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Ich habe
lange darüber nachgedacht, ob ich etwas über den 11. September
und die Terroranschläge auf das World-Trade Center schreiben
soll. Es wurde schon so viel darüber gesagt und geschrieben, dass
es mir lange Zeit zuwider war, selbst ein Statement abzugeben. Meine Freundin
Claudia
- die sich als Erstleserin meiner Homepage und Ratgeberin in allen Fragen
bezüglich dieser Veröffentlichung ausgezeichnet hat -, war zumindest
der Ansicht, daß sich viele Leute, die sich näher mit CampAmerika.de
beschäftigen, wohl fragen werden, was ich nach meiner Reise persönlich
zu dem 11. September 2001 zu sagen habe. Erst als ich selbst verstand,
warum ich mich dagegen sträubte, war ich dazu bereit, meine Gefühle
in Worte zu fassen.
Ich glaube, das
Attentat vom 11. September 2001 ist aus zweierlei Gründen besonders
schwer zu verkraften. Zum Einen sind an diesem Tag mit einem Schlag mehr
als 3000 Menschen in den Tod gerissen worden - eine Opferzahl, die es bislang
bei noch keinem Attentat zu vermelden gab - und zum Zweiten hat die Menschheit
das erste Mal ein Attentat live im Fernsehen mit ansehen müssen. Man
hat förmlich mit anschauen können, wie die Katastrophe eine ganze
Nation - die gesamte Weltbevölkerung - erschüttert hat. Das Ausmaß
dieses Attentats und die gesamte Abfolge der Geschehnisse sind für
mich nur schwer zu verarbeiten. Geschockt und gleichfalls fasziniert sehe
ich immer wieder die Bilder auf der Mattscheibe und glaube fast, daß
selbst die Attentäter die Dramatik dieses Anschlags so nicht vorhergesehen
haben. Konnte man wirklich damit rechnen, daß diese Türme einstürzen
würden? Ich weiß es nicht. Im Gegensatz zu vielen anderen empfand
ich keine maßlose Wut oder grenzenloses Entsetzen, sondern einfach
nur Trauer und Hilflosigkeit gegenüber so viel Hass und Grausamkeit.
Die Vereinigten
Staaten von Amerika sind ein großartiges Land, auch wenn ich - und
viele andere - nicht um alles in der Welt dort leben wollte. Die Menschen
dort sind überwiegend rechtschaffen und leben in einem rechtsstaatlichem
System. Sie lieben ihre Freiheit, sie sind überdurchschnittlich vermögend
und sie leben IHR Leben, so wie SIE es für richtig halten. Es geht
ihnen besser als den meisten Menschen auf dieser Erde, und alleine diese
Tatsache reicht für viele andere schon aus, diese Menschen und ihr
gesamtes Land zu hassen. Es ist kein rationaler Hass, es ist der Fluch
der Menschen, das was uns schon immer zu Feinden gemacht hat: Neid, Gier,
Glaube, Macht und Geld. Die USA mußten bislang nie einen Länderkrieg
im eigenen Land ausfechten. Sie sind gesegnet mit den wertvollsten Rohstoffen
dieser Erde, haben klimatisch und geografisch die idealen Voraussetzungen
für jede Art landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Den Menschen dieses
Landes ist es wie keinem zweiten Staat auf dieser Erde gelungen, Wohlstand
und Zufriedenheit unter seiner Bevölkerung zu mehren. Die USA sind
einzig und einmalig. Die USA sind Gewinner. Und sie verstehen es wie kein
zweiter Staat auf dieser Welt ihre Interessen gegen andere Länder
durchzusetzen. Sie verteidigen die Freiheit - sie verteidigen aber vor
allem ihren Wohlstand und ihre Vormachtstellung in der Wirtschaft.
Amerika hat Feinde
und wurde hart auf die Probe gestellt. Trotzdem glaube ich nicht, daß
die USA ganz unschuldig an dieser Entwicklung sind. Selbst wenn ich die
genaueren Umstände in der Weltpolitik nicht richtig deuten kann, behaupte
ich trotzdem, daß es mehr als einer politischen Grundhaltung oder
einer abweichenden Wirtschaftsordnung bedarf, um solch eine grausame Handlung
wie das Attentat vom 11. September 2001 auf sich zu ziehen.
Eines steht für
mich auf jeden Fall fest. Die Reaktion auf das Attentat ist nichts anderes
als eine machtpolitische Demonstration mit dem Ergebnis, eine vor wenigen
Jahren noch unterstützte Gruppe (die Taliban) in Afghanistan zu demontieren
und regelrecht auszurotten. Die Aufführung eines Schauspiels, wie
wir es schon einige Male erleben durften. Jeweils mit dem Ergebnis, ein
unglaubliches Leid zu verbreiten, und der Sinn und Zweck der Aktion werden
weit verfehlt. Solche Reaktionen werden am Ansehen Amerikas nichts verändern.
Dieses Vorgehen wird neuen Hass erzeugen und nichts daran ändern,
daß die USA immer Feinde haben wird und damit wahrscheinlich eine
neue Welle von Attentaten verursacht. Der Nahostkonflikt in Israel müsste
uns eigentlich eine Lehre sein.
Ich habe Mitleid
mit den New Yorkern und mit den Opfern des Attentats. Doch ich habe auch
Mitleid mit den 50.000 Menschen, die täglich an Hunger sterben. Doch
diese haben keine solche Lobby, Ihre Vertreter sind eher leise und gewaltlos.
Sie fliegen keine Bombardements gegen die Ungerechtigkeit, die sie erfahren.
Sie sterben lautlos.
Als ich verstand,
daß das Attentat zum Spielball politischer Macht benutzt wird, war
ich entsetzt von der Kaltschnäuzigkeit der westlichen Welt - fast
so entsetzt wie von dem Attentat selbst. Diese Erkenntnis hielt mich davon
ab, etwas über den 11. September 2001 zu schreiben. Jetzt tat ich
es doch.
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