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Ein Reisebericht von Britta und Markus Hachenberger
Stories rund um Nordamerika
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Moskitos - Provinzvögel Ontarios

 
 
 
 
 
 
 
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Der Tag ist noch jung, aber dafür schon verdammt warm. 25 Grad und ich sitze in Jogginghosen, langärmeligem T-Shirt und dicken Wollsocken am Tisch und versuche meinen Frust auf die Tastatur zu übertragen. Eigentlich könnte ich ganz zufrieden sein, denn trotz einer hundertprozentigen Belagerung durch den sogenannten Provinzvogel Ontarios habe ich recht wenige Stiche auf meinem Körper zu verzeichnen. Britta schneidet im direkten Vergleich wesentlich schlechter ab. Sie braucht nur an Moskitos zu denken und schon hat sie ein paar unansehnliche Flatscher an den ungewöhnlichsten Körperpartien. Und nicht zum ersten Mal in meinem Leben bin ich froh, keine Frau zu sein, brauche ich beim Pinkeln doch nur ein winzig kleines Stückchen meines Körpers an die Luft zu hängen, während Britta immer gleich den gesamten Mond aufgehen lässt. Dass es Moskitos besonders auf die weichen Hautpartien abgesehen haben, das brauche ich wohl kaum zu erwähnen. Aber für gewöhnlich pinkelt man nicht nur im Freien und da sollte man glauben, innerhalb seiner vier Wände könnte man vor den Plagegeistern sicher sein. Weit gefehlt. Ich weiß zwar bis zu diesem Moment nicht, durch welche Ritze, durch welche hohle Gasse sie sich in unsere heiligen Hallen hineinwagen, doch sie sind präsent, ganze Hundertschaften. Und gerade, wenn die Sonne schon untergegangen ist und die spärliche Beleuchtung des Campers kaum in der Lage ist, Licht in die Sache zu bringen, dann hört man das ewige Gesumme dieser kleinen Biester. Wie sie mit ihren langen, ekeligen Beinen versuchen, auf einem zu landen (was man natürlich nicht sieht) und ist ihnen das schon einmal gelungen, schieben sie fast unmerklich ihren langen Rüssel unter die Haut und fangen an, frisches Blut zu zapfen. Alleine die Vorstellung ist schon bestialisch. Und wenn dann im Camper ca. 30 Grad herrschen und wir deshalb die Fenster offen lassen, damit wenigstens ein Hauch von einem Lüftchen durch die Kabine geht, die überaus nutzlose Fliegengaze herunterlassen, die noch nicht mal im Stande ist, eine ausgewachsene Motte davon abzuhalten, in unsere beengte Räumlichkeit einzudringen, uns immer wieder genötigt sehen, das Licht anzuknipsen und die Wände mit der Taschenlampe abzusuchen, was unweigerlich zur Folge hat, dass die Temperatur in unserem Haus bis zum Unerträglichen ansteigt und wir uns deshalb auf das Federbett statt darunter legen, was den Moskitos wie ein willkommenes Fressen vorkommen muss, dann kommt es schon mal vor, dass ich Kanada und seine wunderschöne Landschaft verfluche. Man schläft nicht ein, einerseits weil man Angst hat, in seinem eigenen Schweiß zu ertrinken, anderseits weil man immer wieder aufschreckt, um einem dieser summenden, mickrigen, hässlichen, absolut unnützen Quälgeister den Gar auszumachen. Wenn sie dann schon gestochen haben und sich nur noch ganz schwerfällig vom Fleck bewegen können und man genau weiß, dass das Vieh sein Blut mit sich rumträgt, dann macht das Töten besonderen Spaß. Wenn das lästige Ding an die Wand gedrückt wird und dabei zerplatzt wie ein mit Wasser gefüllter Luftballon, dann kann man noch mal für einen kurzen Moment Genugtuung empfinden, bevor man resignierend feststellen muss, dass noch unzählige andere Blutsauger an der Decke des Campers hängen und sich nach ihrer blutrünstigen Mahlzeit ein kleines Päuschen gönnen. Ich bin verzweifelt, stehen wir hier doch an einem der schönsten Plätze auf dieser Erde, mit See direkt vor der Tür, unvergleichlichem Panorama auf die umliegenden Wälder, das Lagerfeuer lodert, die Campingstühle stehen verheißungsvoll drumherum, in der Ferne hört man die urigen Laute fremdartiger Tiere und das allerletzte Licht des Tages spiegelt sich auf dem See wieder. Und ich sitze in meiner vermeintlich luftdichten Kabine, schlage reihenweise die Eindringlinge tot und frage mich, was bringt mir der See, die untergehende Sonne, die fremdartigen Geräusche, wenn ich mich morgen schlaftrunken ans Steuer setzen muss, weil ich in der Nacht kein Auge zugetan habe und dann langsam aber bestimmt meinen Wagen in den Graben lenke. Die Leute werden dann bestimmt sagen: "Aber er hat noch einmal eine wunderschöne Nacht am Burnfield Lake verbracht, mit Blick auf die umliegenden Wälder, bla bla bla". Von wegen. Er hat sich die Haut aufgekratzt und sich die Nacht im wahrsten Sinne des Wortes um die Ohren geschlagen. Scheiß auf die schöne Natur. Sobald ich meinen Kaffee ausgetrunken habe, mache ich mich davon. Hoffentlich finden wir in der nächsten Nacht ein bisschen Schlaf, vier Stunden würden mir schon genügen.

 
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