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Wenn das
Land als grenzenlos gelten kann, dann in Bezug auf sein Konsumangebot.
In Amerika gibt es alles zu kaufen, auch wenn man die meiste Zeit absolut
keine Ahnung hat, wo man das gesuchte Etwas finden könnte. Aber mit
großer Gewissheit liegt es in irgendeinem Regal herum, wird von Zeit
zu Zeit mal gewendet und abgestaubt, bis irgendein US-Amerikaner daran
vorbeischlendert und sich das Ding in den Einkaufswagen legt, nicht weil
er es gebrauchen könnte, nein, einfach um es zu besitzen. Und so ist
das mit den meisten Dingen hier in den kilometerlangen Regalen. Sie existieren
nicht zwangsweise, weil irgendein Mensch seinen Gebrauchswert unter Beweis
gestellt oder sogar eine Entdeckung gemacht hat, die das Leben erleichtern
könnte. Nein, in Amerika gibt es auch Sachen zu kaufen, die absolut
unbrauchbar und ohne jeden Zweck sind. Und davon sind die Regale nur so
voll. Warum sollte sich denn ein findiger Erfinder auch den Kopf zermartern,
um etwas nützliches zu erfinden, wenn größter Schwachsinn
in Rosa mit Plastiknoppen und bunten, runden Ringen zum Heben, Ziehen oder
sonstwas dran sich ebenso gut verkauft? Amerika läuft fast schon über
mit dieser Art von Müll. Die Garantiezeit überschreitet meistens
um ein Vielfaches die Haltbarkeit des Gerätes. Doch man kann mit noch
so einem Ding einfach nichts anfangen und übergibt es nach seinem
Ableben gerne an die weiterverarbeitende Müllindustrie. Und das ist
das nächste Problem. Die gibt es so gut wie überhaupt nicht.
Und damit gelangt das rosa Ding mit Noppen dran in irgendeiner Ecke des
unermesslich großen Staates und wächst mit all den anderen unbrauchbaren
Dingen zu einem der bedrohlichen Müllberge an, die man bei einer Reise
durch das Land an jeder Ecke antreffen kann.
Doch in Amerika
gibt es nicht nur Schwachsinn zu kaufen. Das Angebot, welchem man ohne
weiteres auch einen bedingten Nutzen zuschreiben kann, ist ebenfalls vielseitig
und abwechslungsreich. So habe ich mich schon oft gefragt, wie sich wohl
Butter in der Spraydose auf meinem Brötchen macht, oder wie wohl Erdbeershampoo
schmeckt? Der Amerikaner kauft eben alles, was im Regal steht und das wirkt
wie Opium auf die Hersteller. Eingelegte, gekochte Eier in der Dose sind
da nur die Spitze des Eisbergs. Aber das hat auch seine Vorteile. Die Konkurrenz
der Verkaufsmärkte ist so groß, dass sich in diesem Land noch
jeder Kunde wie König vorkommen darf. So bekommt man seine Wahren
meistens - wenn auch absolut lieblos und ohne System - an der Kasse eingepackt.
Nicht nur die Kassiererinnen und Kassierer lächeln einen an und fragen,
wie es denn so geht, auch die Angestellten im Laden selbst, die es im Vergleich
zu Deutschland noch gibt (versuchen sie mal in Deutschland in einem Supermarkt
einen Verkäufer zu organisieren, der ihnen zu ihrem Glück auch
noch freundlich eine nützliche Auskunft erteilt), sind immer sehr
freundlich und hilfsbereit. So ist es nicht selten, dass ein Verkäufer
fragt, ob er bei der Suche nach einem bestimmten Artikel helfen kann. Und
wenn man dann wirklich einen Artikel sucht, dann zeigt er nicht in ein
Gängegewirr hinein und faselt etwas von "dritter Gang rechts, im linken
Regal unten, bei den Windeln", sondern führt einen bis zum Ziel und
legt einem noch die gewünschte Menge und die passende Größe
in den Einkaufswagen hinein. Grundsätzlich wird man gefragt, ob man
beim Beladen des Autos Hilfe benötigt und wird (nach Bezahlen mit
der Kreditkarte, Bargeld ist out) immer mit seinem Namen angesprochen und
bekommt gedankt für einen Einkauf bei Vons, Saveway, Wal-Mart,
Ralphs, Albertson oder Save-a-lot. Das macht die Rechnung nicht
billiger, lässt sie aber besser ertragen. Und hier muss ich mal eins
zugeben. Meine lieben Eltern haben vor unserer Reise immer behauptet, dass
in Amerika alles eins zu eins kostet, d.h., das, was ich für einen
Artikel in Deutschland in D-Mark hinlegen muss, kostet es in den USA in
Dollar. Bei einem Dollarkurs, der seit über einem Jahr nicht mehr
unter die Zwei-Mark-Grenze gefallen ist, bedeutet das, dass alles mindestens
doppelt so teuer ist. Und sie hatten recht, auch wenn ich das noch bis
zu unserem zwanzigsten Einkauf nicht wahr haben wollte. Lebensmittel sind
so unglaublich teuer, dass man schon mal ein Pfund Butter für sieben
Mark, eine Glas Marmelade für sechs Mark, ein Pfund Kaffee für
achtzehn Mark, H-Milch für vier Mark, usw., im Einkaufswagen liegen
hat. Aber, und das ist das gemeine, es gibt immer eine Alternative. So
gibt es fast immer auch Produkte, die absolut gleich schmecken, gleich
aussehen, den gleichen Kram beinhalten und nicht von Kraft sind
und dann nur noch die Hälfte kosten. Manchmal gibt es in einem Supermarkt
den einen oder anderen Markenartikel auch für die Hälfte zu kaufen.
Dafür schlägt er dann bei anderen Artikel kräftig zu. In
Billiggeschäften wie Dollar-Gernal oder Family-Dollar
bekommt man oft die gleichen Artikel zum halben Preis, auch wenn das Angebot
meist sehr dürftig ist. Doch wenn man sich auskennt, kann man durchaus
ein halbes Vermögen sparen. Das trifft für Reisende halt nicht
zu und deshalb sind wir gezwungen, immer mit dem vorlieb zu nehmen, was
gerade vor Ort ist und was sich am Straßenrand als Supermarkt zu
erkennen gibt.
Aber grundsätzlich
ist die Ware immer aufs beste in Szene gesetzt. So wird man nie eine faule
Birne unter den anderen tausend drapierten Birnen finden. Die Obst- und
Gemüsetheken sind immer in perfektem Zustand und vorbildlich sortiert.
Die Auswahl ist erstklassig und immer gut gekühlt bzw. befeuchtet.
Oft ist das Obst nach Reifegrad sortiert und das Gemüse wird in regelmäsßigen
Abständen - oft durch Donnergeräusche angekündigt - bewässert.
Auch die übrigen Artikel sind immer gut sortiert und erreichbar. So
werden die Artikel in den Regalen immer nach vorne geschoben, damit sich
der Kunde nicht gezwungen sieht, in eines dieser Regale hineinzukriechen,
um an die letzte Packung Cornflakes ranzukommen. Das suggeriert
auch gleichzeitig den niemals ausgehenden Vorrat an Cornflakes-Packungen.
Die günstigeren Angebote sind immer in Augenhöhe angebracht und
aufgerissene, abgelaufene oder beschädigte Waren findet man so gut
wie nie in den Regalen. Das liegt natürlich an den noch existierenden
Angestellten, die in beträchtlicher Anzahl den Laden in gutem Zustand
halten. Sie verdienen zwar kein Vermögen und von Kündigungsschutz
haben die auch noch nichts gehört, doch sie verdienen ihr eigenes
Geld und liegen dem Staat nicht auf der Tasche. Sie machen sich nützlich
und können erhobenen Hauptes abends schlafen gehen. Dabei spielt es
keine Rolle, ob man eigentlich Computerfachmann oder Fleischfachverkäufer
ist. Als Angestellter in einem Supermarkt genießt jeder den gleichen
Status und der ist gegenüber Deutschland wesentlich höher angesiedelt.
Schließlich machen sie sich um eine Tätigkeit verdient, die
jedem von Nutzen ist und das Einkaufen macht unter diesen Bedingungen einfach
mehr Spaß. In Deutschland muss man ja immer gleich gewerkschaftlich
organisiert, unkündbar, krankenversichert, rentenversichert und arbeitslosenversichert
sein, bevor man auch nur an Arbeit denkt. Kein Wunder, dass wir in Deutschland
so viele Arbeitslose haben und die Regale aussehen, als hätte eine
Bombe eingeschlagen.
Es ist eine Tatsache,
dass Amerika in Zukunft in einer Unmenge unnützem Kram untergehen
wird, doch fest steht, dass die Amis dabei Spaß haben und es mit
Stil und mit Anstellung tun.
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