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Jenny Lake, Grand Teton
NP, Wyoming
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07. August
2000 - Ankunft in New York
Wir haben natürlich
bis zum Schluß nicht wirklich realisieren können, was es heißt,
sich am Flughafen für ein Jahr von seinem Heimatland und von seinen
Lieben zu verabschieden. Zu lange befanden wir uns in einem festgelegten
Arbeits- und Urlaubsrhythmus, als dass die Vorstellung von einem Jahr Vollzeiturlaub
in unseren Kopf gegangen wäre. Auch noch viele Stunden nach der Landung
in New York hat sich außer einem normalem Reisefieber
nichts besonderes eingestellt - New York lässt ohnedies keine
anderen Empfindungen neben der Faszination und dem Gefühl des Überwältigtseins
zu.
Der Flug mit
Singapur
Airlines ist auf jeden Fall ein Lob wert. Die Sitze sind zwar auch
nicht breiter als bei anderen Fluggesellschaften, dafür gibt es aber
ein Mediasystem mit eigenem Bildschirm für jeden Platz, mit dem man
fernsehen, radiohören, einkaufen, neueste Fluginformationen abfragen
und Computerspiele spielen kann. Zwei der insgesamt ca. 20 gezeigten Videofilme
sind sogar in deutscher Sprache. Das erleichtert die acht Stunden Flugzeit
enorm und der Flug vergeht fast wie im Flug.
Uns ist es gelungen,
bei mindestens 35°C und 80% Luftfeuchtigkeit nach der Landung in New
York sofort in die Subway zu steigen und erst nach einer geschlagenen
Stunde direkt neben unserem Hotel in Manhattan ans Tageslicht zu
gelangen. Dieser Treppengang auf die 7th Avenue wird mir wohl für
immer im Gedächtnis bleiben, war er doch für mich wie der Auftritt
in meinem eigenen Film. Ich erlebte eine nie gesehene Kulisse und einen
nie gehörten Lärm, der nur einen Gedanken zuließ: Die Amis
spielen in New York gerade alle einen großen Film - und wir
sind mittendrin.
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07.-10.
August 2000 - New York City
40°C und 95%
Luftfeuchtigkeit sind w
ohl nicht die richtigen Bedingungen,
um die Stadt der Städte zu erlaufen. Wir taten es trotzdem. Jetzt
schmerzen uns die Füße, die Beine und Muskeln, von deren Existenz
ich vorher noch nicht einmal etwas wusste. Aber nur zu Fuß lernt
man New York City richtig kennen.
Die Stadt beeindruckt durch viele Dinge, doch herausragend ist eine Fahrt
"Top of the world" - auf das World-Trade-Center.
Von dort oben erscheint einem das Spektakel am Boden wie die Szenerie einer
Spielzeugeisenbahn und irgendwie nicht echt. Wer in Gottes Namen würde
auch solch eine Kulisse in die Landschaft bauen? Das können nur verrückte
Menschen sein. Und wenn man klare Sicht hat (und die hatten wir), kann
man sogar die Erdkrümmung erkennen, denn rundherum ist das Land flach
wie eine Scheibe (in diesem Fall wie eine gekrümmte Scheibe). Desweiteren
hat unsSOHO sehr gut gefallen. Ein Stück
altes New York mit einem Flair, welches so gar nicht zu der ansonsten
so lauten Stadt passt.
New York
hat viele verschiedene Gesichter. Mal sind die Straßen eingezwängt
in nicht enden wollende Hochhausfassaden, mal finden sie großzügig
Platz zwischen - für New Yorker Verhältnisse - flachen Gebäuden,
deren Feuerleitern an den Außenwänden den Eindruck machen, sie
hielten die Gemäuer zusammen. Meist beschränkt sich unsere Faszination
aber auf die Tatsache, dass fast jeder Bau ein Glanzstück architektonischer
Baukunst darstellt und dass es in New York scheinbar nichts gibt,
was es nicht gibt und das meiste davon braucht kein Mensch. Aber so unterschiedlich
die Meinungen zu dieser Stadt auch ausfallen, so unterschiedlich sind auch
die einzelnen Straßen und Bezirke. Und einige davon würde ich
noch nicht mal am Tag durchqueren.
Wir haben uns
den Central-Park angeschaut, der
von Gärtnern nur so wimmelt und trotzdem im Dreck zu ersticken droht.
Und trotz unglaublicher Ausmaße schließt dieser riesige Park
den Lärm und den Gestank, der ringsherum herrscht, nicht aus. Ansonsten
ist die Anlage eine zwingend besuchenswerte Alternative zu Straßenterror
und Autokollaps. Der Trumptower schreckt
alle, die keinen Teppichboden unter den Sohlen tragen, ab, denn der glänzende
Marmorboden - der sich nicht nur durch die überdimensionale Eingangshalle,
sondern auch die Wände hoch erstreckt und zu allem Überfluss
auch noch als Wasserlauf für den in 20 Meter Höhe entspringenden
Wasserfall dient - ist eingefasst in Goldleisten und zeugt von einer kostspieligen
Arroganz, welche die vor der Halle herumlungernden Obdachlosen scheinbar
übersah. Das ist absurd und trifft nicht unseren Geschmack. Bloomingdale's
ist ein Kaufhaus, in dem man alles kaufen kann, was andere haben wollen.
Ziemlich edel, aber die meisten Kunden machten auf uns genau diesen Eindruck
- sie waren schön, schlank und unheimlich modisch. Wir haben nichts
gekauft. Wir entsprachen nicht dem Schönheitsideal. Aber ich möchte
nicht alles schlecht machen. Chinatown
war zwar nicht schön im Sinne von schön, aber durchaus interessant.
Der Gang über die Brooklynbridge
war zwar lang, aber dafür eröffnete er einen Blick auf die Skyline Manhattans,
den man so sicher nur noch auf der Fähre zu sehen bekommt. Die Fahrt
zur Freiheitsstatue haben wir uns erspart, wir wollen schließlich
nicht immigrieren.
New York
ist genau das, was ich "verrückte Welt" nennen würde. Die Kontraste
sind so stark, dass es mir schwer fällt, ein Gefühl für
diese Stadt zu entwickeln. Arm und reich liegen oft nur Zentimeter auseinander
und das spiegelt sich in Häuserfassaden, Geschäften und Restaurants
wider. Ich fühle mich nach den wenigen Tagen in dieser Stadt nicht
besonders wohl. Dennoch nehme ich im tiefsten Unterbewusstsein einen Zauber
wahr, der nur von the Big Apple ausgeht.
Und nicht zuletzt ist es für mich ein unvorstellbarer Apparat und
eine beeindruckende Logistik, die so viele Menschen auf solch engen Raum
unterbringen kann.
Den Gang entlang
einer der vielen Straßen habe ich in einer Story festgehalten.
kdslc
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11.-12. August
2000 - Baltimore
Nachdem wir am
10. August mit der Eisenbahn (Amtrak) nach Baltimore gefahren
sind und uns in dem klimatisierten Abteil fast den Kältetod holten,
kamen wir wohlbehalten im schönen Maryland an und erfreuten
uns auch hier an 95% Luftfeuchtigkeit und unerträglicher Schwüle.
Ein Spaziergang im Hafen und ein überteuertes Essen im Hardrock-Cafe
waren die Highlights dieses Tages. Es gab keinen Zweifel, dass wir Sehnsucht
nach unserem Zuhause hatten - unsere Wohnkabine. Das Days Inn machte
uns den Aufenthalt allerdings so angenehm wie möglich und war im Gegensatz
zum Hotel Pennsylvania in New York eine Luxusbude.
Am 11. August
war es dann soweit. Britta und ich fuhren mit dem Taxi zu Seabridge
International - der Agentur, die unser Auto in Baltimore in
Empfang nehmen sollte. Michelle (die freundliche Angestellte) fuhr
mich und drei weitere Deutsche an den Hafen, um die Fahrzeuge abzuholen.
Da stand es - unser Auto - unversehrt und in bester Verfassung. Ich habe
schon die ganze Zeit darauf gewartet, dass irgend etwas Unvorhergesehenes
passieren würde. Bisher lief alles viel zu glatt. Als ich jetzt die
Kabinentür öffnete, empfing mich das Chaos einer sehr turbulenten
Überfahrt. Kaum noch etwas lag auf seinem Platz. Die Schränke
sind zwar (Gott sei Dank) zu geblieben, aber deren Inhalt hat sich einmal
um die eigene Achse gedreht. Alles, was lose im Raum stand, lag verstreut
auf dem Boden. Die Kräfte, die bei so einer Überfahrt auf das
Fahrzeug wirken, hatten wir unterschätzt. Aber es ist alles ganz geblieben
und es bedurfte nur einer größeren Aufräumaktion.
Jetzt sitzen
wir 20 km südlich von Baltimore in Millersville auf einem KOA-Campground
und fühlen uns pudelwohl. Wir hatten schon einmal Fisch vom Grill
und waren natürlich auch schon einkaufen. Also es stimmt. Es ist schon
ziemlich teuer hier. Aber das liegt nicht nur an dem schlechten Dollarkurs,
sondern auch an der Tatsache, dass wir uns immer noch im Einzugsgebiet
von Washington und Baltimore befinden. Und der Osten des
Landes soll ohnehin noch mal etwas teurer sein. Aber wir werden das zwangsläufig
weiter beobachten. Wir haben auf jeden Fall preisbewusst eingekauft und
sind damit eigentlich gut gefahren.
Jetzt sind wir
uns gerade so am "einleben", versuchen den Anfangsstreitigkeiten aus dem
Weg zu gehen und genießen den Tag. Allerdings wissen wir noch nicht
so richtig, wie uns geschieht.
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13.-17. August
2000 - Shenandoah NP
Nach zwei angenehmen
Nächten im KOA-Millersville Campground starteten wir unsere
Reise durch Amerika. Nach dem Großstadtgewimmel in New York
zog uns der günstig gelegene Shenandoah National Park magisch
an. Der National Park liegt in Virginia
gerade mal 250 km von Baltimore entfernt. Bei Kilometerstand 102197
(Gesamtkilometerleistung unseres Fahrzeugs) bzw. 0 km (Kilometerleistung
auf unserer Reise) fuhren wir morgens bei 19C° in Millersville
los. Über die Interstate 95 Richtung Washington, das wir ungeachtet
links liegen ließen, weiter über die Interstate 66 westwärts
nach Front Royal.
Da stehen wir
nun im Shenandoah National Park auf dem Mathews
Arm Campground und erfreuen uns des Lebens. Am Eingang kauften wir
gleich den National-Parks-Pass (auch Golden Eagle Pass),
der uns den Eintritt in alle US National Parks ermöglicht. Es ist
wunderschön ruhig hier, es gibt unglaublich viel Platz und alles in
allem ist es genau das, was wir suchen. Das hat uns animiert, am 14. August
2000 eine Wandertour zu unternehmen. Die Wandertipps erfährt man hier
direkt vom Ranger und das Kartenmaterial bekommt man auch dazu. 5 Stunden
und 50 Minuten waren wir unterwegs und ca. 14 km Wegstrecke haben wir in
dieser Zeit erlaufen. Es war unsere erste Tour und deshalb auch sehr anstrengend.
Aber es war spitze. Einsam und allein durchliefen wir Waldgebiete, die
den Anschein machten, als würden sie nur selten von Menschen durchforstet.
Bei einer durchschnittlichen Park-Besuchszeit von 1/2 Tag pro Besucher
wundert das kaum. Hier ins Hinterland des Waldes kommt nur selten jemand
hin. Fast auf der Hälfte unseres Weges wurden wir dann von einem kleinen
Bachlauf belohnt, der sein Wasser immer wieder in kleineren Auffangbecken
sammelt. Wie kleine Pools oder Badewannen mit frischem Bachwasser erschien
uns diese Laune der Natur. Da konnten wir nicht widerstehen und nahmen
gleich ein kühles Bad. Das war vielleicht erfrischend! Allein dieses
Erlebnis entschädigte für den langen und steilen Rückweg.
Einen Eindruck vom Shenandoah-Wald bekommt man auch, wenn man die
zugehörige Story liest.
söldc
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17.-18. August
2000 - Jones Springs
Wir haben den
Shenandoah
National Park nicht verlassen, ohne einen Bären zu sehen. Er spazierte
gemütlich über den Campground und störte sich nicht an den
anwesenden Menschen. An mir lief er in einem Abstand von ca. 10 Metern
vorbei - ein ergreifendes Gefühl. Da wurden selbst die anwesenden
Ranger nervös. Jetzt habe ich natürlich meinen Namen weg: "Der
an dem der Bär vorbei ging"!
Am 17. August
fuhren wir von unserer zweiten Station im Shenandoah National Park,
dem Lewis Loft Campground, weiter
Richtung Süden, um den Park in seiner vollen Länge (107 km) zu
durchfahren, um dann wieder auf der Interstate parallel zum Park Richtung
Norden zu fahren. In Staunton erhielten
wir beim AAA die wichtigen Campbooks, die einem Campingführer gleich
kommen. Wir suchten uns gleich einen Platz aus, der uns nach West-Virginia
führen sollte. Aber vorher hielten wir in Woodstock,
einem
Ort, der zumindest den gleichen Namen hat wie die wohl berühmteste
Rock 'n Roll-Stätte in den USA. Doch wir sollten erst viele Wochen
später feststellen, dass fast jeder amerikanische Staat ein Woodstock
besitzt und dass jenes in Virginia historisch nicht zu großen
Ehren gekommen ist. Hier entdeckten wir auch das erste Mal, dass die überwiegende
Anzahl von Häusern aus Holz zu sein scheint und dass Gartenzäune
eher eine Rarität sind. Dafür nennen die Amerikaner soviel Grundstück
ihr eigen, dass darin ohne weiteres 10 deutsche Standardgrundstücke
Platz fänden.
Auch stellen
wir bei jedem Kilometer fest, dass das Kartenmaterial von äußerster
Wichtigkeit ist. Das Material ist nicht generell gut oder schlecht. Manchmal
kann man in der einen Karte einen gesuchten Ort besser finden, manchmal
wird er aber auch gar nicht aufgeführt. Und auch der Maßstab
ist hierbei nicht entscheidend. Genau diese Tatsache war nämlich die
Ursache, dass wir von der örtlichen Lage des anzusteuernden Campgrounds
keinen Schimmer hatten. Wir fuhren erst eine Staatsstraße, dann einen
besseren Feldweg und je weiter wir kamen, desto schlechter wurde der Weg.
Endlich kam das Haus des Platzwarts (Host), aber der Campground war noch
lange nicht zu sehen. Den Berg hinauf und dann wieder herunter. Meile um
Meile fuhren wir tiefer in den Wald hinein. Wie selbstverständlich
stand ab und zu am Wegrand ein Schild: "Campground, this way". Doch erst
nach vielen weiteren Kurven und sage und schreibe 45 Minuten Waldfahrt
erschien vor uns ein See. Um diesen See herum gibt es kleine Stellplätze
(insg. 125 Stück), die einfach traumhaft gelegen sind. Hier herrscht
eine Ruhe, dass einem fast unheimlich wird. Ab und zu kommt mal ein Fischer
vorbei und fragt, wie die Fische heute beißen. Doch wir können
ihm nicht helfen, was den Fischer veranlasst, uns eine Unterrichtsstunde
im Angeln zu geben. Bei Dämmerung lassen manche sogar ihre Boote ins
Wasser, um direkt in Ufernähe ihre Angeln auszuwerfen. Und nichts
und niemand hat es hier eilig. Hier steht die scheinbar Zeit still. Und
diese Ruhe überträgt sich auf unser Gemüt. Wir haben zwar
Nieselregen, trotzdem genießen wir die Aussicht aus unserem Camper
und lassen den Wettergott gewähren, ohne uns darüber zu ärgern.
Denn trotz Regen gefällt es uns hier besser als in New York.
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19.-20.
August 2000 - Parker Dam SP
Eine
Fahrt durch dieses Land ist wie eine Fahrt mitten durch die Natur.
Das Land ist nicht so dicht bebaut wie Deutschland und deswegen erscheint
hier einem auch alles so grün. So empfand ich zumindest die Fahrt
durch große Teile Pennsylvanias. Nur weil wir mit der Kartenleserei
und dem richtigen Umsetzen in die Landschaft einige Probleme hatten, fuhren
wir unfreiwillig ein paar Meilen zu viel, sahen dafür allerdings auch
Flecken, die wir sonst nie zu sehen bekommen hätten. So steht außer
Zweifel, dass man fast immer den Eindruck hat, man führe durch einen
National Park oder zumindest durch ein Naturschutzgebiet. Aber in Wirklichkeit
sieht es hier fast überall so aus. Und nicht zuletzt haben die Amerikaner
hier viele, viele State-Parks und National Forests, die manchmal sogar
ineinander übergehen.
Auch wenn ich mich wegen eines lästigen
Schnupfens nicht danach fühlte, auf Entdeckungstour zu gehen, machten
wir am 20. August vom Woodland Campground aus eine kleine Tour in
den im Norden liegenden Parker Dam
State Park . Auch diese Anfahrt war von den bekannten Problemen gekennzeichnet.
Wir übersahen so manche Kreuzung, weil sie einfach nicht den Ansprüchen
an eine deutsche Kreuzung genügte. Deshalb brachten wir wieder einmal
ein paar extra Meilen hinter uns. Der Park liegt im Moshannon
State Forest und alleine die Anfahrt auf geschotterten Straßen
ist wie die Fahrt durch den größten Tierpark Europas. Dort angekommen,
stellten wir erneut fest, dass die Amis es wirklich verstehen, ein Erholungsgebiet
zu erschließen, oder zumindest die vorhandenen Ressourcen tadellos
ausschauen zu lassen. Im Falle des Parker Dam State Parks ist ihnen
auf jeden Fall ein Glanzstück gelungen. In einem Info-Center erfährt
man alles über den Wald, dessen frühere Nutzung und deren Tiere
darin. Es ist nicht so, dass es eine allzu große wissenschaftliche
Vorbildung erfordert, um die Schautafeln zu verstehen. Im Gegenteil, die
meisten Erklärungen sind oft von Schülern erstellt oder zumindest
so formuliert, dass Kinder sie verstehen können. Und auch der Ausstellungsraum
gleicht eher einer alten Baumfällerhütte als einem Museum. Der
Park selbst ist absolut den Anforderungen einer Großfamilie angepasst.
Es gibt Hunderte von Holztischen mit integriertem Grill für das Picknick,
viele Wanderpfade verschiedenster Längen führen durch fast unberührten
Wald und manchmal gibt es auch einen Lehrpfad, der von Schulkindern der
umliegenden Schulen erstellt wurde und gleichzeitig als Naturerhaltungsprojekt
dient. Was die Amis in der Vergangenheit auch immer mit ihren Wäldern
angestellt haben und wie stark sie diese auch ausnutzten - jetzt haben
sie in meinen Augen die perfekte Art gefunden, unter der Aufsicht von Rangern
erstklassige Naherholungsgebiete zu schaffen und zu erhalten. Es machte
auf jeden Fall ziemlich viel Spaß, hier einen Spaziergang um den
See zu machen.
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21.-23. August
2000 - Niagara Falls
Seit 14 Tagen
sind wir jetzt schon im Urlaub. Dass jetzt noch ca. weitere 340 Tage folgen
sollen, geht immer noch nicht in meinen Kopf hinein - wie auch?! Es ist
aber auch noch nicht diese Leichtigkeit und das "ich hab' doch Zeit- Gefühl"
eingetreten. Wir verhalten uns noch genauso wie es die tausend anderen
Touristen auch tun, mit dem Unterschied, dass wir vielleicht etwas preisbewußter
leben, weil wir immer im Hinterkopf haben, dass unsere Zeit des maßlosen
Ausgebens nicht automatisch begrenzt ist. Und man muß nicht mit beiden
Händen Geld aus dem Fenster werfen, um in einer Touristen-Hochburg
wie den Niagara-Fällen Hunderte von Dollars unter die Leute
zu bringen. Nichts ist kostenlos außer dem unverfälschten Blick
auf fortwährend herabfallendes Wasser. Und das ist auch der Höhepunkt
dieses Naturschauspiels. Doch die Meisten merken es gar nicht vor lauter
Rummel, Spektakel und Sonderfahrten, die rund um Amerikas größte
Attraktion angeboten werden. So gibt es insgesamt fünf verschiedene
Möglichkeiten, die Fälle aus verschiedenen Positionen zu bewundern.
Per Hubschrauber, was zu kostenintensiv ist. Per Gondel, die nicht direkt
über die Fälle fährt. "Behind the Falls", was bedeutet,
dass man hinter die Fälle geführt wird, um durch Glasfenster
herabfallendes Wasser zu begutachten, wovon unser Reiseführer schon
abgeraten hat. Ein Spaziergang am unteren Ende der Fälle, was ausschließlich
naß macht und einer Dusche in kompletter Montur gleich kommt. Oder
die Fahrt auf einem der Boote ( Maid
of the Mist), die bis an den Fuß der Fälle heranfahren.
Das war unsere Wahl und auch ein beeindruckendes Erlebnis. Bleibt trotzdem
der negative Beigeschmack, dass man natürlich auch vom Boot aus wegen
des Spritzwassers kaum was gesehen hat und eigentlich nur nass geworden
ist. O.K., wir können behaupten, wir hätten die Niagara-Fälle
schon von unten gesehen bzw. gefühlt - am Besten ist allerdings der
kostenlose Blick von der kanadischen Seite auf die amerikanischen Falls
(American
Falls) sowie auf die kanadischen Falls (Horseshoe
Falls). Ganz kostenlos ist er allerdings nicht, wenn man sein Auto
auf der amerikanischen Seite geparkt hat, denn selbst Fußgänger
müssen beim Überqueren der Brücke, die die beiden Länder
miteinander verbindet, wie im alten Rom Brückenzoll entrichten. Es
bleibt trotzdem das herausragende Event. Auch gegenüber den Horseshoe
Falls in ca. 500 Meter Entfernung regnet es noch kleine Tropfen, die
gerade bei sommerlichen Temperaturen für angenehme Erfrischung sorgen.
In einem wunderschön angelegten Park kann man vor bis an die Abrisskante
der Fälle gehen, um sich davon zu überzeugen, dass das hier auch
bloß kein amerikanisches Filmtrickstudio ist (was ich denen durchaus
zutrauen würde). Beeindruckt von solcher Naturgewalt freuten wir uns
auf den Besuch des Imax-Kinos, das einen Film über die Historie
der Fälle zeigte. Aber auch hier wurden wir eher enttäuscht.
Uns interessierte, wie solch ein Naturwunder entsteht und wie das mal früher
ausgesehen hat - also die Geschichte der Fälle selbst. Das Imax-Kino
zeigte aber nur die angeblichen Helden (Verrückte), die sich in irgendwelchen
Gefäßen die Fälle herunterstürzten. Also wieder einmal
die Geschichte ihrer Nationalhelden. Das hat uns natürlich reichlich
wenig interessiert und dementsprechend fällt unser Urteil aus - das
Imax-Kino
kann man sich sparen! Es bleibt dabei - der bloße Anblick aus entsprechender
Entfernung hat bei mir den größten Eindruck hinterlassen, wobei
der Rummel insgesamt sich wieder eher negativ ausgewirkt hat.
Dieses Land hat
so viel zu bieten - die Niagara-Fälle sind leider etwas kommerzialisiert.
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24.-26. August
2000 - Niagara on the Lake
Nach fast vierzehn
Tagen in unseren mobilen Zuhause überquerten wir am 24. August 2000
(diesmal mit Auto) die Grenze in das benachbarte Kanada. Und man wird es
uns wohl kaum glauben, aber sobald man die Grenze überschritten bzw.
überfahren hat, spürt man unweigerlich einen größeren
europäischen Einfluss. Ich weiß nicht, woran das liegt, ob es
nun die Gebäude sind, die Menschen oder sonst irgendein Vorkommnis,
aber ab der Grenze sieht die Welt wieder ganz anders aus. Auf uns wirkt
diese Tatsache eher positiv. Zum Beispiel führen die Einkaufsläden
plötzlich wieder ganz andere Artikel (weniger Chips, dafür mehr
Backwaren). Oder die Menschen sind plötzlich nicht mehr ganz so schlampig
angezogen. Vielleicht täuschen wir uns auch, aber diese kleine Veränderung
kommt uns entgegen und stärkt unser Wohlbehagen.
Auf
unserer Tour um das westliche Ende des Ontario Lakes herum machten
wir einen kurzen Halt in Ontarios schönster Stadt, nämlich Niagara
on the Lake. Das Urteil fällten nicht wir, sondern eine Kommission,
die jedes Jahr aufs neue die schönste Stadt Ontarios kürt.
Niagara
on the Lake errang 1996 diesen Titel und hat sich dieses Markenzeichen
bis heute bewahrt. Die meisten Gebäude stammen noch aus dem 19. Jahrhundert
und dementsprechend schön anzusehen sind die Straßenzüge
(bzw. die eine Straße, um die sich eigentlich alles dreht). Es kommt
so ein bisschen das Flair der Drosselgasse in Rüdesheim
auf und die überwiegende Zahl der Menschen auf der Straße hat
das Rentenalter schon vor Jahren erreicht. Die Geschäfte haben ihre
Waren der Kundschaft angepasst, deshalb gibt es überwiegend Süßwaren,
Hüte und Schmuck in den Auslagen zu bewundern. Trotzdem versprüht
die Stadt eine sehr angenehme, geruhsame, fast schon behäbige Atmosphäre.
Hier hat es niemand eilig, die Autos fahren sehr langsam über die
Straßen und obwohl Hunderte von Menschen umherlaufen, herrscht angenehme
Stille. Keine Anzeichen von Hektik. Britta hat sich einen Tilley Hat
gekauft. Damit sieht sie nun wie ein professioneller Wanderer aus. Bewundernswert
und sehr beeindruckend ist auch die Apotheke aus dem Jahre 1860. Sie wurde
seit ihrer ersten Eröffnung nur geringfügig verändert und
beherbergt heute noch Glasgefäße aus dem Jahr 1830. Die Einrichtung
und die typischen Utensilien sind Schmuckstücke aus alten Westernzeiten.
Ich gehe davon aus, dass die Medizin in den unzähligen Fläschchen
ebenso alt ist wie die Einrichtung selbst, deshalb verzichten wir auf die
verschreibungspflichtigen Medikamente. Heute kommen die Besucher, um die
in Glasvitrinen ausgestellten kleinen Accessoires zu sehen, die mit viel
Liebe zum Detail dort präsentiert sind.
Danach
holte uns recht schnell - auf dem Expressway nach Toronto - die
Realität ein. Sechzehnspurig verläuft hier eine Verkehrsader
mitten durch das Herz dieser Metropole und ein Auto reiht sich an das nächste.
Schon aus der Ferne ist der alles überragende CN Tower - weltgrößter
Turm - zu sehen. Wir sind aber so von diesen Blechlawinen abgeschreckt,
dass wir kurzerhand entschließen, nicht nach Toronto zu fahren.
Wir sind hier, um das zu tun, was uns gefällt und New York
wirkt definitiv noch nach. Also fuhren wie bis 10 km hinter Oshawa
in den Darlington Provincial Park, um dort auf dem Campground unser
Lager aufzuschlagen. Ein Platz direkt am See ist schon eher das, was wir
uns wünschen und den bekamen wir auch. Von dort aus starteten wir
am 25. August mal wieder eine kleine Wandertour durch den Park und entlang
des Ontario Lakes . "Wildlife" ist hier überall zu bewundern
und wenn es sich nur um Frösche und Libellen handelt. Britta nahm
sogar ein Bad im Ontario Lake, obwohl er saukalt sein muss. Unfreiwillige
Bekanntschaft mit überdimensional großen Moskitos machten wir
auch. Aber daran werden wir uns eh noch gewöhnen müssen, wenn
wir nach Newfoundland wollen. Den 26. August verbrachten wir, wie
sicherlich noch viele Tage in diesem Jahr, mit so gut wie gar nichts.
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27.-31. August
2000 - Algonquin PP
Jeder, der gerne
wandert, weiß, wie schön und ebenso anstrengend es sein kann,
wenn man sich mit Rucksack bestückt durch die wilde Natur kämpft.
Nun wollten wir schon immer mal eine Zwei- bzw. Mehrtagestour machen und
der Algonqiun Provincial Park bot sich hier in idealer Weise an.
Obwohl er hauptsächlich als Kanu-Eldorado bekannt ist, bietet der
Park dennoch ein weitverzweigtes Wanderwege-System. Am 28. August trainierten
wir noch mal bei einer 5,6 km langen Tour um den Bat
Lake herum. Auch wenn man sich hier nur wenige Meter vom Campground
entfernt, hat man den Eindruck, man stünde als erster Mensch in vollkommen
unberührter Landschaft. Man durchquert dichte Wälder, um nach
der nächsten Biegung vor einem Waldsee zu stehen. Die verschiedenen
Tannen- und Laubbäume stehen dicht am Ufer gedrängt und man hat
immer wieder den Eindruck, aus dem Dunkel des Waldrandes beobachten einen
die Augenpaare eines der hier lebenden Tiere. Und wahrscheinlich ist es
auch so. Wir sehen zwar immer wieder die Spuren verschiedenster Tierarten,
aber beim Wandern ist man so auf den Weg konzentriert, dass man kaum länger
als für Sekundenbruchteile seine Umgebung beobachten kann. Auch der
beim Wandern entstehende Lärm und unser natureigener Geruch (Gestank)
verscheuchen die meisten Tiere schon lange bevor wir sie auch nur kurz
zu Gesicht bekommen. Wahrscheinlich ist es genau so: Der Mensch begibt
sich in die entlegensten Gebiete, um Wildlife zu beobachten und
in Wirklichkeit gibt er dem Wildlife die Chance, ihn zu beobachten.
Würmer, Raupen, Insekten (Moskitos), Frösche und alles, was nicht
schnell genug die Flucht ergreifen kann, das sieht man auf Schritt und
Tritt. Die großen Tiere wie Bären, Elche, Rehe, Luchse und Wölfe
sind schon lange über alle Berge, wenn man auch nur in deren Nähe
kommt. Wir sind darüber nicht traurig. Das Ökosystem in einem
Park wie diesem funktioniert ausgezeichnet. Die Tiere haben den nötigen
Respekt vor den Menschen und umgekehrt. Würden uns die Rehe nachlaufen,
um ihren Anteil an unserem Reiseproviant einzufordern, hätten wir
große Bedenken. Und wer möchte denn unbedingt einem Bären
begegnen? Doch manchmal passiert das schon. Schließlich läuft
man durch des Bären Wohnzimmer und der hat im Wald keine Feinde, also
ist er auch manchmal ziemlich unbeeindruckt, wenn er einem Menschen gegenüber
steht. Hoffentlich bleibt uns so eine Begegnung erspart.
Den
Grundstein für die Begegnung mit einem wilden Tier legten wir
am 29. August, als wir uns entschlossen, einen Zweitagestrip durch das
Hinterland des Parks zu machen. Der 35 km lange Highland-Backpacking-Trail
sollte unsere Herausforderung sein, was sich im Nachhinein als sehr mutig
erwies. Man hat wirklich kaum eine Vorstellung, was es heißt, hier
einen Trail zu wandern. Die Pfade, die selten breiter als ein Ziegenpfad
sind, erstrecken sich durch dichtes, sumpfiges Waldgebiet. Hier gibt es
so viel Wasser, dass man oft über Zweige und herabgefallene Baumstämme
klettern muss, um keine nassen Füsse zu bekommen. Jeder Hügel
kommt einer Bergbesteigung gleich, die auf der anderen Seite an einem Steilhang
unter Umständen zur Rutschpartie werden kann. Nur an wirklich unüberwindlichen
Hindernissen erkennt man die Arbeit der Ranger, die hier alle paar Wochen
für "begehbare" Wege sorgen. Allgegenwärtig sind die Moskitos.
Sie sitzen zu Dutzenden an den Hosenbeinen und am T-Shirt. Natürlich
hinterlassen sie auch so manche Beule, die gerade in der Nacht zur unerträglichen
Qual werden kann. Britta hatte es besonders schwer erwischt. Mindestens
50-60 Stiche machten ihr den Weg manchmal besonders schwer. Aber auch mich
nervten die Mücken bis zum Äußersten. Ständig mit
einem Blätterzweig um den Kopf herum wedelnd, kämpften wir uns
mit jeweils einem Rucksack durch das Dickicht. Klar, wer in der Wildnis
übernachten will, der muss natürlich auch ein Zelt, Schlafsäcke
und Iso-Matten, Kochgeschirr und vieles mehr mit sich herumtragen. Diese
Last kann ebenfalls zur Qual werden. 51/2 Stunden (ohne Pausen)
hin und auch wieder zurück. 18 km einfacher Weg. Das musste uns die
Mühe wert sein, eine Nacht am Harness
Lake zu verbringen. Dort angekommen, ist es nicht der wunderschön
gelegene See alleine, der für die Mühe entschädigt. Auch
die kleine Feuerstelle und der große Stein, der weit bis ins Wasser
hinein reicht, um sich von dort ins kühle, erfrischende Nass gleiten
zu lassen, haben ihre Reize. Das ist zwar alles wunderschön, doch
das hätten wir auch in unmittelbarer Nähe des Campgrounds haben
können. Die Tatsache, dass man sich nun wirklich mit der Natur im
Einklang befindet, sie erlebt und erfahren hat, das müssen auch die
ersten Pilger, Jäger oder auch Forscher in diesem Land empfunden haben.
Man bezwingt die Natur, ohne ihr wirklich zu schaden. Man sitzt auf dem
Stein, schaut auf den See, sieht wie die Dämmerung sich wie eine unsichtbare
Hülle über dem Wald ausbreitet, spürt die letzten Böen,
die die kommende Windstille ankündigen, hört, wie das Leben
scheinbar verstummt, bis fast völlige Stille herrscht. Hier spielt
nichts eine wichtige Rolle, hier drängt sich nichts in den Vordergrund.
Und doch spielt sich hier das ab, worauf sich alles im Leben aufbaut. Der
Ablauf von Tag und Nacht. Und noch nie war ich diesem Schauspiel so nah,
obwohl ich von allem so weit weg bin. Das ist die Grundlage allen Lebens.
Und ich bin nur der kleine Wurm mittendrin. Und genau das kann man am Harmes
Lake erleben und dafür lohnt es sich, manchmal wirklich weite
Wege zu gehen.
Es
kam kein Bär an unser Lager, obwohl uns entgegenkommende Wanderer
erzählten, dass sie genau eine Nacht zuvor an gleicher Stelle von
einem Bären besucht wurden. Wir verbrachten eine regnerische
und ungemütliche Nacht. Das Schlafen auf einer Iso-Matte und
im Schlafsack ist eben nicht mit dem Schlafen in unserer Kabine zu
vergleichen. Aber auch die ungewohnte Stille im Wald, die allgegenwärtigen
Tiere und die Tatsache, wirklich alleine zu sein, hält einen
unweigerlich wach. All das war ziemlich spannend und wirkte sich natürlich
auf unseren Schlaf aus. Trotzdem war es ein unvergleichliches Erlebnis
und wir werden diese beiden Tage trotz der Anstrengungen nicht missen wollen.
Der
31. August war wieder einer dieser Tage, an dem ich Tagebuch schrieb, Britta
sich am See tummelte und wir beide uns in erster Linie von den vorherigen
Strapazen erholten.
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01.-03. September
2000 - Ottawa
Nachdem wir Toronto
trotz seines nicht unwesentlichen Stellenwerts in der nordamerikanischen
Wirtschaft nicht beachtet hatten, wollten wir uns wenigstens die Hauptstadt
Kanadas anschauen, Ottawa. Auf dem Campingplatz Ottawa-Nepean
Trailer Park fanden wir einen guten Ausgangspunkt für unsere Unternehmungen.
Unser Pick-Up "quietschte" auch erleichtert, als wir endlich mal wieder
die Kabine abschnallten und er ohne Last über die Highways brausen
durfte. Da am 02. und 03. September Wochenende war, hielt sich der Verkehr
in der 340 tausend Einwohnerstadt auch absolut in Grenzen. Es war sogar
recht ruhig und das kam uns auch entgegen. Leider hatte ich ein kleines
Handicap. Aus irgendeinem Grund hatte ich eine nicht ganz schmerzlose Entzündung
am Fuß, was unsere Bewegungsfreiheit etwas einschränkte.
Doch nicht so sehr, dass wir nicht durch Eatons hätten gehen
können. 200 Geschäfte in einen Komplex inklusive einer Fress-
bzw. Markthalle, in der es alles an Fastfood gab, was man sich nur vorstellen
kann, von Chinesisch bis Serbokroatisch, alles auf Plastiktellern und mit
Plastikbesteck. Beeindruckend waren aber auch die 250 Japaner, die sich
vor dem Platz des Parliament Buildings in 137 verschiedenen Stellungen
fotografieren ließen, um nach zehn Minuten wieder in den Bus zu steigen
(wahrscheinlich ging es danach direkt weiter nach Paris). Da vergeht
einem das Fotografieren, obwohl das Parliament Building sehr dem
Londoner Parlamentsgebäude ähnelt und das sicherlich nicht zufällig.
Aber alles in allem ist Ottawa auch nur eine Stadt mit vier Einfahrtsstraßen,
dreckigen öffentlichen Toiletten und einem halben Dutzend Attraktionen,
die man irgendwo anders auf der Welt so oder so ähnlich schon mal
gesehen hat. Nichts, was wirklich auf mich gewirkt hat, auch wenn Ottawa
ganz hübsch ist. Das klingt so abwertend, doch man muss das ins Verhältnis
setzen. Wir kommen aus Europa und haben dort schon Städte gesehen,
die von ganz anderem Kaliber sind. Paris, Wien, Salzburg, Augsburg,
Nürnberg, Mailand, London, Amsterdam und viele, viele mehr. Alle
haben sie mehr als die nordamerikanischen Städte. Hier gibt es vereinzelt
schöne Gebäude, aber im Wesentlichen enttäuschen die Städte
durch besonderen Charme - Armut und grelle Werbeschilder. Im Verhältnis
dazu ist es eine pure Freude, über einen ganz normalen Highway zu
fahren, der sich durch die schönsten Landschaften dieses Kontinents
windet. Da sieht der Seitenstreifen einer Interstate aus wie ein Naturschutzgebiet
im Odenwald. Hier fährt man stundenlang durch Wald, ohne dass
auch nur ein Quadratmeter davon genutzt wird. Bei uns wäre jeder Meter
eingezäunt und je nach Verwendung abgeholzt, verbrannt oder in einen
Erlebnispark verwandelt. Für mich steht auch schon nach vier Wochen
fest: Die Städte Nordamerikas geben kaum was her, doch die Landschaft
ist unvergleichlich schön.
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06.-08. September
2000 - St. Lawrence, Gaspé Halbinsel
Drei Tage sind
wir jetzt gefahren, um hier in den Forillon National Park
zu gelangen. Das hört sich nach großer Anstrengung an, war es
aber nicht. Ich habe noch nie solch eine Küstenfahrt erlebt. In Québec
(Stadt) überqueren wir den St. Lawrence noch über eine
Brücke, aber dann nimmt der Strom so an Breite zu, dass man sich unweigerlich
fragt, wo denn plötzlich all das Wasser herkommt. Den Anblick dieses
mächtigen Stroms sollte man sich nicht entgehen lassen. Wir hatten
auf unserer Fahrt an die Ostküste des Landes zwei Mal übernachtet
und hatten Glück mit unseren Plätzen. Doch in der zweiten Nacht,
als wir in Cap-Chat auf einem fast leeren Campground ankamen, konnten
wir unser Glück fast nicht fassen. In zwanzig Meter Entfernung schlug
das Wasser des St. Lawrence an die Ufer und wir hatten von Wohnzimmer,
Küche und Schlafzimmer unserer Kabine aus einen wunderschönen
Blick auf den großen Fluss und die darin untergehende Sonne. Ein
tolles Erlebnis. Auf jeden Fall ging unsere Reise am darauffolgenden Tag
weiter, immer Richtung Osten. Ich glaube, ich habe noch nie so unbeschwert
am Steuer meines Fahrzeugs gesessen. Es war einfach eine Wohltat.
Die
Ankunft im Forillon National Park war nicht weniger beeindruckend,
auch wenn es erst mal nur wieder von unserem Stellplatz handelt. Labourday
ist in Nordamerika scheinbar ein magisches Datum. Nach diesem ersten Montag
im September ist hier nichts mehr los. Alles fährt nur noch auf Sparflamme
und viele
Locations sind bereits geschlossen. Hier auf dem Cap-Resiers-Campground
im Forillon Park sind noch wenige Plätze in Betrieb, doch die
sind einfach der Hit. Im Kreis angeordnet stehen hier die Camper auf ihrer
eigenen kleinen Lichtungen, welche die Blicke anderer abschirmen, aber
den Blick auf den Golf St. Lawrence freigeben. Eine Feuerstelle
und der obligatorische Holztisch stehen bereit. Ein Platz, an dem man leben
wollte, wenn man dürfte und wenn es hier im Winter nicht so empfindlich
kalt werden würde.
Eine
acht km lange Wanderung zu den Steilklippen der Küste am 07. September
schien uns der richtige Zeitvertreib zu sein. Aber wie soll ich das erklären,
wenn es doch kaum eine Möglichkeit gibt, das Erlebte und Gesehene
in Worte zu fassen. So ist jeder Spaziergang, jede Wanderung, ein Hochgenuss
für die Sinne. Wir standen auf einem Aussichtsturm oberhalb der Cap-Resiers
Bucht. Die Sonne lässt das Meer an tausend Stellen aufblitzen
wie kleine Spiegel, die alle unverständliche Lichtsignale senden.
Das Cap erstreckt sich lang in den Ozean hinaus und auf seinem bewaldeten
Rücken erstreckt sich ein schier undurchdringlicher Forst. Hinter
dem Wald sieht man die Baie de Gaspé
und weiter Richtung Westen blickt man auf das Festland der Halbinsel -
grün, so weit das Auge reicht. Dieser 380° Rundblick ist es wert,
die steilen Klippen zu erklimmen. Wie fast jeder Schritt, den man macht.
Am Abend gingen wir dann gemütlich am Kieselstrand entlang. Das Meer
war ruhig und erst trauten wir unseren Augen nicht, dann aber wiederholte
sich das Schauspiel immer aufs neue. In gar nicht all zu großer Entfernung
(1000 Meter) tauchte immer wieder die Rückenflosse eines Orkas auf.
Das war nicht sonderbar spektakulär, trotzdem ist das ein ergreifendes
Gefühl. Wir stehen am Strand und dort schwimmt ein Wal. Das hat man
halt nicht alle Tage. Die Robben hier an der Küste sieht man schon
häufiger, wenn sie neugierig ihre Nasen aus dem Wasser strecken, um
die komischen Wesen am Ufer zu beobachten. Tölpel, Möwen, Krähen
und viele andere Vögel sind hier zu Hause. Und an zwei Abenden haben
wir am Strand auch einen Fuchs beobachten können, der die Strandböschung
abläuft und sicherlich Mäuse aufspürt. Er schaut zwar manchmal
zu uns hoch, aber ansonsten geht er seine Wege, ohne größere
Notiz von uns zu nehmen. Wir verbringen den Abend auf unserer Camp-Lichtung
und verbrennen das so gut riechende Nadelholz. Das Feuer wärmt in
der doch recht frischen Nacht und am Himmel wächst das Sternendach
von Minute zu Minute. Hier ist es schön - hier lässt's sich aushalten
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