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Ein Reisebericht von Britta und Markus Hachenberger
Stories rund um Nordamerika
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USA goes Camping

 
 
 
 
 
 
 
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Gesamtkarte Nordamerikas mit Links zu Einzelstaaten
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Ich rede ja nicht immer in den höchsten Tönen von unseren Gastgebern. Als Gruppe schneiden sie in meinen Erzählungen oftmals recht schlecht ab. Doch es ist immer einfacher, sich über die scheinbar negativen Eigenschaften eines Anderen auszulassen, als seine positiven Seiten aufzudecken. Und fast immer ist auch ein bisschen Schadenfreude dabei, da man ja fest davon überzeugt ist, dass man selbst anders ist (was wahrscheinlich auch nicht stimmt). Aber auf eine Sache bin ich regelrecht neidisch. Jeder Amerikaner scheint ein Camper zu sein. Halt, das stimmt nicht. Jeder weiße Amerikaner scheint ein Camper zu sein. "Schwarze" sieht man so gut wie nie auf Campingplätzen. [Zur Diskussion "Schwarz", "Farbiger" oder vielleicht "Neger" möchte ich nur kurz hinzufügen: Für mich hat ein "Afro-Amerikaner" fast schwarze Hautfarbe und heißt für mich deshalb "Schwarzer", so wie ich für alle "Neger" ein "Weißer" bin. Die Diskriminierung liegt ganz bestimmt nicht in der Bezeichnung dieser Menschenrasse! Im Übrigen sprechen die Schwarzen auch von "Schwarzen", wenn sie sich selbst meinen, also was könnte wohl richtiger sein als die von ihnen benutzte Bezeichnung? "Bruder" wird auch noch von allen toleriert.] Ob alt oder jung, den Amerikanern liegt das Camping im Blut. Und ich meine Camping. Nicht das, was vielleicht einige Deutsche unter Camping verstehen, wenn sie ihren Wohnwagen in die Eifel ziehen und dort auf einem sogenannten Campingplatz einen Zaun drumherum bauen und Fliesen vor die Eingangstür legen, damit auch bloß kein Dreck ins Haus kommt, Büsche als Sichtschutz vor allzu aufdringlichen Blicken pflanzen, oder sogar so etwas wie eine Garage um den Wohnwagen bauen, damit sie dem Wetter nicht mehr so schutzlos ausgeliefert sind. Eine Türglocke und das obligatorische Schild "Warnung vor dem Hund" runden die durchschnittliche Campingidylle eines deutschen Campers ab. (Dabei brauche ich nicht zu erwähnen, dass der eigentliche Sinn, nämlich sein kleines provisorisches Zuhause immer an wechselnde Orte zu transportieren, um die Welt zu sehen, natürlich auch nicht mehr existiert.) Nein, ich meine Camping im ursprünglichen Sinne. So, wie es die vielen Siedler hier in Amerika schon in ihren Planwagen getan haben. Und wahrscheinlich haben die Amerikaner diese Eigenschaft in ihren Genen, denn schließlich sind die meisten ihrer Vorfahren irgendwann einmal auf abenteuerliche Weise durch dieses Land gereist.
Wenn wir freitags irgendwo ankommen, achten wir immer darauf, dass wir uns früh ein Plätzchen suchen, da freitagabends immer mit erhöhtem Andrang auf den Campingplätzen zu rechnen ist. Dann fahren sie vor in ihren Pick-Up-Campern, Pop-Ups (aufklappbare Wohnanhänger) oder einfach mit Zelt und Schlafsack. Am beliebtesten ist diese Art der Wochenendgestaltung bei jungen Familien und Herrengemeinschaften, die von ihren Frauen mit Zelt und Kind in die Wildnis geschickt wurden, um mal ein ruhiges Wochenende allein zuhause verbringen zu können. Innerhalb kürzester Zeit sind dann alle Plätze belegt, lodern überall Lagerfeuer, springen Hunde umher, rennen Kinder durch den Wald und werden Kurzzeitfreundschaften geschlossen, weil sich's bekanntlich gemeinsam besser feiert. Dabei ist Privatsphäre ein Unwort, denn der Amerikaner ist sehr gesellig. Es werden keine Territorien abgesteckt, keine Sichtschutze aufgestellt. Die Kinder werden aus der Tür gestoßen und laufen frei und mit Entdeckerneugierde im Wald umher, ohne dass man sie zu Gesicht bekommt. Ein erholsames Wochenende auch für Eltern. Dann werden wiederum Wanderungen auf die umliegenden Berge unternommen, wobei den Kindern furchteinflößende Tierspuren im Schnee gezeigt werden und rauschende Bäche durchschritten werden. Hört sich an wie in der Werbung, und genau so ist es. Dabei macht sich niemand etwas aus Gemeinschaftstoiletten oder gar Sammelduschen. Auch sind die Amerikaner lärmunempfindlicher und fühlen sich nicht gleich gestört, nur weil der Nachbar etwas lauter Musik hört. Überhaupt sind sie überaus tolerant und das macht das Leben so wunderschön einfach und unkompliziert. Und in letzter Konsequenz ist der Freizeitwert einmalig. Man war draußen an der frischen Luft, hat nicht gleich ein Vermögen ausgegeben, um in zweifelhaften Vergnügungsparks eine nicht existierende Fantasiewelt vorgegaukelt zu bekommen und ist dem Kommerz entflohen, der einem ständig vormachen will, man bräuchte unbedingt dies und das, um glücklich zu werden. In Wirklichkeit braucht der Mensch nur ein Lagerfeuer, etwas zu essen und zu trinken und gute Gesellschaft um sich herum - mehr nicht.

 
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