Sie sehen
aus wie wir und doch sind sie anders. Wenn ich so aus dem Stegreif den
männlichen Durchschnittsamerikaner beschreiben sollte (was ich nun
zu tun gedenke), dann schwebt mir folgendes Bild vor: ein übergewichtiger,
in Leggings, Flanellhemd und Baseballmütze gekleideter Weißer
- Farbige Menschen heben sich alleine schon dadurch ab, dass sie eine andere
Hautfarbe haben. Das macht sie exotisch und sie fallen deshalb durch meine
Rasterung durch -, der rülpsend in einem überdimensionalen Pick-Up
über staubige Straßen fährt und dabei Countrymusik hört.
Das klingt etwas proletenhaft, soll es auch. Das Irritierende ist, dass
dich genau dieser Typ Amerikaner wahrscheinlich fragen wird, ob er Dir
beim Tragen deiner Einkaufstaschen helfen kann. Er ist mehr so der John
Wayne-Typ: Er sieht gefährlich aus, aber er tut keiner Fliege etwas
zuleide. Er strotzt vor Männlichkeit und prahlt mit seinen Spielzeugen,
darunter: Jagdgewehr, Motorboot, All-Terrain-Vehicle (auf vier Rädern
fahrendes Motorrad für's Gelände), 8-Zylinder Pick-up (20-30
Liter Verbrauch) und die, die wir treffen, fahren meistens noch ein riesiges
Motorhome, welches höchstwahrscheinlich zwei Klimaanlagen, einen Whirlpool,
600 PS, hydraulische Fahrersitze, automatische Nivelliersysteme, ausfahrbare
Wohnzimmer und für gewöhnlich noch mehr Schnick-Schnack hat,
dessen Bedeutung mir allerdings fremd ist, weil sie so Dinge erledigen
wie: Arm aus der Sonne legen oder Arsch abputzen usw. Aber er ist grundsolide
(der Amerikaner, nicht der Arsch). Er ist Patriot, weltfremd und sicherlich
auch ein bisschen naiv (Hier kommt der Wendepunkt). Der Amerikaner ist
aber auch durchweg freundlich, zuvorkommend, hilfsbereit, kommunikationsfreudig,
diszipliniert, gehorsam, naturliebend (auch wenn die Allgemeinheit glaubt,
sie sei draußen in der Natur gewesen, wenn sie mit dem Auto durch
den National Park braust) und last but not least, überaus gläubig.
Was mir bei dem Amerikaner im Gegensatz zu dem Deutschen auf jeden Fall
viel besser gefällt, ist, dass er sich nicht abkapselt, verschanzt
oder sogar einmauert. Er ist Fremden gegenüber aufgeschlossen und
man ist als Fremder herzlich willkommen. Vielleicht glaube ich das auch
nur, weil ich hier Fremder bin und das aus einem mir neuen Blickwinkel
betrachte. Ich weiß es nicht genau. Es macht das Reisen in einem
fremden Land auf jeden Fall sehr angenehm.
Mit dieser Einschätzung
treffe ich natürlich nur eine Bruchteil dieser Spezies, doch dieser
Bruchteil ist schon verdammt groß.
|