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Ein Reisebericht von Britta und Markus Hachenberger
Stories rund um Nordamerika
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Eine Kanufahrt durch den Okefenokee-Sumpf

 
 
 
 
 
 
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Das Paddel taucht langsam und fast geräuschlos in das dunkle Wasser ein. Wenn man einen guten Rhythmus gefunden hat, treibt es das Kanu stetig nach vorne und erweckt den Anschein, es würde auf einer tiefschwarzen Wolke dahinschweben. Nur der Tropfenregen der nassen Paddel, der sich regelmäßig und  fast schon monoton ins Wasser zurück ergießt, erklingt als einziges, immer wiederkehrendes Geräusch in der ansonsten absolut stillen Geisterlandschaft. Wie ein matter schwarzer Spiegel verläuft der Kanal vor uns und manchmal schauen dünne Äste wie Finger aus der Oberfläche des Wassers heraus, als wären sie Opfer einer unaussprechlichen Macht unterhalb des Wasserspiegels. Das Wasser ist so dunkel, dass man nicht im geringsten erahnen kann, was sich unter dem Rumpf des Kanus aufhält, obwohl es manchmal schon direkt über den humusartigen Grund treibt. Am Ufer stehen hohe Bäume, deren Namen uns nicht bekannt sind. Ihre Äste hängen tief herab und bilden einen fast undurchdringlichen Vorhang, der die Sicht auf das Ufer versperrt. Überall bedienen sich Parasiten in Form von Lametta an der wuchernden Vegetation und hüllen die Landschaft in eine Trauerweidenkulisse. Plötzlich stören vor uns seichte Wellen in Form von Ringen das ruhige Wasser. Ein guter Indikator für bösartige Kreaturen. Erst sieht man nur die Augen, die wie aufgeklebt auf einem mit scharfen Zähnen gespicktem Maul sitzen. Dann erhebt sich ein urzeitlicher Panzer mit Stacheln und Zacken aus dem dunklen Nass. Die Körpergröße ist nur zu erraten. Dann erscheinen auch die Nüstern an der Oberfläche und die Kreatur bewegt sich langsam auf das Kanu zu. Die Situation ist bis aufs Äußerste gespannt. Wird der Alligator uns aus dem Boot herauszerren und wie im Film unter Wasser ziehen, bis sein Opfer erstickt? Oder wird er uns in der Luft herumwirbeln, bis unsere Glieder der Wucht nachgeben und nur noch wie Gummi an unserem Körper hängen? Nein, die 30 cm Körperlänge des American Alligators reichen für solch ein Vorhaben nicht aus, auch wenn er es gerne getan hätte. Aber seine größeren Brüder und Schwestern am Ufer, die mit einer Körperlänge von 1-2 Metern schon eher angsteinflößend sind, könnten eine Gefahr darstellen. Doch sie liegen träge am Ufer herum, und wenn sie nicht von Zeit zur Zeit blinzeln würden, wirkten sie wie die Plastikattrappen in Disneyworld. Doch selbst bei einer Annäherung bis auf zwei Meter verharren sie in absoluter Reglosigkeit.
Eine schmale Abzweigung aus dem Wasserlauf eröffnet eine Prärielandschaft, auf der trügerisches Gras wächst, als könnte man darauf ein Haus errichten. Doch der Boden ist aufgeweicht und jeder Schritt auf diesem Grund könnte der letzte sein, den man durch diese unwirkliche Welt schreitet. Nur die Reiher finden hier mit ihren schlaksigen, langen Beinen und den weit auseinander gespreizten Zehen einen Halt. Einer von ihnen fliegt immer wieder vor uns davon, um 20 Meter weiter am Rand des Kanals auf uns zu warten. Geräuschlos hebt er ab, lässt sich in der leichten Brise eines warmen Südwindes mit Hilfe seiner beeindruckend großen Spannweite in die Lüfte treiben und setzt mit unglaublicher Leichtigkeit wieder auf. Seine Augen beobachten ständig unser Boot, aber er lässt uns nicht näher als 10 Meter an sich ran. Doch er wartet immer wieder, bis wir ihn fast eingeholt haben, als sollten wir begutachten, was für ein stolzer und schöner Kerl er doch ist. Vielleicht ist es auch nur Neugierde. Denn schließlich sind wir die Fremden in seiner wohlbekannten Welt. Der Himmel ist blau und nur ein paar Schleierwolken trüben den makellosen Anblick. Es ist Anfang November und als Westeuropäer sind die fast 30 Grad für diese Jahreszeit ungewöhnlich. Doch es ist wie Balsam für die Seele. Es ist einfach phantastisch hier im Okefenokee Sumpf.


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