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Ein Reisebericht von Britta und Markus Hachenberger
Stories rund um Nordamerika
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Death Valley

 
 
 
 
 
 
 
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Unser Mobil schleppt sich mühevoll die Steigung hinauf. Das wohl berühmteste Tal verbirgt sich hinter ansehnlichen Bergen und ich kann mir kaum vorstellen, dass hinter der nächsten Steigung ein tiefes Tal liegen soll. Das tiefste Tal! Doch alle Zweifel sind wie weggewischt, als die matte weisse Scheibe vor uns erscheint. Vor uns geht es direkt ins Erdinnere. Das Tal erstreckt sich länglich zwischen zwei Bergmassiven und ist flach wie eine Scheibe, wie eine Pfanne. Von Leben keine Spur. Gefährlich sieht das Valley von hier oben aus, Abfahrt ohne Wiederkehr? Wir wagen es, bringen den Wagen behutsam den Hang hinunter. Als wir das Tal erreichen eröffnet sich die weite, flache Ebene des Death Valleys. Es sieht ganz und gar nicht wie eine Wüste aus, eher wie eine Phantasiewelt. Die Strasse läuft schnurgerade durch das Tal und links und rechts des Weges tauchen immer wieder neue Landschaften auf. Mal ist der Boden flach, steinig und nur von einsamen Creosotbüschen bewachsen, dann wiederrum hügelig, glatt wie Babyhaut und annähernd der gleichen Farbe. Dann tauchen doch noch Sanddünen auf, die aber gleich wieder von schroffen Felsformationen in allen Farben abgelöst werden. Pastellgrün, rubinrot, mausgrau, schwefelgelb, türkis, orange und selbst violett ist eine Farbe, die im Licht der grellen Sonne aufleuchten. Alle Farben laufen ineinander und vermischen sich zu einem überdimensionalen Farbklecks. Dann wieder durchziehen dunkle Streifen den hellen Grund, als hätte jemand mit einem riesigen Pinsel schwungvolle Striche auf den Fels gemalt. Die Linien - unterschiedliche Gesteinsschichten - sind unterbrochen, gefaltet, gestaucht und verdreht. In wilden Bögen ziehen sich die Schichten tausende Meter über komplette Berghänge. Sie hinterlassen ein Muster auf dem Berg, eine Zeichnung, die Zeichnung der Natur. So einmalig und unverfälscht, wie es nur die Natur selbst fertigbringt. Der Stein selbst nimmt hundert verschiedene Formen an. Mal ist er porös und brüchig, mal glatt und hart. Und jeder Fels, jeder Stein fügt sich ein ins Ganze. Und zusammen bilden sie riesige Bergketten mit speerartigen Gipfeln und verschlungenen Canyons. Phantasiegebilde geformt mit Kräften der Natur. Die Konstrukteure sind Wind, Wasser und Sonne. Diese Elemente schufen in Jahrmillionen eine Kulisse unvergleichbaren Aussehens, den Golden Canyon. Und noch immer arbeiten sie an ihrem Kunstwerk. Wir durchwandern einen der vielen Pfade hinab ins Tal und stossen auf unzählige Kuriositäten. Formen, die sich kein Mensch hätte ausdenken können. Und immer wieder erhebt sich ein neues Bergmassiv in anderem Farbton, diesmal mit Längsrillung, das nächste mal mit Rissen im Zickzackmuster.
Als wir im Tal ankommen, erstreckt sich vor uns der Badwater Lake. Der ausgetrocknete See am tiefsten Punkt der westlichen Hemisphäre. Eigentlich müsste sich hier das Wasser aller umliegenden Berge sammel, doch es verdunstet zu schnell als dass ein ernstzunehmendes Gewässer entstehen könnte. Übrig bleibt das weisse, kristalline Salz, welches sich in der glühenden Hitze des Talbodens ausbreitet und erbarmungslos die Sonne reflektiert. Bizarre Figuren, eingefroren in Salz und Lehm, geformt und bearbeitet durch den Wind, zerbrechlich und porös, sind die Kunstwerke dieser lebensunfreundlichen Landschaft. Diese Hitzepfanne brodelt regelrecht und lässt keinem Strauch, selbst dem Lebenskünstler Creosot, nicht den Hauch einer Chance. Wir verlassen lieber diesen rauhen Platz der Natur und fahren mit unserem Fahrzeug durch den Titus Canyon. Die höhergelegenen Teile des Death Valleys sind regelrecht fruchtbar und seine seichten Berghänge an manchen Stellen fast gleichmässig mit grünen Sträuchern bedeckt. Manchmal entdeckt man im Geäst der vielen Sträucher und Büsche einen bunten Fleck, der sich bei näherer Betrachtung als Blüte erweist. Ein einsam blühendes Etwas auf felsigem Grund unter wuchernden Strauchgewächsen. Das bisschen Farbe dieser kleinen Blume behauptet sich gegen all diese Widrigkeiten. Ein Juwel in der Wüste. Dann öffnet sich erneut der Berg und legt einen Pfad über einen Kamm frei. Dahinter liegt eine Senke so weit wie der Himmel selbst, eingerahmt von Bergketten gigantischen Ausmaßes. Ein riesiger Fussabdruck muss dieses Tal verursacht haben. Und an gegenüberliegender Seite, dort wo die Ferse einen tiefen Abdruck hinterlassen hat, dort spaltet sich der Fels erneut und eröffnet einen Canyon, der in Jahrtausenden in den Stein gegraben wurde. Zentimeter um Zentimeter. Bis eine Schlucht von atemberaubender Tiefe entstand. Dort bugsieren wir unser Gefährt hindurch in immer wiederkehrenden Schleifen und Kurven. Bis der Canyon immer enger, dunkler und steiler wird, um sich in einem finalen Moment um 180 Grad zu öffnen und den Blick ins Death Valley freigibt. Ein Tal, dass so variationsreich, so bizarr ist, dass es eigentlich einen nicht so furchteinflössenden Namen verdient hätte.

 
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