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Als T-Online
Kunde lag für mich auf der Hand, dass ich - wenn nicht unbedingt notwendig
- keinen zusätzlichen Provider in den USA an Land ziehen wollte, zumal
T-Online über tausende Einwahlknoten in Nordamerika (auch in der restlichen
Welt) verfügt, bei denen ich mich mit meinen Nutzerdaten einwählen
kann. Prinzipiell ist das auch kein Problem. Man stellt so etwas wie einen
Antrag (Online) und bekommt ein kleines Programm (Download), welches die
tausend und mehr Telefonnummern beinhaltet und sogar eigenständig
die Verbindung aufbaut. Dass die Auslands-Internet-Minute allerdings mehr
kostet als in Deutschland, überraschte mich nicht. Aber ich hatte
ja nicht vor stundenlang zu surfen, es ging mir ja um mein Homepage-Update
und um die e-Mails. Doch auch weiterhin müssen die entstehenden Kosten
von irgendeinem Konto abgebucht werden und das stellte sich als schwierig
heraus, da ich für ein Jahr mein Telefonanschluss abgemeldet hatte
und die Online-Minuten stehen bekanntlich auf der Telefonrechnung. Aber
auch hierfür hat T-Online eine Lösung. Der fiktive Anschluss!
Diesen beantragte ich - unter Angaben von T-Online - per Fax bei einer
ominösen Stelle und erklärt mich zudem bereit, dass die Kosten
von meinem Konto abgebucht werden (was ich sonst tunlichst vermeide). Damit
war ich fiktiv und konnte seelenruhig mit meiner alten T-Online Nummer,
der alten Anschlusskennung und dem neuen Programm (was übrigens auch
in Deutschland funktioniert und die lästige T-Online Software erspart.
Im Prinzip wie eine DFÜ-Verbindung mit Telefonbuch) in den USA und
Kanada auf Telefonleitungssuche gehen. Bis hierher ist die Geschichte vorbildlich
und man müsste T-Online glatt ein Lob für so innovative Erfindungen
aussprechen, wäre da nicht dieser Wasserkopf.
Wer schon mal
einen Computer bedient oder gar besessen hat, der weiß wahrscheinlich,
dass die Momente, in denen das Ding so funktioniert, wie man sich das gerne
wünschte, eher selten sind und wenn man nicht gerade ein Freak ist,
gewöhnt man sich an so Eigenheiten wie einen plötzlichen Absturz
bei noch nicht gespeichertem Dokument. Man findet schnell heraus, dass
das Dokument beim zweiten Mal viel schlüssiger ist und man bedankt
sich bei seinem Elektro-Gefährten für die weise Entscheidung,
alles in den Papierkorb zu schmeißen. Also stehe auch ich prinzipiell
mit meinem Notebook auf Kriegsfuß. Dazu kommt der schwierige doch
unausweichliche Umstand, eine Telefonleitung zu finden, an der man sein
Notebook anschließen kann, um in die sagenumwobene Internetwelt zu
gelangen. Öffentliche Telefone sind in der Regel derart verbarrikadiert,
dass es einfacher wäre, einen Bankautomaten zu knacken, als dort seine
Leitung einzustöpseln. Ansonsten weisen die Plätze, die wir die
meiste Zeit aufsuchen, eher spartanische Ausstattung auf. Da können
wir froh sein, wenn es eine Toilette mit fließend Wasser gibt. Aber
eine freie Telefonleitung? Doch angenommen, man hat das Glück, in
einem privaten Campground eine Telefonleitung zur Verfügung gestellt
zu bekommen, dann bleibt da immer noch das Problem mit den Telefongebühren.
Will heißen, dass niemand die Kosten für mein Telefonat übernehmen
will, wenn ich auch noch so dringend ein Update meiner Homepage machen
muss. Also sind diese Leitungen fast ausschließlich für Ortsgespräche
(die in den USA in der Regel frei sind) oder gebührenfreie Nummern
(Toll-Free-Number) zugelassen. Also muss man eine Calling-Card benutzen
(oder Kunde einer amerikanischen Telefongesellschaft sein), deren Wählparameter
man in die Wahloptionen des Programms mit eingeben muss. Voraussetzung
dafür ist allerdings, daß das Wählprogramm die Eingabe
weiterer Nummern überhaupt zuläßt. Es gibt unzählige
Wahloptionseinstellungen, bei denen man nach der Zielrufnummer keine Zeichen
mehr eingeben kann. Bei meiner Telefongesellschaft muss man das aber. Wenn
man dann nur nach jedem zehnten Versuch tatsächlich eine Verbindung
zum Internet hat, dann fühlt man sich wie der Bezwinger unheimlicher
und hauptsächlich unverständlicher Widerwärtigkeiten und
könnte die ganze Welt umarmen - Das Internet - ein Segen.
Leider blieb
die positive Stimmung nicht, denn es gibt viel, was schief laufen kann,
wenn man sich auf andere verlässt. Schon nach wenigen Wochen gab mein
Homepage-Anbieter, der so freundlich war, mir für ein paar Werbebanner
10 Mega-Bit Speicherplatz anzubieten, den Geist auf und niemand (einschließlich
mir) war mehr in der Lage, auf meine Seite zu kommen. Jetzt hatte ich eine
Kiste voller digitaler Bilder und wunderschöner Erzählungen und
niemand konnte sie sehen. Also musste ich aus Nordamerika einen neuen Anbieter
suchen und das kostete Zeit und viele, viele kostspielige Online-Minuten,
mit denen niemand gerechnet hat. Aber nach vollendeter Suche und Ändern
aller Dokumentnamen (da der neue Anbieter keine Großbuchstaben leiden
konnte), war ich wieder guten Mutes. Doch ich kann mich an kaum einen Tag
erinnern, an dem alles geklappt hätte, wie ich mir das vorgestellt
habe. So ließ mein Mailbox-Provider, bei dem ich einen "fiktiven"
Telefon- und Faxanschluss betreibe, für längere Zeit keine POP3-Abfragen
mehr zu, was dazu führte, dass ich von der wichtigen Korrespondenz,
die mir mein Schwiegervater pflichtbewusst auf meine Mailbox faxte, keinen
blassen Schimmer hatte. Zudem stellte mein Mail-Provider gerade mal sein
Rechnersystem auf den Kopf und bedauerte den dreiwöchigen Totalausfall.
Auf meinem Notebook stapelten sich die Mails und manche Exemplare waren
schon so alt, dass sie beim nächsten Upload von meinem Mail-Provider
als zu alt abgewiesen wurden. Urplötzlich konnte ich zu meinem Homepage-Provider
keine FTP-Verbindung mehr aufbauen und musste mit dem Selbsthilfebausatz
für Interneteinsteiger meine neuen Seiten überspielen. Und all
diese Schwierigkeiten addierten sich zu dem ohnehin schon unlösbaren
Problem, eine freie, bezahlbare, uneingeschränkt nutzbare Telefonleitung
zu bekommen. Doch als mich T-Online kommentarlos aus dem Internet verbannte,
war ich regelrecht sprachlos. An einer öffentlichen Internet-Kiste
fragte ich meine Mails ab, mit dem Ergebnis, dass die Telekom nach sage
und schreibe sechs Monaten festgestellt hat, dass sie keine Nutzerdaten
mehr zu meinem Anschluss hat und nicht in der Lage ist, die Gebühren
einzuziehen. Deshalb habe man sich dafür entschieden, mir den Hahn
abzudrehen. Erst da viel mir auf, dass T-Online mir bis dahin (und auch
in Zukunft) keine müde Mark abgezogen hatte. Aber dass sie das erst
nach sechs Monaten merken und dann noch nicht einmal anklopfen und fragen:
"Hallo sie da, wer sind sie überhaupt und wären sie vielleicht
so freundlich, ihre Identität preis zu geben?" Nein, sie schmeißen
mich einfach raus. Doch jetzt kommt der größte Hammer. Nachdem
ich mich per e-Mail zu erkennen gegeben habe und freundlichst darauf hinwies,
dass ich doch schon vor einem halben Jahr einen fiktiven Anschluss mit
zugehöriger Einzugsermächtigung beantragt hatte, bekam ich eine
äußerst kurze Antwort im Stile von: "O.K., alles gecheckt, hier
ihre neue FKTO: 4872093008923 (oder so ähnlich)". Seit ich diese neue
Nummer habe, versuchte ich sie rückwärts, auf dem Kopf und völligst
durcheinandergeworfen in Verbindung mit den anderen zwanzig Zahlenreihen
zu setzen, die ich von T-Online als Verifizierungscode bekommen habe, doch
niemals wieder war ich in der Lage, eine Verbindung über einen nordamerikanischen
Einwahlknoten herzustellen. In meiner Verzweiflung schrieb ich eine wirklich
böse e-Mail an den T-Online Kundendienst, die scheinbar so böse
war, dass sie noch nicht einmal beantwortet wurde. Doch auch der Versuch,
auf der Hotline durchzukommen, erwies sich bis heute als Energieverschwendung.
T-Online ist so maßlos überheblich, dass sie überhaupt
nicht daran denken, eine gebührenpflichtige Nummer für den Kundenkontakt
einzurichten. Es könnte ja jemand durchkommen und eine wirklich peinliche
Frage stellen. Überall kann man anrufen und auf eigene Kosten mit
einem Sachbearbeiter über sein Problem quatschen, sogar beim Finanzamt,
ja sogar beim Bundeskanzleramt. Nur T-Online stellt einzig und allein eine
gebührenfreie Nummer für die halbe Nation zur Verfügung.
Da werden die Kunden lieber mit vorgefertigten e-Mails abgefertigt, die
bezüglich der Fragestellung absolut keinen Sinn ergeben, oder man
setzt ein paar verirrte Studenten an eine Hotline, die technisch wie personell
maßlos überfordert sind und gute Miene zum bösem Spiel
machen, schließlich musste König Kunde ja nicht für seinen
Beschwerdeanruf bezahlen. Doch sein Problem ist er auch nicht los.
Zwischenzeitlich
versuchte ich bei Freunden einen amerikanischen Provider aufzutreiben,
der mich als Nichtbürger akzeptieren würde. Bei den meisten Geschäftsverbindungen
reicht es nicht aus, wenn man guten Willens ist und brav bestätigt,
die entstehenden Kosten zu übernehmen. Man muss zumindest mal eine
Wohnadresse aufweisen können, ansonsten bekommt man nämlich gar
nichts. Da hat man als Traveller schlechte Karten. Also hielt ich mich
an die Internet-Provider, die ihre Dienste kostenlos zur Verfügung
stellten und dafür nur einen fiktiven Nutzer brauchen. Dann wird zwar
lästige Werbung im Browser eingeblendet, doch besser als gar nichts
war das allemal. Bei dem ersten Anbieter erwies sich die Anmeldung schon
als unmöglich, bemerkte er beim ersten Einwählen ständig,
dass der Nutzer unbekannt sei. Na, dafür habe ich eine ewige Liste
belangloser Fragen über mich ergehen lassen müssen?! Der zweite
Anbieter arbeitet nur mit dem Browser von Microsoft und ich verwalte nun
seit fast zwei Jahren alle meine Mails im Netscape Browser, führe
dort meine Adressenliste und schreibe meine Homepage mit dem Composer von
Netscape. Außerdem stürzt der gesamte Laden nach Beendigung
des Programms ständig ab. Der dritte und von mir letzte getestete
Anbieter wartete mit seinem eigenen Browser auf, der mir zwar uneingeschränktes
Surfen im world wide web ermöglicht, doch ansonsten kaum weiterhelfen
konnte.
In meiner blinden
Wut wählte ich mich mit meiner alten DFÜ-Verbindung, meinem Netscape-Browser
und mit meinem alten Zahlencode einfach mal in Deutschland bei T-Online
ein, und siehe da - ich war drin. Ich war zwar bei T-Online noch nicht
einmal mehr fiktiv, aber ich war drin. Das Gespräch von USA nach Deutschland
kostet mich zwar 10 Pfennige pro Minute, dafür funktioniert es aber
auch reibungslos und uneingeschränkt. Und so viel teurer ist es auch
nicht. Wer hätte das gedacht. Ich hoffte, ich wäre eines der
glücklichen Schäfchen, die nie entdeckt werden und die Wiese
ihr Leben lang abgrasen können. Mir würde es einen Riesenspaß
machen, T-Online um meine Internetminuten zu betrügen, so lange ich
lebe. Und jetzt sag noch mal jemand: "Dann guck doch mal schnell ins Internet,
ich habe dir eine Mail geschrieben".
Nachtrag: Mittlerweile
bin ich doch komplett bei T-Online rausgeflogen und muss zusehen, wie ich
ins Internet komme. Da meine Erfahrungen mit amerikanischen Providern eher
mangelhaft sind, muss ich dann wohl oder übel doch an T-Online zahlen.
Aber erst mal jemanden von dem Club erreichen?!
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