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Cache National Forest,
Utah
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Vom Jasper
NP nach Edmonton ( 348 km )
Heute machten
wir es wahr. Wir schlugen entgültig östliche Richtung ein. Wir
machten uns unwiderruflich auf die lange Heimreise, endlich. Es war ein
Gefühl, als führe man in Urlaub. Wir waren aufgeregt wie an unserem
ersten Reisetag in den USA, obwohl wir bis an die Ostküste noch über
4500 km vor uns hatten. Doch wir machten heute einen Anfang und das wurde
auch langsam Zeit.
Vom Jasper
National Park aus führt der Yellowhead
Highway oder auch die 16 über Hinton
und Edson in Richtung Edmonton .
Die Straße geht durch bewaldete, relativ flache, kaum besiedelte
Gegenden und der Highway selbst ist wohl in der Landschaft - in der sich
Wald, Fluss und See einander abwechseln - die einzige Unregelmäßigkeit.
Eigentlich ändert sich das Bild nicht wesentlich, bis kurz vor Edmonton,
dann nimmt die Bevölkerungsdichte schlagartig zu, genauso wie die
Zahl der Fastfoodketten und der Autowerkstätten. Wir fuhren den Yellowhead
Highway bis kurz vor die Stadt und bogen dann auf die 16A ab, hielten
uns auf der 216 bzw. 2 um bis zum Rainbow
Valley City Campground zu gelangen, wo wir zum zweiten Mal seit Reisebeginn
einen voll besetzten Campingplatz vorfanden. Also mussten wir noch ein
Stückchen weiter raus aus der Stadt und nach 348 Tageskilometern und
33873 km insgesamt kamen wir auf dem Klondike
Valley Campground am südlichen Ende der Stadt an.
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Von Edmonton
zum Elk Island NP ( 79 km )
Die Fahrt aus
Edmonton
über die 16 in den Elk Island National Park erwies sich als
einfache und kurze Strecke. Kaum hatten wir das Getümmel um Edmonton
herum verlassen und befanden uns wieder auf dem autobahnähnlichen
Yellowhead
Highway, kamen wir auch schon im Elk
Island National Park an. Dort quartierten wir uns nach 79 Tageskilometern
(+45 km in Edmonton ) und 33918 km insgesamt auf dem Sandy
Beach Campground ein.
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Vom Elk Island
NP nach Colonsay ( 562 km )
Noch am Vorabend
saßen wir friedlich zusammen und lobten unseren Generator, weil er
momentan - da unsere beiden Batterien (Fahrzeug- wie die Camperbatterie)
langsam, aber sicher ihrem zeitlichen Ende entgegen waberten - einen Sicherheitsaspekt
darstellt, da er bei Totalausfall der Batteriespannung in Nullkommanix
die Batterien trotz Alterungserscheinungen wieder aufgeladen hat. Genau
zu diesem Zeitpunkt geht das Ding unvermittelt aus und hat seitdem keinen
Mucks mehr von sich gegeben. Damit hat er die Vertrauensfrage gleich beantwortet
und er entging nur knapp dem schnellen Tod durch Ertränken. Jetzt
müssen wir doch tatsächlich die letzten Wochen noch auf Strom
aus der Dose verzichten, wenn wir nicht gerade auf einem Luxuscampingplatz
mit Elektrizität stehen. Dass dadurch auch neue Batterien fällig
waren, stand außer Frage. Also fuhren wir - nachdem wir Starthilfe
eines netten Campingkollegen in Anspruch genommen hatten - zurück
auf den Yellowhead Highway (16) in die nächste Stadt (Vegreville
) und deckten uns dort mit zwei Bootsbatterien ein. Damit war die Sache
erst mal erledigt und wir konnten unsere Fahrt nach Osten fortsetzen. Diese
Fahrt wird mir wohl für immer in Erinnerung bleiben, weil ich mich
an kaum etwas außer an Weizenfelder erinnern kann. Ich meine, bis
Lloydminster (das sinniger Weise mit zwei "L" am Anfang geschrieben
wird) beschrieb die Straße - wenn auch nur ansatzweise - manchmal
eine Kurve und das Land war blauäugig gesehen das, was man hügelig
nennen könnte. Die Gegend besteht aus 100% Landwirtschaft und das
bietet für den Antibauern eben nicht viel Sehenswertes. Doch in Saskatchewan
(der Provinz mit dem unaussprechlichen Namen) übertreffen sich die
Landwirte selbst. Hier wird bis zum Horizont (und wahrscheinlich darüber
hinaus) Weizen angebaut, als müsse man hier in Saskatchewan
den Bedarf der ganzen Welt decken. Städte wie N.
Battleford oder Saskatoon sind
das Hässlichste, was Städteabauer jemals zustande gebracht haben.
Obwohl es in Wirklichkeit gar keine Städte sind. Vielmehr handelt
es sich abermals um die Aneinanderreihung wellblechartiger Fastfoodketten
und stinkender Tankstellen, vor denen Traktoren so groß wie Einfamilienhäuser
parken. Und sobald man die Stadt verlassen hat, ist man umgeben von Trilliarden
Quatratkilometern Ackerlands und sonst nichts. Ab und zu fliegt mal eine
Mücke gegen die Windschutzscheibe, oder besser, die Windschutzscheibe
presst sich mit unglaublicher Geschwindigkeit gegen den kleinen Körper
der Mücke. Doch wie man es auch sieht, es bleibt ein herausragender
Moment auf dem Weg durch Saskatchewan und seine Prärie. Nach
unglaublichen 562 Tageskilometern (+ 19 km im Elk Island NP) und
34578 km insgesamt kamen wir auf dem Painted
Rock Campground des Ehepaars Hugh und Marg Kirk in der
Nähe von Colonsay an.
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Von Colonsay
zum Riding Mountain NP ( 534 km )
Von Colonsay
aus ging es über den Yellowhead Highway (16) weiter in Richtung
Osten. Auch mit der Gefahr, dass ich mich wiederhole, Sakatchewan
ist zwar nicht hässlich, aber totlangweilig. Die Felder rings um uns
herum sind zwar alle grün und durch gelegentliche Waldgebietchen aufgelockert,
man kann immer wieder kleine Seen und Tümpel entdecken, auf denen
Enten sich dem Nichtstun widmen, aber das über eine Strecke von mehreren
hundert Kilometern, das grenzt schon an eine Zumutung. Wenn man dann noch
solch ein Glück hat, wie wir es hatten und ununterbrochen durch anhaltenden
Regen fährt, dann kann die Reise durch Mittel-Kanada schon zur Strapaze
werden. Saskatchewan ist um zweidrittel größer als Deutschland
und hat nicht mal eine Million Einwohner, wovon der größte Teil
in den Städten Regina (Hauptstadt)
und Saskatoon lebt. Jetzt kann man sich gut vorstellen wie es ist,
an einem einzigen Acker in einer Länge von 1000 km vorbeizufahren
und alle 200 km durch eine Siedlung mit mehr als 250 Einwohnern durchzukommen.
Da kann eine normale Kuh schon zu einer Sehenswürdigkeit werden, oder
eine Tankstelle als Mekka für vereinsamte Urlauber. Für uns gab
es gerade bei anhaltendem Regen nur ein einziges Ziel: durchhalten und
weiterfahren. In Yorkton bogen wir vom
Yellowhead
Highway auf die 10 ab, die dann ab der Grenze zu Manitoba
zur 5 wurde. Für einen kurzen Moment glaubten wir, dass sich mit der
Provinzgrenze nach Manitoba auch die Landschaft etwas geändert
hätte, doch es blieb beim Einheitsacker und den grünen Feldern.
Nur eins änderte sich. Es regnete noch stärker als in Saskatchewan
. In Dauphin bogen wir dann auf die 10
in nördliche Richtung ab und enterten den Riding
Mountain National Park. Nach 534 Tageskilometern und 35112 km insgesamt
kamen wir auf dem Wasagaming Campground
an. Da der Platz kaum das Foto wert gewesen wäre und meine Kamera
sowieso unter Wasser nicht richtig funktioniert, habe ich auf ein Bild
vom Platz verzichtet (und außerdem habe ich es bei unserem fluchtartigen
Fortkommen vergessen).
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Vom Riding
Mountain NP zum Spruce Woods PP ( 175 km )
Am 15. Juni 2001,
zu einer Zeit im Jahr, wo man glauben könnte, man erfreue sich an
sonnigen Tagen in einer wunderschönen Umgebung, verlassen wir bei
strömendem Regen den Riding Mountain National Park mit der
Hoffnung, ein paar Kilometer weiter im Süden auf freundlicheres Wetter
zu stoßen. Unter Umständen wären wir in dem durchaus erkennbar
schönem Park auch etwas länger geblieben, doch die Wettervorhersage
kündigte auch für die kommenden Tage Weltuntergangsstimmung an.
Was bleibt einem da übrig, als weiter zu fahren und die Hoffnung auf
Wetterbesserung nicht aufzugeben? Wir hielten uns weiter auf der 10 in
RichtungMinnedosa und fuhren kurz vor Brandon
das erste Mal auf den Trans Canadian Highway No.1 in östliche
Richtung auf. Die Spannung und die Abenteuerlust, die unweigerlich bei
uns geweckt wurde, als wir uns vorstellten, dass wir irgendwann einmal
den Trans Canadian Highway durch Kanada fahren würden, ist
längst der nüchternen Erkenntnis gewichen, dass auch der Trans
Canadian Highway nur eine Straße ist, die nicht gerade als Panoramastraße
bezeichnet werden kann. Wir schafften gerade so 25 km, auf denen uns mehrere
Lkws überholten und ein verrückter Radfahrer auf der rechten
Spur den Anhalterdaumen rausstreckte, bevor wir auf die 5 zum Spruce
Woods Provoioncial Park abbogen. Nach 175 Tageskilometern und 35287
km insgesamt kamen wir auf dem schönen Kiche
Manitou Campground bei Nieselregen und Windstärke 12 an.
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Vom Spruce
Woods PP zum Whiteshell PP ( 343 km )
Am 17. Juni 2001
ging es weiter auf unserer Heimreise, nicht ohne ständig das Ziel
vor Augen zu haben. Das mag für manch einen komisch wirken, durch
eins der schönsten Länder zu fahren und das ferne Deutschland
vor Augen zu haben, doch Manitoba hat nur wenig mehr zu bieten als
Saskatchewan
und außerdem sind wir unser Camperleben fast ein bisschen leid. Dass
ich das ausgerechnet jetzt schreibe, wundert mich selbst ein wenig, doch
jetzt ist es raus. Und ich bleibe dabei, wenn man mal den Heimweg angetreten
hat, dann kann der Weg dorthin noch so schön sein (was er bislang
nicht war), dann möchte man ihn so schnell wie möglich hinter
sich bringen. Und kurz gesagt, es reicht ja jetzt auch, oder?! Dass unsere
Reisekasse empfindlich leer ist, kommt noch dazu. Aber wir haben beschlossen,
diesen Kontinent nicht zu verlassen, ohne unsere "Stiefeltern" in Minnesota
zu besuchen, die uns damals in Florida so herzlich umsorgt haben.
Doch auch bis dahin sind es noch ein paar Kilometer. Wir fuhren also aus
den Spruce Woods Provincial Park über die 5 nach Süden
raus, um 15 Kilometer weiter auf die 2 in Richtung Osten abzubiegen. Diese
Route nachWinnipeg war etwas kürzer
als der Highway 1 und kaum befahren, dennoch blieb es ein Weg durch endlose
Ackergebiete und Weidelandschaften. Erst 70 km hinter Winnipeg,
nachdem wir wieder auf den Trans Canadian Highway (1) auffuhren,
wechselte niedriger Wald die Felder ab und wir hatten geographisch gesehen
die Hälfte des Weges zwischen West- und Ostküste hinter uns gebracht.
Kurz vor der Grenze nach Ontario bogen
wir auf die 44 ab und damit in denWhiteshell
Provincial Park. Dieses Natur- und Erholungsgebiet ist ein Traum für
Kanufahrer. Abertausende Seen sind durch kleine Flüsslein miteinander
verbunden und bieten somit die Möglichkeit, sich wochenlang in der
Wildnis herumzutreiben. Diese Art der Naturerkundung gefällt mir immer
besser, da man nicht den schweren Rucksack auf den Schultern tragen muss.
Wir schafften es allerdings nur bis zum nahegelegenen West
Hawk Lake und den gleichnamigen Campground, wo wir nach 343 Tageskilometern
und 35630 km insgesamt unseren Platz bezogen.
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Vom Whiteshell
PP nach Big Falls ( 357 km )
Am 18. Juni 2001
durften wir uns seit längerer Zeit mal wieder über die wunderschöne
Strecke freuen. Es ist wie so oft, dass mit der Staatsgrenze sich auch
die Landschaft ändert. Und als wir über die 17 nach Ontario
einfuhren, sieht auch dieses Mal das Land gleich ganz anders aus. Ontario
ist sowieso das Land der tausend Seen (was definitiv untertrieben ist)
und hat dadurch für den Reisenden besondere Reize zu bieten. Die 17
führt an Kenora vorbei, einem beschaulichen
Städtchen mit traumhaften Blick auf den Lake
of the Woods. Bei besagtem See handelt es sich eher um ein verzweigtes
Wassergewirr, an dem wir uns die nächsten 140 km auf der 71 in Richtung
Süden entlang hangelten. Mal streiften wir die Ufer der vom üppigen
Wald eingefassten Seen so dicht, dass man das Gefühl hat, man führe
mitten in den See hinein, dann wieder verbindet eine Brücke zwei gegenüberliegende
Böschungen, in die eine tiefe Schneise für die Straße geschlagen
wurde. Überall an den Ufern sieht man die kleinen Holzhütten,
manchmal ganze Holzpaläste, von denen immer ein Steg ins Wasser hinausführt,
an dem ein Motorboot liegt. Wer das entsprechende Kleingeld besitzt, parkt
schon mal sein Wasserflugzeug vor der Tür, die wohl eleganteste Fortbewegung
hier im Reich der Tümpel. Es gibt unzählige Inseln auf den Seen
und manche sind so klein, dass gerade mal ein Häuschen darauf Platz
findet. Das ist eine wirkliche Idylle, die zumindest nach viel Entspannung
und relaxtem Lebensrhythmus aussieht.
Wir durchquerten Sioux
Narrows (ohne einen Indianer zu Gesicht zu bekommen), Nestor
Falls und Callper Lake. Dann
fuhren wir auf die 11 in östliche Richtung, um in Fort
Frances über die Grenze nach Amerika zu gelangen. Dieser Grenzübergang
ist ein richtig hässliches Nadelöhr, was einem die Vereinigten
Staaten schon im Vorfeld vermiesen kann. Industrieanlagen prägen das
Bild und etliche Lkws verstopfen die Grenzbrücke. Und zudem stellte
sich heute die finale Frage: Merkt ein amerikanischer Zollbeamter, dass
wir das letzte Mal etwas zu lang in den USA verweilten und wie reagiert
er darauf? Gemerkt hat er es bestimmt, dennoch bekamen wir eine erneute
Aufenthaltsgenehmigung für drei Monate (bis zum 17. September 2001),
womit wir jetzt für alle Zukunft aus dem Schneider sind und erstens
ungehindert aus den Vereinigten Staaten ausfliegen können, und zweitens
nach Wunsch auch wieder einreisen dürfen. Doch unsere Euphorie hielt
sich in Grenzen, denn wir wären auch nicht sehr eingeschnappt gewesen,
wenn sie uns die Einreise verweigert hätten, hatten wir doch eigentlich
genug von den selbstherrlichen Cowboys in elektrischen Einkaufsrollstühlen.
Allerdings hätten wir auch Roger und Ramona nicht in Minnesota
besuchen können und das wäre schon traurig gewesen.
Nachdem wir in International
Falls (recht großspuriger Name für eine siebeneinhalbtausend
Einwohner Stadt) endlich wieder an der Tankstelle Bier kaufen konnten (weil
es in Kanada Alkohol immer nur im Liquorstore zu kaufen gibt) und
unseren Tank mit günstigem Benzin füllten, ging unsere Fahrt
weiter über die 71 in Richtung Süden. An der Landschaft konnte
man nicht direkt erkennen, dass man sich wieder in den USA aufhielt, doch
wir hatten beide ein bisschen das Gefühl, nach Hause zu kommen, oder
zumindest in ein Land zu fahren, das uns recht vertraut ist. Erst drehten
wir um das niedliche Örtchen Littlefork
(Kleine Gabel) noch ein paar Runden, weil wir einen ausgeschilderten Campingplatz
suchten, der urplötzlich vom Erdboden verschluckt wurde, bevor wir
nach 357 Tageskilometern und 35987 km insgesamt, kurz vor Big
Falls , am reißenden Big
Fork River zufällig einen Campingplatz entdeckten, der am Straßenrand
mit einem Schild auf sich aufmerksam machte und nur 10 Dollar kostete;
Wahrscheinlich weil er von Trilliarden von Moskitos in Beschlag genommen
wurde, die uns beim Aussteigen erst mal zeigten, wer dort das Sagen hatte.
Da es gerade regnete (wie so oft in den letzten Tagen), schlossen wir uns
in der Kabine ein und dichteten die Fenstergummis zusätzlich mit Kaugummi
ab. Doch ich brauche nicht zu erwähnen, dass die Biester immer eine
Öffnung finden, durch die sie sich heimlich einschleichen, in einer
dunklen Ecke warten, bis die Nacht einbricht und sich dann über ihre
Opfer hermachen, die dann ihresgleichen am anderen Morgen wutentbrannt
die vollgefressenen Blutsauger jagen und in einem atemberaubenden Kampf
gegen weiße Wände drücken, nicht ohne einen bestialisch
aussehenden roten Fleck zu hinterlassen, der für alle Zeiten als Warnung
für kommende Moskitogenerationen unangetastet bleibt und quasi als
Mahnmal dient. Doch in Wirklichkeit hilft das alles nichts, denn die Sauviehcher
sind einfach in der Überzahl. Wir verbrachten dort wohl eine unserer
unangenehmsten Nächte.
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Von Big Falls
nach Cromwell ( 229 km )
Am 19. Juni 2001
verließen wir fluchtartig den Citypark der nie gesehenen Stadt Big
Falls und fuhren weiter über die 6 nach Norden. Die Straße
führte durch endlose Waldgebiete und ganze Areale von Laubbaumbeständen
litten unter den Fressattacken einer Raupenart, die zur Folge haben, dass
mitten im Frühling nicht ein einziges Blatt an den Bäumen hängt.
Und dieses Bild zog sich über etliche Kilometer hin. Doch es ist eine
periodische Plage, die sich alle fünf bis sieben Jahre wiederholt
und die Bäume nicht absterben lässt. Die 6 führte uns durch
absolut unbesiedeltes Gebiet, und für eine ganze Weile bekamen wir
nur Wald, Wiesen und Seen zu Gesicht. Dann bogen wir auf die 2 in südöstliche
Richtung und kamen durch Grand Rapit,
bevor wir in Floodwood auf die 73 bogen,
um nach Cromwell zu gelangen. Nach 229
Tageskilometern und 36216 km insgesamt kamen wir bei Roger und RamonaHarp
an, die wir im Dezember letzten Jahres in Florida kennengelernt
haben - unsere amerikanischen Stiefeltern.
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Von Cromwell
zum Judge C.R. Magney SP ( 275 km )
Es war verdammt
noch mal einer unserer schlimmsten, wenn nicht sogar der schlimmste
Abschied am 23. Juni 2001. Wir haben auf unserer Tour viele Leute kennengelernt,
mit manchen haben wir einen schönen Abend oder sogar ein paar schöne
Tage verbracht. Viele davon sind unsere Freunde geworden, auch wenn wir
die meisten nicht mehr wiedersehen werden. Doch zu Roger und Ramona
haben wir eine besondere Beziehung aufgebaut. Warum wissen wir selbst nicht,
schließlich sind sie wesentlich älter als wir und wir teilen
nicht gerade viele Hobbys miteinander. Doch sie sind uns dermaßen
ans Herz gewachsen, dass der Abschied aus Cromwell besonders schwer
viel, denn die Harps sind hier in den USA so etwas wie unsere Zieheltern
und die Wahrscheinlichkeit, dass wir sie bald wiedersehen, ist auch nicht
gerade viel besser als bei allen anderen. Deshalb waren die ersten Meilen,
die wieder in Richtung Heimat gingen und eigentlich leicht von der Hand
gehen sollten, überschattet von der Gewissheit, etwas sehr Wertvolles
zurückzulassen. Und uns wurde stärker bewusst als es bisher je
der Fall war, dass man nicht alles haben kann und dass wir uns sicherlich
schon bald wieder nach Roger und Ramona und dem bezaubernden
Stückchen Land, auf dem sie leben, sehnen werden. Doch es half kein
Klagen, wir mussten weiter Richtung Osten, weiter in Richtung New York
City. Wir hielten uns also auf der 210 nach Duluth
und fuhren kurz vorher auf die Interstate 35 auf. Am Nordufer des Lake
Superior wurde die Straße dann zur 61 und gleichzeitig zur Panoramastrecke.
Der Lake Superior ist unglaublich groß, doch wie das bei Dingen
eben so ist, die man nicht wirklich überblicken kann, bleibt das wirkliche
Ausmaß hinter dem Horizont verdeckt. Die Wasseroberfläche war
absolut glatt und ließ ebenfalls nicht auf ein Gewässer schließen,
das in Deutschland fast ein Viertel des gesamten Landes einnehmen würde.
Seine Ufer sind mal von mittelhohen Klippen gesäumt, mal von richtigen
Kieselstränden, an denen viele Wochenendurlauber ihre Kanus und Kajaks
zu Wasser ließen. Wir fuhren immer weiter nordöstlich, kamen
an diversen State Parks und Orten wie Two
Habors, Castle Danger undBeaver
Bay vorbei, bevor wir nach 275 Tageskilometern und 36491 km insgesamt
auf dem Judge C.R. Magney State
Park halt machten und erst mal - nach Tagen des Faulenzens - einen
anständigen Spaziergang absolvierten.
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Vom Judge
C.R. Magney SP zum Sleeping Giant PP ( 199 km )
Am 24. Juni 2001
überquerten wir erneut die Grenze nach Kanada. Immer entlang am Nordufer
des Lake Superior, erreichten wir über die 61 kurz vor Thunder
Bay das Old Fort William,
ein weiteres Freilichtmuseum. Nach dem dortigen Aufenthalt ging es über
die 11 bzw. 17 vorbei an der Thunder Bay durch Silver
Harbour bis zur Sibley Peninsula
, einer Halbinsel, die man über die 587 erreicht und die weitestgehend
vomSleeping Giant Provincial Park
in Anspruch genommen wird. Im dortigen
Lake Marie Louise Campground belegten wir nach 199 Tageskilometern
und 36690 km insgesamt einen Platz direkt am Lake Marie Louise.
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Vom Sleeping
Giant PP zum Rainbow Falls PP ( 199 km )
Am 25. Juni 2001
fuhren wir erst einmal an die Südspitze der Sibley Halbinsel
, um dort entlang des Ufers eine Wanderung zu machen. Das Wetter war ausgezeichnet
und nur die Mücken minderten (wenn überhaupt) das Erlebnis. Nach
unserer kleinen Tour verließen wir den Sleeping Giant Provincial
Park über die lange Zufahrtsstraße 587 und fuhren wieder
auf die 11 bzw. 17 in Richtung Nipigon
auf. Die Straße führt unentwegt an der Küste des Lake
Superior entlang, manchmal mit atemberaubenden Ausblicken auf die vorgelagerten
Inseln und den riesigen See selbst. Wir kamen an den unscheinbaren Orten Dorion, Hurkett
und
Nipigon
vorbei,
bevor wir nach 187 Tageskilometern und 36879 km insgesamt auf dem Rossport
Campground des RainbowFalls
Provincial Parks halt machten. Wir fanden einen schönen Platz
in unmittelbarer Nähe des Wassers und fühlten uns wie am Mittelmeer.
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Vom Rainbow
Falls PP zum Obatanga PP ( 253 km )
Am 26. Juni 2001
wachten wir auf und der noch junge Tag war vom Dunst des großen Lake
Superior eingehüllt. Hier am größten der großen
Seen im Norden Amerikas wechselt das Wetter in rasender Geschwindigkeit,
unabhängig von den Jahreszeiten. Obwohl es beim Verlassen des Rainbow
Falls Provincial Parks noch recht frisch war, war schon nach kurzer
Zeit der Nebel verschwunden und die Sonne heizte die Luft bis zur 30 Grad
Grenze auf. Es wurde schwül und im Auto stieg die Temperatur schnell
an. Wir fuhren weiter auf der 17 gen Osten, an hunderten Seen vorbei, die
so einladend aussahen, dass wir oft kurz davor waren, einfach anzuhalten
und ein Bad zu nehmen. Die ganze Nordküste des Lake Superior
ist ein einziges Seengebiet, umrahmt von unendlich viel Wald. Nichts als
pure Natur und ein Highway mittendurch, der es den Menschen möglich
macht, ihre Güter von einem Ort zum anderen zu transportieren. Doch
auch Ontario ist in seiner Größe kaum vorstellbar und
der Umfang seiner Wälder und Seen ist zumindest für mich Mitteleuropäer
nur
ganz schwer abzuschätzen. Doch ich bin so unglaublich froh darüber.
Froh, dass ich jeden Tag in unserem Auto etliche Kilometer hinter mich
bringe, ohne am Abend eine wesentliche Änderung auf der Karte entdecken
zu können. Froh, dass es an diesem Ort noch so viel Natur gibt, gesunde
Wälder, eiskalte Seen, die sich bis ins endlose nach Norden ziehen.
Wir kratzen gerade mal die Kante dieser riesigen Provinz, ohne einen Hauch
davon zu haben, wieviel Land da oben noch dranhängt und wieviel Tiere
dort oben noch ungestört ihr Dasein fristen. Dieser Platz und vor
allem die intakte Natur wirken geradezu beruhigend auf uns. Und wenn ich
mal weit weg von allem sein möchte und ungestört ein Stück
Freiheit im ursprünglichem Sinne erleben will, dann komme ich hierher
zurück, leih mir ein Kanu und paddle von einem See zum nächsten.
Doch vorerst müssen wir mal nach Hause kommen, bevor wir ans Wiederkommen
denken können. Das taten wir, indem wir auf der 17 blieben und nur
einen kleinen Abstecher nach Marathon machten,
wo wir uns mit frischen Lebensmitteln und frischem Bargeld eindeckten.
Wir kamen am White Lake Provincial
Park vorbei und durchfuhrenWhite River,
bevor wir nach 253 Tageskilometern und 37132 km insgesamt auf dem Campground
des Obatanga Provincial Parks ankamen.
Die Sonne schien, es war schwül und wir ergatterten einen Platz direkt
am Burnfield Lake, mit Blick auf
die wunderschönen Wälder drumherum. Das Wasser verschafft uns
eine willkommene Abkühlung und wir haben wieder einmal ein traumhaftes
Plätzchen auf dieser Erde gefunden.
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Vom Obatanga
PP zum Pancake Bay PP ( 212 km )
Am 27. Juni 2001
war wieder einer dieser Tage, an denen ich unerwarteterweise etwas früher
als üblich aus den Federn hüpfte, um mir einen kanadischen Morgen
aus der Nähe anzuschauen. Doch diesmal tat ich es aus unserer Kabine
und ich stand auch nicht freiwillig auf, sondern wurde unlieb von den Moskitos
aus dem Schlaf geweckt. Doch eigentlich hatte ich gar nicht wirklich geschlafen,
denn diese Viehcher hatten uns die ganze Nacht gequält, bis ich mich
dann in aller Frühe dafür entschlossen hatte, den Biestern eine
eigene Story zu widmen:
Diese verkürzte
Nacht war letztendlich auch ausschlaggebend dafür, dass wir uns überhaupt
weiter auf die Reise begaben, denn eigentlich gefiel uns der Platz im Obatanga
Provincial Park ausgesprochen gut. Doch noch so eine Nacht hätte
ich persönlich nicht durchgestanden. Deshalb fuhren wir wieder auf
die 17 auf, die sich nun an der Ostküste des Lake Superior
entlang schlängelte. Die Landschaft blieb unverändert. Ein einziger
Wald, der nur durch seine Seen Auflockerung erfährt. Doch die Steigerung
von alledem erlebten wir im 1556 Quadratkilometer großen Lake
Superior Provincial Park , in dessen riesigem Gebiet der Wald fast
urwaldartig aussieht. Im Gegensatz zu den meisten Forstgebieten in Kanada
scheint hier der Wald von jeglichen Waldbränden verschont geblieben
zu sein, denn seine Vegetation ist üppig, vielfältig und seine
Bäume sind - wie man unschwer an den verschiedenen Größen
feststellen kann - unterschiedlichen Alters. Das lässt den Park rauh
und ursprünglich wirken. Wir stoppten an zwei Haltepunkten, an der Old
Woman Bay und dem Katherine Cove.
Beides zwei unsagbar schöne Plätze mit Sandstrand am Lake
Superior. Gerade an diesem Tag, an dem die Temperaturen so hoch waren
und es allgemein recht schwül war, fühlten wir uns glatt in eine
tropische Region versetzt. Wir entschieden uns aber, noch ein bisschen
weiter zu fahren und nach 212 Tageskilometern und 37344 km insgesamt kamen
wir auf dem Campground des Pancake
Bay Provincial Parks an und bezogen erneut einen Platz direkt am Lake
Superior . Das Wasser ist hier flach und deshalb etwas wärmer
als an anderen Stränden. Der Sand ist sauber und es wurde noch ein
angenehmer Badetag. Wer hätte das gedacht?
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Vom Pancake
Bay PP nach Spragge ( 262 km )
Am 28. Juni 2001
verließen wir den Pancake Bay Provincial Park und hielten
uns weiterhin auf der 17. In Sault
Ste. Marie frischten wir unsere Vorräte auf und verließen
auch die Ufer des Lake Superior, der seit sechs Tagen ständig
zu unserer Rechten gelegen hatte. Wir dachten kurz daran, uns die Soo
Locks, die enormen Schleusenanlagen der Stadt anzuschauen und vielleicht
mal einen Gang über über die International
Bridge nach Michigan zu machen, doch uns war heute nicht danach.
Also blieben wir auf der 17, die nun eindeutig wieder in östliche
Richtung führte und nach etlichen hundert Kilometern wieder dichter
besiedeltes Gebiet durchquerte. Und damit hatten wir wohl entgültig
den einsamen Teil Kanadas verlassen und drangen definitiv in den Osten
vor, der sich allein durch sein dichteres Straßennetz von den übrigen
Teilen Nordamerikas abhebt. Ab Sault Ste. Marie liegen die Ortschaften
dichter beieinander und ihre berauschenden Einwohnerzahlen von bis über
1500 Einwohnern lassen jedes einzelne Dorf, versetzt in die Region um den
Lake
Superior , als Großstadt erscheinen. Doch die Orte sind alle
recht charakterlos und auch wenn die Landschaft immer noch hübsch
anzusehen ist, ist der Zauber des wilden Ontarios vorüber.
Das heißt nicht, dass es langweilig wäre. Im Gegenteil. Die
dichtere Besiedelung bietet viel Abwechslung fürs Auge, wo man vorher
zum Teil über Hunderte von Kilometern nur Wald gesehen hat. Wir legten
bei Iron Bridge auf einem schönen
Rastplatz eine Pause ein und fühlten uns kurzzeitig an die wunderschönen
Rastanlagen Frankreichs erinnert, die uns auf unseren Reisen durch das
europäische Land immer sehr willkommen waren. Ja, ja, Europa. Aber
bis dahin sind es noch ein paar Tage. Unsere heutige Etappe endete nach
262 Tageskilometer und 37606 km insgesamt in Spragge
auf einem KOA-Campground. Wie immer liegt der schöne Platz
zwischen Highway und Eisenbahnschienen, wo sonst.
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Von Spragge
zum Oastler Lake ( 310 km )
Am 29. Juni 2001
fuhren wir weiter auf der 17 in Richtung Osten und bei Sudburybogen
wir dann auf die 69 in Richtung Süden ab. Die Strecke verlor immer
mehr an Attraktivität, je näher wir uns dem Ballungsraum um Toronto
näherten. Doch auffällig waren die tausenden Autos, die uns entgegen
kamen. Alle fuhren sie in die entgegengesetzte Richtung, als würden
sie vor irgend etwas davon laufen. Erst später wurde uns bewusst,
dass Freitag war und ein ausgesprochen sonniges Wochenende vor der Tür
stand. Tja, wir leben seit fast einem Jahr ohne Wochentage, da kommt es
schon mal vor, dass man von den Menschenmassen überrascht wird. Um
und in Toronto herum leben ca. 4,5 Millionen Menschen, die fahren
an solchen Tagen natürlich raus aufs Land und hinein in die Provincial
Parks. Wir hatten uns entschieden, auf dem Oastler
Lake Provincial Park halt zu machen und konnten von Glück sprechen,
dass wir überhaupt noch einen Platz bekamen. Nach 310 Tageskilometern
und 37916 km insgesamt stellten wir unseren Camper mitten im Wald ab, auf
einem Platz, der garantiert von Moskitos heimgesucht wird und dem Lärm
des Highways und der nahegelegenen Schienentrasse ausgesetzt ist. Es ist
eben nicht jeder Provincial Park gleich ein Paradies.
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