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Ein Reisebericht von Britta und Markus Hachenberger
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Der Südosten
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Der Süden
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Der Südwesten
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Der Westen
Teil 6
Der Nordwesten
Teil 7
Der Norden
Teil 8
Der Heimweg

 
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file:///C|/CampAmerika/bilder/suedstaaten/LakePontchartainEntranceNO.jpg
Lake Pontchartain, Louisiana


Strecke (von - nach)
Datum
Distanz insg.[km]
Gulf Island NS - New Orleans / LA
22. Dezember 2000
373 km
15512
New Orleans  - Vinton / LA
25. Dezember 2000
504 km
16016
Vinton - Palmetto SP / TX
26. Dezember 2000
495 km
16511
Palmetto SP - Castroville / TX
27. Dezember 2000
163 km
16674
Castroville - Amistad NRA / TX
28. Dezember 2000
270 km
16944
Amistad NRA - Stillwell CG / TX
29. Dezember 2001
362 km
17306
Stillwell CG - Big Bend NP / TX
30. Dezember 2001
92 km
17398
Big Bend NP / TX
31. Dez. - 03. Jan. 2001
568 km
17966
Big Bend NP - Alpine / TX
04. Januar 2001
202 km
18168
Alpine / TX
05.-08. Januar 2001
155 km
18323
Alpine - Guadalupe NP / TX
09. Januar 2001
279 km
18447
Guadalupe NP - Brantley Lake SP / NM
12. Januar 2001
151 km
18598
Brantley Lake SP - Alamogordo / NM
14. Januar 2001
292 km
18882
Alamogordo - City of Rocks SP / NM
17. Januar 2001
281 km
19263
City of Rocks SP - Gila Wilderness Area / NM
18. Januar 2001
119 km
19382

Von der Gulf Island NS nach New Orleans ( 373 km )

Nach fünf Wochen und fünf Tagen verließen wir am 22. Dezember 2000 Florida über die Grenze nach Alabama . Wer hätte gedacht, dass wir uns so lange in Florida aufhalten würden. Jetzt wurde es aber höchste Zeit, dass wir uns noch ein paar andere Staaten anschauten. Also ging es bei Pensacola auf die Interstate 10 nach Alabama. Und hat man mal die Mobile Bay undMobil hinter sich gebracht, ist man auch schon wieder aus Alabama heraus, denn der Staat hat nur etwa 80 km Golfküste. Dann kam Mississippi , dessen Golfküste auch nicht viel länger ist. Um zu verhindern, dass wir durch zwei Staaten Amerikas an einem Tag durchsausen, machten wir inBiloxi halt, die wohl bekannteste Spielermetropole am Golf von Mexico. Im Hotel Beau Rivage geben sich die besten Künstler der ganzen Welt die Klinke in die Hand. So standen für diesen Monat Michael Flatley (Lord of the dance) und The Commodores auf dem Programm. Aber uns lockte vor allem das ausgezeichnete Buffet, welches wir für 10$ pro Nase auskosteten. Man speist zwar umgeben von tausenden Slotmachines und kann vor lauter Gerappel und Gebimmel manchmal kaum sein eigenes Wort verstehen, aber das Essen war erstklassig und die Auswahl unermesslich. Hierfür ist der ansonsten eher noble und teure Schuppen sehr zu empfehlen. Wir haben übrigens keinen Cent in die Automaten eingeworfen. Wir heben uns das für Las Vegas auf. Unsere Fahrt ging dann weiter auf der 10, bis wir auf New Orleans zusteuerten. Die Sonne war am untergehen und als wir den Lake Pontchartain überquerten (Bild ganz oben), der eine letzte Hürde vor the Big Easy darstellt, wussten wir, dass wir Weihnachten mal ganz anders verbringen werden und freuten uns auf die Stadt des Südens. Nach 373 Tageskilometern und 15512 km insgesamt standen wir direkt zwischen einem Güterbahnhof und einer Hauptverkehrsader im Jude Travell Park. Aber es waren nur fünf Meilen bis ins French Quarter, dort wo der Jazz Zuhause ist.

bilder/suedstaaten/FrenchQuarterHousesChartresSt.jpg
Bild
Zum Tagebuch 22.-24. Dezember 2000
Tagebuch 22.-24. Dez. 2000
Karte Louisiana
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Von New Orleans nach Vinton ( 504 km )

Wir waren nicht traurig, am 25. Dezember 2000 the Big Easy zu verlassen, haben wir unseres Erachtens doch das Wesentliche dieser Stadt gesehen, nämlich das French Quarter und die schönen Villen entlang der St. Charles Avenue. Ansonsten ist die Stadt nämlich so hässlich wie fast alle amerikanischen Städte und zudem noch ausgesprochen dreckig. Unsere Fahrt ging die 18 am Mississippi entlang. Dort fuhren wir etliche Kilometer seitlich des Damms, wo nachts zuvor (24. Dez.) noch die Bonfire (Freudenfeuer) gebrannt hatten. Die Strecke wurde vom ADAC in einem seiner Sonderhefte ("Traumstraßen in Nordamerika") empfohlen und wir hätten genauer lesen sollen, denn sie hatte nicht viel zu bieten. Die Straße war schlecht und die angeblich "wie aus dem Ei gepellten Häuschen" glichen eher an die Wand geklatschten Eiern. Sie waren überwiegend in trostlosem Zustand und die Siedlungen erregten tiefstes Mitleid mit ihren Bewohnern. Zudem ist die Region angehäuft mit Chemiefabriken und Zuckerproduktionsstätten, die alle einen ungemein fiesen Geruch in die Luft stießen. Ich weiß nicht so recht, wie man so eine Straße als "Traumstraße" bezeichnen kann. Sicherlich, weil ein paar alte Plantations den Weg säumen, wovon die spektakulärste wahrscheinlich Oak Alley Plantation ist. Da gerade Weihnachten war, konnten wir das Haus leider nicht besichtigen. Doch das besondere an dem Grundstück sind eher die Eichen, nach denen das ganze Anwesen benannt ist und die stehen bekanntlich außerhalb des Hauses. Letztendlich war dieser Anblick das Gegurke auf Lousianas schlechtester Straße allerdings nicht wert. Wir wählten dann die schnelle und schmerzlose Alternative und fuhren bei Baton Rouge wieder auf die Interstate. Diese Strecke war zwar auch nicht besser zu befahren und auch nicht interessanter, jedoch kamen wir um einiges schneller voran. Erst 30 Kilometer hinter Lake Charles bei Vinton checkten wir auf einem KOA-Campground ein. Er liegt wie die meisten seiner Art direkt an der Interstate und die Bahngleise verlaufen auch gerade nebenan, doch in der Werbebroschüre heißt es im ersten Satz: "stay with us in beautiful Cajun Country for a relaxing time among the trees, flowers and birds". Selbst wer kein Englisch kann, weiß, dass das gelogen ist! Wir brachten 504 km hinter uns (Wow!) und waren insgesamt schon 16016 km unterwegs.

bilder/suedstaaten/OakAlleyPlantation.jpg
Bild
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Von Vinton zum Palmetto SP ( 495 km )

Am 26. Dezember 2000 ging unser Weg weiter nach Westen. Schon morgens um 10 Uhr überquerten wir auf der Interstate 10 mit gespannter Erwartung die Grenze nach Texas, aber es war wie immer. Texas sieht auch nicht anders aus wie Alabama, Mississippi und Louisiana, wenn man das auf die Aussicht von der Autobahn aus bezieht. Gleich hinter der Grenze in Beaumont fuhren wir an die Küste nach Port Arthur. Hier soll angeblich Janis Joplin gelebt haben und große Reklameschilder kündigten ein außergewöhnliches Museum an. Doch das Museum blieb eine Fata Morgana, denn wir konnten es nicht finden. Es wurde nirgends mehr erwähnt und die wenigen Menschen auf der Straße kannten das besagte Museum auch nicht. Die ganze Stadt war dermaßen trostlos, dass wir uns gezwungen sahen, die Strecke als Umweg zu verbuchen. Und so fuhren wir auf die 73, welche uns 25 km westwärts wieder auf die Interstate 10 brachte. Das Wetter war grau und kalt, also gar kein schlechter Tag zum Reisen. Wir fuhren durch Houston und machten nur einmal kurz halt, um in einem AAA-Office (amerikanischer ADAC) die wichtigen Campbooks (Campingführer) und weiteres Kartenmaterial zu holen. Das hat auch gereicht. Ansonsten ist Houston nämlich groß, voll und hässlich (zumindest die Außenbezirke). Wir fuhren weiter auf der 10 und dann ging zum wiederholten Male die Welt unter. Dunkle, graue Regenwolken entließen in Eimern ihr gespeichertes Wasser und die Temperatur ging nicht über 3 Grad, gefährlich nahe an der Frostgrenze. Die Leute im AAA-Office warnten uns schon vor Eisregen in New Mexico. Wir standen 10 Minuten auf unserem Platz imPalmetto State Park  bei Luling ca. 35 Meilen vor San Antonio , da hagelte es das erste Mal. Das hätten wir wirklich nicht geglaubt. Alle reden hier von Kälteeinbruch und dass es ungewöhnlich kalt sei. Das tröstet uns aber nicht. Nach allen Temperaturtabellen in sämtlichen Broschüren liegen wir 10-15 Grad unter dem Durchschnitt und draußen gefriert der Regen und lässt sich auch von allen Broschüren dieser Welt nicht davon abhalten. Ich denke nur mit Widerwillen an unseren Amerikaführer, der da schreibt: "Es kann aber auch in Ausnahmefällen schon mal gefrieren." Warum müssen wir bei solchen Ausnahmefällen immer dabei sein? Egal - wir haben Gas bis zum Anschlag und können somit heizen bis in den Juni hinein. Nach 495 Tageskilometern und 16511 km insgesamt schließen wir die Tür unseres Campers und lassen die Kälte und den Regen draußen. Dann ist es meist besonders gemütlich in unserer kleinen Kabine.

bilder/texas/PalmettoSP.jpg
Campground
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Vom Palmetto SP nach Castroville ( 163 km )

Der 27. Dezember 2000 sollte der Stadt San Antonio gewidmet sein. Im Herzen Texas gelegen, lockt sie vor allem mit mexikanischem Flair und mildem Klima. Aber vorher machten wir bei Luling einen Abstecher auf die 90, um uns laut Reiseführer die verzierten und reich geschmückten Ölpumpen anzuschauen. Doch die wenigen Exemplare, deren Aussehen überhaupt einen Blick wert war, konnten nicht über die Stadt Luling hinwegtäuschen, die so dreckig und hässlich ist, dass man sich diesen Anblick eher hätte sparen sollen. Es wird Zeit, dass die amerikanischen Mittelklassestädte eine eigene Story bekommen in: die amerikanische Stadt, ein zerplatzter Traum.

Die amerikanische Stadt

Nachdem wir am gleichen Tag noch San Antonio verlassen hatten, fuhren wir auf der 90 weiter Richtung Westen und stießen eher zufällig auf den Regional Park in Castroville . Die Gegend um San Antonio weist starke deutsche Einflüsse auf. So gibt es zwischen Houston und San Antonio ein FrelsburgSchulenburgWeimarOldenburg und ein Niederwald. Westlich von San Antonio nimmt die Bevölkerungsdichte stark ab und die nur 25 km westlich gelegene Stadt Castroville ist eine elsässische Hochburg mit Steinhäusern und elsässischen Restaurants. Nach 163 Tageskilometern und 16674 km insgesamt fahren wir die Stützen aus und werfen die Heizung in unserem Zuhause an.

bilder/texas/CastrovilleCGFerne.jpg
Campground
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Tagebuch 27. Dezember 2000
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Von Castroville zur Amistad NRA ( 270 km )

Bevor wir am 28. Dezember 2000 starteten, liefen wir nochmal - bei wieder strahlend blauem Himmel, doch nach wie vor frostigen Temperaturen - eine kleine Runde durch den Regional Park Castroville. In der Anlage haben die eingewanderten Elsässer das Elsass mit Steinen auf einer Fußballfeld großen Fläche nachgebildet und an Stelle der Städte verschiedene Bäume gepflanzt. Wir kamen uns vor, als würden wir durch uns gut bekanntes Land streifen und Städtenamen wir Colmar und Wissembourg lösten bei uns Heimatgefühle aus.
Unsere Fahrt ging weiter über die 90 durch HondoSabinal und Uvalde . Der mexikanische Einfluss ist ganz stark zu spüren und kurz hinter San Antonio beginnt wirklich der Westen. So habe ich mir Texas vorgestellt. Ein weites Land und nichts als Kakteen und Sträucher. Auch auf der Karte sieht man, dass die Bevölkerungsdichte stark abnimmt. Wir fuhren Kilometer um Kilometer an riesigen Ranches vorbei, ohne dass auch nur ein Anzeichen von Zivilisation sichtbar war. Dann machten wir bei Brackettville noch einen kleinen Abstecher in die berühmt berüchtigte Westernstadt Alamo Village. Diese künstlich errichtete Kulissenstadt ist heute noch Amerikas größte und meist genutzte Drehstätte für unzählige Cowboyfilme. Ein durchaus lohnenswerter Abstecher. Wir waren noch 31 Meilen von der mexikanischen Grenze entfernt, also gaben wir Gas, um noch vor Einbruch der Nacht in der Amistad National Recreation Area anzukommen. Hier wird der berühmte Rio Grande gestaut, der hier bei Del Rio als riesiges Wasserreservoir dient.
Nach 270 Tageskilometern und 16944 km insgesamt kamen wir im San Petro Campground an und sahen gerade noch die Sonne untergehen.

bilder/texas/AmistadNRASanPedroCG.jpg
Campground
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Tagebuch 28. Dezember 2000
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Von der Amistad NRA zum Stillwell CG ( 362 km )

Am 29. Dezember 2000 sollten wir wirklich den "wilden Westen" kennenlernen. Schon ab San Antonio sieht man keine Palmen mehr, dafür wachsen am Straßenrand die ersten Kakteen. Nach Del Rio an der mexikanischen Grenze nimmt die Zahl der Kakteen rasch zu. Die 90 verläuft wie an der Schnur gezogen in Richtung Westen und neigt bzw. hebt sich nur leicht mit den seichten Hügeln. Es gibt nichts außer Gestein, Sträucher und Himmel. Doch das Ungewöhnlichste ist die Leere. Von Del Rio bis zum nächsten ernstzunehmenden Ort (Sanderson ) sind es nicht weniger als 121 Meilen (fast 200 km). Dazwischen gibt es nichts - nur Landschaft. Und das ist Erlebnis genug, auch wenn wir die Gesteinshügel auf Dauer als etwas langweilig empfanden. Und es ist so gut wie kein Verkehr auf der Straße. Man kann ein wenig nachempfinden, wie sich Cowboys gefühlt haben müssen, als sie vor gerade mal 150 Jahren durch diese Prärie geritten sind, Tage und Nächte, ohne eine Menschenseele zu sehen. Texas ist wirklich groß und das merkt man, wenn man stundenlang durch endloses Land fährt. Und wenn dann plötzlich eine Brücke über einen riesigen Canyon führt, wo der Pecos River in Jahrmillionen eine tiefe Furche gegraben hat, dann wird man buchstäblich von der Naturgewalt überwältigt. Man steht nur noch da und schießt Fotos, auf denen man später zwanzig Mal das gleiche Motiv sieht, den Seminole Canyon .
Bei Marathon (was auch nicht größer ist als der Parkplatz vor unserem heimischen Einkaufszentrum) verließen wir die 90 und nahmen die 385 Richtung Süden. Ab dieser Kreuzung wird die Strecke zum puren Erlebnis. Eine Beschreibung kann der Realität nicht gerecht werden. Wir genossen es in vollen Zügen und 40 Meilen südwärts bogen wir auf die 2627 ab, die uns nach weiteren sieben Meilen zum Stillwell Campground brachte. Nach 362 Tageskilometern und 17306 km insgesamt sind wir am Ende der Welt, zumindest der amerikanischen. Hier betreibt eine alte Dame (mindestens 80 Jahre alt) einen Campground, der jenseits von Gut und Böse im endlosen Nichts gelegen ein paar verrückten Campern ein Zuhause auf Zeit bietet. Nach dem Einchecken fragten wir wie gewohnt, welche Platznummer wir denn hätten, und die alte Dame sagte nur sinngemäß, wir sollten uns einen Platz suchen, falls sie uns bräuchte, würde sie uns schon finden. Hier ist wirklich der Hund begraben, und genau das macht es so unwiderstehlich. Kein Ton ist zu hören, kein Bach, kein Vogel, keine Autos, kein gar nichts! Es ist mucksmäuschenstill. Und ich bin davon überzeugt, dass hier die Uhren langsamer gehen, wenn es überhaupt so etwas wie Zeit gibt?!

bilder/texas/StillwellCG.jpg
Campground
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Vom Stillwell CG zum Big Bend NP ( 92 km )

Am 30. Dezember 2000 drangen wir tief in die Chihuahua-Wüste ein. Diese Landschaft ist wohl von all denen, die wir bisher gesehen haben, die skurrilste. Der steinige Boden ist - so weit das Auge reicht - mit Kakteen übersät und scheint seit Jahren kein Wasser aufgenommen zu haben. Wir kamen über die 385 in den Big Bend National Park und am Eingang machte uns ein Schild darauf aufmerksam, dass der Visitor Center noch 26 Meilen entfernt liegt, 42 Kilometer vom Parkeingang entfernt. Dazwischen eine einzige Gesteinswüste ohne das kleinste Anzeichen von Zivilisation - pure Natur. Nur gelegentlich kam uns mal ein Wohnmobil entgegen. Dann ging es weitere 32 km den Rio Grande Village Drive entlang und am Ende der Straße kamen wir nach 92 Tageskilometern und 17398 km insgesamt direkt in einer Biegung des Rio Grande auf dem gleichnamigen Campground an. Der berühmte Fluss ist 20 Meter weit entfernt und bildet die Mitte der Grenze zu Mexiko.

bilder/texas/BigBendRioGrandeCGvonOben.jpg
Campground
Zum Tagebuch 31. Dez. 2000 - 03. Jan. 2001
Tagebuch 31. Dez. - 03. Jan.
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Big Bend National Park ( 568 km )

Die Zeit vom 31. Dezember 2000 bis zum 03. Januar 2001 verbrachten wir ausschließlich im Big Bend National Park und kamen auf unserer Reise keine einzige Meile vorwärts. Trotzdem hatten wir 568 Kilometer auf unserem Tachometer zu verbuchen und erreichten damit einen Gesamtkilometerstand von 17966. Das lag einerseits an der Off-Road-Tour, die wir im Hinterland des Big Bend unternommen haben. Einhundertachtzig Meilen Off-Road-Strecke durch die Chihuahua-Wüste forderten den Hobby-Geländefahrer heraus. Das war mir mal wieder eine Story wert:

Eine Fahrt durch die Chihiuahua-Wüste

Andererseits waren wir gezwungen, einen Arzt (nichts Dramatisches) aufzusuchen und der war halt 200 Kilometer weit entfernt. Hier im Südwesten Texas sollte man sich immer bewusst sein, dass die Entfernungen groß sind und dass "um die Ecke" nicht weniger als 50 Kilometer bedeuten können. Dass aber der nächste Arzt weiter entfernt sein könnte wie die Strecke Frankfurt - Köln, das hätten wir im Traum nicht geglaubt. Das nächste Mal überlegen wir uns, wo wir unser Häuschen abstellen, aber gewiss nicht 200 Kilometer vom nächsten Arzt entfernt. Das ist wirklich das, was man "das Ende der Welt" nennt.

bilder/texas/BigBendFahrtimPark.jpg
Bild
Zum Tagebuch 31. Dez. 2000 - 03. Jan. 2001
Tagebuch 31. Dez. - 03. Jan.
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Vom Big Bend NP nach Alpine ( 202 km )

Am 04. Januar 2001 verließen wir den Big Bend National Park und steuerten über die 118 das ca. 80 Meilen nördlich gelegene Alpine an. Hier checkten wir dann nach 202 Tageskilometern und 18168 km insgesamt im Lost Alaskan RV Park ein, 100 Meter entfernt vom einzigen Krankenhaus der Umgebung. Zwischen Alpine und Big Bend ist nichts außer Wüste. Der Campground ist ausgezeichnet, zumal er über Internetanschluss und auf Hochglanz polierte Duschen verfügt.

bilder/texas/AlpineLostAlaskanCG02.jpg
Campground
Zum Tagebuch 05. - 08. Januar 2001
Tagebuch 05.-08. Januar 2001
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Alpine ( 155 km )

Vom 05.-08. Januar 2001 verbrachten wir eine gute Zeit in Alpine und brachten nur dadurch ein paar Kilometer zustande, weil wir unseren Hunger und Durst stillen mussten und das nicht ohne die dazu notwendigen Einkäufe möglich gewesen wäre. Also fuhren wir ein dutzend Mal zu Furr's, einem Laden, der seine Vormachtstellung in der Region ausnutzt und sich in Form von überteuerten Preisen erkenntlich zeigt. Aber eigentlich nicht verwundernswert, schließlich ist der nächste Einkaufsmarkt in dieser Grösse mindestens 250 Meilen entfernt. Aber wir besichtigten auch mal die Umgebung (siehe Tagebuch), was zusätzliche 155 Kilometer und 18323 km insgesamt brachte.

bilder/texas/FortDavisMcDonaldObservatoryFerne.jpg
Bild
Zum Tagebuch 05. - 08. Januar 2001
Tagebuch 05.-08. Januar 2001
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Von Alpine zum Guadalupe NP ( 279 km )

Am 09. Januar 2001 verließen wir Alpine, was uns dann durch seine Verschlafenheit und durch sein Hinterweltdarsein doch ein wenig ans Herz gewachsen ist. Von dort aus ging es über die 90 Richtung Marfa und dann weiter durch endloses Texas, vorbei an hunderten Ranches, von denen eigentlich nur der Zaun und manchmal das Eingangstor zu sehen ist. Doch dahinter liegt dann wieder nichts als Farmland und es ist noch nicht einmal eine Hütte, geschweige denn das Farmhaus selbst zu erspähen. Diese Strecke durch den Westen Texas ist eine absolut einsame Reise. Nur selten kommt einem ein Auto entgegen und dann passiert wieder 30 Minuten gar nichts. Und als wir mit keiner größeren Überraschung rechneten, begegnete uns inmitten der endlosen Prärie ein Skilangläufer beim Training auf Skates (Rollschuhen). Wir wissen zwar bis heute nicht, ob er jemals irgendwo angekommen ist, doch die Kuriosität dieses Anblicks wird uns wahrscheinlich immer in Erinnerung bleiben. Als wir dann nach Valentine kamen, einem Ort, der sicherlich auf kaum einer Karte verzeichnet ist, holte uns die Vergangenheit wieder ein. Das 200 Seelendorf hatte seine Blütezeit wohl in den Fünfzigern und seitdem hat sich da auch nicht mehr viel getan. Die Häuser verwahrlosen am Straßenrand und wir wünschen nur, dass darin niemand mehr leben muss. Autofracks verrotten in den Vorgärten und die Tankstelle, bestehend aus zwei Zapfsäulen, erzählt von einer vergangenen Zeit, als die Cowboys noch auf ein Bier herein kamen und die Mädels noch Petticoats trugen. Aber das Leben ist längst in die großen Städte gezogen und Valentine - so romantisch der Ortsname auch klingt - ist dem Untergang gewidmet. Jetzt dauert es nicht mehr lange, bis dieses Dorf den vielen anderen Geisterstädten Konkurrenz machen kann. Sein Äußerliches kommt dem schon recht nahe.
Wir fuhren weiter auf der 90, jetzt nördliche Richtung und kreuzten bei Van Horn die Interstate 10. Hier stehen die großen LKW's an der Tankstelle und sind der pure Beweis, dass es über die 10 zurück in die Zivilisation geht. Doch wir blieben auf unserer Nordroute auf der 54. Kurz vor Erreichen des Guadalupe National Parks erhebt sich vor uns der El Capitan , mit 2464 Metern eine der höchsten Erhebungen in Texas. Nach 279 Tageskilometern und 18447 km insgesamt kamen wir am Visitor Center des Parks an, dem gegenüber - direkt im Schatten der Guadalupe Mountains - der Pine Springs Campground liegt.

bilder/texas/GuadalupeNPPineSpringCG03.jpg
Campground
Zum Tagebuch 10.-11. Januar 2001
Tagebuch 10.-11. Januar 2001
Karte Texas
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Vom Guadalupe NP zum Brantley Lake SP ( 151 km )

Am 12. Januar 2001, nach zweieinhalb Wochen Texas pur, kamen wir über die 180/62 nachNew Mexico direkt zum Carlsbad Caverns National Park . Im Gegensatz zu den Höhlengängen von Mammoth Cave in Kentucky sind die Höhlen bei Carlsbad mit ihren 30 Meilen Ausdehnung geradezu lächerlich klein, wenn man die Länge der Höhlengänge als Maß nimmt. Aber in puncto Höhlengröße rangiert z.B. der Big Room in Carlsbad, in dem 14 Fussballfelder Platz fänden, unter den neun größten Höhlen der Welt. Auch die Skulpturen und Gesteinsgebilde sind gegenüber Mammoth Cave atemberaubend schön und wesentlich spektakulärer. Mehr davon im Tagebuch. Nach drei Stunden Höhlenerforschung fuhren wir weiter auf der 180 Richtung Carlsbad. Dort kauften wir den halben Wal-Mart auf und bogen auf die 285 Richtung Roswell ab, um nach 151 Tageskilometern und 18598 km insgesamt im Brantley Lake State Park anzukommen.

bilder/newmexico/BrantleyLakeSPCG.jpg
Campground
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Tagebuch 12. Januar 2001
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Vom Brantley Lake SP nach Alamogordo ( 292 km )

Am 14. Januar 2001 ging unsere Reise weiter auf der 285 in Richtung Artesia, dort bogen wir auf der 82 in Richtung Westen ab und durchquerten langweilige Wüste. Ab dem Örtchen Elk - welches kaum ins Auge fällt, da es höchstens aus drei Häusern besteht - steigt die 82 plötzlich steil in den Lincoln National Forest an und auf einmal stehen am Straßenrand dichte Kiefernwälder und üppige Vegetation. Die Straße steigt und steigt, und als wir schon das Gefühl hatten, wir befänden uns in den höchsten Alpen, stießen wir unverhofft auf die ersten Skilifte und es wunderte uns kaum noch, dass auch wirklich Schnee lag. Nicht viel, aber genug, um an einem sonnigen Sonntag den Gummireifen aus der Garage zu holen und darauf den Hang hinunter zu rodeln, was auch genügend Leute taten. Wir nahmen es mit Fassung und fuhren an der Westseite des Waldes den Berg wieder hinunter. Und vielleicht 10 km von den Schneepisten entfernt öffnete sich hinter einem Tunnel ein Canyon und gab den Blick frei ins Tularosa Basin, in dem man die White Sands liegen sah, eine Sanddünenwüste inmitten ansonsten alpiner Landschaft. Darauf werden wir uns nun in Zukunft häufiger einstellen müssen. Hier wechseln sich Wüste und Berge so schnell ab, dass die Umstellung schwer fällt. Soeben waren wir noch auf 2500 Metern und sahen den Menschen beim Rodeln zu und innerhalb einer Stunde stehen wir wieder im Tal auf einer Sanddüne, die genauso auch in der Sahara zu finden wäre. Da kommt bestimmt keine Langweile auf. Im Tal fuhren wir nach Alamogordo, eine typisch amerikanische Stadt. Ein Flachbau neben dem nächsten und ohne dass sich auch nur ansatzweise ein Ende dieser Ansiedlung abzeichnet, verläuft die Hauptstraße schnurgerade durch den Tankstellen- und Fastfoodjungle. Wir fuhren direkt zum Visitor Center des White Sands National Monuments, um den dortigen Dokumentarfilm zu sehen, der uns einen ersten Eindruck von der Entstehung der Sandwüste gab. Doch eine Expedition in die Dünenlandschaft starteten wir nicht mehr am gleichen Tag. Zurück in Alamogordo checkten wir im Alamogordo KOA ein, dessen Besitzer 17 Jahre lang in Frankfurt am Flughafen gearbeitet hat. Er freute sich, endlich mal wieder Deutsch sprechen zu können und ließ uns nur ungern wieder gehen. Doch wir waren müde von der Fahrt und wollten in unserer Kabine die Füße hochlegen. Und nach 292 Tageskilometern und 18882 km insgesamt taten wir das dann auch. 

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Von Alamogordo zum City of Rocks SP ( 281 km )

Wir verließen am 17. Januar 2001 die Region um die White Sands und steuerten auf der 70 gen Las Cruses. Dort absolvierten wir wieder einmal ein paar Interstate Kilometer (Interstate 10), bogen aber bei Deming wieder auf die 180 nördlicher Richtung ab. Es wurde auch höchste Zeit, denn der Schneesturm wurde immer dichter und das Fahren immer anstrengender. Ja, vom Himmel fielen dicke Schneeflocken, die sogar liegen blieben. Wir wundern uns schon gar nicht mehr, haben wir uns doch schon längst damit abgefunden, dass wir hier in New Mexico den Winter erleben werden, auf den wir in Deutschland Jahre lang gewartet haben: Viel Kälte und viel Schnee. Aber es hält uns nichts davon ab, auf die 61 abzubiegen und im City of Rocks State Park unser Lager aufzuschlagen. Wir fahren über den letzten Hügel, als unser Blick auf einen Steinhaufen fällt, dessen obskure Felsanordnung wie von Menschhand errichtet anmutet. Mitten in der baumlosen Gesteinswüste stehen plötzlich ungefähr 200 Gesteinsbrocken herum, die jedem Spielparadies für Kinder Konkurrenz machen könnten. Und die Stateparkorganisation hat hier einen im wahrsten Sinne des Wortes abenteuerlichen Campground geschaffen. Im Schutze der hohen Felsen und meist unter niedrigen Bäumen sind die Stellplätze liebevoll an die Natur angepasst. Es gibt einen Tisch und die obligatorische Feuerstelle. Ein echtes Highlight in puncto Campground. Leider schneit es unentwegt und die Heizung läuft auf vollen Touren, sodass an ein "draußen herumlaufen" nicht zu denken ist. Aber trotzdem ist es ein unglaublicher Anblick, auch wenn wir es gerne wärmer hätten. Nach 281 Tageskilometern (+ 100 km in Alamogordo und den White Sands) und 19263 km insgesamt kochten wir uns einen Kakao und stellten uns auf eine gemütliche Winternacht in unserem engen Zuhause ein.

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Campground
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Vom City of Rocks SP zur Gila Wilderness Area ( 119 km )

Nach einem ausgedehnten Spaziergang am 18. Januar 2001 bei gerade mal -7°C (Rekord bis jetzt) verließen wir die City of Rocks wieder, obwohl wir bei wärmeren Temperaturen sicherlich noch länger geblieben wären. Nachdem es einen Tag zuvor fast ausschließlich geschneit hatte, wovon allerdings nur ein Bruchteil liegen blieb, schien an diesem Tag wieder die Sonne, als wäre sie nie von Wolken verdeckt gewesen. Das Morgenlicht fiel auf die steinernen Zeugen einer vergangenen Zeit und diese warfen einen langen Schatten auf das im Schnee versunkene Wüstengras. Die Luft war klar und sauber und nur vereinzelt flatterte zwitschernd ein kleiner Vogel zwischen den groben Felsen daher. Auch die Winterzeit hat etwas Wunderschönes - es ist anders, aber trotzdem schön.
Wir blieben auf der 61 und tauchten immer tiefer in den Gila National Forest ein. Wir wechselten auf die 35 und dann auf die 15 und überquerten die Grenze zur Gila Wilderness Area. In Serpentinen schlängelt sich die enge Straße abwechselnd vorbei an steinernen Felshängen und durch Kiefernwälder. Die Straße geht auf und ab, windet sich in engen Kurven und erreicht sogar 2200 Höhenmeter. Nach jeder zweiten Kurve kann man hinab ins Tal schauen und erhascht somit einen eindrucksvollen Blick auf verschneite Berghänge und klippenartige Gesteinsformationen (wie man sie aus Wildwestfilmen kennt). Nach 119 Tageskilometern und 19382 km insgesamt kamen wir am Gila Cliff Dwellings National Monument an. Wir stellten unseren Camper auf dem Upper Scorpion Campground ab und freuten uns darüber, dass er trotz Toiletten und Wasserversorgung keinen Pfennig kostet. Und seit über einem Monat machten wir in der wärmenden Nachmittagssonne wieder mal ein Lagerfeuerchen - es wurde auch langsam Zeit.

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Campground
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