, eine Wanderung in der für uns so fremden Umgebung zu machen, wobei die Strecke mit 7,5 km keine Höchstleistungen  von uns abverlangen sollte. Doch der Trail läuft tatsächlich mitten durch die Dünen und das Prinzip "Ein Schritt vor und zwei zurück" kommt nicht selten zum tragen. Obwohl es außerhalb des Gebietes nicht sonderlich warm war, brennt die Sonne innerhalb des endlosen Sands erbarmungslos vom Himmel und lässt uns gleich ins Schwitzen kommen. Es fällt einem schwer, in dem losen Sand den richtigen Tritt zu finden und uns ist schon nach wenigen hundert Metern die Anstrengung anzumerken. Erst hatte es etwas Faszinierendes - der Sand, die sich bewegenden Dünen, die trockene (fast sandige) Luft, die Stille und der Kontrast, der im Übergang zwischen dem hellen Sand und dem dunkleren Himmel liegt. Als wir erschöpft auf einer Düne unsere Wegzehrung zu uns nahmen, prasselten plötzlich,  vom Wind angetrieben, Millionen kleiner Sandkörnchen auf unsere Haut, die sich wie Nadelstiche anfühlten und der sandige Staub wurde im Nu in jede Körperöffnung getrieben. Mit einem Mal änderte sich das Wetter. Es zogen vereinzelt Wolken auf und der Wind wurde immer heftiger. Ab diesem Zeitpunkt änderte sich auch meine Stimmung erheblich. Kam ich mir doch plötzlich so schutzlos vor, dem Wind hilflos ausgeliefert.  Kein Windschatten und nichts, was mich vor dem in jede Ritze eindringenden Sand hätte abschirmen können. Die Wüste hatte plötzlich etwas Bedrohliches und ich war froh, als wir wieder am Auto ankamen.
Dort trafen wir Andrea und Thomas. Sie kommen ursprünglich aus Österreich, doch eigentlich sind sie in der ganzen Welt zuhause. Jetzt fahren sie in einem Camper durch die Staaten, nachdem sie unter anderem drei Jahre auf einem Boot die Welt erkundet haben. Sie sind so richtig "lässig" (was aus deren Mund so typisch breit und langgezogen wienerisch klingt, dass es herrlich ist, ihnen zuzuhören) und wir verbringen einen lustigen und unterhaltsamen Abend mit Spaghetti und Glühwein bei uns in der Kabine. Eine willkommene Abwechslung bei den sonst doch manchmal sehr einsamen Winterabenden.

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18.-19. Januar 2001 - Gila Cliff Dwellings NM

Wir haben den Rekord aus letzter Nacht gebrochen und konnten -9 °C in der Früh auf dem Thermometer ablesen. Ich weiß selbst, dass ich von nichts anderem mehr schreibe, aber man muss doch zugeben, dass -9°C ziemlich kalt ist, oder?! Nein, wir frieren nicht und bekommen auch keine Frostbeulen. Trotzdem zwingt die Kälte einen zu besonderen Maßnahmen, die uns für gewöhnlich eher fremd sind. So haben wir unser Bettzeug mit den Schlafsäcken kombiniert und liegen jetzt unter einem Wust von Decken, brauchen aber nicht zu frieren. Schließlich betreiben wir ja die Heizung nachts nicht volle Pulle und so liegt die Innentemperatur der Kabine auf schnuckeligen 8 Grad plus. Da macht der nächtliche Toilettengang besondere Freude. Wir füllen abends schon den Wasserkessel, da morgens das Wasser in den Leitungen gefroren ist. Wir haben sogar heute morgen zusätzlich unseren Zweiflammen-Gaskocher in der Kabine auf vollen Touren laufen lassen, sonst würden wir immer noch darauf warten, dass die Heizung den Raum auf annehmbare 17 °C aufheizt. Wir gehen nur in voller Montur aus dem Haus (d.h., mit langen Unterhosen, Unterhemd, dickem Pulli, Handschuhen, Wollmütze) - was für den Großteil der Menschheit nichts Besonderes zu sein scheint. Für unseren Lebensraum in der Größe von 2,5 Quadratmetern, wovon 80% durch Tisch, Bett und Sitzbank verbaut sind, gehört zum Bekleiden mit derartig vielen Utensilien ein gewisses Organisationstalent und die Beherrschung eines ausgeglichenen Ehepartners, wenn man die linke Socke oder die Wollmütze sucht - und dies alles tut man nicht, bevor das Thermometer mindestens positiven Ausschlag aufweisen  kann. Das war heute nicht vor zwölf Uhr mittags. Zu diesem Zeitpunkt machten wir uns auf zum Gila Cliff Dwellings National Monument, einer Höhlensiedlung aus dem Jahre 1270. Teile der Höhlenbauten stammen angeblich sogar aus dem Jahr Anno 100-400.  Doch die Mogollon   Indianer waren nachweislich die letzten Einwohner der zu besichtigenden Steinhäuser innerhalb des Höhlenkomplexes. So oder ähnlich werden wohl all unsere Vorfahren gelebt haben, und es ist nicht uninteressant, die kleinen, engen Behausungen zu besichtigen und die Vorstellung, dass sich hier vor langer Zeit richtiges Gesellschaftsleben abgespielt hat, mutet keinesfalls befremdend an. Aber es gibt eine Sache, die mir an diesem Tag besonders in den Sinn kommt. Bei dieser unheimlichen Kälte sind wir gerade mal fünf Stunden vor der Tür, von zwölf bis fünf - länger würde derzeit bedeuten, dass man vor Kälte mindestens eine Zehe und zwei Finger einbüßen müsste. (Unsere Nachbarn hier auf dem Campground haben übrigens gezeltet. Das war bestimmt eine vergnügliche Nacht. Sie sind allerdings heute auch abgereist. Ich glaube, der junge Mann hatte nur noch drei Finger an einer Hand (Scherz) Doch auch damals waren die Winter sicherlich manchmal sehr kalt. Und was taten die Mogollon Indianer bei -9°C? Vielleicht waren sie zu den wärmsten Stunden auf der Jagd, holten im nahegelegenen Bach etwas Wasser oder tankten ein bisschen Sonne, bevor es die meiste Zeit des Tages bitterlich kalt war und es sicherlich nur noch um die Feuerstelle herum  auszuhalten war. Sicher verbrachten sie viel Zeit mit Handarbeit, nähten sich neue Kleidungsstücke oder erzählten sich die alten Geschichten von damals. Sie konnten die langen Winterabende nicht mit Fernsehen oder Kino überbrücken. Sie gingen nicht eben mal rüber zur nächsten beheizten Kneipe und trafen dort ein paar Freunde. Sie saßen tagein tagaus in ihren Höhlen und zählten sicherlich die Monde, bis es wieder wärmer wurde.
Britta und ich erleben in diesem Jahr den Winter auch auf besonders intensive Art. Wir schätzen die wenigen Sonnenstunden und treffen unaufhörlich Maßnahmen zum Schutze vor der Kälte. Wir sitzen viel in unserem kleinen Häuschen und erzählen Geschichten von damals. Wir machen Handarbeit und schreiben Tagebuch. Und nicht zuletzt ruhen wir uns aus, bevor der Frühling wieder unsere ganze Energie erfordert. Jetzt könnte man glauben, wir langweilten uns oder wir gingen uns auf die Nerven. Aber was taten dann erst die Mogollon Indianer? Zumindest sind sie nicht wegen der kalten, langen Winter ausgestorben.

bilder/newmexico/GilaCliffDwellingsVonUnten.jpg
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18. Januar 2001
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