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Ein Reisebericht von Britta und Markus Hachenberger
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Das Internet - Fluch oder Segen

 
 
 
 
 
 
 
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Als T-Online Kunde lag für mich auf der Hand, dass ich - wenn nicht unbedingt notwendig - keinen zusätzlichen Provider in den USA an Land ziehen wollte, zumal T-Online über tausende Einwahlknoten in Nordamerika (auch in der restlichen Welt) verfügt, bei denen ich mich mit meinen Nutzerdaten einwählen kann. Prinzipiell ist das auch kein Problem. Man stellt so etwas wie einen Antrag (Online) und bekommt ein kleines Programm (Download), welches die tausend und mehr Telefonnummern beinhaltet und sogar eigenständig die Verbindung aufbaut. Dass die Auslands-Internet-Minute allerdings mehr kostet als in Deutschland, überraschte mich nicht. Aber ich hatte ja nicht vor stundenlang zu surfen, es ging mir ja um mein Homepage-Update und um die e-Mails. Doch auch weiterhin müssen die entstehenden Kosten von irgendeinem Konto abgebucht werden und das stellte sich als schwierig heraus, da ich für ein Jahr mein Telefonanschluss abgemeldet hatte und die Online-Minuten stehen bekanntlich auf der Telefonrechnung. Aber auch hierfür hat T-Online eine Lösung. Der fiktive Anschluss! Diesen beantragte ich - unter Angaben von T-Online - per Fax bei einer ominösen Stelle und erklärt mich zudem bereit, dass die Kosten von meinem Konto abgebucht werden (was ich sonst tunlichst vermeide). Damit war ich fiktiv und konnte seelenruhig mit meiner alten T-Online Nummer, der alten Anschlusskennung und dem neuen Programm (was übrigens auch in Deutschland funktioniert und die lästige T-Online Software erspart. Im Prinzip wie eine DFÜ-Verbindung mit Telefonbuch) in den USA und Kanada auf Telefonleitungssuche gehen. Bis hierher ist die Geschichte vorbildlich und man müsste T-Online glatt ein Lob für so innovative Erfindungen aussprechen, wäre da nicht dieser Wasserkopf.
Wer schon mal einen Computer bedient oder gar besessen hat, der weiß wahrscheinlich, dass die Momente, in denen das Ding so funktioniert, wie man sich das gerne wünschte, eher selten sind und wenn man nicht gerade ein Freak ist,  gewöhnt man sich an so Eigenheiten wie einen plötzlichen Absturz bei noch nicht gespeichertem Dokument. Man findet schnell heraus, dass das Dokument beim zweiten Mal viel schlüssiger ist und man bedankt sich bei seinem Elektro-Gefährten für die weise Entscheidung, alles in den Papierkorb zu schmeißen. Also stehe auch ich prinzipiell mit meinem Notebook auf Kriegsfuß. Dazu kommt der schwierige doch unausweichliche Umstand, eine Telefonleitung zu finden, an der man sein Notebook anschließen kann, um in die sagenumwobene Internetwelt zu gelangen. Öffentliche Telefone sind in der Regel derart verbarrikadiert, dass es einfacher wäre, einen Bankautomaten zu knacken, als dort seine Leitung einzustöpseln. Ansonsten weisen die Plätze, die wir die meiste Zeit aufsuchen, eher spartanische Ausstattung auf. Da können wir froh sein, wenn es eine Toilette mit fließend Wasser gibt. Aber eine freie Telefonleitung? Doch angenommen, man hat das Glück, in einem privaten Campground eine Telefonleitung zur Verfügung gestellt zu bekommen, dann bleibt da immer noch das Problem mit den Telefongebühren. Will heißen, dass niemand die Kosten für mein Telefonat übernehmen will, wenn ich auch noch so dringend ein Update meiner Homepage machen muss. Also sind diese Leitungen fast ausschließlich für Ortsgespräche (die in den USA in der Regel frei sind) oder gebührenfreie Nummern (Toll-Free-Number) zugelassen. Also muss man eine Calling-Card benutzen (oder Kunde einer amerikanischen Telefongesellschaft sein), deren Wählparameter man in die Wahloptionen des Programms mit eingeben muss. Voraussetzung dafür ist allerdings, daß das Wählprogramm die Eingabe weiterer Nummern überhaupt zuläßt. Es gibt unzählige Wahloptionseinstellungen, bei denen man nach der Zielrufnummer keine Zeichen mehr eingeben kann. Bei meiner Telefongesellschaft muss man das aber. Wenn man dann nur nach jedem zehnten Versuch tatsächlich eine Verbindung zum Internet hat, dann fühlt man sich wie der Bezwinger unheimlicher und hauptsächlich unverständlicher Widerwärtigkeiten und könnte die ganze Welt umarmen - Das Internet - ein Segen.
Leider blieb die positive Stimmung nicht, denn es gibt viel, was schief laufen kann, wenn man sich auf andere verlässt. Schon nach wenigen Wochen gab mein Homepage-Anbieter, der so freundlich war, mir für ein paar Werbebanner 10 Mega-Bit Speicherplatz anzubieten, den Geist auf und niemand (einschließlich mir) war mehr in der Lage, auf meine Seite zu kommen. Jetzt hatte ich eine Kiste voller digitaler Bilder und wunderschöner Erzählungen und niemand konnte sie sehen. Also musste ich aus Nordamerika einen neuen Anbieter suchen und das kostete Zeit und viele, viele kostspielige Online-Minuten, mit denen niemand gerechnet hat. Aber nach vollendeter Suche und Ändern aller Dokumentnamen (da der neue Anbieter keine Großbuchstaben leiden konnte), war ich wieder guten Mutes. Doch ich kann mich an kaum einen Tag erinnern, an dem alles geklappt hätte, wie ich mir das vorgestellt habe. So ließ mein Mailbox-Provider, bei dem ich einen "fiktiven" Telefon- und Faxanschluss betreibe, für längere Zeit keine POP3-Abfragen mehr zu, was dazu führte, dass ich von der wichtigen Korrespondenz, die mir mein Schwiegervater pflichtbewusst auf meine Mailbox faxte, keinen blassen Schimmer hatte. Zudem stellte mein Mail-Provider gerade mal sein Rechnersystem auf den Kopf und bedauerte den dreiwöchigen Totalausfall. Auf meinem Notebook stapelten sich die Mails und manche Exemplare waren schon so alt, dass sie beim nächsten Upload von meinem Mail-Provider als zu alt abgewiesen wurden. Urplötzlich konnte ich zu meinem Homepage-Provider keine FTP-Verbindung mehr aufbauen und musste mit dem Selbsthilfebausatz für Interneteinsteiger meine neuen Seiten überspielen. Und all diese Schwierigkeiten addierten sich zu dem ohnehin schon unlösbaren Problem, eine freie, bezahlbare, uneingeschränkt nutzbare Telefonleitung zu bekommen. Doch als mich T-Online kommentarlos aus dem Internet verbannte, war ich regelrecht sprachlos. An einer öffentlichen Internet-Kiste fragte ich meine Mails ab, mit dem Ergebnis, dass die Telekom nach sage und schreibe sechs Monaten festgestellt hat, dass sie keine Nutzerdaten mehr zu meinem Anschluss hat und nicht in der Lage ist, die Gebühren einzuziehen. Deshalb habe man sich dafür entschieden, mir den Hahn abzudrehen. Erst da viel mir auf, dass T-Online mir bis dahin (und auch in Zukunft) keine müde Mark abgezogen hatte. Aber dass sie das erst nach sechs Monaten merken und dann noch nicht einmal anklopfen und fragen: "Hallo sie da, wer sind sie überhaupt und wären sie vielleicht so freundlich, ihre Identität preis zu geben?" Nein, sie schmeißen mich einfach raus. Doch jetzt kommt der größte Hammer. Nachdem ich mich per e-Mail zu erkennen gegeben habe und freundlichst darauf hinwies, dass ich doch schon vor einem halben Jahr einen fiktiven Anschluss mit zugehöriger Einzugsermächtigung beantragt hatte, bekam ich eine äußerst kurze Antwort im Stile von: "O.K., alles gecheckt, hier ihre neue FKTO: 4872093008923 (oder so ähnlich)". Seit ich diese neue Nummer habe, versuchte ich sie rückwärts, auf dem Kopf und völligst durcheinandergeworfen in Verbindung mit den anderen zwanzig Zahlenreihen zu setzen, die ich von T-Online als Verifizierungscode bekommen habe, doch niemals wieder war ich in der Lage, eine Verbindung über einen nordamerikanischen Einwahlknoten herzustellen. In meiner Verzweiflung schrieb ich eine wirklich böse e-Mail an den T-Online Kundendienst, die scheinbar so böse war, dass sie noch nicht einmal beantwortet wurde. Doch auch der Versuch, auf der Hotline durchzukommen, erwies sich bis heute als Energieverschwendung. T-Online ist so maßlos überheblich, dass sie überhaupt nicht daran denken, eine gebührenpflichtige Nummer für den Kundenkontakt einzurichten. Es könnte ja jemand durchkommen und eine wirklich peinliche Frage stellen. Überall kann man anrufen und auf eigene Kosten mit einem Sachbearbeiter über sein Problem quatschen, sogar beim Finanzamt, ja sogar beim Bundeskanzleramt. Nur T-Online stellt einzig und allein eine gebührenfreie Nummer für die halbe Nation zur Verfügung. Da werden die Kunden lieber mit vorgefertigten e-Mails abgefertigt, die bezüglich der Fragestellung absolut keinen Sinn ergeben, oder man setzt ein paar verirrte Studenten an eine Hotline, die technisch wie personell maßlos überfordert sind und gute Miene zum bösem Spiel machen, schließlich musste König Kunde ja nicht für seinen Beschwerdeanruf bezahlen. Doch sein Problem ist er auch nicht los.
Zwischenzeitlich versuchte ich bei Freunden einen amerikanischen Provider aufzutreiben, der mich als Nichtbürger akzeptieren würde. Bei den meisten Geschäftsverbindungen reicht es nicht aus, wenn man guten Willens ist und brav bestätigt, die entstehenden Kosten zu übernehmen. Man muss zumindest mal eine Wohnadresse aufweisen können, ansonsten bekommt man nämlich gar nichts. Da hat man als Traveller schlechte Karten. Also hielt ich mich an die Internet-Provider, die ihre Dienste kostenlos zur Verfügung stellten und dafür nur einen fiktiven Nutzer brauchen. Dann wird zwar lästige Werbung im Browser eingeblendet, doch besser als gar nichts war das allemal. Bei dem ersten Anbieter erwies sich die Anmeldung schon als unmöglich, bemerkte er beim ersten Einwählen ständig, dass der Nutzer unbekannt sei. Na, dafür habe ich eine ewige Liste belangloser Fragen über mich ergehen lassen müssen?! Der zweite Anbieter arbeitet nur mit dem Browser von Microsoft und ich verwalte nun seit fast zwei Jahren alle meine Mails im Netscape Browser, führe dort meine Adressenliste und schreibe meine Homepage mit dem Composer von Netscape. Außerdem stürzt der gesamte Laden nach Beendigung des Programms ständig ab. Der dritte und von mir letzte getestete Anbieter wartete mit seinem eigenen Browser auf, der mir zwar uneingeschränktes Surfen im world wide web ermöglicht, doch ansonsten kaum weiterhelfen konnte.
In meiner blinden Wut wählte ich mich mit meiner alten DFÜ-Verbindung, meinem Netscape-Browser und mit meinem alten Zahlencode einfach mal in Deutschland bei T-Online ein, und siehe da - ich war drin. Ich war zwar bei T-Online noch nicht einmal mehr fiktiv, aber ich war drin. Das Gespräch von USA nach Deutschland kostet mich zwar 10 Pfennige pro Minute, dafür funktioniert es aber auch reibungslos und uneingeschränkt. Und so viel teurer ist es auch nicht. Wer hätte das gedacht. Ich hoffte, ich wäre eines der glücklichen Schäfchen, die nie entdeckt werden und die Wiese ihr Leben lang abgrasen können. Mir würde es einen Riesenspaß machen, T-Online um meine Internetminuten zu betrügen, so lange ich lebe. Und jetzt sag noch mal jemand: "Dann guck doch mal schnell ins Internet, ich habe dir eine Mail geschrieben".

Nachtrag: Mittlerweile bin ich doch komplett bei T-Online rausgeflogen und muss zusehen, wie ich ins Internet komme. Da meine Erfahrungen mit amerikanischen Providern eher mangelhaft sind, muss ich dann wohl oder übel doch an T-Online zahlen. Aber erst mal jemanden von dem Club erreichen?!


 
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