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Reisevorb |
Highway 24, Utah
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Vom Oastler
Lake PP nach Toronto ( 248 km )
Am 30. Juni 2001
verließen wir ohne Bedauern den Oastler Lake Provincial Park,
um uns wieder auf die 69 zu begeben, die dann auch bald zur 400 und zur
zweispurigen Autobahn wurde. Wir waren noch gute 150 Kilometer von Toronto
entfernt, doch man konnte schon deutlich den Einzugsbereich der Millionenstadt
erkennen. In 100 km Entfernung gab es die ersten Car-Pool Parkplätze
(100 km bis zur Arbeit. Na danke schön!) und zu unserer Überraschung
blieb der Verkehr in unsere Richtung absolut harmlos. Doch stadtauswärts
reihte sich ein Auto an das nächste auf der mittlerweile dreispurigen
Straße. Als wir zum Tanken anhielten und mich die freundliche Kassiererin
fragte, wo es denn zum Wochenende hinging und ich bemerkte, dass wir nach
Toronto
unterwegs sind, wurde ich mit einem fragenden Blick bedacht und die Unterhalt
erstarb augenblicklich, vermutlich weil mich die nette Dame nicht für
ganz zurechnungsfähig hielt. Doch wie sich herausstellen sollte, war
das eine ganz clevere Entscheidung, denn während sich ganze Menschenmassen
im Umkreis von mehreren hundert Kilometern um Toronto in den sogenannten
Naherholungsgebieten gegenseitig auf den Füßen standen, hatten
wir die City für uns. Und das am Canadaday, dem Feiertag Nummer
eins in Kanada. Wir fuhren also unbeirrt weiter auf der 400, bis wir (der
Stadt schon ziemlich nahe) auf die 401 in östliche Richtung abbogen.
Damit kreuzten wir zum wiederholten Mal eine Straße, die wir schon
einmal im August 2000 befuhren. Und spätestens jetzt erinnerten wir
uns an unseren ersten Eindruck von dieser Stadt, denn eine 16-spurige Autobahn
führte uns an der Metropole vorbei und eine unglaubliche Blechkarawane
wälzte sich auf ihr durch die bleihaltige Luft, die durch die Temperatur
von 31°C nicht gerade verbessert wurde. Wenn wir nicht ausgerechnet
in die entgegengesetzte Richtung gefahren wären, in die wir eigentlich
gemusst hätten um unser fernes Ziel New York City zu erreichen,
wären wir wahrscheinlich auch diesmal einfach durch Toronto
gefahren, ohne es eines weiteren Blickes zu würdigen. Der Verkehr
ist einfach schrecklich und die verbauten Außenbezirke alles andere
als einladend. Doch wir blieben diesmal tapfer und steuerten unseren Camper
30 km östlich vom Stadtkern auf dem Clan
Rouge Campground im gleichnamigen Stadtpark (der weltgrößte
überhaupt) an. Und nach 248 Tageskilometern und 38164 km insgesamt
durften wir uns an der Tatsache erfreuen, dass nicht alle stadtnahen Campgrounds
auch gleich unansehnlich sein müssen und dass dieser Campground es
mit vielen der Provincial Parks Ontarios aufnehmen kann, wenn er
nicht sogar einige um Längen schlägt. Die Plätze sind alle
sehr großzügig und liegen auf einer wunderschönen Wiese,
auf der ebenfalls wunderschön große Bäume stehen. Das Einzige,
was die Situation etwas schmälert, sind die 5 Grad zu viel auf dem
Thermometer. Es herrschen eine drückende Schwüle und lockere
33 Grad.
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Von Toronto
nach Delevan ( 289 km )
Am 02. Juli 2001
konnten wir von Glück reden, dass an diesem Montag - ein Tag nach
dem offiziellen Canadaday - immer noch Feiertag war und die meisten
Berufspendler zuhause blieben, während wir uns einen Weg über
die Autobahnen um Toronto herum bahnten. Trotzdem waren wir nicht
die Einzigen, die um den Lake Ontario
herum fuhren, um an die Niagara-Fälle zu gelangen. Wir hatten
nicht bedacht, dass halb Kanada an einem Feiertag wie diesem, an dem die
Sonne schien und die Läden auf der amerikanischen Seite garantiert
offen waren, in Richtung Niagara Falls und somit auch in Richtung
Grenze unterwegs waren. Also fuhren wir vom vielbefahrenen Queen Elisabeth
Way ( QEW) ab und hatten uns auch schon nach wenigen Kilometern
verfahren. Doch ein netter Mensch half uns zurück auf den Highway,
welcher uns dann doch noch ohne größere Störungen bei
Fort Erie, am südlichsten Zipfel der Festlandgrenze zwischen Lake
Ontario und Lake Erie, bis zur Grenze der Vereinigten Staaten
geleitete. Dort überquerten wir wohl zum letzten Mal die Grenze in
die USA und das Einzige, was die Zollbeamtin sagte, war: "Was? Sie haben
das Fahrzeug nach Amerika fliegen lassen?" Ich klärte die Dame freundlich
auf und im Nu waren wir wieder zurück in den USA. Unserer Ausreise
aus New York City stand also nun nichts mehr im Wege. Wir mussten
nur noch lächerliche 800 km hinter uns bringen. Die kürzeste
Strecke nach Baltimore (wo wir Montag, den 09. Juli 2001, unser
Fahrzeug wieder bei der Spedition abgeben mussten) deckt sich zum großen
Teil mit einer Route, die wir im letzten Jahr schon einmal in andere Richtung
gefahren sind. Deshalb suchten wir uns eine andere Strecke aus, die zudem
noch als landschaftlich schön eingestuft werden konnte. Wir folgten
ab Buffalo der 400, die kurz vor South
Wales in die 16 überging und ab da zum reinen Fahrvergnügen
wurde. Sie führt über satte grüne Weiden, die von gesunden,
hohen Bäumen eingerahmt werden. Ortschaften wie Holland
und Yorkshire reihten sich aneinander
und wirkten friedlich und sauber mit ihrem kleinbürgerlichen Charme.
Und nur durch Zufall entdeckten wir kurz hinter Delevan
das Schild der Arrowhead Campingarea
, die versteckt hinter einem Wald liegt. Nach 289 Tageskilometern (+ 58
km in Toronto) und 38511 km insgesamt fanden wir einen schönen
Platz unter hohen Ahornbäumen und genossen die Nachmittagssonne.
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Von Delevan
zum Patterson SP ( 128 km )
Am 03. Juli 2001
standen wir der Aufgabe gegenüber, in weiteren fünf Tagen die
letzten 600 km unserer Reise zu absolvieren, wobei die Schwierigkeit darin
bestand, nicht schon zu früh in Baltimore anzukommen. Deshalb
wählten wir eine Route, die uns noch einmal direkt durch das Hinterland
Pennsylvanias
führen sollte. Wir starteten also gegen Mittag (wir ließen uns
viel Zeit) in der Arrowhead Camping Area (New York) und fuhren
wieder auf die 16 in südliche Richtung. Die Straße führte
malerisch an dem Ischua River entlang
und durch dichtes Waldgebiet. Bei Olean
wechselten wir auf die 417 und dann auf die 44, direkt nach Pennsylvania
hinein. Die 44 ist eine nicht stark befahrene Straße, die an niedlichen
Häusern mit herrlichen Vorgärten vorberführt, in denen uralte
Bäume stehen. Es ist eine ländliche Region, die etwas Beschaulisches
hat. Die Orte, durch die wir fuhren, sind bezaubernd und versprühen
einen Hauch Nostalgie. Das liegt nicht zuletzt an den viktorianischen Häusern
mit ihren hölzernen Veranden und den netten Giebelfenstern. Sie sind
fast alle von hohen Bäumen eingerahmt und rundherum liegen üppige
Wiesen. Das Land ist überhaupt wie ein grüner Dschungel. Es verfügt
über große Laubwälder und nur gelegentlich kommen wir an
einem kleinen Feld vorbei, das mit Kohl oder Kürbis bestellt wird.
Ortschaften wie Millport oder
Coneville sind wahre Schmuckstückchen. Doch Coudersport
an der Kreuzung zur 6 übertrifft alle. Ich habe selten solch ein nettes,
kleines Städtchen gesehen, das den Charme der guten alten Zeit bewahrt
hat und sich nicht von Fast-Food-Restaurants zubetonieren ließ. Die
Kreuzung, an der sich die Hauptverkehrsadern treffen, ist der Mittelpunkt
des Geschehens und verfügt noch über die alten Klinkerbauten,
wie sie Anfang des 19. Jahrhunderts üblich waren. In Coudersport
gibt es nicht nur Bürgersteige, sondern zwischen Straße und
Bürgersteig liegt sogar ein Grünstreifen, auf dem herrliche Bäume
wachse, die die Straße zur Allee werden lassen. Wenn es in Amerika
mehr solcher Städte gäbe, dann sähe es um die amerikanische
Städtekultur nicht so traurig aus. Doch so etwas findet man leider
nur im Nordosten der Vereinigten Staaten. Pennsylvania hat mich
schon vor einem Jahr sehr beeindruckt und jetzt bereue ich es ein wenig,
dass wir uns nicht länger hier aufgehalten haben. Uns blieben zumindest
noch einige wenige Tage. Wir bogen bei Sweden
Valley wieder auf die 44 in südöstliche Richtung ab und gelangten
somit in denSusquehannock State Forest.
Nach 128 Tageskilometern und 38639 km insgesamt plazierten wir unser Fahrzeug
auf einem der großzügigen Plätze des Patterson
State Parks, einer Grünfläche mit Holzhütten, die eher
einem Picknickplatz ähnelt, doch dafür sind wir mit einem älteren
Ehepaar die einzigen Gäste und bezahlen müssen wir wahrscheinlich
auch nichts.
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Vom Patterson
SP zum Raymond B. Winter SP ( 164 km )
Am 05. Juli 2001
durchfuhren wir weiter die Northcentral
Mountains, wie diese Waldregion hier in Pennsylvania heißt.
Und es ist ein großes Gebiet, was nur selten etwas anderes zu bieten
hat als Wald. Wir blieben auf der 44 und stießen in Carter
Camp (was seinem Namen alle Ehre macht, da es sich tatsächlich
eher um ein Lager handelt und mit einem echten Ort nur wenig gemeinsam
hat) auf die 144, deren Verlauf wir in südliche Richtung folgten.
Wenige Kilometer danach zweigte wieder die 44 ab und verließ nun
endgültig jede Zivilisation. Pennsylvania ist eben grün
und gerade jetzt im Juli kann man sich nur schwerlich vorstellen, wieviel
Photosynthese hier betrieben wird. Wir absolvierten ein kurzes Stück
auf der 220, bevor wir wieder auf die 44 und dann auf die 880 wechselten
(man sieht schon: absolutes Hinterland). Wir kamen durch Rauchtown
und Carroll und kreuzten die Interstate
80, auf der man von San Francisco bis nach New York City
fahren kann, ohne auch nur einmal die Straße verlassen zu müssen.
Auf knappen 5000 km die wohl schnellste Verbindung zwischen West- und Ostküste.
Diese Vorstellung mutet etwas befremdend an, wenn man mit 50 Stundenkilometern
über Waldpisten hoppelt und kaum vorwärts kommt. Dafür sehen
wir mehr, nämlich bei Loganton eine
Amish-Siedlung
und einen Bauern auf einem langen Wagen, der von Gäulen über
ein abgeerntetes Weizenfeld gezogen wird. Ganz erstaunlich diese Amish
people. Nach 164 Tageskilometern und 38803 km insgesamt kamen wir auf
dem Raymond B. Winter State
Park an, einem Park, der einen kleinen See einschließt und an
dessen Ufer schon etliche Kinder und Familien dem sonnigen Wetter frönen.
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Vom Raymond
B. Winter SP nach York ( 188 km )
Am 06. Juli 2001
steuerten wir unseren Camper über die 192 in Richtung Lewisburg,
wo wir auf die 15 in südliche Richtung auffuhren. Die 15 läuft
kontinuierlich am Susquehanna River
entlang, der zeitweilig wie unser Vater Rhein aussieht. Ja, wir
sind bald zuhause. Je weiter wir an Harrisburg
heran kommen, desto belebter wird der Verkehr. Schließlich ist diese
relativ kleine Stadt (im Vergleich zum wesentlich größeren Philadelphia)
die Hauptstadt Pennsylvanias. Nach Harrisburg fahren wir
auf die Interstate 83 auf und kommen nach 188 Tageskilometern und 38991
km insgesamt auf dem Wal-Mart Parkplatz in York
an, nicht ohne vorher zweimal quer durch das nette Städtchen zu brausen.
York
ist im europäischen Sinne wenigstens eine Stadt (sogar eine recht
hübsche). Es gibt einen Stadtkern, ein Rathaus, ein imposantes Gericht
und viele nette kleine Kirchen mit echten Glockentürmen. Daran sieht
man mal, dass sich der Osten Amerikas den Charme des europäischen
Städtebaus bewahrt hat, was definitiv mit der früheren Besiedlung
dieses Teils der USA zusammenhängt. Wir frönen allerdings dem
modernen, amerikanischen Leben und versinken zum letzten Mal in den Kaufrausch,
dem alle Amerikaner unterliegen. Und wo könnte man das besser als
bei Wal-Mart. Schließlich kann man dort nach dem aufreibendem
Einkauf gleich in seinem Camper übernachten (wenn einen die verrückten
Jugendlichen nicht stören, die mitten in der Nacht - 02:00 Uhr - mit
quietschenden Reifen über den Parkplatz fahren). Wir sind zu müde,
um darüber nachzudenken, dass es unser letzter Haltepunkt vor Ende
unserer Reise ist, bevor wir in Millersville bei Baltimore
unser Wohnmobil für die Überfahrt präparieren.
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Von York
nach Baltimore ( 129 km )
Am 07. Juli hatten
wir nur noch wenige Kilometer zurückzulegen. Wir fuhren wieder auf
die 83 auf und 10 Meilen vor Baltimore nahmen wir die Interstate
695, die in einem weiten Bogen um die Stadt herum führt. Am südlichen
Ende fuhren wir dann auf die 97 auf, um bei Millersville gleich
wieder abzufahren. Erst als wir nach 129 Tageskilometern und 39120 km insgesamt
auf die Einfahrt des KOA-Campgrounds zufuhren, erkannten wir die
Gegend wieder. Wir sind auf unserer Reise auf so vielen Campgrounds gewesen,
dass sie sich mit der Zeit gleichen wie ein Ei dem anderen. Hier genau
vor 11 Monaten starteten wir unsere Reise ins Ungewisse. Wir waren aufgeregt
und alles war so neu und ungewohnt. Die Straßen sahen anders aus,
die Städte auch und man verstand die Worte nicht mehr, die um einen
herum gesprochen wurden. Es war alles in allem ein großes Abenteuer,
was uns bevorstand. Und jetzt sind wir wieder zurück, nach fast 40.000
km und einer unglaublichen Zeit der Erfahrungen. Ich kann es selbst noch
nicht glauben, dass hier alles zu Ende gehen soll. Aber wir freuen uns
auch schon auf zuhause. Vielleicht sogar so sehr wie auf den damaligen
Reisebeginn. Nur weiß ich jetzt, was mich erwarten wird, denn dort,
wo wir hinfahren werden, waren wir schon einmal gewesen. Zuhause.
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