Tagebuch
Reiseverlauf
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Stille -
nur die eigenen Schritte begleiten einen auf dem Weg durch dichtes Unterholz
und an undurchdringbarem Wald vorbei. Und die allgegenwärtigen Mückchen,
nicht größer als ein Stecknadelkopf, aber dafür zahlreich.
Ich habe mir angewöhnt, im gleichen Rhythmus wie ich ein Bein vor
das andere setze, auch mit den Händen um den Kopf herum zu wedeln.
Das kühlt und hält die Mücken fern. Nur selten hört
man einen Vogel in den Baumzipfeln singen - und wenn, scheint es so, als
nenne er mindestens 20 Quadratkilometer sein eigen. Hier ist halt alles
etwas größer. Plötzlich steht ein Junghirsch auf dem Weg.
Aus 20 Metern Entfernung beäugt er uns und läuft dann in gemäßigtem
Tempo vor uns davon. Die Tiere hier haben scheinbar keine Angst vor den
Menschen - nur Respekt, wie wir vor ihnen. Genau wie die Schmetterlinge,
sie fliegen einem auf die ausgestreckte Hand und sind von dort kaum noch
weg zu bekommen. Diese fliegenden Geschöpfe haben sich an einem Bach
eingefunden, der sein Wasser in kleine Pools laufen lässt, um es an
der der gegenüberliegenden Seite in das nächste Becken zu entlassen.
Dadurch bilden sich große Badewannen mit immer frischem Bachwasser.
Ein Bad ist unverzichtbar. Der Weg führt uns weiter durch dichten
Kastanienwald, dessen Bestand durch den Schwalmspinner stark bedroht
ist. Hier überlässt man die Natur sich selbst. Sterben die Kastanien
hier aus, machen sie Platz für andere Arten. Plötzlich springt
etwas vor uns ins Gebüsch und verschwindet im Unterholz. Was es war,
konnten wir nicht sehen, aber es macht uns deutlich, dass wir hier im Shenandoah-Wald
mitten in der Natur sind und nur zu Gast in einer Landschaft, die eigentlich
den Tieren gehört. Ja - auch Bären gibt es hier. Wir wollen allerdings
keinem begegnen. Es reicht uns, wenn wir sie auf Bildern bewundern können.
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