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Ein Reisebericht von Britta und Markus Hachenberger
Stories rund um Nordamerika
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Die deutschen Urlauber

 
 
 
 
 
 
 
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Ich habe gewusst, dass die Deutschen ein reisefreudiges Volk sind, dass sie jedoch in der Urlaubszeit selbst die einheimischen Urlauber zahlenmäßig in den Schatten stellen, war mir bislang fremd. Es ist wirklich kein Scherz, aber man hat an manchen Orten bessere Aussichten die genaue Uhrzeit zu erfahren, wenn man den herannahenden Menschen in deutscher Sprache anspricht statt in Englisch. Und das ist für das deutsche Volk keine Schande, wird ihnen damit doch ein enormer Reichtum und zumindest eine gewisse Weltoffenheit angedichtet. Dass die meisten Deutschen einen nicht unerheblichen Teil ihres Vermögens für Urlaub statt für überdimensionale Pick-Ups ausgeben, ist den meisten Nordamerikanern allerdings nicht geläufig. Doch im Allgemeinen freut sich hier jeder über Deutsche, schliesslich bringen sie gutes Geld in die Kassen und dafür wird auch schon mal ein Warnschild in deutscher Sprache aufgehängt, wie zum Beispiel: "futtere keine Baren". Ich empfinde zumindest einen gewissen Stolz, wenn ich all die deutschen Urlauber auf ihren geliehenen Wohnmobilen durch die große, nordamerikanische Welt flitzen sehe, ist das schließlich der Beweis, dass sich die Deutschen durchaus für mehr interessieren als für Bratwurst und den Schwarzwald und auch das haben sie zumindest den US-Amerikanern voraus. Doch die Art, wie der Deutsche im Ausland auftritt, ist nach wie vor steif und lässt bei vielen anderen Nationalitäten den Schluss zu, Deutsche seien unglückliche Urlauber. So weiß jeder deutsche Urlauber, wo welche Sehenswürdigkeit liegt, auch wenn er sie nicht wirklich aussprechen kann, geschweige denn, es je versucht hat, doch über die Gewohnheiten der Menschen im Land oder gar ihre Bräuche haben sich nur die wenigsten Informiert. Wir haben hier in Nordamerika so viele Deutsche getroffen, dass wir uns fast schon Experten im Erkennen gleichstämmiger Artgenossen schimpfen können. Der allgemeine Urlaubsdeutsche hebt sich in erster Linie von allen anderen Nationalitäten dadurch ab (Japaner ausgenommen, über jene kann man fast ein eigenes Buch schreiben), dass es ihm immer gelingt, bei einer Begegnung den Blickkontakt zu verweigern, da ihm gerade der Schnürsenkel aufgegangen ist, eine freilebende Ameise ins Auge gesprungen ist (nur im übertragenden Sinn gemeint) oder er beharrlich die Steine auf dem Weg zählt und gar nicht bemerken will, dass ihm ein anderes Wesen entgegen kam. Klar, die Amerikaner und vielleicht auch die Kanadier sind alle oberflächlich und meinen nichts von dem, was sie sagen. Doch so oberflächlich sind sie auch wieder nicht, dass sie den obligatorischen Gruß auf dem Wanderweg nicht ernst meinen. Auch die Frage nach dem Wohlbefinden wird zu 99% mit immer gleicher Antwort positiv erwidert, doch im Falle einer negativen Bemerkung muss man mit dem Hilfeangebot eines jeden Nordamerikaners rechnen, denn das meinen sie wirklich ernst, auch wenn das kein Deutscher glauben kann. Der Deutsche hingegen will selbst auf einem belebten Wanderweg nicht erkannt werden, nicht als Wanderer und schon gar nicht als deutscher Wanderer. Er will weiterhin in seiner Anonymität die Sehenswürdigkeiten abklappern und möglichst nicht angesprochen werden. Überhaupt zählt das Abklappern von Sehenswürdigkeiten zur Hauptaufgabe eines jeden deutschen Touristen, denn das Fotoalbum muss zumindest die Attraktionen aus dem Katalog aufweisen. Nicht selten vergisst man dabei, sich die Attraktion mit bloßem Auge statt durch die Kameralinse anzuschauen. Aber Hauptsache, man hat den Beweis in der Tasche, denn deutscher Urlaub ist wie das Sammeln von Trophäen, um zuhause auch jedem sagen zu können: "Ich war schon da". Wir haben uns manchmal den Spaß gemacht, Deutsche im breitesten Amerikanisch anzusprechen (was jeder Amerikaner durchschaut hätte) und sie nach ihrem Wohlbefinden zu fragen. In ganz wenigen Fällen bekamen wir mehr als ein in den Bart genuscheltes "good" zurück, wobei tunlichst der Blickkontakt gemieden wurde. Man hatte zumindest immer das Gefühl, sie wollten nicht zu viel in ihrem gebrochenen Englisch sprechen, damit sie vielleicht nicht als Ausländer erkannt werden. Dabei erkennen wir mittlerweile einen Deutschen schon aus zehn Meter Entfernung, so wie es den Einheimischen sicherlich auch geht. Es ist die Art, wie sie sich kleiden (was fast immer geschmackvoller ist als alles, was man den Nordamerikanern oder gar den Engländern zutrauen kann) und es ist ihre allgemeine äussere Erscheinung. Die deutschen Damen tragen die Haare kurz und warme Jäckchen, die Herren sind oft dickbäuchig (aber nicht fett) und oben herum platt. Doch am allermeisten verrät sie ihr Gesichtsausdruck. Sie schauen mürrisch und unzufrieden, als hätte man sie zu ihrem Urlaub gezwungen. Sie bleiben immer unter Ihresgleichen und begegnen niemanden mit zu viel Freundlichkeit. Man könnte fast meinen, der deutsche Urlauber fühlt sich im Ausland nicht recht wohl? Oder ist es ihm vielleicht unangenehm, selbst Ausländer zu sein? Mir ging es zumindest oft so, dass ich nicht gerne als Deutscher erkannt wurde, da ich nicht mit all den anderen in einen Topf geworfen werden wollte. Doch auch das war ein Fehler. Jetzt gehe ich offen auf die Menschen zu und gebe mich als freundlich dreinblickender Deutscher, der durchaus in der Lage ist, einen Gruß zu erwidern, um den Schnitt einfach zu verbessern.

 
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