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Ein Reisebericht von Britta und Markus Hachenberger
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Wenn das Land als grenzenlos gelten kann, dann in Bezug auf sein Konsumangebot. In Amerika gibt es alles zu kaufen, auch wenn man die meiste Zeit absolut keine Ahnung hat, wo man das gesuchte Etwas finden könnte. Aber mit großer Gewissheit liegt es in irgendeinem Regal herum, wird von Zeit zu Zeit mal gewendet und abgestaubt, bis irgendein US-Amerikaner daran vorbeischlendert und sich das Ding in den Einkaufswagen legt, nicht weil er es gebrauchen könnte, nein, einfach um es zu besitzen. Und so ist das mit den meisten Dingen hier in den kilometerlangen Regalen. Sie existieren nicht zwangsweise, weil irgendein Mensch seinen Gebrauchswert unter Beweis gestellt oder sogar eine Entdeckung gemacht hat, die das Leben erleichtern könnte. Nein, in Amerika gibt es auch Sachen zu kaufen, die absolut unbrauchbar und ohne jeden Zweck sind. Und davon sind die Regale nur so voll. Warum sollte sich denn ein findiger Erfinder auch den Kopf zermartern, um etwas nützliches zu erfinden, wenn größter Schwachsinn in Rosa mit Plastiknoppen und bunten, runden Ringen zum Heben, Ziehen oder sonstwas dran sich ebenso gut verkauft? Amerika läuft fast schon über mit dieser Art von Müll. Die Garantiezeit überschreitet meistens um ein Vielfaches die Haltbarkeit des Gerätes. Doch man kann mit noch so einem Ding einfach nichts anfangen und übergibt es nach seinem Ableben gerne an die weiterverarbeitende Müllindustrie. Und das ist das nächste Problem. Die gibt es so gut wie überhaupt nicht. Und damit gelangt das rosa Ding mit Noppen dran in irgendeiner Ecke des unermesslich großen Staates und wächst mit all den anderen unbrauchbaren Dingen zu einem der bedrohlichen Müllberge an, die man bei einer Reise durch das Land an jeder Ecke antreffen kann.
Doch in Amerika gibt es nicht nur Schwachsinn zu kaufen. Das Angebot, welchem man ohne weiteres auch einen bedingten Nutzen zuschreiben kann, ist ebenfalls vielseitig und abwechslungsreich. So habe ich mich schon oft gefragt, wie sich wohl Butter in der Spraydose auf meinem Brötchen macht, oder wie wohl Erdbeershampoo schmeckt? Der Amerikaner kauft eben alles, was im Regal steht und das wirkt wie Opium auf die Hersteller. Eingelegte, gekochte Eier in der Dose sind da nur die Spitze des Eisbergs. Aber das hat auch seine Vorteile. Die Konkurrenz der Verkaufsmärkte ist so groß, dass sich in diesem Land noch jeder Kunde wie König vorkommen darf. So bekommt man seine Wahren meistens - wenn auch absolut lieblos und ohne System - an der Kasse eingepackt. Nicht nur die Kassiererinnen und Kassierer lächeln einen an und fragen, wie es denn so geht, auch die Angestellten im Laden selbst, die es im Vergleich zu Deutschland noch gibt (versuchen sie mal in Deutschland in einem Supermarkt einen Verkäufer zu organisieren, der ihnen zu ihrem Glück auch noch freundlich eine nützliche Auskunft erteilt), sind immer sehr freundlich und hilfsbereit. So ist es nicht selten, dass ein Verkäufer fragt, ob er bei der Suche nach einem bestimmten Artikel helfen kann. Und wenn man dann wirklich einen Artikel sucht, dann zeigt er nicht in ein Gängegewirr hinein und faselt etwas von "dritter Gang rechts, im linken Regal unten, bei den Windeln", sondern führt einen bis zum Ziel und legt einem noch die gewünschte Menge und die passende Größe in den Einkaufswagen hinein. Grundsätzlich wird man gefragt, ob man beim Beladen des Autos Hilfe benötigt und wird (nach Bezahlen mit der Kreditkarte, Bargeld ist out) immer mit seinem Namen angesprochen und bekommt gedankt für einen Einkauf bei Vons, Saveway, Wal-Mart, Ralphs, Albertson oder Save-a-lot. Das macht die Rechnung nicht billiger, lässt sie aber besser ertragen. Und hier muss ich mal eins zugeben. Meine lieben Eltern haben vor unserer Reise immer behauptet, dass in Amerika alles eins zu eins kostet, d.h., das, was ich für einen Artikel in Deutschland in D-Mark hinlegen muss, kostet es in den USA in Dollar. Bei einem Dollarkurs, der seit über einem Jahr nicht mehr unter die Zwei-Mark-Grenze gefallen ist, bedeutet das, dass alles mindestens doppelt so teuer ist. Und sie hatten recht, auch wenn ich das noch bis zu unserem zwanzigsten Einkauf nicht wahr haben wollte. Lebensmittel sind so unglaublich teuer, dass man schon mal ein Pfund Butter für sieben Mark, eine Glas Marmelade für sechs Mark, ein Pfund Kaffee für achtzehn Mark, H-Milch für vier Mark, usw., im Einkaufswagen liegen hat. Aber, und das ist das gemeine, es gibt immer eine Alternative. So gibt es fast immer auch Produkte, die absolut gleich schmecken, gleich aussehen, den gleichen Kram beinhalten und nicht von Kraft sind und dann nur noch die Hälfte kosten. Manchmal gibt es in einem Supermarkt den einen oder anderen Markenartikel auch für die Hälfte zu kaufen. Dafür schlägt er dann bei anderen Artikel kräftig zu. In Billiggeschäften wie Dollar-Gernal oder Family-Dollar bekommt man oft die gleichen Artikel zum halben Preis, auch wenn das Angebot meist sehr dürftig ist. Doch wenn man sich auskennt, kann man durchaus ein halbes Vermögen sparen. Das trifft für Reisende halt nicht zu und deshalb sind wir gezwungen, immer mit dem vorlieb zu nehmen, was gerade vor Ort ist und was sich am Straßenrand als Supermarkt zu erkennen gibt.
Aber grundsätzlich ist die Ware immer aufs beste in Szene gesetzt. So wird man nie eine faule Birne unter den anderen tausend drapierten Birnen finden. Die Obst- und Gemüsetheken sind immer in perfektem Zustand und vorbildlich sortiert. Die Auswahl ist erstklassig und immer gut gekühlt bzw. befeuchtet. Oft ist das Obst nach Reifegrad sortiert und das Gemüse wird in regelmäsßigen Abständen - oft durch Donnergeräusche angekündigt - bewässert. Auch die übrigen Artikel sind immer gut sortiert und erreichbar. So werden die Artikel in den Regalen immer nach vorne geschoben, damit sich der Kunde nicht gezwungen sieht, in eines dieser Regale hineinzukriechen, um an die letzte Packung Cornflakes ranzukommen. Das suggeriert auch gleichzeitig den niemals ausgehenden Vorrat an Cornflakes-Packungen. Die günstigeren Angebote sind immer in Augenhöhe angebracht und aufgerissene, abgelaufene oder beschädigte Waren findet man so gut wie nie in den Regalen. Das liegt natürlich an den noch existierenden Angestellten, die in beträchtlicher Anzahl den Laden in gutem Zustand halten. Sie verdienen zwar kein Vermögen und von Kündigungsschutz haben die auch noch nichts gehört, doch sie verdienen ihr eigenes Geld und liegen dem Staat nicht auf der Tasche. Sie machen sich nützlich und können erhobenen Hauptes abends schlafen gehen. Dabei spielt es keine Rolle, ob man eigentlich Computerfachmann oder Fleischfachverkäufer ist. Als Angestellter in einem Supermarkt genießt jeder den gleichen Status und der ist gegenüber Deutschland wesentlich höher angesiedelt. Schließlich machen sie sich um eine Tätigkeit verdient, die jedem von Nutzen ist und das Einkaufen macht unter diesen Bedingungen einfach mehr Spaß. In Deutschland muss man ja immer gleich gewerkschaftlich organisiert, unkündbar, krankenversichert, rentenversichert und arbeitslosenversichert sein, bevor man auch nur an Arbeit denkt. Kein Wunder, dass wir in Deutschland so viele Arbeitslose haben und die Regale aussehen, als hätte eine Bombe eingeschlagen.
Es ist eine Tatsache, dass Amerika in Zukunft in einer Unmenge unnützem Kram untergehen wird, doch fest steht, dass die Amis dabei Spaß haben und es mit Stil und mit Anstellung tun.

 
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