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Ein Reisebericht von Britta und Markus Hachenberger
Stories rund um Nordamerika
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Gesamtkarte Nordamerikas mit Links zu Einzelstaaten
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Wie ein weit geöffnetes Maul sperrt sich der Höhleneingang des Verlieses auf, und nur der steile, in Serpentinen verlaufende Pfad dringt in die fremde Dunkelheit der Höhle ein. Noch ist das Zwielicht stark genug, um die Tiefe der Öffnung zu erahnen, doch schon bald kann man ohne künstliches Licht seine Hand nicht mehr vor Augen sehen. Der fast runde Kanal fällt ins Erdinnere herab und sein Umfang lässt die Wassermassen, die solch eine Röhre hervorgebracht haben, nur erahnen. Riesige Gesteinsbrocken versperren den Weg und der Pfad windet sich geschickt um die natürlichen Hindernisse herum. An der über 20 Meter hohen Decke zeigen schon die ersten spitzen Finger auf uns herab, die scharf wie Sperrspitzen herunterzufallen drohen, wenn man in das Innere der Höhle eindringt. Die Wände sind ausgewaschen, haben tiefe Furchen und erinnern zeitweilig an die Oberfläche eines menschlichen Gehirns. Auch die Farbe ist sehr ähnlich. Dann wieder ist die Wand glatt wie eine künstlich verputzte Fläche, als hätte jemand mit viel Mühe die Unebenheiten dieser Höhle auszubessern versucht. Die ersten Stalagmiten stehen am Boden, in Form und Farbe ganz unterschiedlich. Manche glänzen und sind glatt wie ein Spiegel und wenn man richtig hinhört und gespannt auf die Spitze des Zipfels schaut, dann sieht man, wie in regelmäßigen Abständen der Baumeister in Form eines Wassertropfens auf der Spitze auftrifft und in tausend kleinere Tropfen auseinanderspritzt. Und bei jedem Aufprall hinterlässt der Tropfen eine winzige Spur von Kalk oder sonstigem Material, das in Jahrtausenden zu einer stattlichen Säule heranwachsen kann. Die höchsten Giganten sind 18 Meter hoch und ragen bis an die Decke. Dann plötzlich ist die Decke übersät mit lappenartigen Drapierungen, als hätte man die Wischtücher tausender Putzfrauen an der Decke zum Trocknen aufgehängt. In wellenförmiger Anordnung breiten sie sich an der ganzen Decke aus und wechseln dann wieder in dornenartige Nadeln über, die teilweise in Büscheln luftblasenähnlicher Gebilde enden. So wie die verschiedenen Formen zunehmen, so wächst die Anzahl der Skulpturen über ein erfassbares Maß hinaus, bis der Boden übersät ist von kleineren und riesenhaften Stalagmiten. Runde, eckige, dicke, dünne, der Formenvielfalt sind keine Grenzen gesetzt. Und über den meisten Säulen hängt ein Stalaktit, der schon eine Ewigkeit seine wässrige Last abwirft. Und ganz unmerklich betritt man einen Raum, in dem kein Stein dem anderen gleicht und der so fantasievoll dekoriert ist, wie es nur die Natur selbst zustandebringen kann. Die Höhle ist riesig und der Schall unserer Worte wird weit getragen. Man steht in einer fremden Welt voller fremder Gebilde und Formen. Wie auf einem anderen Stern. Wie ein kunstvoll erstelltes Denkmal reiht sich eine Attraktion neben die nächste und doch wäre ein von Menschenhand erstelltes Objekt nur ein schmuckloses Gerüst. Kleine Wassertümpel entstanden in seichten Mulden, die ein kristallklares Wasser beherbergen. Unzählige glitzernde Steine ragen aus dem Fels heraus und funkeln im Zwielicht. Wir wandeln durch eine uralte Welt, die erst vor 100 Jahren von Menschen entdeckt und erforscht wurde. Und wieder zeigt sich, dass die Zeit und die Elemente Unfassbares zustande bringen können, das in puncto Schönheit seinesgleichen sucht.

 
Zum Tagebuch 12. Januar 2001
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