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Ein Reisebericht von Britta und Markus Hachenberger
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Der Südosten
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Der Süden
Teil 4
Der Südwesten
Teil 5
Der Westen
Teil 6
Der Nordwesten
Teil 7
Der Norden
Teil 8
Der Heimweg

 
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file:///C|/CampAmerika/bilder/coloradoplateau/Highway24UtahRoadSandBergeCarview.jpg
Highway 24, Utah


Strecke (von - nach)
Datum
Distanz insg.[km]
Zion NP - Springville / UT
18. Mai 2001
438 km
30456
Springville - Grand Teton NP / WY
19. Mai 2001
583 km
31039
Grand Teton NP - Yellowstone NP / WY
22. Mai 2001
141 km
31243
Yellowstone NP - Helena / MT
25. Mai 2001
354 km
31758
Helena - Glacier NP / MT
26. Mai 2001
351 km
32109
Glacier NP - Waterton Lakes NP / AB
28. Mai 2001
154 km
32263
Waterton Lakes NP - Norbury Lake PP / BC
31. Mai 2001
260 km
32555
Norbury Lake - Kootenay NP / BC
01. Juni 2001
236 km
32791
Kootenay NP - Banff NP / AB
02. Juni 2001
115 km
32906
Banff - Lake Louise / AB
03. Juni 2001
77 km
33022
Lake Louise - Yoho NP / BC
04. Juni 2001
59 km
33081
Yoho NP - Jasper NP / AB
06. Juni 2001
216 km
33359
Jasper NP / AB
07. Juni 2001
103 km
33462

 
Bevor ein großes geographisches Missverständnis entsteht, möchte ich bei der Benennung dieses Teils des Reiseverlaufs ("Der Nordwesten") darauf hinweisen, dass wir hier, wie fälschlicherweise anzunehmen wäre, den äussersten Nordwesten zumindest bei dieser Reise nicht zu Gesicht bekamen. Es handelt sich hierbei im wesentlichen um die US Staaten Washington und Oregon. Aber es steht außer Frage, dass auch Montana, Idaho, Wyoming und die kanadischen Staaten British Columbia und Alberta zum geographischen Nordwesten des Landes gehören. Dass wir zu diesem Zeitpunkt unsere Reise einschränken müssen und sogar ganze Staaten auslassen, erinnert uns schmerzlich daran, dass auch ein ganzes Jahr irgendwann einmal zu Ende geht und besagtem Ende sind wir schon verdammt nahe. Aber mit großer Wahrscheinlichkeit werden die Staaten Oregon und Washington auch von uns bereist werden - nur halt nicht in diesem Jahr.

Vom Zion NP nach Springville ( 438 km )

Am 18. Mai 2001 war es dann so weit. Mit dem Verlassen des Zion National Parks verließen wir auch das Colorado Plateau und damit stießen wir endgültig in nördlichere Gefilde vor. Jedoch machten wir es uns diesmal etwas einfacher und fuhren geradewegs die Interstate 15 in Richtung Salt Lake City. Unser Ziel für den übernächsten Tag sollten die Rocky Mountains sein, die im Mai noch im Frühlingsschlummer liegen und noch nicht von allzu vielen Urlaubern heimgesucht werden. Doch vorher bekam unser Mitsubishi erst mal einen Ölwechsel und ein paar brandneue Schuhe. Wieder mal mussten wir tief in die Tasche greifen, um unser Mobil zu versorgen. Doch der Wal-Mart hat alles brav gemacht, während wir einkaufen waren und deshalb blieben wir auch eine kostenlose Nacht auf dessen Parkplatz stehen. Nach 438 Tageskilometern und 30465 km insgesamt kamen wir bei besagtem Wal-Mart in Springville am Utah Lake an.

bilder/rockies/SpringvilleWalMart.jpg
Campground
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Karte Utah
Karte Utah
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Von Springville zum Grand Teton NP ( 583 km )

Am 19. Mai 2001 legten wir ein enormes Stück Strecke zurück, ohne dass es uns zu sehr an die Substanz ging. Vielleicht lag es daran, dass wir in ein anderes Amerika einfuhren, was sich von dem bisher Gesehenen wieder einmal absolut unterschied. Von Springville ging es erst mal auf der Interstate 15 an Salt Lake City vorbei bis hinter Ogden , wo wir auf die 89 in Richtung Norden auffuhren. Als wir auch Logan passierten und in den Cache National Forest  vordrangen, war uns plötzlich klar, dass sich etwas Wesentliches in unserer Umgebung verändert hatte. Die Vegetation war auf einmal viel üppiger, die Berge rings um uns herum sahen anders aus, nicht mehr so schroff und viel sanfter geformt. Überall wo man hinschaute, sah man Wasser in schnell dahinfließenden Bächen und Flüssen. Sogar der Himmel sah anders aus. Wir befanden uns wirklich auf dem Weg in den Norden des Landes und das konnte man regelrecht spüren. Uns war dieses Gefühl sehr willkommen, und vielleicht fielen uns deshalb die vielen gefahrenen Kilometer nicht so schwer. Und dann standen wir plötzlich oberhalb des Bear Lakes, der zu einer Hälfte in Utah und zur anderen in Idaho liegt. Der See liegt inmitten eines grünen Tales, eingerahmt von bewaldeten Berggipfeln. Auf den Wiesen sprießt millionenfach der Löwenzahn und verwandelt die Fläche in ein gelbes Blütenmeer. Einfache Häuschen stehen von Ackerbaugeräten umringt am Ufer des Sees und meist grast  irgendein Vieh auf der davor liegenden Rasenfläche. Es ist kaum jemand auf der Straße und doch sind die Städtchen wie Garden City (wie passend) und Fish Haven auf Idaho-Seite von sonderbarem Leben erfüllt. Es hat uns am Bear Lake sehr gut gefallen und vielleicht lassen wir uns das nächste Mal mehr Zeit und verweilen dort ein paar Tage. Unsere Reise ging weiter über Paris und Montpelier (wer sich wohl hier niedergelassen hat?) hinein nach Wyoming. Wir durchquerten denBridger-Teton National Forest und  den Caribou National Forest, bevor wir nachJackson kamen. Kurz danach überfuhren wir die Grenze zum Grand Teton National Park und zu unserer Linken erhoben sich die weißen Gipfel rund um den 4197 m hohen Grand Teton. Der Anblick erinnerte uns sofort an die Alpen und das Gefühl, welches sich abrupt einstellte, war durchweg positiv. Ganz im Gegensatz zu unserem Reiseführer empfanden wir nach all den Gesteinswüsten der vorangegangenen Zeit Grand Teton als eine willkommene Abwechslung. Nach sage und schreibe 583 Tageskilometern (absoluter Rekord) und 31039 km insgesamt stellten wir unseren Camper auf Platz 9 des Signal Mountain Campgrounds ab und blickten über den Jackson Lake auf die Teton Range, hinter der gerade die Sonne untergegangen war, was den Abendhimmel in leuchtendes Rot verwandelte.

bilder/rockies/GrandTetonNPSignalMountainCGView.jpg
Campground
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Tagebuch 20.-21. Mai 2001
Karte Wyoming
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Vom Grand Teton NP zum YellowstoneNP ( 141 km )

Am 22. Mai 2001 hatten wir eigentlich nur die Grenze zwischen Teton National Park und Yellowstone National Park zu überqueren, da die beiden Parks nur durch den John D. Rockefeller Jr. National Parkway voneinander getrennt sind. Doch wer die Ausmaße der Wyomingparks nicht kennt, gerät leicht ins Rudern. Denn hier wird im großen Stil Naturschutz betrieben, da kann es schon mal etwas länger dauern, bis man zur nächsten Ansiedlung gelangt. Wir waren zumindest eine ganze Weile unterwegs, bis wir am Yellowstone Lake ankamen und die ersten Häuser erkennen konnten. Zwischen dem Südeingang des National Parks und Grand Village - der ersten Siedlung - liegen alleine schon 35 km. Doch bis dahin ist man gerade mal zu einem Drittel in den Park hinein gefahren. Der Yellowstone National Park ist über 100 km lang und fast so breit. Bei dessen Durchquerung konnten wir die Brandschäden der letzten Jahrzehnte in Augenschein nehmen. Im gesamten Südwesten des Parks stehen quasi nur noch verkohlte Baumstämme wie aufgespießte Zahnstocher in der Gegend herum. Im Unterholz wächst zwar schon die nächste Generation Kiefern heran, doch bis die einen Wald ergeben, gehen mal locker dreißig Jahre ins Land. Wir fuhren den Westloop an den Hauptgeysiren vorbei, nicht ohne am Old Faithful, dem wohl berühmtesten Geysir des Parks, halt zu machen. Nach 141 Tageskilometern (+ 63 km im Teton NP) und 31243 km insgesamt kamen wir auf dem Madison Campground an.

bilder/rockies/YellowstoneNPMadisonCG02.jpg
Campground
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Tagebuch 22.-24. Mai 2001
Karte Wyoming
Karte Wyoming
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Vom Yellowstone NP nach Helena ( 354 km )

Am 25. Mai 2001 versuchten wir den riesigen Yellowstone National Park zu verlassen, doch das war einfacher gesagt als getan, erstreckt er sich doch über mehr als 100 km in Nord-Süd Richtung. Wir schafften es also gerade so bis Mittag Mammoth Hot Springs zu erreichen, die nördlichste Ansiedlung des Parks. Dort gab es dann aber auch noch etliche Heißwasserpools zu bestaunen, die sich terrassenförmig über die Hügel ergießen und dabei faszinierend bunte Ablagerungen schaffen. Doch wenn man mal auf dem Weg ist, dann hält einen kaum noch etwas auf. Jedesmal, wenn wir uns auf eine weitere Etappe unserer Reise begeben, flackert bei uns Beiden das Reisefieber auf, und wir sind leicht erregt und kommen uns vor, als würden wir nun in einen langersehnten Sommerurlaub fahren. Aber es ist ja auch ein bisschen wie in Urlaub fahren, wissen wir meistens am Morgen noch nicht, wo es uns bis zum Abend hintreiben wird. Doch dass dieser Tag uns nach Montana bringen sollte, dass wussten wir sehr wohl. Und wer den Pferdeflüsterer von Nicolas Evans gelesen hat und sich dieses Land als überdimensionale, grüne Hügellandschaft vorgestellt hat - die keinen Anfang und kein Ende hat, auf deren riesigen Weiden unzählige Kühe und Pferde grasen, ein Land, das in etwa die gleiche Fläche wie Deutschland einnimmt, aber nur ungefähr ein hunderstel an Bewohnern aufzuweisen hat -, der hat sich Montana richtig vorgestellt. Hier ist so viel Platz, so viel Raum, dass einem die Lüneburger Heide wie ein Besenschrank vorkommen muss. Und eine Tatsache, an die wir uns immer noch nicht richtig gewöhnt haben, ist, dass man selbst im zivilisiertesten Amerika etliche Kilometer über Land fahren kann, ohne auch nur ansatzweise durch eine nennenswerte Stadt zu kommen. Wir fuhren vom Yellowstone National Park über die 89 in nördliche Richtung bis nach Livingston, bogen dann auf die Interstate 90 gen Westen ab, die sich malerisch durch den Gallatin National Forest schlängelt. Dann bogen wir auf die 287 Nord ab und fuhren Kilometer um Kilometer an endlosen Weizenfeldern vorbei. Wir ließen den Canyon Ferry Lake rechts liegen und kamen nach 354 Tageskilometern (+161 km im Yellowstone NP) und 31758 km insgesamt in Helena, der Hauptstadt Montanas an. Hier versorgten wir uns mal wieder mit dem Notwendigsten bei Herrn Wal und kamen in den Genuss, auf dessen Parkplatz kostenlos übernachten zu können. Nicht dass wir so scharf darauf gewesen wären, jedoch stellt in Helena der Wal-Mart seinen netten Campingfreunden auch einen Stromanschluss zur Verfügung, was wir nur schwerlich abschlagen konnten.

bilder/rockies/HelenaWalMartMitStrom.jpg
Campground
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Karte Montana
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Von Helena zum Glacier NP ( 351 km )

Am 26. Mai 2001 ging es weiter über die endlosen, grünen Weidenhügel Montanas. Tausende schwarze Kühe sahen wir auf überdimensionalen Grasflächen stehen - scheinbar dort völlig in Vergessenheit geraten - aber nur wenige Menschen bekamen wir zu Gesicht. Ich kann es immer noch nicht fassen, wie viel Platz in diesem Land ist, und auch mit der Gefahr, dass ich mich wiederhole, ich muss es einfach los werden: dieses Land ist riesig!
Dennoch kann einem schnell langweilig werden, wenn man nicht gerade ein Kuh-Fan oder absolut vernarrt in grüne Hügel ist. Die Durchquerung Montanas von Wyoming bis fast an die Kanadische Grenze hat uns immerhin 700 km gekostet. Nicht gerade ein Pappenstiel, wenn es darum geht, über eine zu groß geratene Kuhweide zu kurven. Im einzelnen fuhren wir über die Interstate 15 in RichtungGreat Falls , bogen jedoch 50 Meilen vorher auf die 287 ab. In Choteau - dem einzigen nennenswerten Ort, der zudem noch recht hübsch ist - bogen wir auf die 89 in Richtung Glacier National Park ab. Und genau dort kamen auf dem Rising Sun Campground nach 351 Tageskilometern und 32109 km insgesamt an.

bilder/rockies/WatertonGlacierNPRisingSunCG01.jpg
Campground
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Karte Montana
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Vom Glacier NP zum Waterton Lakes NP ( 154 km )

Am 28. Mai 2001 verließen wir den Glacier National Park und damit auch die USA. Nach 8 Monaten und einer Woche und einer zusammenhängenden Fahrleistung von 26339 km überquerten wir die Grenze nach Kanada, hinein in den Waterton Lakes National Park auf kanadischer Seite. Erst einmal mussten wir aus dem Glacier Park auf amerikanischer Seite wieder heraus und kamen über die Strassenkombination 89 und 17 - dem sogenannten Chief Mountain International Highway - nach 74 Tageskilometern und 32182 km insgesamt in Kanada an. Ab dort fuhren wir die 6 und dann über die 5 bis nach Waterton rein. Da unsere Tagesroute relativ kurz ausfiel und wir noch genügend Zeit hatten, fuhren wir noch diverse Parkstraßen ab und genossen die wunderschöne Landschaft. Nach 154 Tageskilometern und 32263 km insgesamt kamen wir auf dem Crandell Campround am Blakiston Creek an.

bilder/rockies/WatertonGlacierNPCrandellCG03.jpg
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Karte Alberta
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Vom Waterton Lakes NP zum Norbury Lakes NP ( 260 km )

Am 31. Mai 2001 stießen wir tiefer in die kanadische Provinz Alberta vor und durften schon nach wenigen Kilometern feststellen, dass die Straßen um die Rocky Mountains herum eine Augenweide sind. Wunderschöne, schneebedeckte Gipfel reihten sich im Osten aneinander, während wir durch grünes Bergland fuhren und die vielen Wildblumen bewunderten. Ab und zu stand eine Holzhütte auf einer Weide und die ganzen Bilder sind sicherlich allesamt Motive tausender Postkarten. Wir nahmen die 6 nach Pincher Creek und bogen kurz danach auf die 3 in Richtung Crowsnest Pass ab. Die Strecke kursiert wirklich unter den schöneren unserer Reise. Kurz hinter dem Pass kamen wir auch schon in die Provinz British Columbia und in Sparwood erledigten wir ein paar Einkäufe. Dann kamen wir über Fernie auf die 93/95 und schlugen wieder nord-westliche Richtung ein. Kurz hinter Wardner ging es dann 15 Kilometer ins Hinterland zum Norbury Lake Provincial Park, in dem wir nach 260 Tageskilometern (+32 km im Waterton NP ) und 32555 km insgesamt erst mal ein erfrischendes Bad nahmen und einen Platz belegten. Das Bad war erstklassig und das Feuerholz wird wieder kostenlos zur Verfügung gestellt. Wieder zwei Pluspunkte zu Gunsten Kanadas.

bilder/rockies/NorburyLakePPCG.jpg
Campground
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Vom Norbury Lake PP zum Kooteney NP ( 236 km )

Am 01. Juni 2001 war so ein richtiger Touristentag. Ich hätte nicht gedacht, dass wir nach so langer Zeit dazu überhaupt noch in der Lage sind. Erst fuhren wir vom Norbury Lake Provincial Park über eine Nebenroute der 93 bzw. 3 nach Fort Steele. Dort gibt es das sogenannte Heritage Fort Steele , das seinen Ursprung Mitte des 19. Jahrhunderts hatte und wie so oft auf Goldfunde in der Region zurück ging. Wir haben schon eine ganze Menge solcher Freilichtmuseen gesehen und Fort Steele rangiert bestimmt unter den besseren. Die Ursache dafür liegt auch immer ein bisschen an der Darbietung, wie die Vereine und Betreiber, die den Laden meistens ehrenamtlich am Laufen halten, das alte Städtchen mit Leben erfüllen und die nicht immer originalen Gebäude liebevoll in Ordnung bringen. So sahen wir in Fort Steele unzählige Helfer in Originalkostümen, die hier einen Kaffee ausschenkten und dort die vielen Möbel abstaubten. Gerade die Werkstätten, wie die Sattlerei oder die Schmiede, wurden wie zu alten Zeiten betrieben und man konnte den Handwerkern beim Werkeln zusehen. Und das ganze Tun spielt sich unter den Berggipfeln der Rocky Mountains ab, was der Stadt einen besonderen Reiz verleiht.
Dann fuhren wir wieder ein Stück zurück bis nach Cranbrook, um dort über die 95A nach Kimberley zu gelangen. Dort sollte angeblich die größte Kuckucksuhr der Welt stehen (die größte derartige Uhr steht natürlich in Wiesbaden), was glatt gelogen ist und nur Touristen anziehen soll. Besonders Deutsche, die schon lange kein Sauerkraut mehr gegessen haben und unbedingt mal wieder ein Warsteiner  vom Fass trinken möchten, sind sehr willkommen. Das war für uns im wahrsten Sinne des Wortes ein gefundenes Fressen. Und ich konnte mich nach 10 Monaten Abstinenz doch noch davon überzeugen, dass deutsches Fassbier das beste Bier auf der Welt ist. Ansonsten erinnert Kimberley ansatzweise an eine kitschige bayerische Kleinstadt, doch noch nicht mal ein blinder Deutscher würde darauf reinfallen. Sie verkaufen halt alles, was bei uns in Deutschland in den Läden liegen bleibt, von der Patrick Lindner CD angefangen bis zu Deutschlandflaggen. Doch das Bier war einsame Spitze.
Zuguterletzt schien uns ein Vollbad in den Radium Hot Springs des Kootenay National Parks gerade recht. Bei angenehmen 39°C ließen wir in der einwandfreien Badeanstalt die einzelnen Körperteile und die Seele baumeln. Das war ein gelungener Abschluss eines echten Touristentages. Auf dem Weg durch faszinierende Berglandschaften, wie sie nur hier in den Rockies zu sehen sind - weil nur hier die Flüsse so wild sind, die Berge so hoch und die Seen so vollkommen in die Wälder hineingepflanzt wurden - sahen wir erst Gemsen am Hang stehen, dann Rehe und danach gleich drei Schwarzbären auf dem Seitenstreifen der Parkstraße grasen. Diesmal waren sie aber auch wirklich schwarz und das Kleine mit seiner Bärenmutter ließ sich überhaupt nicht von uns stören (ob das nun gut für das Tier ist oder nicht). Wir beobachteten die Bären sehr lange und genossen unser Glück. Dass dann der angeblich am 01. Juni geöffnete Mc Leod Meadow Campground doch noch geschlossen hatte, verärgerte uns dann ein wenig. Doch auf dem Gruppenplatz Crooks Meadow ließen uns die jungen Architekten, die den Platz angemietet hatten, nach 236 Tageskilometern und 32791 km insgesamt auf dem Parkplatz übernachten, was aufgrund des hereinbrechenden Donnerwetters keine Nachteile hatte. Letztendlich ging es uns in unserem Camper noch besser als den jungen, im Zelt kampierenden Architekten.

bilder/rockies/FortSteeleMusikpavillion.jpg
Campground
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Vom Kootenay NP zum Banff NP ( 115 km )

Am 02. Juni 2001 ging es auf der 93 weiter in den Kootenay National Park hinein. Leider steckten die Rockies hinter dichten Wolken, was die Sicht und das Erlebnis sehr schmälerte. Wenn man nicht viel weiter als bis zum Waldrand blicken kann, aber weiß, dass sich in dem dichten Weiß ein atemberaubendes Panorama versteckt hält, dann kann das schon frustrierend sein. Doch es muss auch schlechte Tage geben, doch wie so oft regnet es immer zum unpassendsten Moment. Wir sahen also nicht wirklich viel vom Kootenay National Park, und auch als wir abermals die Kontinentale Wasserscheide überquerten und damit zurück nach Alberta und gleichfalls in den Banff National Park kamen, regnete es immer noch und die Aussichten waren ebenso bescheiden. Nach 115 Tageskilometern und 32906 km insgesamt kamen wir am wunderschön gelegenen Two Jack Lakeside Campground an, doch auch hier verhüllten Wolken die eigentliche Pracht.

bilder/rockies/BanffNPTwoJackLakesideCG.jpg
Campground
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Karte Alberta
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Von Banff nach Lake Louise ( 73 km )

Am 03. Juni 2001 hatte sich trostloses Wetter und eine echte, zusammenhängende, deutsche Wolkendecke über die Rocky Mountains gelegt. Wir waren noch nicht einmal in der Stimmung, in diesem feucht nassem Klima mehr als einen obligatorischen Gang entlang des Two Jack Lake und desMinnewanka Lake zu machen. Mehr gab dieser bescheidene Tag einfach nicht her. Also machten wir genau das, was wir unter Umständen Zuhause bei solchem Wetter auch getan hätten. Wir legten uns ins Wasser der Upper Hot Springs in Banff und entspannten uns bei 38°C Wassertemperatur. Dass wir danach zu nicht mehr viel in der Lage waren, liegt auf der Hand. Wir schafften gerade noch 73 Tageskilometer auf demBow Valley Parkway/1A (+43 km in Banff), bis wir nach 33022 km insgesamt auf dem Trailer Campground Lake Louise einen Platz in Anspruch nahmen. Doch auch dort waren wir zu nicht mehr in der Lage, als den grauen Sonntag an uns vorbei ziehen zu lassen. Wieder ein Tag ohne besondere Vorkommnisse. Nachtrag: Es wird an der Registration des Campingplatzes vor Bären gewarnt, und dass man bloß nichts draußen rumliegen lassen soll. Gescheiter wäre es allerdings, wenn vor den vorbeifahrenden Zügen gewarnt würde, denn dann könnte man sich unter Umständen eine schlaflose Nacht für 21C$ sparen. Denn genau gegenüber des Campgrounds ist ein Bahnübergang und wer die Signalhörner der nordamerikanischen Züge noch nicht kennt, wird spätestens auf diesem Campground die beschrankten Bahnübergänge Europas schätzen lernen. Wer glaubt, dass nordamerikanische Züge nachts nicht fahren, oder vielleicht nicht so laut tröten, der hat sich geirrt.

bilder/rockies/BanffNPTransCanadianHighway.jpg
Bild
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Karte Alberta
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Von Lake Louise zum Yoho NP ( 59 km )

Am 04. Juni 2001 erkundschafteten wir in erster Linie die Region um Lake Louise (Stadt). Als erstes fuhren wir zum berühmten Lake Louise (See), dessen umgebendes Bergmassiv ebenfalls in dichten Wolken hing. Von dort machten wir eine Wanderung zum Lake Agnes. Danach fuhren wir auch noch zum Moraine Lake. Wenn man nicht aus dem Auto steigt (weil man keinen Parkplatz bekommt oder einfach nur zu faul ist), kann man die Strecke als Rundkurs von Lake Louise Stadt aus gut in einer dreiviertel Stunde bewältigen. Doch wenn man den Massen entkommen will, muss man zwangsweise die Wanderwege benutzen. Dann fuhren wir über den Highway No. 1, oder auch Trans Canadian Highway, in den Yoho National Park hinein und damit auch wieder nach British Columbia. Zuerst reservierten wir einen Platz auf dem Kicking Horse Campground, der malerisch am Yoho River gelegen ist. Die Tageskilometer erstreckten sich an dem Tag auf ganze 59 km und 33081 km insgesamt. Danach fuhren wir noch die Stichstraße zum Emerald Lake und zur Natural Bridge, bevor wir es uns bei einem Lagerfeuer und einer zünftigen Bohnen-Mahlzeit gut gehen ließen.

bilder/rockies/YohoNPKickingHorseCG02.jpg
Campground
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Vom Yoho NP zum Jasper NP ( 216 km )

Am 06. Juni 2001 verließen wir den Yoho National Park, jedoch nicht ohne vorher die berühmten Takakkaw Falls zu besichtigen. Die 13 km lange Nebenstrecke zu den Wasserfällen hatte erst vor wenigen Tagen eröffnet und wir waren wohl mit die ersten, die sich hier den Anblick von herabstürzendem Wasser antun durften. Doch das einzige herabstürzende Wasser, das wir bewunderten, waren die Regenmassen aus den dunklen Wolken, und so blieb es bei einer Fernbetrachtung aus dem Auto heraus. Erneut waren wir froh, den durchaus eindrucksvollen Wasserfall bereits vor fünf Jahren gesehen zu haben, denn dieses Wetter kann einem die Laune auf Naturwunder durchaus vermiesen. Dann ging es zurück nach Lake Louise und von dort aus über die 93 auf den weltberühmten Icefield Parkway . Lake Louise ist 230 km von Jasper entfernt und dazwischen liegt die Wunderwelt der Rockies. Diese 230 km sind für mich ganz persönlich die schönste Strecke ganz Nordamerikas. Auch wenn er sich für uns nur in Grautönen zeigte, so ist der Icefield Parkway dennoch bei jeder Witterung ein Erlebnis. Wir kamen am zugefrorenen Bow Lake vorbei und schauten uns die kunstvoll geformten Aushöhlungen des Mistaya Canyon an, bevor wir die Grenze zum Jasper National Park überquerten. Und kurz hinter der Parkgrenze liegt auch schon der Athabasca Glacier , auf dem jeder mal gestanden haben sollte, denn lange scheint es ihn nicht mehr zu geben. Danach ging unsere Fahrt weiter in Richtung Norden, immer entlang des Sunwapta Rivers. An den Straßenseiten reiht sich eine Sehenswürdigkeit an die nächste, doch das ganze Tal ist eine einzige Sehenswürdigkeit, eine nicht enden wollende Panoramaroute. Nach 216 Tageskilometern (+62 km im Yoho NP ) und 33359 km insgesamt erreichten wir den Honeymoon Lake Campground am gleichnamigen See und trotzten den Regentropfen mit einem erwachsenen Lagerfeuer, auch wenn wir zeitweilig die Schirme aufspannen mussten.

bilder/rockies/JasperNPHoneymoonLakeCG.jpg
Campground
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Tagebuch 05.-08. Juni 2001
Karte Alberta
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Jasper NP ( 103 km )

Am 07. Juni 2001 ging unsere Entdeckungsreise durch die kanadischen Rockies weiter immer entlang des Icefield Parkways. Am Straßenrand erscheint immer wieder der Athabasca River , den das Schmelzwasser zu einem reißenden, smaragdgrünen Fluss anschwellen ließ. Die gleichnamigen Wasserfälle Athabasca Falls gehören wohl zu den meist fotografierten Wasserfällen in ganz Nordamerika, da sie vor einer wunderschönen Bergsilhouette in verschiedenen Kaskaden den Abhang hinunter stürzen und danach in einem Canyon ausgespülter Pools und Wasserbecken langsam auslaufen. Dann kamen wir nach Jasper, das uns noch gut in Erinnerung war. Welch Glück, denn auch hier regnete es von Zeit zur Zeit und wir beschlossen, dort nur unsere Wäsche zu machen. Danach fuhren wir wohl den schönsten Abschnitt der gesamten Parkstraße, Kootenay , Yoho und Banff mit eingeschlossen. Ab Jasper in nordöstlicher Richtung (nach Edmonton) wird das Tal immer breiter und der Horizont ist gespickt mit atemberaubenden Bergmassiven. Wenn sich dann vor einem noch der Jasper Lake und der Talbot Lake ausbreiten und zwischendrin immer wieder kleinere Inseln schwimmen, auf denen die typischen Fichten wachsen, dann ist das Bild vollkommen, und die Behauptung, der Icefield Parkway sei die schönste Straße Nordamerikas, wird in seinen letzten Kilometern noch mal deutlich unter Beweis gestellt. Nach 103 Tageskilometern und 33462 km insgesamt kamen wir am äußersten Rand des Jasper National Parks auf dem Pocahontas Campground an. Hier in der Nähe gibt es noch einmal heiße Quellen (Miette Hot Springs) und vielleicht kann man ja hier bei besserem Wetter noch mal eine Wanderung unternehmen.

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Campground
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