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Ein Reisebericht von Britta und Markus Hachenberger
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Teil 1 New York - Shenandoah - Niagara - Algonquin - Forillon
Teil 2
Kouchibouguac - Acadia - Chicago - Memphis - M. Cave
Teil 3
G. Smoky Mts. - Cumberland I. - Disney World - Florida Keys
 Teil 4
 Gulf Island - New Orleans - Big Bend - Carlsbad C. - White Sand
 Teil 5
 Chiricahua - Saguaro - Phoenix - San Diego - Highw. No.1
 Teil 6
 San Francisco - Redwood - Yosemite - Death Vegas - LA
 Teil 7
 Lake Mead - G. Canyon - Monument V. - Arches - Bryce - Zion
Teil 8
G. Teton - Yellowstone - Glacier - Waterton - Banff - Jasper
Teil 9
Edmonton - Elk I. - Riding Mt. - Fort William - Toronto
Teil 10
Epilog

 
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Jenny Lake, Grand Teton NP, Wyoming


Datum
Ort
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07. August 2000
Ankunft New York
Karte New York
07.-10. August 200
New York City
Karte New York
11.-12. August 2000
Baltimore
Karte Maryland
13.-17. August 2000
Shenadoah NP
Karte Virginia
17.-18. August 2000
Jones Springs / Sleepy Creek
Wildlife Management Area
Karte West-Virginia
19.-20. August 2000
Parker Dam SP
Karte Pennsylvania
21.-23. August 2000
Niagara Falls
Karte New York
24.-26. August 2000
Niagara on the Lake / Darlington PP
Karte Ontario
27.-31. August 2000
Algonquin PP
Karte Ontario
01.-03. September 2000
Ottawa
Karte Ontario
06.-08. September 2000
St. Lawrence / Forillon NP / Gaspé Halbinsel
Karte Québec

07. August 2000 - Ankunft in New York

Wir haben natürlich bis zum Schluß nicht wirklich realisieren können, was es heißt, sich am Flughafen für ein Jahr von seinem Heimatland und von seinen Lieben zu verabschieden. Zu lange befanden wir uns in einem festgelegten Arbeits- und Urlaubsrhythmus, als dass die Vorstellung von einem Jahr Vollzeiturlaub in unseren Kopf gegangen wäre. Auch noch viele Stunden nach der Landung in New York  hat sich außer einem normalem Reisefieber nichts besonderes eingestellt - New York lässt ohnedies keine anderen Empfindungen neben der Faszination und dem Gefühl des Überwältigtseins zu.
Der Flug mit Singapur Airlines ist auf jeden Fall ein Lob wert. Die Sitze sind zwar auch nicht breiter als bei anderen Fluggesellschaften, dafür gibt es aber ein Mediasystem mit eigenem Bildschirm für jeden Platz, mit dem man fernsehen, radiohören, einkaufen, neueste Fluginformationen abfragen und Computerspiele spielen kann. Zwei der insgesamt ca. 20 gezeigten Videofilme sind sogar in deutscher Sprache. Das erleichtert die acht Stunden Flugzeit enorm und der Flug vergeht fast wie im Flug.
Uns ist es gelungen, bei mindestens 35°C und 80% Luftfeuchtigkeit nach der Landung in New York sofort in die Subway zu steigen und erst nach einer geschlagenen Stunde direkt neben unserem Hotel in Manhattan ans Tageslicht zu gelangen. Dieser Treppengang auf die 7th Avenue wird mir wohl für immer im Gedächtnis bleiben, war er doch für mich wie der Auftritt in meinem eigenen Film. Ich erlebte eine nie gesehene Kulisse und einen nie gehörten Lärm, der nur einen Gedanken zuließ: Die Amis spielen in New York gerade alle einen großen Film - und wir sind mittendrin.

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Karte New York
Karte New York
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07.-10. August 2000 - New York City

40°C und 95% Luftfeuchtigkeit sind w ohl nicht die richtigen Bedingungen, um die Stadt der Städte zu erlaufen. Wir taten es trotzdem. Jetzt schmerzen uns die Füße, die Beine und Muskeln, von deren Existenz ich vorher noch nicht einmal etwas wusste. Aber nur zu Fuß lernt man New York City richtig kennen. Die Stadt beeindruckt durch viele Dinge, doch herausragend ist eine Fahrt "Top of the world" - auf das World-Trade-Center. Von dort oben erscheint einem das Spektakel am Boden wie die Szenerie einer Spielzeugeisenbahn und irgendwie nicht echt. Wer in Gottes Namen würde auch solch eine Kulisse in die Landschaft bauen? Das können nur verrückte Menschen sein. Und wenn man klare Sicht hat (und die hatten wir), kann man sogar die Erdkrümmung erkennen, denn rundherum ist das Land flach wie eine Scheibe (in diesem Fall wie eine gekrümmte Scheibe). Desweiteren hat unsSOHO sehr gut gefallen. Ein Stück altes New York mit einem Flair, welches so gar nicht zu der ansonsten so lauten Stadt passt.
New York hat viele verschiedene Gesichter. Mal sind die Straßen eingezwängt in nicht enden wollende Hochhausfassaden, mal finden sie großzügig Platz zwischen - für New Yorker Verhältnisse - flachen Gebäuden, deren Feuerleitern an den Außenwänden den Eindruck machen, sie hielten die Gemäuer zusammen. Meist beschränkt sich unsere Faszination aber auf die Tatsache, dass fast jeder Bau ein Glanzstück architektonischer Baukunst darstellt und dass es in New York scheinbar nichts gibt, was es nicht gibt und das meiste davon braucht kein Mensch. Aber so unterschiedlich die Meinungen zu dieser Stadt auch ausfallen, so unterschiedlich sind auch die einzelnen Straßen und Bezirke. Und einige davon würde ich noch nicht mal am Tag durchqueren.
Wir haben uns den Central-Park angeschaut, der von Gärtnern nur so wimmelt und trotzdem im Dreck zu ersticken droht. Und trotz unglaublicher Ausmaße schließt dieser riesige Park den Lärm und den Gestank, der ringsherum herrscht, nicht aus. Ansonsten ist die Anlage eine zwingend besuchenswerte Alternative zu Straßenterror und Autokollaps. Der Trumptower schreckt alle, die keinen Teppichboden unter den Sohlen tragen, ab, denn der glänzende Marmorboden - der sich nicht nur durch die überdimensionale Eingangshalle, sondern auch die Wände hoch erstreckt und zu allem Überfluss auch noch als Wasserlauf für den in 20 Meter Höhe entspringenden Wasserfall dient - ist eingefasst in Goldleisten und zeugt von einer kostspieligen Arroganz, welche die vor der Halle herumlungernden Obdachlosen scheinbar übersah. Das ist absurd und trifft nicht unseren Geschmack. Bloomingdale's ist ein Kaufhaus, in dem man alles kaufen kann, was andere haben wollen. Ziemlich edel, aber die meisten Kunden machten auf uns genau diesen Eindruck - sie waren schön, schlank und unheimlich modisch. Wir haben nichts gekauft. Wir entsprachen nicht dem Schönheitsideal. Aber ich möchte nicht alles schlecht machen. Chinatown war zwar nicht schön im Sinne von schön, aber durchaus interessant. Der Gang über die Brooklynbridge war zwar lang, aber dafür eröffnete er einen Blick auf die Skyline Manhattans, den man so sicher nur noch auf der Fähre zu sehen bekommt. Die Fahrt zur Freiheitsstatue haben wir uns erspart, wir wollen schließlich nicht immigrieren.
New York ist genau das, was ich "verrückte Welt" nennen würde. Die Kontraste sind so stark, dass es mir schwer fällt, ein Gefühl für diese Stadt zu entwickeln. Arm und reich liegen oft nur Zentimeter auseinander und das spiegelt sich in Häuserfassaden, Geschäften und Restaurants wider. Ich fühle mich nach den wenigen Tagen in dieser Stadt nicht besonders wohl. Dennoch nehme ich im tiefsten Unterbewusstsein einen Zauber wahr, der nur von the Big Apple ausgeht. Und nicht zuletzt ist es für mich ein unvorstellbarer Apparat und eine beeindruckende Logistik, die so viele Menschen auf solch engen Raum unterbringen kann.
Den Gang entlang einer der vielen Straßen habe ich in einer Story festgehalten.

Der Gang über einen New Yorker Sidewalk
kdslc

bilder/newyorkbaltimore/NYCTimesSquare.jpg
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Karte New York
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Fotoalbum New York
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11.-12. August 2000 - Baltimore

Nachdem wir am 10. August mit der Eisenbahn (Amtrak) nach Baltimore gefahren sind und uns in dem klimatisierten Abteil fast den Kältetod holten, kamen wir wohlbehalten im schönen Maryland an und erfreuten uns auch hier an 95% Luftfeuchtigkeit und unerträglicher Schwüle. Ein Spaziergang im Hafen und ein überteuertes Essen im Hardrock-Cafe waren die Highlights dieses Tages. Es gab keinen Zweifel, dass wir Sehnsucht nach unserem Zuhause hatten - unsere Wohnkabine. Das Days Inn machte uns den Aufenthalt allerdings so angenehm wie möglich und war im Gegensatz zum Hotel Pennsylvania in New York eine Luxusbude.
Am 11. August war es dann soweit. Britta und ich fuhren mit dem Taxi zu Seabridge International - der Agentur, die unser Auto in Baltimore in Empfang nehmen sollte. Michelle (die freundliche Angestellte) fuhr mich und drei weitere Deutsche an den Hafen, um die Fahrzeuge abzuholen. Da stand es - unser Auto - unversehrt und in bester Verfassung. Ich habe schon die ganze Zeit darauf gewartet, dass irgend etwas Unvorhergesehenes passieren würde. Bisher lief alles viel zu glatt. Als ich jetzt die Kabinentür öffnete, empfing mich das Chaos einer sehr turbulenten Überfahrt. Kaum noch etwas lag auf seinem Platz. Die Schränke sind zwar (Gott sei Dank) zu geblieben, aber deren Inhalt hat sich einmal um die eigene Achse gedreht. Alles, was lose im Raum stand, lag verstreut auf dem Boden. Die Kräfte, die bei so einer Überfahrt auf das Fahrzeug wirken, hatten wir unterschätzt. Aber es ist alles ganz geblieben und es bedurfte nur einer größeren Aufräumaktion.
Jetzt sitzen wir 20 km südlich von Baltimore in Millersville auf einem KOA-Campground und fühlen uns pudelwohl. Wir hatten schon einmal Fisch vom Grill und waren natürlich auch schon einkaufen. Also es stimmt. Es ist schon ziemlich teuer hier. Aber das liegt nicht nur an dem schlechten Dollarkurs, sondern auch an der Tatsache, dass wir uns immer noch im Einzugsgebiet von Washington und Baltimore befinden. Und der Osten des Landes soll ohnehin noch mal etwas teurer sein. Aber wir werden das zwangsläufig weiter beobachten. Wir haben auf jeden Fall preisbewusst eingekauft und sind damit eigentlich gut gefahren.
Jetzt sind wir uns gerade so am "einleben", versuchen den Anfangsstreitigkeiten aus dem Weg zu gehen und genießen den Tag. Allerdings wissen wir noch nicht so richtig, wie uns geschieht.

bilder/newyorkbaltimore/MIllersvilleKOA.jpg
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Zum Reiseverlauf 10. August 2000
10. August 2000
Karte Maryland
Karte Maryland
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13.-17. August 2000 - Shenandoah NP

Nach zwei angenehmen Nächten im KOA-Millersville Campground starteten wir unsere Reise durch Amerika. Nach dem Großstadtgewimmel in New York zog uns der günstig gelegene Shenandoah National Park magisch an. Der National Park liegt in Virginia gerade mal 250 km von Baltimore entfernt. Bei Kilometerstand 102197 (Gesamtkilometerleistung unseres Fahrzeugs) bzw. 0 km (Kilometerleistung auf unserer Reise) fuhren wir morgens bei 19C° in Millersville los. Über die Interstate 95 Richtung Washington, das wir ungeachtet links liegen ließen, weiter über die Interstate 66 westwärts nach Front Royal.
Da stehen wir nun im Shenandoah National Park auf dem Mathews Arm Campground und erfreuen uns des Lebens. Am Eingang kauften wir gleich den National-Parks-Pass (auch Golden Eagle Pass), der uns den Eintritt in alle US National Parks ermöglicht. Es ist wunderschön ruhig hier, es gibt unglaublich viel Platz und alles in allem ist es genau das, was wir suchen. Das hat uns animiert, am 14. August 2000 eine Wandertour zu unternehmen. Die Wandertipps erfährt man hier direkt vom Ranger und das Kartenmaterial bekommt man auch dazu. 5 Stunden und 50 Minuten waren wir unterwegs und ca. 14 km Wegstrecke haben wir in dieser Zeit erlaufen. Es war unsere erste Tour und deshalb auch sehr anstrengend. Aber es war spitze. Einsam und allein durchliefen wir Waldgebiete, die den Anschein machten, als würden sie nur selten von Menschen durchforstet. Bei einer durchschnittlichen Park-Besuchszeit von 1/2 Tag pro Besucher wundert das kaum. Hier ins Hinterland des Waldes kommt nur selten jemand hin. Fast auf der Hälfte unseres Weges wurden wir dann von einem kleinen Bachlauf belohnt, der sein Wasser immer wieder in kleineren Auffangbecken sammelt. Wie kleine Pools oder Badewannen mit frischem Bachwasser erschien uns diese Laune der Natur. Da konnten wir nicht widerstehen und nahmen gleich ein kühles Bad. Das war vielleicht erfrischend! Allein dieses Erlebnis entschädigte für den langen und steilen Rückweg. Einen Eindruck vom Shenandoah-Wald bekommt man auch, wenn man die zugehörige Story liest.

Ein Gang durch den Shenandoah-Wald
söldc

bilder/pennsylvaniawvirgin/ShenandoahMathewsArmCG.jpg
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11. August 2000
Karte Virginia
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17.-18. August 2000 - Jones Springs

Wir haben den Shenandoah National Park nicht verlassen, ohne einen Bären zu sehen. Er spazierte gemütlich über den Campground und störte sich nicht an den anwesenden Menschen. An mir lief er in einem Abstand von ca. 10 Metern vorbei - ein ergreifendes Gefühl. Da wurden selbst die anwesenden Ranger nervös. Jetzt habe ich natürlich meinen Namen weg: "Der an dem der Bär vorbei ging"!
Am 17. August fuhren wir von unserer zweiten Station im Shenandoah National Park, dem Lewis Loft Campground, weiter Richtung Süden, um den Park in seiner vollen Länge (107 km) zu durchfahren, um dann wieder auf der Interstate parallel zum Park Richtung Norden zu fahren. In Staunton erhielten wir beim AAA die wichtigen Campbooks, die einem Campingführer gleich kommen. Wir suchten uns gleich einen Platz aus, der uns nach West-Virginia führen sollte. Aber vorher hielten wir in Woodstock, einem Ort, der zumindest den gleichen Namen hat wie die wohl berühmteste Rock 'n Roll-Stätte in den USA. Doch wir sollten erst viele Wochen später feststellen, dass fast jeder amerikanische Staat ein Woodstock besitzt und dass jenes in Virginia historisch nicht zu großen Ehren gekommen ist. Hier entdeckten wir auch das erste Mal, dass die überwiegende Anzahl von Häusern aus Holz zu sein scheint und dass Gartenzäune eher eine Rarität sind. Dafür nennen die Amerikaner soviel Grundstück ihr eigen, dass darin ohne weiteres 10 deutsche Standardgrundstücke Platz fänden.
Auch stellen wir bei jedem Kilometer fest, dass das Kartenmaterial von äußerster Wichtigkeit ist. Das Material ist nicht generell gut oder schlecht. Manchmal kann man in der einen Karte einen gesuchten Ort besser finden, manchmal wird er aber auch gar nicht aufgeführt. Und auch der Maßstab ist hierbei nicht entscheidend. Genau diese Tatsache war nämlich die Ursache, dass wir von der örtlichen Lage des anzusteuernden Campgrounds keinen Schimmer hatten. Wir fuhren erst eine Staatsstraße, dann einen besseren Feldweg und je weiter wir kamen, desto schlechter wurde der Weg. Endlich kam das Haus des Platzwarts (Host), aber der Campground war noch lange nicht zu sehen. Den Berg hinauf und dann wieder herunter. Meile um Meile fuhren wir tiefer in den Wald hinein. Wie selbstverständlich stand ab und zu am Wegrand ein Schild: "Campground, this way". Doch erst nach vielen weiteren Kurven und sage und schreibe 45 Minuten Waldfahrt erschien vor uns ein See. Um diesen See herum gibt es kleine Stellplätze (insg. 125 Stück), die einfach traumhaft gelegen sind. Hier herrscht eine Ruhe, dass einem fast unheimlich wird. Ab und zu kommt mal ein Fischer vorbei und fragt, wie die Fische heute beißen. Doch wir können ihm nicht helfen, was den Fischer veranlasst, uns eine Unterrichtsstunde im Angeln zu geben. Bei Dämmerung lassen manche sogar ihre Boote ins Wasser, um direkt in Ufernähe ihre Angeln auszuwerfen. Und nichts und niemand hat es hier eilig. Hier steht die scheinbar Zeit still. Und diese Ruhe überträgt sich auf unser Gemüt. Wir haben zwar Nieselregen, trotzdem genießen wir die Aussicht aus unserem Camper und lassen den Wettergott gewähren, ohne uns darüber zu ärgern. Denn trotz Regen gefällt es uns hier besser als in New York.

bilder/pennsylvaniawvirgin/JonesSpringsBlickausdemCamper.jpg
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Zum Reiseverlauf 14.-17. August 2000
14.-17. August 2000
Karte West-Virginia
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19.-20. August 2000 - Parker Dam SP

Eine Fahrt durch dieses Land  ist wie eine Fahrt mitten durch die Natur. Das Land ist nicht so dicht bebaut wie Deutschland und deswegen erscheint hier einem auch alles so grün. So empfand ich zumindest die Fahrt durch große Teile Pennsylvanias. Nur weil wir mit der Kartenleserei und dem richtigen Umsetzen in die Landschaft einige Probleme hatten, fuhren wir unfreiwillig ein paar Meilen zu viel, sahen dafür allerdings auch Flecken, die wir sonst nie zu sehen bekommen hätten. So steht außer Zweifel, dass man fast immer den Eindruck hat, man führe durch einen National Park oder zumindest durch ein Naturschutzgebiet. Aber in Wirklichkeit sieht es hier fast überall so aus. Und nicht zuletzt haben die Amerikaner hier viele, viele State-Parks und National Forests, die manchmal sogar ineinander übergehen.
          Auch wenn ich mich wegen eines lästigen  Schnupfens nicht danach fühlte, auf Entdeckungstour zu gehen, machten  wir am 20. August vom Woodland Campground aus eine kleine Tour in den im Norden liegenden Parker Dam State Park . Auch diese Anfahrt war von den bekannten Problemen gekennzeichnet. Wir übersahen so manche Kreuzung, weil sie einfach nicht den Ansprüchen  an eine deutsche Kreuzung genügte. Deshalb brachten wir wieder einmal  ein paar extra Meilen hinter uns. Der Park liegt im Moshannon State Forest und alleine die Anfahrt auf geschotterten Straßen ist wie die Fahrt durch den größten Tierpark Europas. Dort angekommen,  stellten wir erneut fest, dass die Amis es wirklich verstehen, ein Erholungsgebiet  zu erschließen, oder zumindest die vorhandenen Ressourcen tadellos ausschauen zu lassen. Im Falle des Parker Dam State Parks ist ihnen auf jeden Fall ein Glanzstück gelungen. In einem Info-Center erfährt man alles über den Wald, dessen frühere Nutzung und deren Tiere darin. Es ist nicht so, dass es eine allzu große wissenschaftliche Vorbildung erfordert, um die Schautafeln zu verstehen. Im Gegenteil, die meisten Erklärungen sind oft von Schülern erstellt oder zumindest so formuliert, dass Kinder sie verstehen können. Und auch der Ausstellungsraum gleicht eher einer alten Baumfällerhütte als einem Museum. Der Park selbst ist absolut den Anforderungen einer Großfamilie angepasst. Es gibt Hunderte von Holztischen mit integriertem Grill für das Picknick, viele Wanderpfade verschiedenster Längen führen durch fast unberührten Wald und manchmal gibt es auch einen Lehrpfad, der von Schulkindern der umliegenden Schulen erstellt wurde und gleichzeitig als Naturerhaltungsprojekt dient. Was die Amis in der Vergangenheit auch immer mit ihren Wäldern angestellt haben und wie stark sie diese auch ausnutzten - jetzt haben sie in meinen Augen die perfekte Art gefunden, unter der Aufsicht von Rangern erstklassige Naherholungsgebiete zu schaffen und zu erhalten. Es machte auf jeden Fall ziemlich viel Spaß, hier einen Spaziergang um den See zu machen.

bilder/pennsylvaniawvirgin/ParkerDamSPBritta.jpg
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19. August 2000
Karte Pennsylvania
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21.-23. August 2000 - Niagara Falls

Seit 14 Tagen sind wir jetzt schon im Urlaub. Dass jetzt noch ca. weitere 340 Tage folgen sollen, geht immer noch nicht in meinen Kopf hinein - wie auch?! Es ist aber auch noch nicht diese Leichtigkeit und das "ich hab' doch Zeit- Gefühl" eingetreten. Wir verhalten uns noch genauso wie es die tausend anderen Touristen auch tun, mit dem Unterschied, dass wir vielleicht etwas preisbewußter leben, weil wir immer im Hinterkopf haben, dass unsere Zeit des maßlosen Ausgebens nicht automatisch begrenzt ist. Und man muß nicht mit beiden Händen Geld aus dem Fenster werfen, um in einer Touristen-Hochburg wie den Niagara-Fällen Hunderte von Dollars unter die Leute zu bringen. Nichts ist kostenlos außer dem unverfälschten Blick auf fortwährend herabfallendes Wasser. Und das ist auch der Höhepunkt dieses Naturschauspiels. Doch die Meisten merken es gar nicht vor lauter Rummel, Spektakel und Sonderfahrten, die rund um Amerikas größte Attraktion angeboten werden. So gibt es insgesamt fünf verschiedene Möglichkeiten, die Fälle aus verschiedenen Positionen zu bewundern. Per Hubschrauber, was zu kostenintensiv ist. Per Gondel, die nicht direkt über die Fälle fährt. "Behind the Falls", was bedeutet, dass man hinter die Fälle geführt wird, um durch Glasfenster herabfallendes Wasser zu begutachten, wovon unser Reiseführer schon abgeraten hat. Ein Spaziergang am unteren Ende der Fälle, was ausschließlich naß macht und einer Dusche in kompletter Montur gleich kommt. Oder die Fahrt auf einem der Boote ( Maid of the Mist), die bis an den Fuß der Fälle heranfahren. Das war unsere Wahl und auch ein beeindruckendes Erlebnis. Bleibt trotzdem der negative Beigeschmack, dass man natürlich auch vom Boot aus wegen des Spritzwassers kaum was gesehen hat und eigentlich nur nass geworden ist. O.K., wir können behaupten, wir hätten die Niagara-Fälle  schon von unten gesehen bzw. gefühlt - am Besten ist allerdings der kostenlose Blick von der kanadischen Seite auf die amerikanischen Falls (American Falls) sowie auf die kanadischen Falls (Horseshoe  Falls). Ganz kostenlos ist er allerdings nicht, wenn man sein Auto auf der amerikanischen Seite geparkt hat, denn selbst Fußgänger müssen beim Überqueren der Brücke, die die beiden Länder miteinander verbindet, wie im alten Rom Brückenzoll entrichten. Es bleibt trotzdem das herausragende Event. Auch gegenüber den Horseshoe Falls in ca. 500 Meter Entfernung regnet es noch kleine Tropfen, die gerade bei sommerlichen Temperaturen für angenehme Erfrischung sorgen. In einem wunderschön angelegten Park kann man vor bis an die Abrisskante der Fälle gehen, um sich davon zu überzeugen, dass das hier auch bloß kein amerikanisches Filmtrickstudio ist (was ich denen durchaus zutrauen würde). Beeindruckt von solcher Naturgewalt freuten wir uns auf den Besuch des Imax-Kinos, das einen Film über die Historie der Fälle zeigte. Aber auch hier wurden wir eher enttäuscht. Uns interessierte, wie solch ein Naturwunder entsteht und wie das mal früher ausgesehen hat - also die Geschichte der Fälle selbst. Das Imax-Kino zeigte aber nur die angeblichen Helden (Verrückte), die sich in irgendwelchen Gefäßen die Fälle herunterstürzten. Also wieder einmal die Geschichte ihrer Nationalhelden. Das hat uns natürlich reichlich wenig interessiert und dementsprechend fällt unser Urteil aus - das Imax-Kino kann man sich sparen! Es bleibt dabei - der bloße Anblick aus entsprechender Entfernung hat bei mir den größten Eindruck hinterlassen, wobei der Rummel insgesamt sich wieder eher negativ ausgewirkt hat.
Dieses Land hat so viel zu bieten - die Niagara-Fälle sind leider etwas kommerzialisiert.

bilder/newyorkbaltimore/NiagaraHorseshoeFallsonly.jpg
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21. August 2000
Karte New York
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24.-26. August 2000 - Niagara on the Lake

Nach fast vierzehn Tagen in unseren mobilen Zuhause überquerten wir am 24. August 2000 (diesmal mit Auto) die Grenze in das benachbarte Kanada. Und man wird es uns wohl kaum glauben, aber sobald man die Grenze überschritten bzw. überfahren hat, spürt man unweigerlich einen größeren europäischen Einfluss. Ich weiß nicht, woran das liegt, ob es nun die Gebäude sind, die Menschen oder sonst irgendein Vorkommnis, aber ab der Grenze sieht die Welt wieder ganz anders aus. Auf uns wirkt diese Tatsache eher positiv. Zum Beispiel führen die Einkaufsläden plötzlich wieder ganz andere Artikel (weniger Chips, dafür mehr Backwaren). Oder die Menschen sind plötzlich nicht mehr ganz so schlampig angezogen. Vielleicht täuschen wir uns auch, aber diese kleine Veränderung kommt uns entgegen und stärkt unser Wohlbehagen.
           Auf unserer Tour um das westliche Ende des Ontario Lakes herum machten wir einen kurzen Halt in Ontarios schönster Stadt, nämlich Niagara on the Lake. Das Urteil fällten nicht wir, sondern eine Kommission, die jedes Jahr aufs neue die schönste Stadt Ontarios kürt. Niagara on the Lake errang 1996 diesen Titel und hat sich dieses Markenzeichen bis heute bewahrt. Die meisten Gebäude stammen noch aus dem 19. Jahrhundert  und dementsprechend schön anzusehen sind die Straßenzüge (bzw. die eine Straße, um die sich eigentlich alles dreht). Es kommt so ein bisschen das Flair der Drosselgasse in Rüdesheim auf und die überwiegende Zahl der Menschen auf der Straße hat das Rentenalter schon vor Jahren erreicht. Die Geschäfte haben ihre Waren der Kundschaft angepasst, deshalb gibt es überwiegend Süßwaren, Hüte und Schmuck in den Auslagen zu bewundern. Trotzdem versprüht die Stadt eine sehr angenehme, geruhsame, fast schon behäbige Atmosphäre. Hier hat es niemand eilig, die Autos fahren sehr langsam über die Straßen und obwohl Hunderte von Menschen umherlaufen, herrscht angenehme Stille. Keine Anzeichen von Hektik. Britta hat sich einen Tilley Hat gekauft. Damit sieht sie nun wie ein professioneller Wanderer aus. Bewundernswert und sehr beeindruckend ist auch die Apotheke aus dem Jahre 1860. Sie wurde seit ihrer ersten Eröffnung nur geringfügig verändert und beherbergt heute noch Glasgefäße aus dem Jahr 1830. Die Einrichtung und die typischen Utensilien sind Schmuckstücke aus alten Westernzeiten. Ich gehe davon aus, dass die Medizin in den unzähligen Fläschchen ebenso alt ist wie die Einrichtung selbst, deshalb verzichten wir auf die verschreibungspflichtigen Medikamente. Heute kommen die Besucher, um die in Glasvitrinen ausgestellten kleinen Accessoires zu sehen, die mit viel Liebe zum Detail dort präsentiert sind.
           Danach holte uns recht schnell - auf dem Expressway nach Toronto - die Realität  ein. Sechzehnspurig verläuft hier eine Verkehrsader mitten durch das Herz dieser Metropole und ein Auto reiht sich an das nächste. Schon aus der Ferne ist der alles überragende CN Tower - weltgrößter  Turm - zu sehen. Wir sind aber so von diesen Blechlawinen abgeschreckt, dass wir kurzerhand entschließen, nicht nach Toronto zu fahren. Wir sind hier, um das zu tun, was uns gefällt und New York wirkt definitiv noch nach. Also fuhren wie bis 10 km hinter Oshawa in den Darlington Provincial Park, um dort auf dem Campground unser Lager aufzuschlagen. Ein Platz direkt am See ist schon eher das, was wir uns wünschen und den bekamen wir auch. Von dort aus starteten wir am 25. August mal wieder eine kleine Wandertour durch den Park und entlang des Ontario Lakes . "Wildlife" ist hier überall zu bewundern und wenn es sich nur um Frösche und Libellen handelt. Britta nahm sogar ein Bad im Ontario Lake, obwohl er saukalt sein muss. Unfreiwillige Bekanntschaft mit überdimensional großen Moskitos machten wir auch. Aber daran werden wir uns eh noch gewöhnen müssen, wenn wir nach Newfoundland wollen. Den 26. August verbrachten wir, wie sicherlich noch viele Tage in diesem Jahr, mit so gut wie gar nichts.

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27.-31. August 2000 - Algonquin PP

Jeder, der gerne wandert, weiß, wie schön und ebenso anstrengend es sein kann, wenn man sich mit Rucksack bestückt durch die wilde Natur kämpft.  Nun wollten wir schon immer mal eine Zwei- bzw. Mehrtagestour machen und der Algonqiun Provincial Park bot sich hier in idealer Weise an. Obwohl er hauptsächlich als Kanu-Eldorado bekannt ist, bietet der Park dennoch ein weitverzweigtes Wanderwege-System. Am 28. August trainierten wir noch mal bei einer 5,6 km langen Tour um den Bat Lake herum. Auch wenn man sich hier nur wenige Meter vom Campground entfernt, hat man den Eindruck, man stünde als erster Mensch in vollkommen unberührter Landschaft. Man durchquert dichte Wälder, um nach der nächsten Biegung vor einem Waldsee zu stehen. Die verschiedenen Tannen- und Laubbäume stehen dicht am Ufer gedrängt und man hat immer wieder den Eindruck, aus dem Dunkel des Waldrandes beobachten einen die Augenpaare eines der hier lebenden Tiere. Und wahrscheinlich ist es auch so. Wir sehen zwar immer wieder die Spuren verschiedenster Tierarten, aber beim Wandern ist man so auf den Weg konzentriert, dass man kaum länger als für Sekundenbruchteile seine Umgebung beobachten kann. Auch der beim Wandern entstehende Lärm und unser natureigener Geruch (Gestank) verscheuchen die meisten Tiere schon lange bevor wir sie auch nur kurz zu Gesicht bekommen. Wahrscheinlich ist es genau so: Der Mensch begibt sich in die entlegensten Gebiete, um Wildlife zu beobachten und in Wirklichkeit gibt er dem Wildlife die Chance, ihn zu beobachten. Würmer, Raupen, Insekten (Moskitos), Frösche und alles, was nicht schnell genug die Flucht ergreifen kann, das sieht man auf Schritt und Tritt. Die großen Tiere wie Bären, Elche, Rehe, Luchse und Wölfe sind schon lange über alle Berge, wenn man auch nur in deren Nähe kommt. Wir sind darüber nicht traurig. Das Ökosystem in einem Park wie diesem funktioniert ausgezeichnet. Die Tiere haben den nötigen Respekt vor den Menschen und umgekehrt. Würden uns die Rehe nachlaufen, um ihren Anteil an unserem Reiseproviant einzufordern, hätten wir große Bedenken. Und wer möchte denn unbedingt einem Bären begegnen? Doch manchmal passiert das schon. Schließlich läuft man durch des Bären Wohnzimmer und der hat im Wald keine Feinde, also ist er auch manchmal ziemlich unbeeindruckt, wenn er einem Menschen gegenüber steht. Hoffentlich bleibt uns so eine Begegnung erspart.
           Den Grundstein  für die Begegnung mit einem wilden Tier legten wir am 29. August, als wir uns entschlossen, einen Zweitagestrip durch das Hinterland des Parks zu machen. Der 35 km lange Highland-Backpacking-Trail sollte unsere Herausforderung sein, was sich im Nachhinein als sehr mutig erwies. Man hat wirklich kaum eine Vorstellung, was es heißt, hier einen Trail zu wandern. Die Pfade, die selten breiter als ein Ziegenpfad sind, erstrecken sich durch dichtes, sumpfiges Waldgebiet. Hier gibt es so viel Wasser, dass man oft über Zweige und herabgefallene Baumstämme klettern muss, um keine nassen Füsse zu bekommen. Jeder Hügel kommt einer Bergbesteigung gleich, die auf der anderen Seite an einem Steilhang unter Umständen zur Rutschpartie werden kann. Nur an wirklich unüberwindlichen Hindernissen erkennt man die Arbeit der Ranger, die hier alle paar Wochen für "begehbare" Wege sorgen. Allgegenwärtig sind die Moskitos. Sie sitzen zu Dutzenden an den Hosenbeinen und am T-Shirt. Natürlich hinterlassen sie auch so manche Beule, die gerade in der Nacht zur unerträglichen Qual werden kann. Britta hatte es besonders schwer erwischt. Mindestens 50-60 Stiche machten ihr den Weg manchmal besonders schwer. Aber auch mich nervten die Mücken bis zum Äußersten. Ständig mit einem Blätterzweig um den Kopf herum wedelnd, kämpften wir uns mit jeweils einem Rucksack durch das Dickicht. Klar, wer in der Wildnis übernachten will, der muss natürlich auch ein Zelt, Schlafsäcke und Iso-Matten, Kochgeschirr und vieles mehr mit sich herumtragen. Diese Last kann ebenfalls zur Qual werden. 51/2 Stunden (ohne Pausen) hin und auch wieder zurück. 18 km einfacher Weg. Das musste uns die Mühe wert sein, eine Nacht am Harness Lake zu verbringen. Dort angekommen, ist es nicht der wunderschön gelegene See alleine, der für die Mühe entschädigt. Auch die kleine Feuerstelle und der große Stein, der weit bis ins Wasser hinein reicht, um sich von dort ins kühle, erfrischende Nass gleiten zu lassen, haben ihre Reize. Das ist zwar alles wunderschön, doch das hätten wir auch in unmittelbarer Nähe des Campgrounds haben können. Die Tatsache, dass man sich nun wirklich mit der Natur im Einklang befindet, sie erlebt und erfahren hat, das müssen auch die ersten Pilger, Jäger oder auch Forscher in diesem Land empfunden haben. Man bezwingt die Natur, ohne ihr wirklich zu schaden. Man sitzt auf dem Stein, schaut auf den See, sieht wie die Dämmerung sich wie eine unsichtbare Hülle über dem Wald ausbreitet, spürt die letzten Böen, die die kommende Windstille  ankündigen, hört, wie das Leben scheinbar verstummt, bis fast völlige Stille herrscht. Hier spielt nichts eine wichtige Rolle, hier drängt sich nichts in den Vordergrund. Und doch spielt sich hier das ab, worauf sich alles im Leben aufbaut. Der Ablauf von Tag und Nacht. Und noch nie war ich diesem Schauspiel so nah, obwohl ich von allem so weit weg bin. Das ist die Grundlage allen Lebens. Und ich bin nur der kleine Wurm mittendrin. Und genau das kann man am Harmes Lake erleben und dafür lohnt es sich, manchmal wirklich weite Wege zu gehen.
           Es kam kein Bär an unser Lager, obwohl uns entgegenkommende Wanderer erzählten, dass sie genau eine Nacht zuvor an gleicher Stelle von einem Bären besucht  wurden. Wir verbrachten eine regnerische und ungemütliche Nacht. Das  Schlafen auf einer Iso-Matte und im Schlafsack ist eben nicht mit dem Schlafen  in unserer Kabine zu vergleichen. Aber auch die ungewohnte Stille im Wald,  die allgegenwärtigen Tiere und die Tatsache, wirklich alleine zu sein,  hält einen unweigerlich wach. All das war ziemlich spannend und wirkte sich natürlich auf unseren Schlaf aus. Trotzdem war es ein unvergleichliches Erlebnis und wir werden diese beiden Tage trotz der Anstrengungen nicht missen wollen.
           Der 31. August war wieder einer dieser Tage, an dem ich Tagebuch schrieb, Britta sich am See tummelte und wir beide uns in erster Linie von den vorherigen Strapazen erholten.

bilder/ontariolakeontario/AlgonquinWandernHarnessLake02.jpg
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01.-03. September 2000 - Ottawa

Nachdem wir Toronto trotz seines nicht unwesentlichen Stellenwerts in der nordamerikanischen Wirtschaft nicht beachtet hatten, wollten wir uns wenigstens die Hauptstadt Kanadas anschauen, Ottawa. Auf dem Campingplatz Ottawa-Nepean Trailer Park fanden wir einen guten Ausgangspunkt für unsere Unternehmungen. Unser Pick-Up "quietschte" auch erleichtert, als wir endlich mal wieder die Kabine abschnallten und er ohne Last über die Highways brausen durfte. Da am 02. und 03. September Wochenende war, hielt sich der Verkehr in der 340 tausend Einwohnerstadt auch absolut in Grenzen. Es war sogar recht ruhig und das kam uns auch entgegen. Leider hatte ich ein kleines Handicap. Aus irgendeinem Grund hatte ich eine nicht ganz schmerzlose Entzündung am Fuß, was unsere Bewegungsfreiheit etwas einschränkte.  Doch nicht so sehr, dass wir nicht durch Eatons hätten gehen können. 200 Geschäfte in einen Komplex inklusive einer Fress- bzw. Markthalle, in der es alles an Fastfood gab, was man sich nur vorstellen kann, von Chinesisch bis Serbokroatisch, alles auf Plastiktellern und mit Plastikbesteck. Beeindruckend waren aber auch die 250 Japaner, die sich vor dem Platz des Parliament Buildings in 137 verschiedenen Stellungen fotografieren ließen, um nach zehn Minuten wieder in den Bus zu steigen (wahrscheinlich ging es danach direkt weiter nach Paris). Da vergeht einem das Fotografieren, obwohl das Parliament Building sehr dem Londoner Parlamentsgebäude ähnelt und das sicherlich nicht zufällig. Aber alles in allem ist Ottawa auch nur eine Stadt mit vier Einfahrtsstraßen, dreckigen öffentlichen Toiletten und einem halben Dutzend Attraktionen, die man irgendwo anders auf der Welt so oder so ähnlich schon mal gesehen hat. Nichts, was wirklich auf mich gewirkt hat, auch wenn Ottawa ganz hübsch ist. Das klingt so abwertend, doch man muss das ins Verhältnis  setzen. Wir kommen aus Europa und haben dort schon Städte gesehen, die von ganz anderem Kaliber sind. Paris, Wien, Salzburg, Augsburg, Nürnberg, Mailand, London, Amsterdam und viele, viele mehr. Alle haben sie mehr als die nordamerikanischen Städte. Hier gibt es vereinzelt schöne Gebäude, aber im Wesentlichen enttäuschen die Städte durch besonderen Charme - Armut und grelle Werbeschilder. Im Verhältnis dazu ist es eine pure Freude, über einen ganz normalen Highway zu fahren, der sich durch die schönsten Landschaften dieses Kontinents windet. Da sieht der Seitenstreifen einer Interstate aus wie ein Naturschutzgebiet im Odenwald. Hier fährt man stundenlang durch Wald, ohne dass auch nur ein Quadratmeter davon genutzt wird. Bei uns wäre jeder Meter eingezäunt und je nach Verwendung abgeholzt, verbrannt oder in einen Erlebnispark verwandelt. Für mich steht auch schon nach vier Wochen fest: Die Städte Nordamerikas geben kaum was her, doch die Landschaft ist unvergleichlich schön.

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06.-08. September 2000 - St. Lawrence, Gaspé Halbinsel

Drei Tage sind wir jetzt gefahren, um hier in den Forillon National Park   zu gelangen. Das hört sich nach großer Anstrengung an, war es aber nicht. Ich habe noch nie solch eine Küstenfahrt erlebt. In Québec  (Stadt) überqueren wir den St. Lawrence noch über eine  Brücke, aber dann nimmt der Strom so an Breite zu, dass man sich unweigerlich  fragt, wo denn plötzlich all das Wasser herkommt. Den Anblick dieses mächtigen Stroms sollte man sich nicht entgehen lassen. Wir hatten auf unserer Fahrt an die Ostküste des Landes zwei Mal übernachtet und hatten Glück mit unseren Plätzen. Doch in der zweiten Nacht, als wir in Cap-Chat auf einem fast leeren Campground ankamen, konnten wir unser Glück fast nicht fassen. In zwanzig Meter Entfernung schlug das Wasser des St. Lawrence an die Ufer und wir hatten von Wohnzimmer,  Küche und Schlafzimmer unserer Kabine aus einen wunderschönen Blick auf den großen Fluss und die darin untergehende Sonne. Ein tolles Erlebnis. Auf jeden Fall ging unsere Reise am darauffolgenden Tag weiter, immer Richtung Osten. Ich glaube, ich habe noch nie so unbeschwert am Steuer meines Fahrzeugs gesessen. Es war einfach eine Wohltat.
           Die Ankunft im Forillon National Park war nicht weniger beeindruckend, auch wenn es erst mal nur wieder von unserem Stellplatz handelt. Labourday ist in Nordamerika scheinbar ein magisches Datum. Nach diesem ersten Montag im September ist hier nichts mehr los. Alles fährt nur noch auf Sparflamme und viele Locations sind bereits geschlossen. Hier auf dem Cap-Resiers-Campground im Forillon Park sind noch wenige Plätze in Betrieb, doch die sind einfach der Hit. Im Kreis angeordnet stehen hier die Camper auf ihrer eigenen kleinen Lichtungen, welche die Blicke anderer abschirmen, aber den Blick auf den Golf St. Lawrence freigeben. Eine Feuerstelle und der obligatorische Holztisch stehen bereit. Ein Platz, an dem man leben wollte, wenn man dürfte und wenn es hier im Winter nicht so empfindlich kalt werden würde.
           Eine acht km lange Wanderung zu den Steilklippen der Küste am 07. September schien uns der richtige Zeitvertreib zu sein. Aber wie soll ich das erklären, wenn es doch kaum eine Möglichkeit gibt, das Erlebte und Gesehene in Worte zu fassen. So ist jeder Spaziergang, jede Wanderung, ein Hochgenuss für die Sinne. Wir standen auf einem Aussichtsturm oberhalb der Cap-Resiers Bucht. Die Sonne lässt das Meer an tausend Stellen aufblitzen wie kleine Spiegel, die alle unverständliche Lichtsignale senden. Das Cap erstreckt sich lang in den Ozean hinaus und auf seinem bewaldeten Rücken erstreckt sich ein schier undurchdringlicher Forst. Hinter dem Wald sieht man die Baie de Gaspé und weiter Richtung Westen blickt man auf das Festland der Halbinsel - grün, so weit das Auge reicht. Dieser 380° Rundblick ist es wert, die steilen Klippen zu erklimmen. Wie fast jeder Schritt, den man macht. Am Abend gingen wir dann gemütlich am Kieselstrand entlang. Das Meer war ruhig und erst trauten wir unseren Augen nicht, dann aber wiederholte sich das Schauspiel immer aufs neue. In gar nicht all zu großer Entfernung (1000 Meter) tauchte immer wieder die Rückenflosse eines Orkas auf. Das war nicht sonderbar spektakulär, trotzdem ist das ein ergreifendes Gefühl. Wir stehen am Strand und dort schwimmt ein Wal. Das hat man halt nicht alle Tage. Die Robben hier an der Küste sieht man schon häufiger, wenn sie neugierig ihre Nasen aus dem Wasser strecken, um die komischen Wesen am Ufer zu beobachten. Tölpel, Möwen, Krähen und viele andere Vögel sind hier zu Hause. Und an zwei Abenden haben wir am Strand auch einen Fuchs beobachten können, der die Strandböschung abläuft und sicherlich Mäuse aufspürt. Er schaut zwar manchmal zu uns hoch, aber ansonsten geht er seine Wege, ohne größere Notiz von uns zu nehmen. Wir verbringen den Abend auf unserer Camp-Lichtung und verbrennen das so gut riechende Nadelholz. Das Feuer wärmt in der doch recht frischen Nacht und am Himmel wächst das Sternendach von Minute zu Minute. Hier ist es schön - hier lässt's sich aushalten

bilder/quebec/ForillonCapDesRosiers.jpg
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