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Ein Reisebericht von Britta und Markus Hachenberger
Stories rund um Nordamerika
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Als wäre es nicht schon genug, dass ich ein Jahr unbezahlten Urlaub nehme und damit meiner steilen Karriere als Angestellter in einer öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalt Einhalt geboten habe. (Ja, man hätte Großes mit mir vorgehabt, hat es allerdings versäumt, mir dies rechtzeitig mitzuteilen.) Nein, jetzt denke ich auch noch grundsätzlich über mein Leben als arbeitender Mensch nach. Natürlich kann ich meinem Cyber-Tagebuch keine Betriebsgeheimnisse anvertrauen. Es sei dazu nur folgendes gesagt: Auch ich bin einer der Typen, die geglaubt haben, durch Engagement und Eigeninitiative wird alles besser und heute oder morgen sogar ganz erträglich. Mein Arbeitgeber erweist sich als einer der Vereine, der schon seit 650 Jahren an den gleichen Betriebsstrukturen festhält, komme wer wolle. Und diejenigen, die es in solch einem System mal geschafft haben, in die Führungsetage zu gelangen, die werden alles Erdenkliche tun, um nichts am Bestehenden zu ändern, schließlich hat es sich ja bewährt und er oder sie selbst musste sich mit dem Unabänderlichen rumschlagen, also warum sollten es andere leichter haben? Nein, ich strebe weder einen Job in der Führungsetage an, noch wäre ich dafür qualifiziert. Dennoch habe ich in all den Jahren, die ich jetzt für meinen Betrieb arbeite, eine Menge geleistet und viele gute Ideen gehabt und das Einzige, was mein absoluter Boss dazu meint, ist, dass ich froh sein kann, einen sicheren Arbeitplatz zu haben. Klar, die Anderen haben auch gute Arbeit geleistet, aber das ist deren Sache. Was ich eigentlich vermisse, ist eine Perspektive und das Gefühl, etwas bewegen zu können. Ich will natürlich auch mehr Geld verdienen, aber wer will das nicht? Ich fühle mich absolut unterfordert. In mir steckt die Energie tausender Wildpferde und immer wieder möchte diese ungezügelte Kraft sich entfalten und umgesetzt werden, in Ideen und Projekte. Manchmal ist es nur ein Hirngespinst, manchmal aber auch eine wirkliche Entdeckung. Doch immer werde ich gebremst. Entweder von der trägen Bürokratenpolitik, die übereiltes und zu ungestümes Handeln als Verstoß gegen die Grundregeln vernünftigen Denkens ansieht, denn "so war das schon immer und..." oder von unbeweglichen  Köpfen, die jede Unebenheit als Last in ihrem täglichen Arbeitsrhythmus ansehen und manchmal scheint schon eine Bodenwelle verheerende Auswirkungen auf die Standfestigkeit beflissener Führungskräfte zu haben. Dazu kommt noch, dass ich zusehen darf, wie mein Job so langsam vor die Hunde geht. Das ist zwar auch keine unabdingbare Notwendigkeit, aber ich habe es aufgegeben, den Unsinn dieser Entwicklung zu propagieren. Jetzt müssten Ideen her, um aus erfolgreichen Mitarbeitern erfolgreiche Wasweißichwas zu machen. Auf jeden Fall ist es wichtig, sie bei der Stange zu halten, ihnen Mut zu machen, ihren Vorstellungen den nötigen Respekt zu zollen. Das hat erst mal nichts mit Geld zu tun, denn schließlich würde niemand gerne für ein Managergehalt Schlitze in Schrauben feilen (zumindest die meisten nicht). Aber nicht nur finanziell erweist sich mein Arbeitgeber als absolut unflexibel, auch innovativen Ideen gegenüber kann er nichts abgewinnen. Bevor eine Änderung im Arbeitsgefüge beschlossen wird, muss schon feststehen, ob sie rentabel, uneingeschränkt gleichberechtigt, sozial- wie personalpolitisch verträglich und absolut wasserdicht ist. Erst dann könnte man solch eine Änderung in einer Probewoche (unter Bewachung und Ausschluss der Öffentlichkeit) testen. Natürlich nur, wenn dafür keine weiteren Mittel benötigt werden. Aber kann mir endlich mal jemand erklären, wie ich weiterhin Willenskraft und Tatendrang zeigen und nicht gleichgültig werden soll, wenn ich nie die Möglichkeit erhalte, meine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen? Für mich haben zumindest die ersten zwei Monate hier in Nordamerika schon gereicht, um festzustellen, dass ich nicht als unterbeschäftigter und unglücklich Angestellter enden will. Der Abstand zur täglichen Arbeit hat mein Feingefühl für ihre Qualität geschärft - hoffentlich weiß ich richtig damit umzugehen!

 
Zum Tagebuch 13.-15. Oktober 2000
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