Tagebuch
Reiseverlauf
Gesamtkarte
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Als Teil
dieser Gesellschaft ist jeder Mensch irgendwie eingebunden in die täglichen
Routinen des Lebens. Man tröstet sich mit den wenigen Wochen Urlaub
die man hat und den Rest der Zeit, verbringt man mit der Sicherstellung
seines Lebensstandards. Nur der Gewinn in einer Lotterie könnte einen
aus dieser Mühle rausholen, doch wahrscheinlich schaffen es die meisten
auch dann nicht ihrem Leben einen anderen Rhythmus zu geben. Dabei spielt
Geld eine absolute Nebenrolle bei der Gestaltung unseres Lebens. Geld dient
nur der Ausstattung, der Sicherheit und dem Trugschluss alles haben zu
müssen.
Aber warum wollen
viele raus aus dieser ominösen Mühle? Sind wir denn alle so unzufrieden
mit unserer Situation, dass nur noch der Ausstieg oder der Lotteriegewinn
helfen können? Mit Sicherheit nicht. Aber mit Sicherheit ermöglicht
der Abstand zu den Dingen die man sonst so am Hals hat, einen unverfälschten
Blick auf sein eigenes Tun. Erst aus der Entfernung erkennt man die Mauern,
gegen die man seit geraumer Zeit anläuft. Es werden auch Dinge und
Regungen sichtbar, von dessen Existenz man gar nichts wusste. Und umso
weiter und länger man sich von dem Alltag entfernt, desto klarer scheint
dieser Blick zu werden. Erst wenn man raus ist aus seiner gewohnten Umgebung
und man sein vorheriges Leben nur noch in seinen Erinnerungen aufbewahrt,
dann erschliesst sich einem der ganze Unfug den man sonst so getrieben
hat und die Dinge, die einem wichtig sind, treten immer wieder in den Vordergrund.
Den Abstand gewinnt
man nicht, wenn man drei Wochen in die Schweiz fährt. Selbst neun
Wochen in Indien wären nichts weiter als ein ungewöhnlich langer
Urlaub. Erst wenn man mindestens ein viertel Jahr von Zuhause weg ist und
ein ganz anderen Lebensrhythmus hat, erst dann öffnet sich einem sein
eigenes Leben wie ein Buch in dem man nach belieben blättern kann.
Umso länger der Ausstieg, desto dicker das Buch. Auch wenn dabei raus
kommt, dass man mit dem Grossteil seiner Lebensgestaltung überaus
zufrieden ist, so ist die Erkenntnis dennoch unbezahlbar. Aber die Wirklichkeit
ist noch viel intensiver als man sich das auch nur im geringsten vorstellen
kann. Jeder sollte in seinem Leben einmal, vielleicht auch öfter,
aussteigen, um sich in aller Ruhe sein eigenes Leben vor Augen zu führen.
Die Erfahrung ist so frappierend, dass man sich zwangsläufig fragt,
warum man das nicht vorher gesehen oder gespürt hat. Und der Erholungswert
ist mehr als ein "auf die faule Haut legen". Es ist ein regelrechtes "Auftanken".
Man kommt zurück und man hat das Gefühl, man könnte Bäume
ausreissen. Und man kann sie ausreissen. Der Blick für das wesentliche
ist geschärft und man trifft mit fester Hand Entscheidungen, die einen
seinen Zielen näher bringt. Man erkennt seine eigenen Wünsche,
unbeeinflusst von allen gesellschaftlichen Zwängen. Das alles erfährt
man, wenn man auf grosse Reise geht.
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