Tagebuch
Reiseverlauf
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Ich rede
ja nicht immer in den höchsten Tönen von unseren Gastgebern.
Als Gruppe schneiden sie in meinen Erzählungen oftmals recht schlecht
ab. Doch es ist immer einfacher, sich über die scheinbar negativen
Eigenschaften eines Anderen auszulassen, als seine positiven Seiten aufzudecken.
Und fast immer ist auch ein bisschen Schadenfreude dabei, da man ja fest
davon überzeugt ist, dass man selbst anders ist (was wahrscheinlich
auch nicht stimmt). Aber auf eine Sache bin ich regelrecht neidisch. Jeder
Amerikaner scheint ein Camper zu sein. Halt, das stimmt nicht. Jeder weiße
Amerikaner scheint ein Camper zu sein. "Schwarze" sieht man so gut wie
nie auf Campingplätzen. [Zur Diskussion "Schwarz", "Farbiger" oder
vielleicht "Neger" möchte ich nur kurz hinzufügen: Für mich
hat ein "Afro-Amerikaner" fast schwarze Hautfarbe und heißt für
mich deshalb "Schwarzer", so wie ich für alle "Neger" ein "Weißer"
bin. Die Diskriminierung liegt ganz bestimmt nicht in der Bezeichnung dieser
Menschenrasse! Im Übrigen sprechen die Schwarzen auch von "Schwarzen",
wenn sie sich selbst meinen, also was könnte wohl richtiger sein als
die von ihnen benutzte Bezeichnung? "Bruder" wird auch noch von allen toleriert.]
Ob alt oder jung, den Amerikanern liegt das Camping im Blut. Und ich meine
Camping. Nicht das, was vielleicht einige Deutsche unter Camping verstehen,
wenn sie ihren Wohnwagen in die Eifel ziehen und dort auf einem sogenannten
Campingplatz einen Zaun drumherum bauen und Fliesen vor die Eingangstür
legen, damit auch bloß kein Dreck ins Haus kommt, Büsche als
Sichtschutz vor allzu aufdringlichen Blicken pflanzen, oder sogar so etwas
wie eine Garage um den Wohnwagen bauen, damit sie dem Wetter nicht mehr
so schutzlos ausgeliefert sind. Eine Türglocke und das obligatorische
Schild "Warnung vor dem Hund" runden die durchschnittliche Campingidylle
eines deutschen Campers ab. (Dabei brauche ich nicht zu erwähnen,
dass der eigentliche Sinn, nämlich sein kleines provisorisches Zuhause
immer an wechselnde Orte zu transportieren, um die Welt zu sehen, natürlich
auch nicht mehr existiert.) Nein, ich meine Camping im ursprünglichen
Sinne. So, wie es die vielen Siedler hier in Amerika schon in ihren Planwagen
getan haben. Und wahrscheinlich haben die Amerikaner diese Eigenschaft
in ihren Genen, denn schließlich sind die meisten ihrer Vorfahren
irgendwann einmal auf abenteuerliche Weise durch dieses Land gereist.
Wenn wir freitags
irgendwo ankommen, achten wir immer darauf, dass wir uns früh ein
Plätzchen suchen, da freitagabends immer mit erhöhtem Andrang
auf den Campingplätzen zu rechnen ist. Dann fahren sie vor in ihren
Pick-Up-Campern, Pop-Ups (aufklappbare Wohnanhänger) oder einfach
mit Zelt und Schlafsack. Am beliebtesten ist diese Art der Wochenendgestaltung
bei jungen Familien und Herrengemeinschaften, die von ihren Frauen mit
Zelt und Kind in die Wildnis geschickt wurden, um mal ein ruhiges Wochenende
allein zuhause verbringen zu können. Innerhalb kürzester Zeit
sind dann alle Plätze belegt, lodern überall Lagerfeuer, springen
Hunde umher, rennen Kinder durch den Wald und werden Kurzzeitfreundschaften
geschlossen, weil sich's bekanntlich gemeinsam besser feiert. Dabei ist
Privatsphäre ein Unwort, denn der Amerikaner ist sehr gesellig. Es
werden keine Territorien abgesteckt, keine Sichtschutze aufgestellt. Die
Kinder werden aus der Tür gestoßen und laufen frei und mit Entdeckerneugierde
im Wald umher, ohne dass man sie zu Gesicht bekommt. Ein erholsames Wochenende
auch für Eltern. Dann werden wiederum Wanderungen auf die umliegenden
Berge unternommen, wobei den Kindern furchteinflößende Tierspuren
im Schnee gezeigt werden und rauschende Bäche durchschritten werden.
Hört sich an wie in der Werbung, und genau so ist es. Dabei macht
sich niemand etwas aus Gemeinschaftstoiletten oder gar Sammelduschen. Auch
sind die Amerikaner lärmunempfindlicher und fühlen sich nicht
gleich gestört, nur weil der Nachbar etwas lauter Musik hört.
Überhaupt sind sie überaus tolerant und das macht das Leben so
wunderschön einfach und unkompliziert. Und in letzter Konsequenz ist
der Freizeitwert einmalig. Man war draußen an der frischen Luft,
hat nicht gleich ein Vermögen ausgegeben, um in zweifelhaften Vergnügungsparks
eine nicht existierende Fantasiewelt vorgegaukelt zu bekommen und ist dem
Kommerz entflohen, der einem ständig vormachen will, man bräuchte
unbedingt dies und das, um glücklich zu werden. In Wirklichkeit braucht
der Mensch nur ein Lagerfeuer, etwas zu essen und zu trinken und gute Gesellschaft
um sich herum - mehr nicht.
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