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Ein Reisebericht von Britta und Markus Hachenberger
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Reisevorb
bilder/coloradoplateau/Highway24UtahRoad.jpg
Highway 24, Utah


Strecke (von - nach)
Datum
Distanz insg.[km]
Oastler Lake PP - Toronto / Ontario
30. Juni 2001
248 km
38164
Toronto - Delevan / New York
02. Juli 2001
289 km
38511
Delevan - Patterson SP / Pennsylvania
03. Juli 2001
128 km
38639
Patterson SP - Raymond B. Winter SP / Pennsylvania
05. Juli 2001
164 km
38803
Raymond B. Winter SP - York / Pennsylvania
06. Juli 2001
188 km
38991
York - Millersville (Baltimore) / Maryland
07. Juli 2001
129 km
39120

Vom Oastler Lake PP nach Toronto ( 248 km )

Am 30. Juni 2001 verließen wir ohne Bedauern den Oastler Lake Provincial Park, um uns wieder auf die 69 zu begeben, die dann auch bald zur 400 und zur zweispurigen Autobahn wurde. Wir waren noch gute 150 Kilometer von Toronto entfernt, doch man konnte schon deutlich den Einzugsbereich der Millionenstadt erkennen. In 100 km Entfernung gab es die ersten Car-Pool Parkplätze (100 km bis zur Arbeit. Na danke schön!) und zu unserer Überraschung blieb der Verkehr in unsere Richtung absolut harmlos. Doch stadtauswärts reihte sich ein Auto an das nächste auf der mittlerweile dreispurigen Straße. Als wir zum Tanken anhielten und mich die freundliche Kassiererin fragte, wo es denn zum Wochenende hinging und ich bemerkte, dass wir nach Toronto unterwegs sind, wurde ich mit einem fragenden Blick bedacht und die Unterhalt erstarb augenblicklich, vermutlich weil mich die nette Dame nicht für ganz zurechnungsfähig hielt. Doch wie sich herausstellen sollte, war das eine ganz clevere Entscheidung, denn während sich ganze Menschenmassen im Umkreis von mehreren hundert Kilometern um Toronto in den sogenannten Naherholungsgebieten gegenseitig auf den Füßen standen, hatten wir die City für uns. Und das am Canadaday, dem Feiertag Nummer eins in Kanada. Wir fuhren also unbeirrt weiter auf der 400, bis wir (der Stadt schon ziemlich nahe) auf die 401 in östliche Richtung abbogen. Damit kreuzten wir zum wiederholten Mal eine Straße, die wir schon einmal im August 2000 befuhren. Und spätestens jetzt erinnerten wir uns an unseren ersten Eindruck von dieser Stadt, denn eine 16-spurige Autobahn führte uns an der Metropole vorbei und eine unglaubliche Blechkarawane wälzte sich auf ihr durch die bleihaltige Luft, die durch die Temperatur von 31°C nicht gerade verbessert wurde. Wenn wir nicht ausgerechnet in die entgegengesetzte Richtung gefahren wären, in die wir eigentlich gemusst hätten um unser fernes Ziel New York City zu erreichen, wären wir wahrscheinlich auch diesmal einfach durch Toronto gefahren, ohne es eines weiteren Blickes zu würdigen. Der Verkehr ist einfach schrecklich und die verbauten Außenbezirke alles andere als einladend. Doch wir blieben diesmal tapfer und steuerten unseren Camper 30 km östlich vom Stadtkern auf dem Clan Rouge Campground im gleichnamigen Stadtpark (der weltgrößte überhaupt) an. Und nach 248 Tageskilometern und 38164 km insgesamt durften wir uns an der Tatsache erfreuen, dass nicht alle stadtnahen Campgrounds auch gleich unansehnlich sein müssen und dass dieser Campground es mit vielen der Provincial Parks Ontarios aufnehmen kann, wenn er nicht sogar einige um Längen schlägt. Die Plätze sind alle sehr großzügig und liegen auf einer wunderschönen Wiese, auf der ebenfalls wunderschön große Bäume stehen. Das Einzige, was die Situation etwas schmälert, sind die 5 Grad zu viel auf dem Thermometer. Es herrschen eine drückende Schwüle und lockere 33 Grad.

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Campground
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Karte Ontario
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Von Toronto nach Delevan ( 289 km )

Am 02. Juli 2001 konnten wir von Glück reden, dass an diesem Montag - ein Tag nach dem offiziellen Canadaday - immer noch Feiertag war und die meisten Berufspendler zuhause blieben, während wir uns einen Weg über die Autobahnen um Toronto herum bahnten. Trotzdem waren wir nicht die Einzigen, die um den Lake Ontario herum fuhren, um an die Niagara-Fälle zu gelangen. Wir hatten nicht bedacht, dass halb Kanada an einem Feiertag wie diesem, an dem die Sonne schien und die Läden auf der amerikanischen Seite garantiert offen waren, in Richtung Niagara Falls und somit auch in Richtung Grenze unterwegs waren. Also fuhren wir vom vielbefahrenen Queen Elisabeth Way ( QEW) ab und hatten uns auch schon nach wenigen Kilometern verfahren. Doch ein netter Mensch half uns zurück auf den Highway, welcher uns dann doch noch ohne größere Störungen bei Fort Erie, am südlichsten Zipfel der Festlandgrenze zwischen Lake Ontario und Lake Erie, bis zur Grenze der Vereinigten Staaten geleitete. Dort überquerten wir wohl zum letzten Mal die Grenze in die USA und das Einzige, was die Zollbeamtin sagte, war: "Was? Sie haben das Fahrzeug nach Amerika fliegen lassen?" Ich klärte die Dame freundlich auf und im Nu waren wir wieder zurück in den USA. Unserer Ausreise aus New York City stand also nun nichts mehr im Wege. Wir mussten nur noch lächerliche 800 km hinter uns bringen. Die kürzeste Strecke nach Baltimore (wo wir Montag, den 09. Juli 2001, unser Fahrzeug wieder bei der Spedition abgeben mussten) deckt sich zum großen Teil mit einer Route, die wir im letzten Jahr schon einmal in andere Richtung gefahren sind. Deshalb suchten wir uns eine andere Strecke aus, die zudem noch als landschaftlich schön eingestuft werden konnte. Wir folgten ab Buffalo der 400, die kurz vor South Wales in die 16 überging und ab da zum reinen Fahrvergnügen wurde. Sie führt über satte grüne Weiden, die von gesunden, hohen Bäumen eingerahmt werden. Ortschaften wie Holland und Yorkshire reihten sich aneinander und wirkten friedlich und sauber mit ihrem kleinbürgerlichen Charme. Und nur durch Zufall entdeckten wir kurz hinter Delevan das Schild der Arrowhead Campingarea , die versteckt hinter einem Wald liegt. Nach 289 Tageskilometern (+ 58 km in Toronto) und 38511 km insgesamt fanden wir einen schönen Platz unter hohen Ahornbäumen und genossen die Nachmittagssonne.

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Campground
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Karte New York
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Von Delevan zum Patterson SP ( 128 km )

Am 03. Juli 2001 standen wir der Aufgabe gegenüber, in weiteren fünf Tagen die letzten 600 km unserer Reise zu absolvieren, wobei die Schwierigkeit darin bestand, nicht schon zu früh in Baltimore anzukommen. Deshalb wählten wir eine Route, die uns noch einmal direkt durch das Hinterland Pennsylvanias führen sollte. Wir starteten also gegen Mittag (wir ließen uns viel Zeit) in der Arrowhead Camping Area (New York) und fuhren wieder auf die 16 in südliche Richtung. Die Straße führte malerisch an dem Ischua River entlang und durch dichtes Waldgebiet. Bei Olean wechselten wir auf die 417 und dann auf die 44, direkt nach Pennsylvania hinein. Die 44 ist eine nicht stark befahrene Straße, die an niedlichen Häusern mit herrlichen Vorgärten vorberführt, in denen uralte Bäume stehen. Es ist eine ländliche Region, die etwas Beschaulisches hat. Die Orte, durch die wir fuhren, sind bezaubernd und versprühen einen Hauch Nostalgie. Das liegt nicht zuletzt an den viktorianischen Häusern mit ihren hölzernen Veranden und den netten Giebelfenstern. Sie sind fast alle von hohen Bäumen eingerahmt und rundherum liegen üppige Wiesen. Das Land ist überhaupt wie ein grüner Dschungel. Es verfügt über große Laubwälder und nur gelegentlich kommen wir an einem kleinen Feld vorbei, das mit Kohl oder Kürbis bestellt wird. Ortschaften wie Millport oder Coneville sind wahre Schmuckstückchen. Doch Coudersport an der Kreuzung zur 6 übertrifft alle. Ich habe selten solch ein nettes, kleines Städtchen gesehen, das den Charme der guten alten Zeit bewahrt hat und sich nicht von Fast-Food-Restaurants zubetonieren ließ. Die Kreuzung, an der sich die Hauptverkehrsadern treffen, ist der Mittelpunkt des Geschehens und verfügt noch über die alten Klinkerbauten, wie sie Anfang des 19. Jahrhunderts üblich waren. In Coudersport gibt es nicht nur Bürgersteige, sondern zwischen Straße und Bürgersteig liegt sogar ein Grünstreifen, auf dem herrliche Bäume wachse, die die Straße zur Allee werden lassen. Wenn es in Amerika mehr solcher Städte gäbe, dann sähe es um die amerikanische Städtekultur nicht so traurig aus. Doch so etwas findet man leider nur im Nordosten der Vereinigten Staaten. Pennsylvania hat mich schon vor einem Jahr sehr beeindruckt und jetzt bereue ich es ein wenig, dass wir uns nicht länger hier aufgehalten haben. Uns blieben zumindest noch einige wenige Tage. Wir bogen bei Sweden Valley wieder auf die 44 in südöstliche Richtung ab und gelangten somit in denSusquehannock State Forest. Nach 128 Tageskilometern und 38639 km insgesamt plazierten wir unser Fahrzeug auf einem der großzügigen Plätze des Patterson State Parks, einer Grünfläche mit Holzhütten, die eher einem Picknickplatz ähnelt, doch dafür sind wir mit einem älteren Ehepaar die einzigen Gäste und bezahlen müssen wir wahrscheinlich auch nichts.

bilder/wayhome/PattersonSPCG02.jpg
Campground
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Vom Patterson SP zum Raymond B. Winter SP ( 164 km )

Am 05. Juli 2001 durchfuhren wir weiter die Northcentral Mountains, wie diese Waldregion hier in Pennsylvania heißt. Und es ist ein großes Gebiet, was nur selten etwas anderes zu bieten hat als Wald. Wir blieben auf der 44 und stießen in Carter Camp (was seinem Namen alle Ehre macht, da es sich tatsächlich eher um ein Lager handelt und mit einem echten Ort nur wenig gemeinsam hat) auf die 144, deren Verlauf wir in südliche Richtung folgten. Wenige Kilometer danach zweigte wieder die 44 ab und verließ nun endgültig jede Zivilisation. Pennsylvania ist eben grün und gerade jetzt im Juli kann man sich nur schwerlich vorstellen, wieviel Photosynthese hier betrieben wird. Wir absolvierten ein kurzes Stück auf der 220, bevor wir wieder auf die 44 und dann auf die 880 wechselten (man sieht schon: absolutes Hinterland). Wir kamen durch Rauchtown und Carroll und kreuzten die Interstate 80, auf der man von San Francisco bis nach New York City fahren kann, ohne auch nur einmal die Straße verlassen zu müssen. Auf knappen 5000 km die wohl schnellste Verbindung zwischen West- und Ostküste. Diese Vorstellung mutet etwas befremdend an, wenn man mit 50 Stundenkilometern über Waldpisten hoppelt und kaum vorwärts kommt. Dafür sehen wir mehr, nämlich bei Loganton eine Amish-Siedlung und einen Bauern auf einem langen Wagen, der von Gäulen über ein abgeerntetes Weizenfeld gezogen wird. Ganz erstaunlich diese Amish people. Nach 164 Tageskilometern und 38803 km insgesamt kamen wir auf dem Raymond B. Winter State Park an, einem Park, der einen kleinen See einschließt und an dessen Ufer schon etliche Kinder und Familien dem sonnigen Wetter frönen.

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Vom Raymond B. Winter SP nach York ( 188 km )

Am 06. Juli 2001 steuerten wir unseren Camper über die 192 in Richtung Lewisburg, wo wir auf die 15 in südliche Richtung auffuhren. Die 15 läuft kontinuierlich am Susquehanna River entlang, der zeitweilig wie unser Vater Rhein aussieht. Ja, wir sind bald zuhause. Je weiter wir an Harrisburg heran kommen, desto belebter wird der Verkehr. Schließlich ist diese relativ kleine Stadt (im Vergleich zum wesentlich größeren Philadelphia) die Hauptstadt Pennsylvanias. Nach Harrisburg fahren wir auf die Interstate 83 auf und kommen nach 188 Tageskilometern und 38991 km insgesamt auf dem Wal-Mart Parkplatz in York an, nicht ohne vorher zweimal quer durch das nette Städtchen zu brausen. York ist im europäischen Sinne wenigstens eine Stadt (sogar eine recht hübsche). Es gibt einen Stadtkern, ein Rathaus, ein imposantes Gericht und viele nette kleine Kirchen mit echten Glockentürmen. Daran sieht man mal, dass sich der Osten Amerikas den Charme des europäischen Städtebaus bewahrt hat, was definitiv mit der früheren Besiedlung dieses Teils der USA zusammenhängt. Wir frönen allerdings dem modernen, amerikanischen Leben und versinken zum letzten Mal in den Kaufrausch, dem alle Amerikaner unterliegen. Und wo könnte man das besser als bei Wal-Mart. Schließlich kann man dort nach dem aufreibendem Einkauf gleich in seinem Camper übernachten (wenn einen die verrückten Jugendlichen nicht stören, die mitten in der Nacht - 02:00 Uhr - mit quietschenden Reifen über den Parkplatz fahren). Wir sind zu müde, um darüber nachzudenken, dass es unser letzter Haltepunkt vor Ende unserer Reise ist, bevor wir in Millersville bei Baltimore unser Wohnmobil für die Überfahrt präparieren.

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Von York nach Baltimore ( 129 km )

Am 07. Juli hatten wir nur noch wenige Kilometer zurückzulegen. Wir fuhren wieder auf die 83 auf und 10 Meilen vor Baltimore  nahmen wir die Interstate 695, die in einem weiten Bogen um die Stadt herum führt. Am südlichen Ende fuhren wir dann auf die 97 auf, um bei Millersville gleich wieder abzufahren. Erst als wir nach 129 Tageskilometern und 39120 km insgesamt auf die Einfahrt des KOA-Campgrounds zufuhren, erkannten wir die Gegend wieder. Wir sind auf unserer Reise auf so vielen Campgrounds gewesen, dass sie sich mit der Zeit gleichen wie ein Ei dem anderen. Hier genau vor 11 Monaten starteten wir unsere Reise ins Ungewisse. Wir waren aufgeregt und alles war so neu und ungewohnt. Die Straßen sahen anders aus, die Städte auch und man verstand die Worte nicht mehr, die um einen herum gesprochen wurden. Es war alles in allem ein großes Abenteuer, was uns bevorstand. Und jetzt sind wir wieder zurück, nach fast 40.000 km und einer unglaublichen Zeit der Erfahrungen. Ich kann es selbst noch nicht glauben, dass hier alles zu Ende gehen soll. Aber wir freuen uns auch schon auf zuhause. Vielleicht sogar so sehr wie auf den damaligen Reisebeginn. Nur weiß ich jetzt, was mich erwarten wird, denn dort, wo wir hinfahren werden, waren wir schon einmal gewesen. Zuhause.

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