Tagebuch
Reiseverlauf
Gesamtkarte
Fotoalbum
Reisevorb
Live-Chat
|
|
Es ist frisch
draußen und die Wintersonne hat noch zu wenig Kraft, um die kalte
Luft, die der Sturm gestern nacht gebracht hat, aufzuheizen. Trotzdem erstrahlt
ein grelles Licht und taucht die Wüste in eine flimmernde Scheibe.
Die Reifen des Pick-Up's graben sich in den Schotter und geben dieses Knirschen
von sich, was uns auf der gesamten Fahrt begleiten wird, nur dass wir es
später nicht mehr wahrnehmen werden. Die Piste ist noch verhältnismäßig
zahm, allerdings steht uns noch der schwierige Teil bevor. Sie windet sich
um die seichten Hügel und jedesmal sieht die Wüste danach anders
aus. Es ist nicht solch eine Wüste, wie die, die uns vor Augen schwebt,
wenn wir an "Wüste" denken. Hier wachsen Sträucher und manchmal
sogar kleine Bäume. Eine Yucca-Palmenart und viele Kakteen. Ansonsten
gibt es hier nur Sand, Gestein und Geröll. Die Pflanzen haben es irgendwie
geschafft, hier in dieser ausgesprochen trockenen und steinigen Region
zu überleben. Aber auch hunderte Tierarten, darunter unzählige
Vogelarten, so viele wie in keinem anderen Nationalpark. Wir sehen nur
selten ein Exemplar davonfliegen. Unser Motor vertreibt alles Leben, bevor
wir auch nur annähernd in dessen Nähe kommen. Aber wir sehen,
wie sich die Wüste verändert. Mal ist sie weiß, wie der
Kalkstein, der den Boden bedeckt, mal ist sie fast grün, wie die hunderttausend
kleinen Pflänzchen, die aus dem Boden schießen - ein Resultat
der kalten Temperaturen bei Nacht, die bei Tagesbeginn genügend Tauwasser
entstehen lassen. Der Boden ändert so schnell seine Farben, dass es
uns schwer fällt, die einzelnen Übergänge zu entdecken.
Roter Sand, grauer Fels, gelber Schotter und ockerfarbener Lehm wechseln
sich kontinuierlich ab. Aber fast immer sind die Chisos Mountains
zu sehen, die sich im Westen über die Wüste erheben. Ihre bis
zu 2350 Meter sind ein harter Kontrast zu der ansonsten seichten Wüste.
Bis zum Fuße dieser ansteigenden Berge kommt man heran, um dann zu
sehen, dass ein Aufstieg hoffnungslos wäre. Und plötzlich tut
sich ein Abgrund auf. Vor uns ist die Piste weggewaschen. Eine Stufe von
mindestens 60 Zentimetern unterbricht die fortlaufende Piste und macht
uns darauf aufmerksam, dass auf dieser Strecke nur vierradgetriebene Fahrzeuge
zugelassen sind. Das Wasser, welches ursächlich verantwortlich für
den fehlenden Streckenteil ist, kam aus den Chisos. Jetzt ist nur
noch die Furche zu sehen, von Wasser keine Spur. Das ist das Tückische
an einer Wüste, die an hohe Berge grenzt. Das Land ist trocken und
die spärliche Vegetation kann das Wasser nicht festhalten. So kann
es sein, dass es 20 km weiter regnet und sich urplötzlich ein Sturzbach
ergießt, der dann mit rasender Geschwindigkeit den Hang herunter
kommt, und dort, wo eigentlich das schönste Wetter herrscht, werden
ganze Straßen mitgerissen. Manchmal sieht man hier Brücken im
Big
Bend National Park, die mit ihren 5 Meter Höhe und 50 Meter Breite
über ausgetrocknete Flussbetten führen. Das scheint etwas übervorsichtig
zu sein. Doch wenn es in den umliegenden Bergen regnet, läuft in dem
ausgetrockneten Bachbett urplötzlich ein reißender Fluss, ohne
sich vorher anzumelden. Vorsichtig durchfahren wir die Hürde und müssen
feststellen, dass jetzt der schwierige Teil beginnt. Nur noch im ersten
Gang kommen wir vorwärts und das Rucken und Schaukeln geht uns schon
nach kurzer Zeit auf die Nerven. Die Steinchen, aus denen die Piste noch
vor wenigen Kilometern bestand, sind jetzt riesige Wacker, die uns größte
Aufmerksamkeit abverlangen. Der Weg führt plötzlich durch einen
Canyon und geht steil bergab. Man sieht den Boden vor dem Fahrzeug nicht
mehr, nur noch die Stelle, an der die Hürde überwunden scheint.
Doch vor uns tut sich abermals ein Abgrund auf. Mit größter
Vorsicht und nur zentimeterweise durchfahren wir dieses Hindernis, wobei
einer draußen winkt, während der andere drinnen versucht, die
tonnenschwere Last über hervorstehende Vorsprünge zu lenken,
um nicht allzu tief in den Abgrund zu rutschen. Doch unser Pick-Up erweist
sich als absolut geländetauglich und die Strecke bereitet ihm keinerlei
Schwierigkeiten. Doch wir sind nach 51/2 Stunden und 80 Kilometern
Wüstenpiste gut durchgeschüttelt und gnadenlos müde. Das
Durchwandern der Chihuahuawüste hätte nicht anstrengender
sein können - naja, vielleicht ein bisschen.
|
Ende dieser Seite
|
S
T
O
R
Y
C
H
I
H
U
A
H
U
A
W
Ü
S
T
E
S
T
O
R
Y
C
H
I
H
U
A
H
U
A
W
Ü
S
T
E
|