Tagebuch
Reiseverlauf
Gesamtkarte
Fotoalbum
Reisevorb
|
Unser Mobil
schleppt sich mühevoll die Steigung hinauf. Das wohl berühmteste
Tal verbirgt sich hinter ansehnlichen Bergen und ich kann mir kaum vorstellen,
dass hinter der nächsten Steigung ein tiefes Tal liegen soll. Das
tiefste Tal! Doch alle Zweifel sind wie weggewischt, als die matte weisse
Scheibe vor uns erscheint. Vor uns geht es direkt ins Erdinnere. Das Tal
erstreckt sich länglich zwischen zwei Bergmassiven und ist flach wie
eine Scheibe, wie eine Pfanne. Von Leben keine Spur. Gefährlich sieht
das Valley von hier oben aus, Abfahrt ohne Wiederkehr? Wir wagen es, bringen
den Wagen behutsam den Hang hinunter. Als wir das Tal erreichen eröffnet
sich die weite, flache Ebene des Death Valleys. Es sieht ganz und
gar nicht wie eine Wüste aus, eher wie eine Phantasiewelt. Die Strasse
läuft schnurgerade durch das Tal und links und rechts des Weges tauchen
immer wieder neue Landschaften auf. Mal ist der Boden flach, steinig und
nur von einsamen Creosotbüschen bewachsen, dann wiederrum hügelig,
glatt wie Babyhaut und annähernd der gleichen Farbe. Dann tauchen
doch noch Sanddünen auf, die aber gleich wieder von schroffen Felsformationen
in allen Farben abgelöst werden. Pastellgrün, rubinrot, mausgrau,
schwefelgelb, türkis, orange und selbst violett ist eine Farbe, die
im Licht der grellen Sonne aufleuchten. Alle Farben laufen ineinander und
vermischen sich zu einem überdimensionalen Farbklecks. Dann wieder
durchziehen dunkle Streifen den hellen Grund, als hätte jemand mit
einem riesigen Pinsel schwungvolle Striche auf den Fels gemalt. Die Linien
- unterschiedliche Gesteinsschichten - sind unterbrochen, gefaltet, gestaucht
und verdreht. In wilden Bögen ziehen sich die Schichten tausende Meter
über komplette Berghänge. Sie hinterlassen ein Muster auf dem
Berg, eine Zeichnung, die Zeichnung der Natur. So einmalig und unverfälscht,
wie es nur die Natur selbst fertigbringt. Der Stein selbst nimmt hundert
verschiedene Formen an. Mal ist er porös und brüchig, mal glatt
und hart. Und jeder Fels, jeder Stein fügt sich ein ins Ganze. Und
zusammen bilden sie riesige Bergketten mit speerartigen Gipfeln und verschlungenen
Canyons. Phantasiegebilde geformt mit Kräften der Natur. Die Konstrukteure
sind Wind, Wasser und Sonne. Diese Elemente schufen in Jahrmillionen eine
Kulisse unvergleichbaren Aussehens, den Golden Canyon. Und noch
immer arbeiten sie an ihrem Kunstwerk. Wir durchwandern einen der vielen
Pfade hinab ins Tal und stossen auf unzählige Kuriositäten. Formen,
die sich kein Mensch hätte ausdenken können. Und immer wieder
erhebt sich ein neues Bergmassiv in anderem Farbton, diesmal mit Längsrillung,
das nächste mal mit Rissen im Zickzackmuster.
Als wir im Tal
ankommen, erstreckt sich vor uns der Badwater Lake. Der ausgetrocknete
See am tiefsten Punkt der westlichen Hemisphäre. Eigentlich müsste
sich hier das Wasser aller umliegenden Berge sammel, doch es verdunstet
zu schnell als dass ein ernstzunehmendes Gewässer entstehen könnte.
Übrig bleibt das weisse, kristalline Salz, welches sich in der glühenden
Hitze des Talbodens ausbreitet und erbarmungslos die Sonne reflektiert.
Bizarre Figuren, eingefroren in Salz und Lehm, geformt und bearbeitet durch
den Wind, zerbrechlich und porös, sind die Kunstwerke dieser lebensunfreundlichen
Landschaft. Diese Hitzepfanne brodelt regelrecht und lässt keinem
Strauch, selbst dem Lebenskünstler Creosot, nicht den Hauch
einer Chance. Wir verlassen lieber diesen rauhen Platz der Natur und fahren
mit unserem Fahrzeug durch den Titus Canyon. Die höhergelegenen
Teile des Death Valleys sind regelrecht fruchtbar und seine seichten
Berghänge an manchen Stellen fast gleichmässig mit grünen
Sträuchern bedeckt. Manchmal entdeckt man im Geäst der vielen
Sträucher und Büsche einen bunten Fleck, der sich bei näherer
Betrachtung als Blüte erweist. Ein einsam blühendes Etwas auf
felsigem Grund unter wuchernden Strauchgewächsen. Das bisschen Farbe
dieser kleinen Blume behauptet sich gegen all diese Widrigkeiten. Ein Juwel
in der Wüste. Dann öffnet sich erneut der Berg und legt einen
Pfad über einen Kamm frei. Dahinter liegt eine Senke so weit wie der
Himmel selbst, eingerahmt von Bergketten gigantischen Ausmaßes. Ein
riesiger Fussabdruck muss dieses Tal verursacht haben. Und an gegenüberliegender
Seite, dort wo die Ferse einen tiefen Abdruck hinterlassen hat, dort spaltet
sich der Fels erneut und eröffnet einen Canyon, der in Jahrtausenden
in den Stein gegraben wurde. Zentimeter um Zentimeter. Bis eine Schlucht
von atemberaubender Tiefe entstand. Dort bugsieren wir unser Gefährt
hindurch in immer wiederkehrenden Schleifen und Kurven. Bis der Canyon
immer enger, dunkler und steiler wird, um sich in einem finalen Moment
um 180 Grad zu öffnen und den Blick ins Death Valley freigibt.
Ein Tal, dass so variationsreich, so bizarr ist, dass es eigentlich einen
nicht so furchteinflössenden Namen verdient hätte.
|
Ende dieser Seite
|
S
T
O
R
Y
D
E
A
T
H
V
A
L
L
E
Y
S
T
O
R
Y
D
E
A
T
H
V
A
L
L
E
Y
|