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Ein Reisebericht von Britta und Markus Hachenberger
Stories rund um Nordamerika
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Eine Fahrt durch die Chihuahua-Wüste

 
 
 
 
 
 
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Es ist frisch draußen und die Wintersonne hat noch zu wenig Kraft, um die kalte Luft, die der Sturm gestern nacht gebracht hat, aufzuheizen. Trotzdem erstrahlt ein grelles Licht und taucht die Wüste in eine flimmernde Scheibe. Die Reifen des Pick-Up's graben sich in den Schotter und geben dieses Knirschen von sich, was uns auf der gesamten Fahrt begleiten wird, nur dass wir es später nicht mehr wahrnehmen werden. Die Piste ist noch verhältnismäßig zahm, allerdings steht uns noch der schwierige Teil bevor. Sie windet sich um die seichten Hügel und jedesmal sieht die Wüste danach anders aus. Es ist nicht solch eine Wüste, wie die, die uns vor Augen schwebt, wenn wir an "Wüste" denken. Hier wachsen Sträucher und manchmal sogar kleine Bäume. Eine Yucca-Palmenart und viele Kakteen. Ansonsten gibt es hier nur Sand, Gestein und Geröll. Die Pflanzen haben es irgendwie geschafft, hier in dieser ausgesprochen trockenen und steinigen Region zu überleben. Aber auch hunderte Tierarten, darunter unzählige Vogelarten, so viele wie in keinem anderen Nationalpark. Wir sehen nur selten ein Exemplar davonfliegen. Unser Motor vertreibt alles Leben, bevor wir auch nur annähernd in dessen Nähe kommen. Aber wir sehen, wie sich die Wüste verändert. Mal ist sie weiß, wie der Kalkstein, der den Boden bedeckt, mal ist sie fast grün, wie die hunderttausend kleinen Pflänzchen, die aus dem Boden schießen - ein Resultat der kalten Temperaturen bei Nacht, die bei Tagesbeginn genügend Tauwasser entstehen lassen. Der Boden ändert so schnell seine Farben, dass es uns schwer fällt, die einzelnen Übergänge zu entdecken. Roter Sand, grauer Fels, gelber Schotter und ockerfarbener Lehm wechseln sich kontinuierlich ab. Aber fast immer sind die Chisos Mountains zu sehen, die sich im Westen über die Wüste erheben. Ihre bis zu 2350 Meter sind ein harter Kontrast zu der ansonsten seichten Wüste. Bis zum Fuße dieser ansteigenden Berge kommt man heran, um dann zu sehen, dass ein Aufstieg hoffnungslos wäre. Und plötzlich tut sich ein Abgrund auf. Vor uns ist die Piste weggewaschen. Eine Stufe von mindestens 60 Zentimetern unterbricht die fortlaufende Piste und macht uns darauf aufmerksam, dass auf dieser Strecke nur vierradgetriebene Fahrzeuge zugelassen sind. Das Wasser, welches ursächlich verantwortlich für den fehlenden Streckenteil ist, kam aus den Chisos. Jetzt ist nur noch die Furche zu sehen, von Wasser keine Spur. Das ist das Tückische an einer Wüste, die an hohe Berge grenzt. Das Land ist trocken und die spärliche Vegetation kann das Wasser nicht festhalten. So kann es sein, dass es 20 km weiter regnet und sich urplötzlich ein Sturzbach ergießt, der dann mit rasender Geschwindigkeit den Hang herunter kommt, und dort, wo eigentlich das schönste Wetter herrscht, werden ganze Straßen mitgerissen. Manchmal sieht man hier Brücken im Big Bend National Park, die mit ihren 5 Meter Höhe und 50 Meter Breite über ausgetrocknete Flussbetten führen. Das scheint etwas übervorsichtig zu sein. Doch wenn es in den umliegenden Bergen regnet, läuft in dem ausgetrockneten Bachbett urplötzlich ein reißender Fluss, ohne sich vorher anzumelden. Vorsichtig durchfahren wir die Hürde und müssen feststellen, dass jetzt der schwierige Teil beginnt. Nur noch im ersten Gang kommen wir vorwärts und das Rucken und Schaukeln geht uns schon nach kurzer Zeit auf die Nerven. Die Steinchen, aus denen die Piste noch vor wenigen Kilometern bestand, sind jetzt riesige Wacker, die uns größte Aufmerksamkeit abverlangen. Der Weg führt plötzlich durch einen Canyon und geht steil bergab. Man sieht den Boden vor dem Fahrzeug nicht mehr, nur noch die Stelle, an der die Hürde überwunden scheint. Doch vor uns tut sich abermals ein Abgrund auf. Mit größter Vorsicht und nur zentimeterweise durchfahren wir dieses Hindernis, wobei einer draußen winkt, während der andere drinnen versucht, die tonnenschwere Last über hervorstehende Vorsprünge zu lenken, um nicht allzu tief in den Abgrund zu rutschen. Doch unser Pick-Up erweist sich als absolut geländetauglich und die Strecke bereitet ihm keinerlei Schwierigkeiten. Doch wir sind nach 51/2 Stunden und 80 Kilometern Wüstenpiste gut durchgeschüttelt und gnadenlos müde. Das Durchwandern der Chihuahuawüste hätte nicht anstrengender sein können - naja, vielleicht ein bisschen.

 
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