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Ein Reisebericht von Britta und Markus Hachenberger
Stories rund um Nordamerika
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11. September 2001

 
 
 
 
 
 
 
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Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich etwas über den 11. September und die Terroranschläge auf das World-Trade Center schreiben soll. Es wurde schon so viel darüber gesagt und geschrieben, dass es mir lange Zeit zuwider war, selbst ein Statement abzugeben. Meine Freundin Claudia - die sich als Erstleserin meiner Homepage und Ratgeberin in allen Fragen bezüglich dieser Veröffentlichung ausgezeichnet hat -, war zumindest der Ansicht, daß sich viele Leute, die sich näher mit CampAmerika.de beschäftigen, wohl fragen werden, was ich nach meiner Reise persönlich zu dem 11. September 2001 zu sagen habe. Erst als ich selbst verstand, warum ich mich dagegen sträubte, war ich dazu bereit, meine Gefühle in Worte zu fassen.

Ich glaube, das Attentat vom 11. September 2001 ist aus zweierlei Gründen besonders schwer zu verkraften. Zum Einen sind an diesem Tag mit einem Schlag mehr als 3000 Menschen in den Tod gerissen worden - eine Opferzahl, die es bislang bei noch keinem Attentat zu vermelden gab - und zum Zweiten hat die Menschheit das erste Mal ein Attentat live im Fernsehen mit ansehen müssen. Man hat förmlich mit anschauen können, wie die Katastrophe eine ganze Nation - die gesamte Weltbevölkerung - erschüttert hat. Das Ausmaß dieses Attentats und die gesamte Abfolge der Geschehnisse sind für mich nur schwer zu verarbeiten. Geschockt und gleichfalls fasziniert sehe ich immer wieder die Bilder auf der Mattscheibe und glaube fast, daß selbst die Attentäter die Dramatik dieses Anschlags so nicht vorhergesehen haben. Konnte man wirklich damit rechnen, daß diese Türme einstürzen würden? Ich weiß es nicht. Im Gegensatz zu vielen anderen empfand ich keine maßlose Wut oder grenzenloses Entsetzen, sondern einfach nur Trauer und Hilflosigkeit gegenüber so viel Hass und Grausamkeit.

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind ein großartiges Land, auch wenn ich - und viele andere - nicht um alles in der Welt dort leben wollte. Die Menschen dort sind überwiegend rechtschaffen und leben in einem rechtsstaatlichem System. Sie lieben ihre Freiheit, sie sind überdurchschnittlich vermögend und sie leben IHR Leben, so wie SIE es für richtig halten. Es geht ihnen besser als den meisten Menschen auf dieser Erde, und alleine diese Tatsache reicht für viele andere schon aus, diese Menschen und ihr gesamtes Land zu hassen. Es ist kein rationaler Hass, es ist der Fluch der Menschen, das was uns schon immer zu Feinden gemacht hat: Neid, Gier, Glaube, Macht und Geld. Die USA mußten bislang nie einen Länderkrieg im eigenen Land ausfechten. Sie sind gesegnet mit den wertvollsten Rohstoffen dieser Erde, haben klimatisch und geografisch die idealen Voraussetzungen für jede Art landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Den Menschen dieses Landes ist es wie keinem zweiten Staat auf dieser Erde gelungen, Wohlstand und Zufriedenheit unter seiner Bevölkerung zu mehren. Die USA sind einzig und einmalig. Die USA sind Gewinner. Und sie verstehen es wie kein zweiter Staat auf dieser Welt ihre Interessen gegen andere Länder durchzusetzen. Sie verteidigen die Freiheit - sie verteidigen aber vor allem ihren Wohlstand und ihre Vormachtstellung in der Wirtschaft.
Amerika hat Feinde und wurde hart auf die Probe gestellt. Trotzdem glaube ich nicht, daß die USA ganz unschuldig an dieser Entwicklung sind. Selbst wenn ich die genaueren Umstände in der Weltpolitik nicht richtig deuten kann, behaupte ich trotzdem, daß es mehr als einer politischen Grundhaltung oder einer abweichenden Wirtschaftsordnung bedarf, um solch eine grausame Handlung wie das Attentat vom 11. September 2001 auf sich zu ziehen.
Eines steht für mich auf jeden Fall fest. Die Reaktion auf das Attentat ist nichts anderes als eine machtpolitische Demonstration mit dem Ergebnis, eine vor wenigen Jahren noch unterstützte Gruppe (die Taliban) in Afghanistan zu demontieren und regelrecht auszurotten. Die Aufführung eines Schauspiels, wie wir es schon einige Male erleben durften. Jeweils mit dem Ergebnis, ein unglaubliches Leid zu verbreiten, und der Sinn und Zweck der Aktion werden weit verfehlt. Solche Reaktionen werden am Ansehen Amerikas nichts verändern. Dieses Vorgehen wird neuen Hass erzeugen und nichts daran ändern, daß die USA immer Feinde haben wird und damit wahrscheinlich eine neue Welle von Attentaten verursacht. Der Nahostkonflikt in Israel müsste uns eigentlich eine Lehre sein.
Ich habe Mitleid mit den New Yorkern und mit den Opfern des Attentats. Doch ich habe auch Mitleid mit den 50.000 Menschen, die täglich an Hunger sterben. Doch diese haben keine solche Lobby, Ihre Vertreter sind eher leise und gewaltlos. Sie fliegen keine Bombardements gegen die Ungerechtigkeit, die sie erfahren. Sie sterben lautlos.

Als ich verstand, daß das Attentat zum Spielball politischer Macht benutzt wird, war ich entsetzt von der Kaltschnäuzigkeit der westlichen Welt - fast so entsetzt wie von dem Attentat selbst. Diese Erkenntnis hielt mich davon ab, etwas über den 11. September 2001 zu schreiben. Jetzt tat ich es doch.


 
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